Article

Risikomanagement Benchmarkstudie 2020

Analyse von Risikomanagementsystemen vor dem Hintergrund des IDW PS 981 und des IDW PS 340 n.F.

Risikomanagementsysteme (RMS) sind nicht nur ein zentraler Bestandteil der Corporate Governance, sondern werden auch als Instrument der Unternehmenssteuerung immer wichtiger. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen zunehmend an. Wie es um den Status quo der RMS in deutschen Industrieunternehmen bestellt ist und welche Zukunftsstrategie diese verfolgen, hat Deloitte in der Risikomanagement Benchmarkstudie 2020 analysiert. Die Studie beleuchtet die neuesten Trends im Risikomanagement, untersucht den aktuellen Reifegrad der RMS in Unternehmen und zeigt die wichtigsten Handlungsfelder auf.

Hintergrund

Basis der Studie sind die Anforderungen an ein wirksames RMS gemäß IDW PS 981 sowie IDW PS 340 n.F. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der IDW PS 340 n.F-Readiness zu. Denn obwohl diese regulatorischen Anforderungen ab 2021 für börsennotierte Gesellschaften verpflichtend werden, besteht hier noch vielfach Handlungsbedarf. 

 Risikomanagement Benchmarkstudie 2020

Download Studie

RMS-Reifegrad in den Unternehmen steigt

Insgesamt weisen die befragten Unternehmen aktuell einen höheren Reifegrad in deren RMS auf als in der Risikomanagement Benchmarkstudie 2017. In der aktuellen Untersuchung stehen die acht Grundelemente eines RMS nach IDW PS 981 und IDW PS 340 n.F. im Fokus. Demnach konnten die Firmen in den Bereichen „Organisation des RMS“, „Risikoidentifikation“ und „Risikokommunikation“ die größten Verbesserungen erzielen. Optimierungspotenzial sieht mehr als die Hälfte der Befragten jedoch noch in den Grundelementen „Ziele des RMS“ sowie „Überwachung und Verbesserung des RMS“. Dagegen besteht bei über 60 Prozent in den Segmenten „Risikosteuerung“, „Risikokultur“ und „Risikobewertung“ wesentliches Optimierungspotenzial bis hin zu dringendem Handlungsbedarf.

 Wollen Sie sich benchmarken lassen?

Zugangsdaten anfordern
Grundelemente des IDW PS 981 sowie in Anlehnung and den IDW PS 340 n.F.

Studiendesign

Für die Studie hat Deloitte Risikomanagementverantwortliche von 64 deutschen Industrieunternehmen persönlich und online befragt. 76 Prozent der teilnehmenden Firmen erwirtschaften einen Umsatz von mehr als einer Mrd. Euro sowie 47 Prozent über fünf Mrd. Euro. 19 Prozent der befragten Konzerne sind im DAX30 sowie 22 Prozent im MDAX gelistet. Bei den weiteren Teilnehmern handelt es sich größtenteils um börsennotierte oder kapitalmarktorientierte und internationale Unternehmensgruppen.  

Vier zentrale Kernergebnisse der Risikomanagement Benchmarkstudie 2020:

1. Zunehmende Bedeutung von RMS für die Unternehmenssteuerung

Über die Erfüllung regulatorischer Anforderungen hinaus erkennen immer mehr Unternehmen auch den Nutzen des RMS als effizientes Instrument der Unternehmenssteuerung. Bereits bei 72 Prozent der Befragten unterstützt das RMS als aktives Steuerungsinstrument das Erreichen der Unternehmensziele. Allerdings schöpfen nur wenige das volle Potenzial aus. So erfüllt lediglich bei 13 Prozent die RMS-Funktion die Rolle eines Business Partners, der die Geschäftsführung bei der Steuerung des operativen Geschäfts sowie der Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen berät und unterstützt. Ferner ist die Verzahnung des RMS mit dem Controlling weiter ausbaufähig.

2. IDW PS 340 n.F.-Readiness: Dringender Handlungsbedarf für 2020 

Aktuell ergibt sich ein dringender Handlungsbedarf für Unternehmen, ihr RMS an neue regulatorische Vorgaben anzupassen. Konkret geht es um die Anforderungen des IDW PS 340 n.F. an die Maßnahmen des Vorstands nach § 91 Abs. 2 AktG. Diese sind für Geschäftsjahre beginnend ab dem 1. Januar 2021 verpflichtend für alle börsennotierte Gesellschaften. Deswegen sind alle betroffenen Unternehmen gefordert, die regulatorische Readiness zeitnah umzusetzen und ihre RMS vor Inkrafttreten des Standards entsprechend anzupassen. Vor diesem Hintergrund planen 56 Prozent der befragten Unternehmen eine Überarbeitung des RMS. Im Fokus stehen dabei die Themen „Risikotragfähigkeit“, „Risikoaggregation“ und „Risikosteuerung“.

