Football Finance

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Annual Review of Football Finance 2020

Bundesliga setzt Umsatzwachstum weiter fort

Die aktuelle Studie verdeutlicht die weiterhin steigende Wirtschaftskraft des europäischen Fußballs vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie und zeigt die möglichen ökonomischen Auswirkungen auf. Zum 18. Mal präsentiert Deloitte die deutsche Ausgabe des „Annual Review of Football Finance“ mit den zentralen Finanzzahlen des internationalen Profifußballs im Geschäftsjahr 2018/2019. Zusätzlich wirft die Studie wie gewohnt einen detaillierten Blick auf die beiden Bundesligen und betrachtet in zwei Sonderkapiteln die Vergabe der DFL-Medienrechte und die Entwicklung des Frauenfußballs.

Schlüsselergebnisse

Durch gestiegenen Ausschüttungen an die Teilnehmer der UEFA-Clubwettbewerbe erobert die Primera División Platz 2 zurück

In der Saison 2018/19 konnte der europäische Fußball erneut einen Umsatzrekord erzielen. Dabei stiegen die Gesamtumsätze (exklusive Transfererlöse) von 28,4 auf 28,9 Mrd. Euro (+2 %). Während die Verbände einen Umsatzrückgang in Höhe von 36 % auf insgesamt 2,7 Mrd. Euro verzeichneten, steigerten die „Big Five“-Ligen ihre Erlöse um 1,4 Mrd. Euro (+9 %) auf 17,0 Mrd. Euro. Weiterhin führt die Premier League (5,9 Mrd. Euro) das Ranking der umsatzstärksten Fußballligen an und konnte den Abstand zur nächstplatzierten Liga, trotz eines im Vergleich zu den übrigen Top-Ligen moderaten prozentualen Umsatzwachstums, weiter ausbauen. Clubs der spanischen Top-Liga profitierten vor allem von den gestiegenen Ausschüttungen an die Teilnehmer der UEFA-Clubwettbewerbe und steigerten ihren Umsatz um über 300 Mio. Euro (+10 %) auf insgesamt 3,4 Mrd. Euro. Obwohl die Bundesliga vom 2. Platz im Ranking der europäischen Top-Ligen verdrängt wurde, erreichte sie ein beachtliches Umsatzwachstum von 177,0 Mio. Euro (+6 %), welches im Wesentlichen auf die vertraglich festgelegte, schrittweise Erhöhung der Erlöse aus Medienrechten zurückzuführen ist. 

Deutsche Ausgabe des Annual Review of Football Finance 2020

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Der Fußball besitzt nach wie vor einen hohen Stellenwert und wird nicht umsonst als die „wichtigste Nebensache der Welt“ bezeichnet. Das weiterhin vorhandene Interesse am Spitzenfußball lässt trotz aller kritischen Diskussionen darauf hoffen, dass dem europäischen Fußball nach der Überwindung der Pandemie eine zeitnahe Erholung gelingt.   

Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte

 

Die Bundesliga pflegt ihren Ruf des nachhaltigen Wirtschaftens

In der Saison 2018/19 wiesen die Clubs der „Big Five“-Ligen erstmals mehr als 11 Mrd. Euro an Personalaufwand aus. Die Personalaufwandsquote der englischen Premier League wuchs von 59 % in der Vorsaison auf 61 %, während in der Bundesliga das Verhältnis von Personalaufwand zu Umsatzerlösen von 53 auf 54 % stieg. Die Personalaufwandsquote der Primera División sank vom 15-Jahreshoch (66 %) in der Saison 2017/18 auf 62 % und markiert die größte prozentuale Verringerung unter den „Big Five“-Ligen. Dies ist vor allem auf die Verringerung des Personalaufwands von Real Madrid in Folge des Wechsels von Christiano Ronaldo zu Juventus Turin zurückzuführen. Trotz des Anstiegs des Personalaufwands der französischen Ligue 1 führte das gleichzeitige Umsatzwachstum zu einer Reduzierung der Personalaufwandsquote von 75 auf 73 %, was jedoch nach wie vor den höchsten Wert aller „Big Five“-Ligen darstellt. Die Personalaufwandsquote der italienischen Serie A stieg auf 70 % an und erreichte den Wert, der gemäß den UEFA-Richtlinien die Obergrenze für die nachhaltige, finanzielle Stabilität von Fußballclubs repräsentiert.

Auch die nachhaltige Personalaufwandsquote der Bundesliga trug dazu bei, dass in der Saison 2018/19 ein Rekord-Betriebsergebnis von fast 400 Mio. Euro (+5,6 %) verzeichnet werden konnte. Dennoch wurde die deutsche Top-Liga in dieser Finanzzahl von der spanischen Primera División überholt, die ihr Betriebsergebnis beinahe verdoppeln und auf 445 Mio. Euro steigern konnte (+97%). Die Eliteklassen in Italien, England und Frankreich hingegen wiesen eine negative Entwicklung der jeweiligen Betriebsergebnisse auf.

