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Verliert Deutschland den Anschluss in der digitalen Wirtschaft?

Kernthesen des Analytics Symposiums 2015

Auf dem Deloitte Analytics Symposium diskutierten am 28. Januar 2015 namhafte Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik die Fragestellung "Verliert Deutschland den Anschluss in der digitalen Wirtschaft?"

Laut der Studie „Datenland Deutschland – Die Transparenzlücke“ erhofft sich ein großer Anteil deutscher Unternehmen Optimierungsmöglichkeiten von Geschäftsmodellen und -prozessen durch die Nutzung von Konsumentendaten. Gleichzeitig achten deutsche Konsumenten sehr stark darauf, welche Daten sie im Internet preisgeben. Kann es Unternehmen in Deutschland gelingen, gleichzeitig Datenschutz zu gewährleisten, Vertrauen der Konsumenten zu schaffen und dennoch in ausreichendem Maße Daten für den unternehmerischen Erfolg zu nutzen? Wie viel Innovation ist überhaupt gut in der Verarbeitung von Konsumentendaten? Haben deutsche Unternehmen einen Nachteil durch rechtliche und gesellschaftliche Hürden in der Datennutzung? Oder hat Deutschland einen Standortvorteil, weil Datenschutz ein Wettbewerbsfaktor ist?
Alles Fragen, die auf dem ersten Deloitte Analytics Symposium im Fokus standen. Doch wie stehen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu diesen Fragen? Wir haben die Kernthesen hier und in unserem Videorückblick zusammengestellt. Impressionen von der Veranstaltung bietet auch unsere Bildergalerie.

Digitale Innovation funktioniert anders

  • Vorherrschende Vorstellung von Innovation in Deutschland: Erfindung neuer Maschine in den Forschungsabteilungen großer Konzerne 
  • Digitale Innovation benötigt neben Risikobereitschaft vor allem Entrepreneurship - Digitale Innovation wird primär durch Start-Ups und kleine Unternehmen getrieben
  • Neue Geschäftsmodelle sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration der Digitalisierung im Unternehmen – Notwendige Änderungen in den Geschäftsmodellen müssen als Chance begriffen werden
  • Die Plattform-Ökonomie in der digitalen Welt führt zum Winner-takes-all-Prinzip – Mitspielen alleine reicht nicht
  • Die große Frage bei datengetriebener Innovation ist: Wem gehören die Daten?

 

Deutschland in der digitalen Welt

  • Dass deutsche Verbraucher technikfeindlich sind ist ein Mythos. Sie nutzen einige Technologien/Innovationen am intensivsten im internationalen Vergleich, auch wenn die öffentliche Diskussion anderes vermuten lässt 
  • Start-Ups sind wichtigste Akteure der digitalen Innovation - die Rahmenbedingungen für den Aufbau von Start-Ups sind in Deutschland jedoch rückständig. Im Ranking der World Bank Group ist Deutschland in der Kategorie „Ease of starting a business“ lediglich auf Platz 114.
  • Deutschland ist Erfinder der Industrie 4.0, aber die Umsetzung geht zu langsam voran
  • Starre Regelungen und im Vergleich zu USA geringe Größe des Heimatmarktes behindern digitale Innovationen 
  • Digitalisierung führt zu völlig neuen Fragen, vor allem im Umgang mit Daten – Bei connected cars müssen sich Autohersteller tiefgehend damit befassen
  • Zu wenig junge Menschen entscheiden sich in ihrer Ausbildung für MINT-Fächer  – Problem allerdings nicht nur auf universitäre fachliche Ausbildung beschränkt, Fähigkeiten müssen in der Breite  und sowohl früh in der Ausbildung (Google Roberta Programm) als auch in der Weiterbildung (Stanford Programm, LMU App Night) vermittelt werden

Zukunft für Digitalisierung in Deutschland schaffen

  • Deutschland und seine Unternehmen brauchen einen konkreten Marschplan für die Digitalisierung, die digitale Agenda der Bundesregierung ist nicht ausreichend.
  • Politik muss den Unternehmen die nötige Infrastruktur, vor allem in Bezug auf Start-Ups, bereitstellen, um Innovationen in Deutschland entstehen zu lassen und umzusetzen  – Zielgruppe sollte die nachwachsende Generation sein, die früh an unternehmerische Fähigkeiten gewöhnt werden sollte.
  • Coding sollte als zweite Fremdsprache an den Schulen unterrichtet werden.
  • Deutschland hat die technologischen Fähigkeiten für digitale Innovation, diese müssen mit besseren Rahmenbedingungen für Start-Ups und größerer unternehmerischer Orientierung verknüpft werden.

 

Wir danken unseren Referenten für spannende Impulse und Diskussionen

Die oben stehenden zusammengefassten Thesen sind Aussagen aus den beiden Podiumsdiskussionen und den jeweiligen Keynotes der Redner zu nachfolgenden Themenschwerpunkten:

„Wie innovativ ist das Datenland Deutschland?“
Dr. Göttrik Wewer, Deutsche Post Consult
Prof. Dietmar Harhoff, Max-Planck-Institut
Jens Redmer, Google
Prof. Dr. Sören Auer, Fraunhofer Institut

"Wie sicher ist das Datenland Deutschland?"
Dr. Ralf Schneider, Allianz
Markus Röhrl, Kompetenzzentrum Cybercrime NRW
Peter Kestner, Deloitte

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