3. Risikokultur als kritischer Erfolgsfaktor für RMS 

Damit die RMS-Grundsätze wirkungsvoll umgesetzt werden können, stellt die Risikokultur innerhalb der Unternehmen einen kritischen Erfolgsfaktor dar. Allerdings besteht hier noch Nachholbedarf. Der Großteil der befragten Unternehmen beschränkt sich bisher auf einfache und wenig aufeinander abgestimmte Maßnahmen. Dazu zählen etwa RMS-Schulungen für Neueinsteiger, eine RMS-Intranetpräsenz oder die Einrichtung der zentralen Risikomanagementfunktion in Form einer Help Desk Funktion. Nur bei 30 Prozent der Befragten richtet die Führungsspitze klare und zielgerichtete Statements zur Bedeutung des RMS an die Belegschaft. Und nur bei knapp der Hälfte der Firmen fördert die Risikokultur realistische Meldungen von Risiken.

4. Großer Mangel an funktionierenden Risikotragfähigkeitskonzepten 

Nach den neuen regulatorischen Anforderungen des IDW PS 340 n.F. sind Risikotragfähigkeitskonzepte zukünftig für börsennotierte Unternehmen verpflichtend umzusetzen. Aktuell verfügt jedoch mehr als die Hälfte der befragten Konzerne weder über eine dokumentierte Risikostrategie, noch über ein Konzept zur Ermittlung der Risikotragfähigkeit oder über einen mit der Risikostrategie festgelegten Risikoappetit. Daraus ergibt sich ein dringender Handlungsbedarf für die betroffenen Unternehmen, entsprechend angemessene und geeignete Maßnahmen zu treffen.

Mehr zum Thema Risikotragfähigkeit

Experteninterview mit René Scheffler und Tobias Flath

open in new window Zur Website

Hintergrund: Weiterentwicklung von IDW PS 981 und IDW PS 340 n.F.

Der im März 2017 verabschiedete und freiwillig anzuwendende IDW PS 981 „Grundsätze ordnungsmäßiger Prüfung von Risikomanagementsystemen“ dient als Instrument zur Durchführung von Angemessenheits- und Wirksamkeitsprüfungen der RMS. Im Juli 2020 verabschiedete das IDW zudem den IDW PS 340 n.F., der sich analog zu seiner Vorgänger Version IDW PS 340 mit der Prüfung des Risikofrüherkennungssystems (RFS) gemäß § 317 Abs. 4 HGB im Rahmen der Jahresabschlussprüfung befasst. Bei der Neufassung des IDW PS 340 n.F. erfolgte eine Konkretisierung der Grundelemente eines RFS in Anlehnung an die zur Einrichtung und Prüfung von RMS entwickelten Grundelemente i.S.d. IDW PS 981. Ein wichtiger Unterschied besteht dennoch: Während es sich um eine freiwillige Prüfung i.S.d. IDW PS 981 handelt, so ist die Prüfung nach IDW PS 340 n.F. für börsennotierte Unternehmen analog zum bereits bestehenden IDW PS 340 für Geschäftsjahre beginnend ab dem 1. Januar 2021 verpflichtend. 

Aktualisierte Prüfungsstandards stellen neue Anforderungen an die Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen und können als Window of Opportunity zur Weiterentwicklung des Risikomanagements über die Erfüllung regulatorischer Normen hinaus und zur Unterstützung der Unternehmenssteuerung genutzt werden.

Markus Link, Partner Corporate Governance Assurance, Deloitte

Laden Sie hier die kompletten Ergebnisse der Deloitte Risikomanagement Benchmarkstudie 2020 herunter, um mehr zum Status quo und den konkreten Handlungsbedarf zur Weiterentwicklung von RMS zu erfahren. 

Eine kostenlose Teilnahme an der Benchmarkanalyse ist weiterhin jederzeit möglich. Bitte melden Sie sich bei Interesse hier an und erhalten Sie eine individuelle Auswertung für Ihr Unternehmen inklusive konkreter Handlungsempfehlungen.