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Media Consumer Survey 2018

Video, Audio, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und Games: Medienkonsum in Deutschland

In welchem Umfang nutzen Konsumenten aller Altersstufen diese Medien in ihrem Alltag? Der Media Consumer Survey 2018 untersucht den aktuellen Medienkonsum und analysiert, welche Veränderungen sich dabei für neue und traditionelle Content-Angebote ergeben. Ein Resultat der Studie vorweg: Digitale Medienangebote boomen und haben seit 2016 Millionen neuer Anhänger gewonnen.

So ist beispielsweise die Zahl der regelmäßigen Nutzer von Video-on-Demand-Abonnements in Deutschland seit 2016 um 80 Prozent gestiegen, bei Musik-Streaming liegt der Zuwachs bei stattlichen 40 Prozent – das sind beeindruckende Zahlen. Doch wie sieht das Gesamtbild über alle Medien hinweg aus?


Für die zwölfte Ausgabe des Media Consumer Survey wurden im Auftrag von Deloitte 2.000 Konsumenten in Deutschland im Alter zwischen 14 und 75 Jahren in einer Online-Untersuchung zu ihrer Nutzung von Medienangeboten befragt. Die Studie berücksichtigt dabei die sechs wichtigsten Mediengattungen Video, Audio, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und Games.
 

Video: VoD auf dem Vormarsch

Video-on-Demand boomt weiter und ist vor allem bei jungen Mediennutzern beliebt, während zugleich das traditionelle, lineare Fernsehen Zuschauer in fast allen Alterssegmenten verliert. Bei Konsumenten zwischen 19 und 24 ist der Rückgang besonders groß, nur die Generation 65+ schaut unvermindert häufig TV. Auch Mediatheken haben einen deutlichen Popularitätsschub erfahren. Hier sind die Zuwächse in den mittleren Alterssegmenten besonders hoch.
 

Musik: Audio-Streaming sehr beliebt, Comeback der LP

Digitale Musikangebote werden in fast allen Altersgruppen deutlich stärker angenommen als noch vor zwei Jahren. Audio-Streaming liegt im Trend, mit den höchsten Zuwächsen in den mittleren Alterssegmenten. Im Vergleich zu VoD fallen Nutzung und Zuwächse aber geringer aus. Auffällig: Mit dem Comeback der Schallplatte setzt sich gleichzeitig ein Trend fort, den man als Gegenentwurf zur digitalen Allverfügbarkeit von Musik per Streaming interpretieren kann. Enthusiasten schätzen das haptische Erlebnis von Vinyl, die Nutzung steigt in fast allen Altersgruppen. Dagegen geraten CD-Verkäufe immer mehr unter Druck.
 

Zeitungen: Print und online gleichermaßen

Der Media Consumer Survey 2018 zeigt: Die Popularität digitaler News-Angebote steigt deutlich, sie geht aber immer weniger zulasten der gedruckten Tageszeitungen. Deren Akzeptanz zeigt sich gegenüber 2016 stabil. Altersübergreifend lesen 34 Prozent der Deutschen täglich eine gedruckte Zeitung, vor zwei Jahren lag der Anteil bei 33 Prozent. Digitale Nachrichten werden überwiegend werbefinanziert oder per E-Paper gelesen, aber immer mehr Mediennutzer sind bereit für (einzelne) News-Artikel im Internet zu zahlen. 15 Prozent der Befragten verwenden entsprechende Paid-Content-Angebote mindestens einmal pro Woche.
 

Zeitschriften: Digitale Magazine in den mittleren Altersgruppen vorne

Print-Magazine erfreuen sich einer stabilen Nutzerzahl, ihre Popularität ist gegenüber 2016 weitgehend unverändert. Für Wachstum sorgen aber digitale Angebote: E-Paper und digitale Flatrate-Angebote gewinnen altersübergreifend zunehmend an Bedeutung. Besonders in den mittleren Altersgruppen ist die Verbreitung der E-Papers beachtlich. Der Media Consumer Survey 2018 belegt, dass 48 Prozent der Befragten zwischen 25 und 34 Jahren inzwischen mindestens einmal pro Woche das E-Paper einer Zeitschrift lesen.
 

