Article

KI-Studie 2019: Wie nutzen Unternehmen Künstliche Intelligenz?

KI-relevante Technologien, Strategien, Skills & Herausforderungen in der Praxis

Artificial Intelligence hat das Potenzial, interne und externe Prozesse in allen Unternehmensbereichen nachhaltig zu verändern. Sie hat sich damit als ein zentrales Trendthema der globalen Technologieindustrie etabliert. Doch welche AI-Technologien setzen die Unternehmen aktuell bereits ein? Welche Strategien zur Implementierung verfolgen sie? Und wo sehen sie die größten Herausforderungen? Deloitte hat für die KI-Studie 2019 weltweit AI-Verantwortliche befragt, darunter 100 Entscheider aus deutschen Unternehmen.

Im Rahmen der Studie „State of AI in the Enterprise Survey 2019“ von Deloitte gaben weltweit AI-Experten Einblick in den aktuellen Stand der Entwicklung Künstlicher Intelligenz in ihren Unternehmen. In Deutschland wurden für die Studie 100 Interviews durchgeführt. Alle Befragten stammen aus Unternehmen, die bereits mindestens einen AI-Prototypen oder eine AI-Anwendung umgesetzt haben. Die Fragen richteten sich ausschließlich an Führungskräfte mit unmittelbarer Verantwortlichkeit für AI-Strategie, -Entscheidungsfindung, -Budgetierung und -Implementierung. Erfahren Sie hier die Kernergebnisse der Studie.

 

State of AI in the Enterprise

Ergebnisse der Befragung von 100 AI-Experten in deutschen Unternehmen

Jetzt anfordern

AI-Technologien: Fokus auf Process Robotics

In deutschen Unternehmen kommen aktuell praktisch alle Varianten von AI-Technologie zum Einsatz: Beispielsweise regelbasierte Systeme, Process Robotics, Natural Language Processing, Machine Learning, Physische Roboter mit künstlicher Intelligenz (z.B. Cobots), Deep Learning, Affective Computing (künstliche emotionale Intelligenz) und Computer Vision. Besonders verbreitet sind hierzulande bisher insbesondere Process Robotics und Regelbasierte Systeme, die in jeweils 67 Prozent der befragten Unternehmen genutzt werden. Zudem planen etwa weitere 30 Prozent von ihnen deren Einsatz. Ein auffälliges Resultat der KI-Studie ist, dass Process Robotics hierzulande deutlich häufiger genutzt wird als in den Vergleichsmärkten (USA, UK, China, Frankreich, Kanada, Australien), wo lediglich 49 Prozent der Unternehmen diese Technologie aktuell einsetzen. Bei keiner anderen AI-Variante ist die Abweichung vom internationalen Durchschnitt größer.

Implementierung: AI „as a Service“ stark nachgefragt

Statt Künstliche Intelligenz aufwendig selbst zu entwickeln, verwenden deutsche Unternehmen vielfach Algorithmen, Applikationen oder komplette AI-Lösungen „von der Stange“. Sie nutzen Artificial Intelligence entweder „as a Service“ oder als Teil von Software-Lösungen. Die Umsetzung von AI-Projekten erfolgt in den befragten Unternehmen überwiegend im Zusammenspiel externer Spezialisten und interner Ressourcen. Nur 15 Prozent der Studienteilnehmer implementieren AI primär mit firmeneigenen Kräften. Künstliche Intelligenz wird mehrheitlich eingekauft: der Anteil der Unternehmen, die AI „as a Service“ einsetzen, liegt laut Studie bei 65 Prozent – in den Vergleichsmärkten (USA, UK, China, Frankreich, Kanada, Australien) sind es derzeit nur knapp die Hälfte, die diesen Ansatz verfolgen. Daneben setzen 61 Prozent der deutschen Firmen auf Unternehmenssoftware mit integrierter AI, wie sie unterschiedlich von den großen Tech-Firmen angeboten wird. Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Trend „AI als Dienstleistung“ gewissermaßen zur Demokratisierung von AI beiträgt: Cloud-basierte Lösungen Künstlicher Intelligenz eröffnen auch kleineren Unternehmen, denen oft die benötigten Fachkräfte und Mittel für Eigenentwicklungen fehlen, den Zugang zu dieser neuen Schlüsseltechnologie. Die Offenheit deutscher Unternehmen gegenüber Dienstleistungen im KI-Bereich ist potenziell vorteilhaft, denn derartige „off the shelf“ AI-Lösungen versprechen einen schnellen und kostengünstigen Zugang, um neue intelligente Produkte, Services und Geschäftsmodelle entwickeln zu können.

