Article

Glasfaser Studie 2022

Stationäres und Fixed Wireless Breitband aus Sicht deutscher Konsumenten 

Nach Jahren zögerlicher Expansion nimmt der High-Speed-Internet-Ausbau in Deutschland an Fahrt auf. Die etablierten Netzbetreiber steigern ihr Engagement deutlich und neue Akteure betreten den Markt, nicht zuletzt befördert durch den bemerkenswerten Zufluss von Investorengeldern. Zusätzlich zu schnellen Glasfaser-Anschlüssen etablieren sich mit 5G und Fixed Wireless Access interessante Alternativen. Der Deloitte „Broadband Consumer Survey 2022“ untersucht die Ursachen, analysiert die Nachfrage von Seiten der Konsumenten und zeigt Handlungsfelder für Netzbetreiber auf.

Die kommunizierten Ausbauziele der Netzbetreiber zeigen das aktuelle Engagement: Bis 2028 sollen 44 Millionen Haushalte einen Glasfaser-Anschluss (FTTH) besitzen – bei derzeit 41 Millionen Haushalten in Deutschland. Die Anbieterseite hat damit ehrgeizige Ziele. Doch wie sehen es die Konsumenten: Sind sie noch zufrieden mit ihrem bestehenden Internetanschluss? Stehen Bedenken einem möglichen Wechsel in die neuen Netze im Weg? Die zweite Ausgabe der Deloitte Breitbandstudie, für die im April 2022 in einer repräsentativen Online-Erhebung 2.000 Konsumenten befragt wurden, untersucht genau diese Fragen und liefert deutlich positivere Ergebnisse als noch im Vorjahr. 

Status quo: Hohe Zufriedenheit trotz geringer Geschwindigkeiten

Eine hohe Internet-Stabilität ist für 94 Prozent der Konsumenten in Deutschland wichtig – kein Wunder, ist das Internet doch Voraussetzung für Remote Work, Homeschooling, Streamingdienste und die Kommunikation mit Freunden und Familie. Dass die dafür benötigte Bandbreite mit immer mehr Endgeräten und Diensten stetig wächst, hat aber nur zu einem leichten Anstieg von Anschlüssen über 100 Mbit/s geführt. 41 Prozent der Befragten verfügen über derartige Anschlüsse (Vorjahr: 34%). Geschwindigkeiten oberhalb von 500 Mbit/s haben nur 11 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 8 Prozent.

Die geringe Wechselquote ist eine Folge der hohen Zufriedenheit mit dem jeweils aktuellen Anschluss. So sind aktuell 71 Prozent der Befragten „sehr zufrieden“ oder „eher zufrieden“ (Vorjahr: 73%). Betrachtet man die Zufriedenheit je nach Anschlusstechnologie, ergeben sich deutliche Unterschiede: Unter den „sehr zufriedenen“ Befragten liegen Glasfaser-Kunden mit 32 Prozent vorn, gefolgt von Mobilfunk-Kunden mit 30 Prozent; bei Kabelanschlüssen sind es dagegen nur 18 Prozent. 

Stabilität der Internet-Verbindung ausbaufähig

„Stabiles Internet im ganzen Haus zu einem attraktiven Preis“ – diesen Wunsch hegen die meisten Internet-Nutzer. Aber an der Stabilität der bestehenden Netze hapert es noch: Drei von zehn Befragten haben mindestens einmal pro Monat ein Problem mit dem Internet, 12 Prozent sogar einmal pro Woche. Hier ist auch im Vergleich zum Vorjahr keine nennenswerte Verbesserung erkennbar. Gemessen an der Ausfallswahrscheinlichkeit bei Strom- oder Wasserversorgung in Deutschland ist die Zuverlässigkeit der Breitbandanschlüsse damit ausbaufähig.

Die häufigsten Probleme sind instabile Verbindungen und schlechter Empfang in einigen Räumen. Zu geringe Geschwindigkeiten im Down- und Upload stehen lediglich an vierter und fünfter Stelle der Nutzerbefragung. Über zu geringere Download-Geschwindigkeiten hatten 2021 noch 17 Prozent geklagt, jetzt sind es nur noch 12 Prozent. Auch der Service-Level hat sich verbessert, nur noch 6 Prozent nennen den Kundenservice als ein Problem (Vorjahr: 8%). 

Wünsche an das Internet der Zukunft

Wenn Kunden die freie Wahl hätten, welche Internet-Geschwindigkeit sie gerne beziehen möchten, würden insgesamt 32 Prozent noch 50 oder 100 Mbit/s wählen, nur 12 Prozent würden sich für 1 Gbit/s oder mehr entscheiden. 

