Article

Umbruch in der TMT-Branche

Die fetten Jahre sind vorbei

Deutsche Telekommunikationskunden haben sich daran gewöhnt, immer mehr Leistung für immer weniger Geld zu bekommen. 2016 wird sich dieser Trend umkehren. Warum mehr Bandbreite bald teurer wird und welche beiden Trends sich in diesem Jahr besonders verstärken werden.

Von Dr. Andreas Gentner, Leiter Technology, Media & Telecommunications

Dieses Jahr wird alles anders. Wirklich? Ja, zumindest in der TMT-Branche. Deutschland, der Insel der glückseligen Festnetzkunden, stehen Monate der Preisanpassungen bevor. Bisher bekamen Konsumenten immer leistungsfähigere Breitbandverbindungen für immer weniger Geld. 2016 wird die Preisspirale ein Ende haben.

Zurückliegende Investitionen in neue Infrastruktur müssen sich für die Netzbetreiber langsam rechnen. Ihr aktuell größter Vorteil: Immer mehr Konsumenten sind willens, mehr Geld für mehr Bandbreite auszugeben. Der Anteil ist noch nicht riesig, etwa 35 Prozent, doch er steigt merklich. Vor etwa drei Jahren lag die Quote derer, die bereit waren, für eine doppelte Verbindungsgeschwindigkeit mehr zu bezahlen, noch bei 25 Prozent. Die wachsende Zahlungsbereitschaft fußt vor allem auf der steigenden Zahl von vernetzten Geräten innerhalb eines Haushalts. Hinzu kommt eine veränderte Art des Medienkonsums, die sich 2016 weiter verstärken wird: Streamingangebote, ganz gleich ob Musik oder Bewegtbild, machen dem klassischen Kauf von Inhalten weiter Konkurrenz und sorgen nur mit einer stabilen und schnellen Internetverbindung für ein positives Nutzungserlebnis.

Was für Festnetzangebote gilt, zeigt sich bei den Mobilfunkanbietern in abgeschwächter Form. 2016 werden wir keine weiteren Discount-Tarifrunden erleben. Es ist sogar mit steigenden Preisen zu rechnen.

Die zurückliegende Preisschlacht hatte nicht nur für Kunden Vorteile; auch die Gerätehersteller haben gut an subventionierten oder geleasten Smartphones verdient. Und sie tun es auch weiter, aktuelle Endgerätegenerationen bleiben gefragt und der Markt für gebrauchte Smartphones boomt. Gegenüber 2015 wird die Zahl der abgesetzten Gebrauchtgeräte weltweit in diesem Jahr um fast 50 Prozent auf 120 Millionen steigen. Käuferschichten, die sonst zu einem günstigen Neugerät greifen würden, sollen mit den hochwertigen Gebrauchtgeräten angesprochen werden. Auf der anderen Seite wird solventeren Kunden mit der Inzahlungnahme ihrer Smartphones der Umstieg auf das aktuellste Modell erleichtert.

Die mobilen Endgeräte sind dank schneller Datenverbindungen inzwischen weit mehr als ein Kommunikationsinstrument. Jeder fünfte Deutsche nutzt sein Smartphone mindestens einmal pro Woche zum Einkaufen im Netz. Doch nur jeder zweite virtuelle Ladenbummel endet auch mit einem Kauf – das Eingeben der Versand- und Rechnungsdaten empfinden viele Kunden als lästig. Sogenannte Touch Commerce-Lösungen werden 2016 die Wende bringen. Sie ermöglichen sicheres Bezahlen in unterschiedlichen Online-Shops und Apps per Fingertipp. Die Autorisierung der Transaktion erfolgt mit dem eigenen Fingerabdruck oder über wenige Berührungen auf dem Bildschirm – und das sogar bei Online-Händlern, bei denen der Konsument zum ersten Mal einkauft. Mehr Impulskäufe werden die Kassen der Shop-Betreiber folglich klingeln lassen. Insbesondere für kleinere Anbieter sind solche Lösungen eine große Chance, ihren Kundenstamm zu erweitern. Die ganz großen Händler werden vermutlich sogar über eigene Touch-Commerce-Lösungen nachdenken und sich nicht allein auf die etablierten Player wie zum Beispiel Apple Pay, Android Pay oder PayPal verlassen, um das Einkaufserlebnis zu verbessern.