 

AI-Strategien: Meist noch ohne übergreifende Vision für das Unternehmen

Künstliche Intelligenz wird in Deutschland bisher überwiegend auf Abteilungsebene umgesetzt, oft fehlt eine gesamtheitliche Unternehmenssicht auf das Thema. So verfügen erst 26 Prozent der für die Studie befragten Unternehmen über eine umfassende, detaillierte und unternehmensweite AI-Strategie. Hier sind viele ausländische Firmen bereits weiter, wo in den Vergleichsmärkten immerhin 35 Prozent eine derartige Strategie etabliert haben. Hierzulande verfolgen in 43 Prozent der befragten Unternehmen die Abteilungen eigene Strategien zur AI-Einführung, die aber auf unternehmensweiten Vorgaben basieren. Bei weiteren 27 Prozent setzen die Abteilungen auf entsprechende eigene Strategien ohne Vorgaben, die das Gesamtunternehmen im Blick haben. Und 4 Prozent der Unternehmen verzichten gänzlich auf eine AI-Strategie, sie beschränken sich auf Ad-hoc-Maßnahmen zur Einführung von Artificial Intelligence auf Abteilungsebene oder darunter.

Herausforderungen und Risiken von AI: Eine Frage des Vertrauens

Das Vertrauen in künstliche Intelligenz ist ausbaufähig, und in deutschen Unternehmen wird AI vielfach auch mit Sorge betrachtet. Gerade hinsichtlich Cyber-Risiken bestehen Bedenken, etwa was den Diebstahl sensibler Daten oder Algorithmen anbelangt. Dieses Aspekt der Studie deckt sich mit den Ergebnissen für die ausländischen Vergleichsmärkte. Als gravierendste Herausforderungen im Rahmen von AI-Initiativen nennen die befragten deutschen Firmen an erste Stelle datenbezogene Probleme (z.B. bezüglich Datenschutz, Datenqualität, Bereinigung, Integration, maschinelle Interpretation etc.). Auch die Einbindung künstlicher Intelligenz in bestehende Prozesse, die Identifikation passender Use-Cases, oft hohe Entwicklungskosten und ein Mangel an Kompetenzen bzw. Fachkräften erschweren die Nutzung von AI. Die Experteninterviews der KI-Studie zeigen, dass Unternehmen den Mehrwert von AI vorrangig in der Optimierung von Produkten (52 Prozent der Nennungen) und internen Abläufen (42 Prozent) sehen. Der Effekt von Personaleinsparungen spielt in der Befragung eine nachgelagerte Rolle (20 Prozent).

 

AI-Skills: Fachkräftemangel bremst die Unternehmen ein

Die Studie belegt: In deutschen Unternehmen fehlt es an AI-Skills. So werden in 62 Prozent der Unternehmen fehlende AI-Kompetenzen wahrgenommen, mehr als jedes fünfte erkennt sogar große Schwächen in diesem Bereich. Die Kompetenzlücke beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Bereiche Technologie und IT, wiewohl auch hier der Mangel beispielsweise an AI-Entwicklern oder Data Scientists gravierend ist. Daneben sind im AI-Kontext derzeit aber vordringlich Change-Management- und Transformations-Skills gefragt. Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend – und die Qualifizierung von dringend benötigten AI-Spezialisten wird damit zunehmend zum Standortfaktor in der Technologieindustrie.

Der KI-Standort Deutschland ist eindeutig noch nicht ‚abgehängt‘. Deutsche Unternehmen haben den Mehrwert von Künstlicher Intelligenz für die eigenen Produkte und Dienstleistungen, aber auch für interne Abläufe erkannt und sind die ersten Schritte erfolgreich gegangen.

                  Milan Sallaba - Partner und Leiter Technology Sector, Deloitte

Hier können Sie die kompletten Ergebnisse der KI-Studie 2019 herunterladen, um mehr zum aktuellen Stand der AI-Entwicklung erfahren.