Die gute Nachricht für Anbieter ist aber, dass sieben von zehn Befragten geneigt sind, mehr für ihren Wunschanschluss zu bezahlen. 38 Prozent würden sogar über zehn Euro mehr pro Monat ausgeben, um ihren Wunsch-Internet-Zugang zu erhalten. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind dabei marginal. Lediglich 26% würden keinen Cent mehr für höheren Geschwindigkeiten bezahlen wollen. 

Eine große Hürde beim Wechsel zu einer schnelleren Breitbandverbindung ist – neben der aktuellen Zufriedenheit mit dem Status quo und dem zu erwartenden höheren Preis – vor allem die Sorge vor Problemen beim Wechsel in die neuen Netze. Hier nennen die Konsumenten den temporären Ausfall des Internets, Mühen bei der Installation, ein ausfallendes Heimnetz und einen schwer erreichbaren Kundendienst als Befürchtungen. Mit nötigen Bauarbeiten bei der Installation von Glasfaser haben aber nur 13 Prozent der Befragten ein Problem. 

Fixed Wireless Access rückt ins Bewusstsein

Der schnelle Internet-Anschluss übers Mobilfunknetz (FWA, Fixed Wireless Access) wird für immer mehr Verbraucher attraktiv. Mehr als jeder Vierte könnte sich den Umstieg auf diese Technik vorstellen, wenn sie schnell und ausfallsicher ist. Bei jungen Konsumenten liegt die Zustimmung sogar bei fast 60 Prozent. Bemerkenswert ist, wie schnell sich hier ein Sinneswandel vollzogen hat: Im Vergleich zum Vorjahres-Survey ist innerhalb von nur zwölf Monaten der Anteil der an FWA interessierten Befragten um bemerkenswerte vier Prozentpunkte gestiegen, während das Kontingent der skeptisch eingestellten Konsumenten um sechs Prozentpunkte abgenommen hat. Diese Alternative zu den etablierten Anschlusstechnologien birgt also für Anbieter noch erhebliches Potenzial.

Handlungsempfehlungen für Anbieter

Die Situation ist alles andere als eindeutig. Trotz eher geringer Geschwindigkeiten und verbreiteter Probleme ist die Zufriedenheit der Konsumenten in Deutschland relativ hoch und der Wunsch nach höheren Bandbreiten nicht sehr ausgeprägt. Die Studie zeigt aber zugleich: Die Bereitschaft, für schnellere Leitungen mehr Geld auszugeben, ist vorhanden, selbst wenn dafür Baumaßnahmen nötig sind. Daraus lassen sich sieben Handlungsfelder für Anbieter ableiten:

1. Kundenwunsch nach mehr Stabilität

Stabilität ist für 94% der Befragten sehr wichtig und zahlreiche Nutzer bemängeln die fehlende Stabilität bestehender Anschlüsse. Netzbetreiber sollten dies aktiv aufgreifen, um über Service-Versprechen Kunden zum Wechsel in die neuen Netze zu motivieren.

2. Geschwindigkeit ist nicht das Top-Thema: 

Stabilität ist Verbrauchern wichtiger als hohe Geschwindigkeit. Anbieter sollten daher die höhere Zuverlässigkeit der neuen Netze in den Mittelpunkt ihrer Breitband-Vermarktung stellen.

3. Aktive Vermarktung notwendig

Bei vielen Konsumenten ist der Wunsch, auf Glasfaser zu wechseln, noch nicht vorhanden. Hier empfiehlt sich eine strategische Vermarktungsplanung, die auch weniger bekannte positive Aspekte, wie etwa den geringen Stromverbrauch von Glasfaser, thematisiert.

4. Wechselbefürchtungen entkräften

Viele Konsumenten befürchten Probleme beim Wechsel zu einem neuen Anbieter. Hier können Wechselservices und Angebote einer zeitlich befristeten parallelen Nutzung alter und neuer Strukturen diese Befürchtungen abbauen.

5. Vorzüge hoher Bandbreite besser kommunizieren

Die Vorteile einer höheren Geschwindigkeit erschließen sich vielen Kunden nicht von allein. Den Mehrwert sollten Anbieter anhand konkreter Use Cases kommunizieren.

6. Zahlungsbereitschaft nutzen

Es gibt eine deutliche Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für Glasfaser und FWA/5G. Netzbetreiber sollten diese als exklusive Produkte platzieren und vermarkten. 

7. Fixed Wireless Access promoten

Internet über schnellen 5G-Mobilfunk ist vielen Konsumenten kaum bekannt. Anbieter sollten hier aufklären und FWA als echte High-Speed-Alternative positionieren.