Im Vergleich mit den anderen „Big Five“-Ligen wirtschaftet die Bundesliga tendenziell eher konservativ und erzielt ein stärkeres Gleichgewicht zwischen den einzelnen Erlösquellen. Zudem sorgt das DFL-Lizenzierungsverfahrens seit vielen Jahren für ein starkes regulatorisches Umfeld und fördert ein verantwortungsbewusstes finanzielles Handeln der Entscheidungsträger. 

Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte

 

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf alle Ligen, die unterbrochen oder vorzeitig beendet wurden, und die Verschiebung der Europameisterschaft 2020 werden 2019/20 zu einem Rückgang der Einnahmen führen. Zwar werden alle Akteure davon betroffen sein, doch die Clubs, die nicht zu den „Big Five"-Ligen zählen und in der Regel stärker von den Spieltageinnahmen abhängig sind, laufen Gefahr, am härtesten von den Auswirkungen getroffen zu werden. Neben einer angemessenen staatlichen Unterstützung zum Schutz des Sports wird es wichtig sein, dass alle Beteiligten ihren Teil zu der Erholung beitragen. Solidarität zwischen allen und eine gute und konsequente Führung sowie ein verantwortungsvolles Handeln werden erforderlich sein, um sicherzustellen, dass nichts von der reichen Vielfalt verloren geht, die der europäische Fußball in den Jahrzehnten seiner Geschichte aufgebaut hat.

Im Durchschnitt erzielten die Clubs der 2. Bundesliga höhere Erlöse als die Clubs der Championship 

In der Saison 2018/19 generierten lediglich Europas „Big Five“-Ligen einen höheren Umsatz als die englische Championship, die zweite englische Liga. Die 2. Bundesliga sortierte sich u.a. vor der niederländischen Eredivisie und der portugiesischen Primeira Liga ein. Die 18 Teams der zweithöchsten Spielkasse Deutschlands erlösten in der Saison 2018/19 rund 686 Mio. Euro, was einem Anstieg von 150 Mio. Euro (+28 %) im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies wurde auch durch die Veränderung der Zusammensetzung der Liga gegenüber der Vorsaison beeinflusst, da der fehlende Umsatz der beiden Erstliga-Aufsteiger der Saison 2017/18 (Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg) durch den Umsatz der hinzugekommenen Clubs aus der ersten Liga (1. FC Köln und Hamburger SV) mehr als kompensiert wurde. Unterdessen wuchs die Championship im sechsten Jahr in Folge und generierte umgerechnet 890 Mio. Euro (+5 %). Auf Club-Ebene lag die 2. Bundesliga vor der zweiten englischen Liga (38 Mio. Euro vs. 37 Mio. Euro). Während in der 2. Bundesliga kommerzielle Erlöse weiterhin die primäre Umsatzquelle darstellen, ist der Großteil des Umsatzes in der Championship auf Erlöse aus Medienrechten und den dazugehörigen Transferleistungen, im Wesentlichen sogenannte Fallschirmzahlungen, aus der Premier League zurückzuführen.

Details zum Annual Review of Football Finance

Die Analysen der Finanzergebnisse und -positionen verschiedener europäischer Ligen basieren auf Einzel- oder Konzernabschlüssen sowie Informationen, die Deloitte von den nationalen Verbänden/Ligen zur Verfügung gestellt wurden. Sofern nicht ausdrücklich erwähnt, handelt es sich um Angaben exklusive Steuern und Erlösen aus Spielertransfers. In einigen Fällen wurden Anpassungen bei der Zuordnung der veröffentlichten Zahlen vorgenommen, um die Finanzdaten der Fußballclubs und -ligen besser vergleichen zu können. Für unsere grenzüberschreitenden Analysen wurden alle Finanzdaten mit dem durchschnittlichen Wechselkurs des jeweiligen Jahres per 30. Juni 2020 in Euro umgerechnet.

Hier erhalten Sie die vollständige Studie „Annual Review of Football Finance“ als Download.

Inhaltlich verantwortlich für die Studie ist Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte. Im Fokus der Beratungstätigkeit der Sport Business Gruppe steht weiterhin der Sport mit seinen organisatorischen, wirtschaftlichen und digitalen Herausforderungen. Ob finanzwirtschaftliche, steuerliche oder rechtliche Unterstützung im Ausgliederungsprozess des Karlsruher SC, Unternehmensbewertungen und Due Diligence diverser Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga, IT- und Digital-Assessments für nationale Fußball- und Sportverbände, Cyber-Security-Projekte für europäische Top-Clubs, strategische Beratung für Ligen im Kontext der Medienrechtevermarktung oder Sportdatenanalyse, wir nutzen unsere mehr als 20-jährige Erfahrung im Sportbusiness und die Vielfalt unserer Kompetenzen bei Deloitte. Gemeinsam mit unseren internationalen Kollegen sind wir zudem immer häufiger für verschiedene Stakeholder im wachsenden und komplexen eSports-Markt tätig. Auch in der COVID-19-Pandemie stehen wir Ihnen mit unseren Beratungsleistungen selbstverständlich zur Verfügung.

Haben Sie Interesse an einem Print-Exemplar der Studie oder Rückfragen zu unseren Beratungsleistungen im Sport Business, kontaktieren Sie uns gerne unter sportbusiness@deloitte.de.

Annual Review of Football Finance 2019: Bundesliga mit größtem Wachstum aller Ligen

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