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Fashiontech

Chic meets smart, und das ganz privat?

Die Heizung höher regeln, Musik einschalten, die Route zur nächsten Bahnstation berechnen – das alles wird in Zukunft nicht nur durch klassische und digitale Devices möglich sein. Auch Kleidung stellt sich nun an, smart zu werden. Doch möchte ich überhaupt, dass meine Schuhe wissen, wo ich bin?

Von Dr. Söntje Julia Hilberg, Head of IT-Law, Deloitte Legal Deutschland

11. Februar 2016

Auch Anfang dieses Jahres blickte die Modewelt anlässlich der Berlin Fashion Week auf die deutsche Hauptstadt. Zu den Besuchern und Beobachtern zählen mittlerweile aber nicht mehr nur Vertreter der Modebranche, sondern auch Pioniere der sogenannten Fashiontech-Szene. Denn so vermeintlich wenig Mode bislang mit Digitalisierung in Verbindung gebracht wurde, umso schneller scheint sich die Verknüpfung von „Chic“ und „Smart“ zu vollziehen. Aus Perspektive des Nutzers sind sowohl Kleidung als auch Technik die uns täglich umgebenden „Devices“. Nichts erscheint komfortabler, als beide zu verbinden.

Das Silicon Valley machte bereits Ende Mai 2015 vor, wie das gehen kann. Unter dem Projekttitel „Jacquard“ stellte Google eine interaktive Hose vor. Dieses Kleidungsstück funktioniert wie ein Eingabegerät: Durch Drück- und Wischbewegungen über den Stoff lassen sich Lichtschalter und andere Devices, insbesondere Smartphones, bedienen. Und das Ganze soll den Nutzern beim Tragen nicht unangenehm auffallen – es werden nicht etwa komplexe Gerätschaften montiert. Was ermöglicht dann die Touchscreen-Funktion? Die Antwort liegt in leitfähigen Fasern, die mit nicht leitfähigen Fasern zu einer Matrix verwoben werden. Dieses neue, smarte Material kann nicht nur problemlos mit Wasser in Kontakt kommen, sondern ist auch genauso dehnbar wie andere Textilien.

So technisch und wirtschaftlich spannend derartige Technologien sein mögen, die Zukunftsfähigkeit smarter Kleidung wird davon abhängen, ob die rechtlichen Rahmenbedingungen „smart“ genug sind, um Innovationen in diesem Bereich zu ermöglichen. Wie auch bei anderen technischen Entwicklungen ist das Vertrauen der Konsumenten in Innovationen rund um Smart Fashion und Wearables unabdingbar. Und durchaus wünscht sich die Mehrzahl der Nutzer eine stärkere Regulierung und sieht Datenschutz als Hindernis für den Einsatz von Wearables an. Konkret berührt sind in der Tat einige zentrale Instrumente des bisherigen Datenschutzrechts: Anforderungen wie das Einwilligungsbedürfnis, die Zweckbindung sowie der Grundsatz der Datensparsamkeit stehen in Konflikt mit dem grundlegenden Konzept von Wearables. Denn dieses basiert ja gerade auf der ständigen Sammlung, Verbindung und Analyse von Daten. Allerdings kann der Nutzer in den seltensten Fällen überhaupt entscheiden, ob und welche seiner Daten wie verarbeitet werden. Sein Wearable wird ihn auch nicht bei jeder Aktivierung formgerecht nach Einwilligung fragen. In der Zwischenzeit „verfolgen“ ihn seine Schuhe auf Schritt und Tritt oder informiert ihn seine Jeans darüber, dass er sich in 300 Metern am Ziel befindet.

Wie generell im Umfeld der Digitalisierung wird es also auch speziell im Bereich der Digitalisierung unserer Kleider darum gehen, Lösungen nach dem Ansatz von Privacy by design zu etablieren. Informationen zur Datenverarbeitung und Kontrollmöglichkeiten müssen der Technologie immanent sein. Den Nutzern muss in kreativer und aussagekräftiger Weise gezeigt werden, was tatsächlich mit ihren Daten geschieht. Doch wie lassen sich Devices im Hinblick auf datenschutzrechtliche Anforderungen personalisieren? Die International Working Group on Data Protection in Telecommunications fordert beispielsweise die Entwicklung dynamisch kalibrierter Datenschutzregeln und die Integration einfacher Gestaltungselemente. Das könnte Abhilfe schaffen. Schließlich dient die Technik immer noch dem Nutzer und nicht umgekehrt. Die Macht über seine Daten muss beim Nutzer verbleiben.

Als Fazit gilt die goldene Regel für den Erfolg von Fashion deshalb auch für den Bereich Tech: Mode und Technik muss tragbar sein – „Don’t create unwearables”.

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