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Ausländische Investitionen – immer noch unausgeschöpftes Potenzial Polens

Das Niveau der Kapitalsättigung in Polen ist fast zweimal niedriger als in Tschechien

Warschau, den 13. Juni 2017

Zum letzten Mal erfuhr Polens Wirtschaft eine Rezession 1991, als das BIP um 7% innerhalb eines Jahres stürzte. Wir befinden uns in einer der weltweit längsten ununterbrochenen Wachstumsphasen, die von einer hohen Stabilität begleitet wird. Diese positive Entwicklung hatte u.a. den Zufluss ausländischer Investitionen zur Folge. Aus dem Bericht der Beratungsgesellschaft Deloitte und der AHK Polen „Investitionen in Polen. Ein nicht ausgeschöpftes Potenzial.“ geht hervor, dass deutsche Unternehmer – die größte Gruppe ausländischer Investoren in Polen – insbesondere Qualifikationen, Produktivität und Motivation der Mitarbeiter sowie Qualität und Verfügbarkeit lokaler Zulieferer schätzen. Hinsichtlich der Investitionsattraktivität verfügt Polen immer noch über ein sehr großes Potenzial. Dies bestätigt die Tatsache, dass die Höhe des Kapitals pro Mitarbeiter bei uns sogar viermal niedriger ist als in hoch entwickelten Industrieländern und zweimal niedriger als in Tschechien. Laut Prognosen werden verarbeitendes Gewerbe und moderne Business-Dienstleistungen von besonderem Interesse für die Investoren sein.

Polnische Wirtschaft entwickelt sich ununterbrochen seit 26 Jahren – ein Rekord unter den EU-Ländern. Hinzu kommt, dass es eine dynamische Entwicklung ist – in den letzten zwanzig Jahren ist das BIP pro Kopf (nach Kaufkraftparität) durchschnittlich um 6% pro Jahr gestiegen. Dies ist das beste Ergebnis in Mitteleuropa. Im Vergleich zu anderen Ländern bekam Polen die Folgen der Weltfinanzkrise und der Schuldenkrise in der Eurozone nur in geringem Maße zu spüren. Die Größe des Inlandsmarkts wirkte stabilisierend. Wichtiger jedoch waren eine verantwortungsvolle Geldpolitik, effiziente Überwachung der Finanzmärkte und ein flexibler Währungskurs. Die Konjunktur wurde auch durch die Senkung der Steuern 2007-2008 und durch die EU-Mittel unterstützt.

„Investitionen in Polen. Ein nicht ausgeschöpftes Potenzial“

Ökonomische Kennzahlen gut für Polen

Investitionen und der Kapitalzufluss sind zentraler Faktor für eine dynamische und stabile Entwicklung Polens. In den Jahren 2010-2015 war ihr Beitrag zum BIP Polens wesentlich höher als in anderen mitteleuropäischen Ländern. Eine Ausnahme stellte hier Bulgarien dar. – Der Rückgang von Investitionen im Jahre 2016 betraf die ganze Region und ergab sich vor allem aus Verzögerungen beim Einsatz der EU-Fördermittel und einer erhöhten Unsicherheit – sagt Deloittes Ökonomin, Julia Patorska.

Nach den meisten Indizes für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Entwicklung liegt in der Region lediglich Tschechien vor Polen. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass unser südlicher Nachbar viele Merkmale einer reifen und industrialisierten Volkswirtschaft hat. Die Tschechen können auf das niedrigste Investitionsrisiko in der Region stolz sein, haben aber im Vergleich zu Polen eine zweimal niedrigere Wachstumsdynamik des BIP (durchschnittlich 1,5% in den Jahren 2010-2015). Im Vergleich zu Bulgarien und Rumänien wiederum hat Polen deutlich bessere Noten im Bereich der Qualität der Institutionen, Rechtsakte und der gesellschaftlichen Entwicklung.

"Investing in Poland: Untapped Potential. The Experience of German Investors"

Innovationen werden die Produktivität Polens erhöhen

Das Potenzial der siebtgrößten Volkswirtschaft der EU – der Volkswirtschaft Polens – ist noch lange nicht ausgeschöpft. Ein wichtiger Grund dafür ist die Produktivität, die immer noch niedriger ist als in den hoch entwickelten EU-Ländern, und weiterhin wenig Kapital. In den letzten zwanzig Jahren schaffte es Polen, das Kapital pro Beschäftigtem in etwa zu verdoppeln und somit die Slowakei und Ungarn zu überholen. Trotzdem ist das Niveau der Kapitalsättigung in Polen fast zweimal niedriger als im traditionell industrialisierten Tschechien.

Die meisten ausländischen Direktinvestitionen konnte in den Jahren 2004-2015 Bulgarien für sich gewinnen. Aber am günstigsten war die Struktur des zufließenden Kapitals in Tschechien, Polen und in der Slowakei. Ein relativ niedriger Wert des Produktionskapitals in Polen trägt auch dazu bei, hohe ROI zu erreichen. – Die endgültige Produktivität des Kapitals, d.h. zusätzliche Produktion aus jedem investierten Zloty oder Euro ist in Polen fast viermal so hoch wie in den Euro-Ländern und höher als in der Slowakei, in Tschechien und Ungarn. In anderen mitteleuropäischen Ländern gibt es auch große Reserven, was die Verbesserung der Produktivität betrifft, d.h. also attraktive Investitionsmöglichkeiten, insbesondere hinsichtlich aktueller Marktbedingungen in der Euro-Zone und der Geldpolitik der Europäischer Zentralbank – sagt Julia Patorska. Die Produktivität Polens kann u.a. durch den Import innovativer Technologien, Know-How sowie durch Steigerung der Effektivität der Märkte und des öffentlichen Sektors besser werden.

