Analysen

Tourismus­barometer 2016

Eine Studie von Deloitte Tirol

Wie sehen Touris­musunter­nehmen die Ent­wicklung ihrer Branche anhand der eigenen betrieb­lichen Erfahrung?

Tourismusbarometer zum Download

Mit dem Tourismusbarometer hat Deloitte Tirol im Jahr 2016 zum zweiten Mal die Stimmungslage von österreichischen Touristikern erhoben. 128 Unternehmer haben im Rahmen der Studie im März und April 2016 ihre Sicht zur heimischen Tourismusbranche dargelegt. 

Die Befragung umfasste folgende sechs Kernbereiche: Wirtschaftliche Lage des Tourismus, Regionales Umfeld und regulatorische Rahmen-bedingungen, Geschäftsentwicklung, Personal, Investition und Finanzierung sowie Planung und Controlling. 

Neben diesen Kernbereichen wurden 2016 zusätzlich die Meinungen zu einem aktuellen Thema abgefragt: Als „Hot Topic“ wurde die Steuerreform mit den Schwerpunkten Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht sowie Umsatzsteuererhöhung für Beherbergungsleistungen aus Sicht der Touristiker evaluiert. 

Zudem wurden Einschätzungen zur weiteren Entwicklung der Branche und Empfehlungen für die Tourismus-unternehmer abgeleitet. Der heuer erstmals erstellte Tourismusindex, veranschaulicht die aktuelle Gesamtstimmung im Tourismus. 

Hier die Key Findings im Überblick:

Wirtschaftliche Lage

Besserung in Sicht

Die aktuelle wirtschaftliche Lage des Tourismus wird von den Tourismusunternehmern geringfügig besser eingeschätzt als noch im Vorjahr. Ein Hauptgrund hierfür liegt in der guten Auslastung in der vergangenen Wintersaison 2015/16. Trotz eines wetterbedingt schleppenden Starts zeigt Tirols Ankünfte­ und Nächtigungsstatistik so hohe Zahlen wie nie zuvor. 

Der letzte Winter lässt viele Unternehmer optimistisch in die Zukunft blicken. Deutlich positiver als im Vorjahr sehen daher die Befragten die Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Einen Beitrag dazu leistet auch die aktuelle Buchungslage für die Sommersaison. Diese prognostiziert sowohl steigende Gästezahlen als auch eine länger werdende durchschnittliche Aufenthaltsdauer. Den Grund hierfür sehen die Touristiker vor allem in der Sicherheit, die gerade Tirol – angesichts der geopolitischen Lage – bietet. 

Regionales Umfeld und regulatorische Rahmenbedingungen

Regularien als Hemmschuh

Unter diesen Bereich fallen äußere Faktoren, die die Betriebsführung maßgeblich mitbe­ stimmen, aber nur bedingt durch den Unternehmer beeinflussbar sind. Dies sind die Steuer- und Abgabensituation, die Kostensituation (zum Beispiel Energiekosten, Lohnniveau etc.), die Personalverfügbarkeit und auch der Mitbewerb.

Letzterer ist der einzige dieser Einflussfaktoren, der von den Befragten als neutral wahr- genommen wird. Während die (mangelnde) Personalverfügbarkeit als schwierig empfunden wird, hat die aktuelle Kostensituation einen deutlich negativen Einfluss auf die befragten Tourismusunternehmen.

Die aktuelle Steuer­ und Abgabensituation wirkt sich auf die befragten Betriebe ausschließlich nachteilig aus. Wie schon im Vorjahr prognostiziert, fühlen sich Österreichs Tourismusbetriebe im Vergleich zu anderen Branchen von der Gesetzgebung gravierend benachteiligt. Neben der Steuerreform, die eine Umsatzsteuererhöhung für Beherbergungsleistungen sowie Neurege­ lungen in der Grunderwerbssteuer mit sich brachte, bedeuten auch außersteuerliche Regularien, wie die Allergenverordnung oder der Nichtraucherschutz, für die Touristiker eine Belastungsprobe.

Geschäftsentwicklung

Gute Wintersaison, Optimismus für den Sommer

Wie im Vorjahr wird auch heuer die Entwicklung des Geschäftsjahres positiv eingeschätzt. Nahezu alle Befragten sind mit dem bisherigen Umsatz zufrieden und erwarten eine gleichbleibende Ent­ wicklung. Ein Drittel rechnet sogar mit einer etwas besseren Umsatzentwicklung als im Vorjahr. 

Gründe hierfür liegen in der positiv abge­ schlossenen Wintersaison sowie in der guten Buchungslage für die Sommersaison 2016.

Personal

Fachkräftemangel und Gesetzesflut

Die Personalverfügbarkeit, insbesondere von Fachkräften, stellt eine große Herausforderung dar. Trotz sehr vielseitiger Bemühungen bei der Personalsuche und ­bindung entwickelt sich der Fachkräftemangel zunehmend zu einem kritischen Thema. Den Bereich Personal sehen die Befragten, neben der Steuerreform, insgesamt besonders problematisch.

Neben der schlechten Personalverfügbarkeit liegt dies auch an den immer strengeren gesetzlichen Vorgaben, insbesondere dem Arbeitszeitgesetz, die den Betriebsablauf beeinträchtigen. Prinzipiell halten sich die Touristiker für ausreichend informiert, um ihre Betriebe führen zu können. Auffällig ist aber, dass sich die Mehrheit der Unternehmer dennoch bei Themen wie Zeitaufzeichnung oder Arbeitnehmerschutzbestimmungen zu wenig aufgeklärt fühlt. Gerade diese Themen decken sich auch mit den in letzter Zeit vermehrt zu beobachtenden Schwerpunkten bei Lohnabgabenprüfungen (GPLA) bzw. Begehungen durch das Arbeitsinspektorat, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können.

Investition & Finanzierung

Stagnation bei der Betriebsgröße

Touristiker tätigen Investitionen zum überwiegenden Teil zur Erhaltung des bisherigen Standards bzw. zur Qualitätsverbesserung. Eine Erweiterung ihres Betriebes haben die wenigsten Unternehmer geplant. Mehr als ein Drittel der Befragten war gezwungen, Investitionen, die für das vorangegangene oder aktuelle Geschäftsjahr geplant waren, in die Zukunft zu verschieben. Neben einer fehlenden Finanzierung geben Unternehmer vor allem Unsicherheiten bezüglich der Rentabilität der Investition oder der unklaren zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung als Gründe an.

Um Investitionen trotz Unsicherheiten wieder attraktiver zu machen, wurden durch die Förderstellen bereits Maßnahmen gesetzt. So wurden Investitionsförderprogramme für die Hotellerie ins Leben gerufen, die Einmalzuschüsse gewähren oder (je nach Investi­ tionsvolumen) Haftungsübernahmen und Zinsdienste durch Bund oder Länder vorsehen.

Planung & Controlling

Planung als Erfolgsfaktor

Die Bedeutung von Planung und laufendem Soll­Ist­Vergleich im eigenen Betrieb wurde bereits im Vorjahr von den Touristikern als wichtig empfunden. Nahezu alle Befragten gaben 2016 an, ihre Geschäftszahlen zu budgetieren und deren Erreichung auch regelmäßig zu überprüfen. Während dies von ungefähr der Hälfte der Unternehmer selbst gemacht wird, bedient sich die andere Hälfte professioneller Unterstützung.

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