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Erneuerbare Energien in Österreich 2022

Österreicher*innen wollen Photovoltaik – am Dach, an der Fassade und im Grünen

Nach einem Rückgang im ersten Pandemiejahr hat sich die Akzeptanz für erneuerbare Energieprojekte wieder deutlich verbessert. Das zeigt die aktuelle Erhebung des jährlichen Stimmungsbarometers der Universität Klagenfurt, WU Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie. Eine große Mehrheit wünscht sich den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Dächern, Fassaden und Freiflächen. Viele Konsumentinnen und Konsumenten wollen sich auch an Energiegemeinschaften beteiligen. Das Kaufinteresse an Elektroautos stagniert hingegen.

Schon zum achten Mal wurde die Meinung der österreichischen Bevölkerung rund um das Thema erneuerbare Energien erhoben. Über 1.000 Personen wurden im Rahmen einer repräsentativen Studie um ihre Einschätzungen gebeten. Das Ergebnis: Die Zustimmung für erneuerbare Energieprojekte steigt wieder. Unterschiedliche Ansichten gibt es bei der Frage, welche Technologien zur Sicherung der Stromversorgung weiter ausgebaut werden sollten. Nahezu 60 % der Befragten stimmen für den weiteren Ausbau von Kleinwasserkraftwerken. Rund die Hälfte der Studienteilnehmerinnen und
-teilnehmer befürwortet den weiteren Ausbau von Windkraft und Freiflächenphotovoltaik. Mit 74 % findet der weitere Ausbau von dach- oder fassadenintegrierten Photovoltaikanlagen die höchste Zustimmung.

Erneuerbare Energien in Österreich 2022

Die Key Findings der Studie:

  • Hohe Akzeptanz: Breite Mehrheit befürwortet Ausbau von Photovoltaik auf Dächern, Fassaden und Freiflächen
  • Großes Engagement: Energiegemeinschaften stoßen bei zwei Drittel der Befragten auf Interesse
  • Stagnierende Nachfrage: Kaufinteresse an Elektroautos bleibt bei 43 % – Anreize für zeitnahe Mobilitätswende sind notwendig

Hohe Akzeptanz für Photovoltaik, wenig Bewegung bei Wärmeversorgung

Die Studie zeigt vor allem die anhaltend hohe Zustimmung für den Ausbau der Photovoltaik in Österreich. Ein Fünftel der Befragten gibt sogar an, dass auf dem eigenen Haus oder Wohngebäude die Installation einer oder einer weiteren Photovoltaikanlage geplant ist. Der Anteil jener Personen, die dieses Vorhaben innerhalb der nächsten zwei Jahre umsetzen wollen, ist um 5 Prozentpunkte gestiegen. Der langjährige Vergleich verdeutlicht, dass die Umsetzung dieser Vorhaben immer konkreter wird und sich der Zeithorizont kontinuierlich verkürzt.

 

Die Studie zeigt vor allem die anhaltend hohe Zustimmung für den Ausbau der Photovoltaik in Österreich.

Nina Hampl, Studienautorin der Universität Klagenfurt und WU Wien

 

Wenig Veränderungsbereitschaft gibt es hingegen beim Thema Wärmeversorgung: Im Vergleich zu 2017 ist unter den befragten Haushalten der Anteil an Fernwärme zur primären Wärmeversorgung lediglich um 4 Prozentpunkte gestiegen, bei Wärmepumpen stagnieren die Werte. Auch bei Öl- und Erdgasheizungen gibt es nur geringe Veränderungen. Erdgasheizungen machen noch rund ein Viertel der installierten Heizungsanlagen aus und stellen somit eine große Herausforderung bei der Wärmewende dar. Auch die aktuelle Diskussion zu steigenden Preisen bei fossilen Brennstoffen macht deutlich: Es ist mehr Bewegung beim Umstieg auf eine nachhaltige Energieversorgung notwendig – gerade im Wärmesektor.