Bücher: Das gute alte Buch behauptet sich in Koexistenz zum E-Book

Das Miteinander von Digital und Analog im Buchmarkt setzt sich fort – E-Books und Print boomen gleichermaßen. Die Popularität gedruckter Bücher hat gegenüber 2016 in allen Altersgruppen zugenommen. Eine „digitale Disruption“ ist im Buchmarkt nicht ansatzweise erkennbar. 47 Prozent der Befragten greifen mindestens einmal pro Woche zum gedruckten Buch, ein Anstieg von vier Prozentpunkten gegenüber 2016. 20 Prozent der Deutschen lesen sogar täglich Bücher in Papierform. E-Books entwickeln sich komplementär zu gedruckten Büchern ebenfalls positiv, z.B. als handliche Alternative für unterwegs oder im Urlaub. Die meisten Nutzer verzeichnen sie in den mittleren Alterssegmenten.
 

Games: Mobile Games stagnieren, moderates Wachstum bei Konsolen

Elektronische Games werden auf allen Plattformen gespielt, wie die Ergebnisse des Media Consumer Survey 2018 zeigen. Konsolen finden wieder mehr Anhänger: Heute spielen 27 Prozent aller Mediennutzer mindestens einmal in der Woche mit einer stationären Konsole, 2016 waren es noch 22 Prozent. Auch mobile Spielkonsolen fesseln mehr Nutzer als vor zwei Jahren, und das trotz starker Konkurrenz durch das Smartphone. Mobile Games auf Smartphone und Tablet nähern sich inzwischen augenscheinlich der Sättigungsgrenze. Zuwächse sind hier nur bei sehr jungen und älteren Mediennutzern zu verzeichnen.
 

Fazit: Der digitale Evolutionsprozess der Medienindustrie setzt sich fort

Seit Veröffentlichung der Vorgängerstudie Media Consumer Survey 2016 ist die Akzeptanz digitaler Medienangebote noch einmal deutlich gestiegen. Nicht nur Video-on-Demand und Musikstreaming, auch Online-News, E-Papers und E-Books haben Nutzer in allen Alterssegmenten hinzugewonnen. Trotz dieses digitalen Popularitätsschubs kann von einer Disruption im Sinne von vollständiger Verdrängung traditioneller Formate keine Rede sein. Deren Akzeptanz erweist sich sogar in manchen Bereichen als überaus stabil. So spiegeln sich die Auflagenverluste von Tageszeitungen nicht in einem Rückgang der Nutzung wider, bei Büchern ist die Zahl der regelmäßigen Leser gegenüber 2016 sogar gestiegen.

Nicht für alle klassischen Medien geben die Studienergebnisse jedoch Entwarnung. So hat das lineare Fernsehen in den vergangenen beiden Jahren in fast allen Altersgruppen Zuschauer verloren. Und auch das Radio verzeichnet signifikante Rückgänge unter jungen Hörern. Ohne Frage: TV und Radio bleiben relevant, die Konkurrenz durch Streaming-Angebote nimmt aber weiter zu. Inhalte werden immer vielfältiger dargeboten und tatsächlich auch konsumiert. Dies zeigten schon die Ergebnisse der Vorgängerstudie, und diese Tendenz bestätigt der aktuelle Media Consumer Survey 2018 auf nachdrückliche Weise. Und noch einen Trend verdeutlichen die neuen Daten: Mediennutzer sind zunehmend bereit, für digitale Content-Angebote zu zahlen. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im Bereich von Zeitungen und Zeitschriften. Egal ob kostenpflichtige E-Papers oder Einzelartikel hinter einer Soft oder Metered Paywall: Im Vergleich zu 2016 nehmen deutlich mehr Konsumenten entsprechende Paid-Content-Angebote an.

Laden Sie hier den kompletten Media Consumer Survey 2018 herunter und lesen Sie alle Ergebnisse der Studie im Detail.

Die Entwicklung ‚zurück zur Haptik‘ soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die schleichende Evolution der Medienindustrie fortsetzt. Content wird in immer mehr Spielarten angenommen, und die Komplementärnutzung neuer Angebote setzt traditionelle Formen wie TV und Radio auch weiter gehörig unter Druck.
Klaus Böhm, Director und Leiter Media & Entertainment, Deloitte