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Vorschlag zur Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

Vorschlag bringt erhebliche Erweiterung der Berichtspflichten

Am 21. April 2021 wurde der Entwurf der Europäischen Kommission zur Überarbeitung der Nichtfinanziellen Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) veröffentlicht. Dieser Entwurf sieht eine erhebliche Erweiterung der berichtpflichtigen Unternehmen vor und zielt vor allem auf eine Erhöhung der Transparenz, der Vergleichbarkeit sowie der Digitalisierung ab.

Seit dem Jahr 2017 sind bestimmte Unternehmen öffentlichen Interesses sowie Finanzdienstleister und Versicherungen aufgrund der Non Financial Reporting Directive (NFRD), welche in Österreich im Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) umgesetzt worden ist, zur Erstellung eines nichtfinanziellen Berichtes bzw. einer nichtfinanziellen Erklärung verpflichtet. In den Gesetzestexten wurden den Unternehmen sehr viele Freiräume gegeben, welche jedoch dazu führten, dass vor allem die Vergleichbarkeit der offengelegten Informationen kaum vorhanden war, dass Auswirkungen der Geschäftstätigkeit lückenhaft dargestellt sowie die Risikobetrachtung unzureichend waren.

Im Zusammenhang mit dem EU Aktionsplan für ein Nachhaltiges Finanzwesen als Kernstück des europäischen Green Deals und mit der Erreichung der von der EU gesetzten (Nachhaltigkeits-)Ziele sind jedoch flächendeckende belastbare und vergleichbare Informationen notwendig, um Auswirkungen und Risiken adäquat abzubilden und den Einfluss auf die finanzielle Performance von Unternehmen zu verstehen. Mit dem Entwurf der Corporate Sustainability Reporting Directive wird diesen Problemen Rechnung getragen, um eine nachhaltige europäische Wirtschaft zu schaffen, in welche profitables Unternehmertum auch in Zukunft gewährleistet werden kann.

Entwurf der CSRD

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Zeitlicher Rahmen der CSRD

Die Richtlinie ist von den EU-Mitgliedstaaten mit 1. Dezember 2022 in nationales Recht umzusetzen. Entsprechend dem aktuellen Entwurf der CSRD sollen Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2023 beginnen, erstmals unter die neue Richtlinie fallen. Festzuhalten ist jedoch, dass alternativ auch eine stufenweise Inkraftsetzung der CSRD in den Jahren 2024 (für Unternehmen öffentlichen Interesses) und 2025 (alle großen Kapitalgesellschaften) diskutiert wird.

Ausweitung der berichtspflichtigen Unternehmen

Der Anwendungsbereich der CSRD ist deutlich umfangreicher und umfasst folgende Unternehmen:

  • Alle großen Kapitalgesellschaften (Umsatz >40M€, Bilanzsumme >20M€ oder >250 MitarbeiterInnen)
  • Große Kreditinstitute und Versicherungen jeder Rechtsform (z.B. auch Genossenschaften)
  • Kapitalmarktorientierte kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU)
  • Ausländische Unternehmen mit börsennotierten Wertpapieren auf EU-regulierten Märkten

Entwicklung eines EU-Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung

Um die Vergleichbarkeit der offengelegten Informationen zu erhöhen, wird von der EU ein verpflichtend anzuwendender Berichterstattungsstandard geschaffen. Mit der Erarbeitung des Standards wurde die EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) beauftragt und bis 31.10.2022 soll dieser als delegierter Rechtsakt vorliegen. In der Erarbeitung des Standards werden folgende Aspekte adressiert:

  • Geschäftsmodell & Strategien
  • Ziele und Fortschritte
  • Rolle der Verwaltungs-, Management- und Leitungsorgane
  • Policies & Richtlinien
  • Wichtigste negative Auswirkungen
  • Wichtigste Risiken, einschließlich Abhängigkeiten und Risikomanagement
  • Prozess der Wesentlichkeitsanalyse (Berücksichtigung der „Double Materiality“)

Für KMUs wird ein vereinfachter Berichterstattungsstandard entwickelt, welcher am 31.10.2023 verabschiedet werden soll. Erste Ergebnisse wurden seitens der EFRAG dazu bereits als Working Paper veröffentlicht.

EFRAG Working Paper

Berichterstattungs-Standard

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Prüfungspflicht und verpflichtende Offenlegung im Lagebericht

Die bisherigen freiwilligen Prüfungen, die viele Unternehmen bereits durchführen haben lassen, wird durch eine verpflichtende Prüfung mit begrenzter Sicherheit (limited assurance, ISAE 3000) ersetzt. Eine Evaluierung, ob auf eine Prüfung mit hinreichender Sicherheit (reasonable assurance) zur Anwendung kommt, wird jedoch erfolgen.

Digitalisierung

Um die maschinellen Auswertungen von Nachhaltigkeitsinformationen weitestgehend zu ermöglichen, sind diese gemeinsam mit den Finanzinformationen spätestens 1 Jahr nach dem Bilanzstichtag im Berichtsformat ESEF (European Single Electronic Format) zu veröffentlichen.

Fazit

Die Corporate Sustainability Reporting Directive bestätigt die Ambitionen der EU, Vorreiterin im Bereich eines nachhaltigen Wirtschaftssystems zu sein. Mit der umfangreichen Erweiterung der berichtspflichtigen Unternehmen sowie der Einführung einer Prüfungspflicht, wodurch vor allem Green Washing verstärkt entgegengetreten wird, kommen für eine Vielzahl von Unternehmen neue Berichterstattungsanforderungen dazu. Im Zusammenhang mit der TaxonomieVO, welche schon jetzt die Wechselwirkung zwischen finanziellen und nichtfinanziellen KPIs bestärkt, wird die Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichterstattung noch weiter unterstrichen und Unternehmen, die sich frühzeitig mit den neuen Themenstellungen auseinandersetzen, werden einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil für sich buchen können.

Deloitte Sustainability Services unterstützt Ihr Unternehmen in der Vorbereitung auf die CSRD mit Knowhow und jahrelanger Erfahrung und Sie profitieren dabei von unserem internationalen Netzwerk, wodurch wir stets auf dem aktuellen Stand bei sämtlichen Entwicklungen rund um das Thema Nachhaltigkeit sind und Best Practices aus erster Hand liefern können.

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