"Inwestycje zagraniczne w Polsce. Doświadczenia niemieckich inwestorów"

Robotisierung und die Automatisierung der Produktion als eine Chance

– Eine Chance für die polnische Wirtschaft und ein Weg um die Produktivität zu erhöhen ist die Robotisierung und die Automatisierung der Produktion – betont Michael Kern, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK Polen). Wie er hinzufügt, fallen im Produktionssektor im globalen Vergleich auf zehn Tausend Arbeiter im Schnitt 69 Industrieroboter, in Polen waren es im Jahr 2015 nur ca. 28 Roboter auf zehn Tausend Arbeitskräfte. – Im Vergleich zu anderen MOE-Ländern ist das weiterhin nicht viel, denn in Tschechien, der Slowakei und in Ungarn waren es entsprechend: 93, 79, 57, in Deutschland hingegen über 301. In den letzten zwei Jahren beobachten wir allerdings ein wachsendes Interesse von Seiten polnischer Produktionsfirmen an Automatisierungstechnologien für die Produktion, die von deutschen Zulieferern angeboten werden – sagt Kern.

Verarbeitendes Gewerbe und Business-Dienstleistungen – für diese Branchen interessieren sich Investoren

Zu den Branchen, die für die Investoren besonders attraktiv sind, gehört in Polen verarbeitendes Gewerbe, wo ausländisches Kapital in Höhe von fast 230 Mrd. PLN hingeflossen ist. Dies ist ein Drittel der ausländischen Direktinvestitionen in Polen. Darüber hinaus konzentrierten sich die Investoren auf die Finanz- und Versicherungsbranche sowie auf den Handel mit Autos. In den letzten Jahren gewinnen auch Business-Dienstleistungen (BPO/SCC) an Bedeutung. Nach Angaben des Vereins der Führenden Unternehmen des Business-Dienstleistungs-Sektors (Związek Liderów Sektora Usług Biznesowych) wächst diese Branche jährlich um 20% und soll bis 2020 300 Tsd. Personen beschäftigen. 2016 gab es in polnischen Städten ca. 1000 (darunter 676 ausländische) BPO/SCC-Zentren, wo bereits ca. 200 Tsd. Personen beschäftigt werden.

Investitionen aus der Perspektive deutscher Unternehmen

Nach Ansicht deutscher Investoren, die an der Studie von Deloitte teilnahmen, sollte Beseitigung der Barrieren zwischen der Forschung und der Wirtschaft zu den Prioritäten der Regierung gehören. Sie machen darauf aufmerksam, dass man ohne entsprechende Reformen – trotz der offensichtlichen Vorteile durch die Entwicklung der BPO/SCC-Branche – keine fortschrittlicheren Business-Dienstleistungen sowie Forschungs- und Entwicklungszentren wird anziehen können. Gleichzeitig verfügt Polen über einen großen Vorteil, der immer noch nicht völlig genutzt wurde: Startups. Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass auch traditionelle Branchen wie Lebensmittel- und Getränkeherstellung oder Einzelhandel in Polen immer noch Potenzial haben. Dies ergibt sich u.a. aus hohen Ambitionen und dem Verbraucherbedarf der Polen bei relativ niedrigen Löhnen.

Deutschland ist das wichtigste Land, das in Form ausländischer Direktinvestitionen Kapital nach Polen exportiert. Bis 2015 haben deutsche Unternehmen 135,9 Mrd. PLN in Polen investiert, was fast ein Fünftel aller ausländischen Direktinvestitionen ausmacht. Fast alle (95,6%) von der AHK Polen befragten deutschen Investoren haben angegeben, dass sie in Polen noch einmal investieren würden. Nach wie vor schätzen sie die EU-Mitgliedschaft Polens sehr hoch, was die Qualität und Stabilität des regulatorischen Umfelds erhöht. Weitere Faktoren, die deutsche Unternehmen dazu bewogen, in Polen zu investieren, sind Qualifikationen, Produktivität und Motivation der Mitarbeiter sowie Qualität und Verfügbarkeit lokaler Zulieferer.

Das Tempo der Rechtsänderungen beunruhigt die Investoren

Die Investoren erkennen wirtschaftliche Ergebnisse Polens, seine Vielfalt an Investitionsmöglichkeiten und die Stabilität der Wirtschaft an, weisen aber auch darauf hin, dass die Unsicherheit der regulatorischen Umgebung steigt. Ein Problem stellt ihrer Meinung nach auch der Komplexitätsgrad sowie die Durchsetzung der Steuervorschriften, wobei die Höhe der Steuerlasten selbst keine größeren Bedenken hervorruft. – Aus den Aussagen deutscher Investoren, die seit vielen Jahren in Polen tätig sind, geht hervor, dass die EU-Mitgliedschaft Polens ein wichtiger Faktor ist, der stabilisierend wirkt. Darüber hinaus ist der rechtliche Rahmen in vielen Fällen ähnlich wie in Deutschland, wodurch sich die Investoren aus unserem Nachbarland in Polen gut zurechtfinden. Sie weisen jedoch darauf hin, dass das Tempo der Rechtsänderungen irritieren kann. Wichtig ist ihrer Meinung nach eine in sich stimmige Kommunikation der geplanten Änderungen, was nicht immer der Fall ist – sagt Marcin Diakonowicz, Partner Deloitte, Leiter des German Desk in Polen und Mitteleuropa.

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