Energiegemeinschaften hoch im Kurs

Finanzielle Bürgerbeteiligungen zur Nutzung erneuerbarer Energien sind seit Beginn der jährlichen Erhebung eines der zentralen Themen – und das Interesse daran flacht nicht ab. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) ist es für Verbraucherinnen und Verbraucher möglich, mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Energiegemeinschaften zu bilden. Laut Umfrage können sich zwei Drittel der Befragten eine solche Beteiligung vorstellen, um mit anderen Personen Strom oder Wärme zu erzeugen, zu verbrauchen, zu speichern und zu verkaufen. Nahezu jeder fünfte Studienteilnehmer könnte sich sogar vorstellen, selbst eine Energiegemeinschaft zu gründen.

 

Wir sind davon überzeugt: Energiegemeinschaften sind ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Mit solchen Projekten erfahren die Menschen, dass sie selbst Teil der Lösung sein können. Wir haben bereits vor fünf Jahren mit einem Pilotprojekt in Wien die Weichen für dieses neue gemeinschaftliche Modell gestellt. Mit dem daraus gewonnenen Wissen können wir nun ähnliche Energiegemeinschaften am Markt rasch umsetzen. Die Nachfrage ist groß – das belegt nicht nur die aktuelle Studie.

Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung

Sorgenkind Elektromobilität, Hoffnungsträger Wasserstoff

Die Stimmung unter den Österreicherinnen und Österreichern hinsichtlich Elektromobilität war in den letzten Jahren schon einmal besser. Während sich 2018 noch die Mehrheit (54 %) als potenzielle Elektroautokäuferinnen und
-käufer gesehen hat, sank das Interesse mit der Zeit.

Derzeit ziehen nur noch 43 % in Betracht, selbst ein Elektroauto anzuschaffen. Zudem befürwortet lediglich ein Drittel der Befragten ein Zulassungsverbot für Verbrennungsmotoren ab 2030.

 

Beim Thema Elektromobilität gibt es in Österreich definitiv Handlungsbedarf. Die Zustimmung zum Elektroauto muss viel stärker und rascher wachsen. Es braucht mehr Anreize wie den flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur, um die Lust auf die Elektromobilität zu heben. Nur so kann die Mobilitätswende gelingen und Österreich die Klimaziele bis 2040 erreichen.

Gerhard Marterbauer, Partner Audit & Assurance & Industry Leader Energy, Resources & Industrials

 

Es gibt aber auch Lichtblicke bei der Transformation der Mobilität: Die Akzeptanz von Wasserstoff als Teil nachhaltiger Mobilität steigt. Mehr als zwei Drittel der Befragten wollen, dass sich die Automobilbranche auf diese Technologie konzentriert. Gerade im Schwerverkehr hat Wasserstoff viel Potenzial. Aber auch Wasserstoff wird sich nur mit Förderungen seitens der öffentlichen Hand etablieren können. Zudem muss er aus grünen Quellen stammen, um tatsächlich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Eine Grundvoraussetzung für mehr Nachhaltigkeit im Verkehrssektor ist daher der weitere Ausbau erneuerbarer Energie – hier zeigt die Studie, dass sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (78 %) in diesem Bereich mehr Engagement von der Politik wünscht.

Weiterführende Informationen zur Zukunft der Mobilität:

Weitere Informationen dazu, wie Wasserstoff zur Klimaneutralität beitragen, finden Sie in unserer H2-Mobility Austria Studie.

Erneuerbare Energien in Österreich 2016 bis 2022

Bereits seit 2016 führt das Institut für Strategisches Management der WU Wien gemeinsam mit Deloitte Österreich und Wien Energie jährlich eine Studie zum Thema „Erneuerbare Energien in Österreich“ durch. Dabei werden 1.000 Österreicherinnen und Österreicher zu ihren Einstellungen und Assoziationen in Zusammenhang mit erneuerbaren Energien befragt. Die Ergebnisse zeigen einen klaren Trend zu mehr Nachhaltigkeit in den Bereichen Strom, Wärmeversorgung und Mobilität.

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