Football Finance

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Annual Review of Football Finance 2021

COVID-19 bremst Umsatzwachstum der europäischen Fußballbranche

Zum 30. Mal präsentiert Deloitte die englische Ausgabe des „Annual Review of Football Finance“ mit den wichtigsten Finanzzahlen des internationalen Profifußballs im Geschäftsjahr 2019/2020. Die aktuelle Studie verdeutlicht die ökonomischen Auswirkungen von COVID-19 auf die europäische Fußballbranche in der Spielzeit 2019/20, die ab dem Frühjahr 2020 zunächst unterbrochen und schließlich vor leeren Rängen zu Ende gespielt wurde. Zusätzlich bietet die Studie einen detaillierten Blick auf die englischen Fußballligen und beleuchtet in weiteren Sonderkapiteln unter anderem die Frauenfußball-Saison 2019/20 sowie aktuelle Entwicklungen im Investment- und Technologiebereich.

Zentrale Ergebnisse

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Als sich COVID-19 im Frühjahr 2020 in Europa auszubreiten begann, wurde schnell klar, dass auch dem Spitzensport, einschließlich der "Big Five"-Fußballligen, erhebliche Auswirkungen bevorstanden. Zusätzlich zu den mit der Pandemie verbundenen persönlichen und logistischen Herausforderungen sahen sich Clubs, Ligen und Verbände großen finanziellen und administrativen Belastungen ausgesetzt.

Die Serie A reagierte als erste der "Big Five"-Ligen, als sie am 9. März 2020 ihre Saison aussetzte, wobei die übrigen vier Ligen innerhalb weniger Tage folgten. Abgesehen von der Ligue 1, die Ende April 2020 die Saison für beendet erklärte, nahmen die Ligen die Saison 2019/20 vor leeren Rängen wieder auf und beendeten sie mit Verspätung in den Sommermonaten. Daraus folgte, dass die Ligen in England, Italien und Spanien ihre Spielzeiten erst nach Ablauf des üblicherweise am 30. Juni eines Jahres endenden Geschäftsjahres abgeschlossen haben. Von den Ligen, die den Spielbetrieb zu Ende führten, konnte lediglich die Bundesliga die Saison im alten Geschäftsjahr beenden, nachdem sie als erste Liga bereits im Mai den Spielbetrieb wiederaufgenommen hatte.

 

Rückgänge im europäischen Fußballmarkt – Premier League weiter umsatzstärkste europäische Fußballliga, gefolgt von Bundesliga und La Liga

Der europäische Fußballmarkt schrumpfte 2019/20 infolge der COVID-19-Pandemie insgesamt um 13% auf 25,2 Mrd. Euro (2018/19: 28,9 Mrd. Euro). Absolut betrachtet, verzeichneten die "Big Five"-Ligen mit einem Rückgang der aggregierten Einnahmen um 1,9 Mrd. Euro (-11%) auf 15,1 Mrd. Euro die größten finanziellen Rückgänge. Die fünf großen Ligen vereinen dabei einen Rekordanteil von 60% der Gesamtumsätze des europäischen Fußballmarktes auf sich.

Dahinter folgen die Topligen der „Nicht-Big-Five-Länder“, die einen Umsatzrückgang von 0,6 Mrd. Euro auf 5,0 Mrd. Euro verzeichneten (-12%).      Bei den Verbänden, zu denen FIFA, UEFA und die Nationalverbände gehören, kam es in Europa zu einem Umsatzrückgang in Höhe von 30 % auf insgesamt      1,9 Mrd. Euro.  

Weiterhin führt die Premier League (5,1 Mrd. Euro) im Ranking der umsatz-stärksten Fußballligen, musste dabei in der Saison 2019/20 jedoch zum ersten Mal einen Rückgang der Umsätze verkraften (2018/19: 5,8 Mrd. Euro; -13%). Dahinter folgt in diesem Jahr die Bundesliga, die im internationalen Vergleich  mit -4% die geringsten relativen Umsatzrückgänge verzeichnete                      (-137 Mio. Euro)  und mit einem Gesamtumsatz von 3,2 Mrd. Euro an der spanischen La Liga (3,1 Mrd. Euro; -8%) vorbeizog. Somit verringerte sich auch der Abstand zwischen den beiden umsatzstärksten Ligen. Hatte dieser in der Saison 2018/19 noch ca. 2,5 Mrd. Euro betragen (Premier League ggü. La Liga), waren es 2019/20 ca. 1,9 Mrd. Euro (Premier League ggü. Bundesliga).

Die italienische Serie A und die französische Ligue 1 tragen Einnahmen in Höhe von 2,1 Mrd. Euro (-18%) beziehungsweise 1,6 Mrd. Euro (-16%) zu den                15,1 Mrd. Euro an Gesamteinnahmen der fünf großen europäischen Ligen bei.

 

Mit etwa drei bis vier Monaten unter Pandemiebedingungen war nur ein Teil der Saison 2019/20 von den Einschränkungen betroffen. Voraussichtlich wird es noch Jahre dauern, bis das vollständige Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie für Europas Spitzenfußball sicht- und messbar wird.    

Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte

 

Bundesliga: Wirtschaftliche Verantwortung als Fundament in unsicheren Zeiten

Von allen „Big Five“-Ligen ist die Bundesliga wirtschaftlich am stabilsten durch die Saison 2019/20 gekommen. Insgesamt hat die deutsche Spitzenliga              3,2 Mrd. Euro erwirtschaftet, was einem moderaten Umsatzrückgang von -4% entspricht (-137 Mio. Euro). Dieser ist vor allem auf einen Rückgang bei den Spieltagerlösen zurückzuführen, die in Konsequenz der ab Mai 2020 stattfindenden „Geisterspiele“ und dem damit verbundenen Ausschluss von Zuschauern um 156 Mio. Euro (- 30%) gesunken sind. Wie in den Vorjahren hatten die Medienerlöse mit 46% und 1,5 Mrd. Euro den größten Anteil am Bundesliga-Umsatz 2019/20. In diesem Bereich kam der Liga zugute, dass der Spielbetrieb bereits im Mai wiederaufgenommen werden konnte, sodass infolgedessen seitens der Medienpartner keine signifikanten Rabatte gefordert wurden. Darüber hinaus gelang es der DFL, durch den Abschluss des Bieterprozesses für den Medienrechtezyklus der kommenden vier Jahre (2021/22 bis 2024/25) im Sommer 2020 den Clubs mitten in der Pandemie eine Zukunftsperspektive zu eröffnen und für Planungssicherheit zu sorgen.              Die Rechte wurden für durchschnittlich 1,1 Mrd. Euro pro Saison veräußert.      Dies entspricht einem Minus von 5% im Vergleich zur vorherigen Rechteperiode, was – vor allem angesichts der wirtschaftlich unsicheren Lage sowie der geringen Bieterzahl für die großen Rechtepakete – dennoch als Erfolg gewertet werden kann. 

Im Bereich Sponsoring konnte die Bundesliga ihre Umsätze sogar um 5% steigern, was nicht allein durch einige wenige, wirtschaftlich starke Clubs getrieben ist, sondern auch durch solche, die nicht zu den regelmäßigen Teilnehmern am europäischen Wettbewerb gehören. Ebenfalls grundsätzlich positiv zu bewerten ist die Entwicklung des Personalaufwands in der Liga, der mit 0,5% nur geringfügig angestiegen ist. Hierbei setzen die deutschen Clubs also auf Stabilität. Nichtsdestotrotz ist die Personalaufwandsquote in der Saison 2019/20 mit 56% auf ein neues Rekordhoch der vergangenen 20 Jahre gestiegen. In Anbetracht der gesunkenen Umsätze und der verhältnismäßig unflexiblen Kostenstruktur im Personalaufwand erscheint dies als logische Konsequenz.     Im internationalen Vergleich weist die Bundesliga dennoch weiterhin mit Abstand die geringste Personalaufwandsquote unter den „Big Five“-Ligen aus.

Insgesamt besteht für die Bundesliga Anlass zur Hoffnung, wirtschaftlich weiterhin vergleichsweise gut durch die unsicheren Zeiten zu kommen.          Zum einen begründet sich dies entsprechend aus dem Positivtrend bei den kommerziellen Erlösen in Kombination mit den neuen Mediendeals.                  Zum anderen ist es vor allem das Ergebnis wirtschaftlich nachhaltigen Handelns, das die deutschen Clubs in den letzten 20 Jahren zunehmend etabliert haben.

 

Europas populärster Sport steht vor vielen Herausforderungen: Wann, wie und wo können Fans künftig wieder in signifikanter Zahl in die Stadien? Wie vereinbart man Stimmung und Emotionen mit Hygienekonzepten? Wie sehen die Mediendeals der Zukunft aus?

Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte

 

Details zum Annual Review of Football Finance

Die Analysen der Finanzergebnisse und -positionen verschiedener europäischer Ligen basieren auf Einzel- oder Konzernabschlüssen sowie Informationen, die Deloitte von den nationalen Verbänden/Ligen zur Verfügung gestellt wurden. Sofern nicht ausdrücklich erwähnt, handelt es sich um Angaben exklusive Steuern und Erlösen aus Spielertransfers. In einigen Fällen wurden Anpassungen bei der Zuordnung der veröffentlichten Zahlen vorgenommen, um die Finanzdaten der Fußballclubs und -ligen besser vergleichen zu können. Für unsere grenzüberschreitenden Analysen wurden alle Finanzdaten mit dem durchschnittlichen Wechselkurs des jeweiligen Jahres per 30. Juni in Euro umgerechnet.

Im Hinblick auf die besonderen Umstände, die durch COVID-19 hervorgerufen wurden, ist zu beachten, dass sich die Analyse in diesem Bericht weitestgehend auf das Geschäftsjahr 2019/20 konzentriert und entsprechend lediglich drei bis vier Monate unter dem Einfluss der Pandemie abbildet. Darüber hinaus führt die Beendigung der Spielzeiten in England, Spanien und Italien nach dem Ende der typischen Finanzberichtszeiträume dazu, dass einige Einnahmen- und Kostenelemente der Saison 2019/20 im darauffolgenden Geschäftsjahr 2020/21 (und somit in der nächstjährigen Ausgabe des Annual Review of Football Finance von Deloitte) erfasst werden.

Hier erhalten Sie die vollständige Studie „Annual Review of Football Finance“ als Download

Inhaltlich verantwortlich für die Studie ist Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte. Im Fokus der Beratungstätigkeit der Sport Business Gruppe steht der Sport mit seinen organisatorischen, wirtschaftlichen und digitalen Herausforderungen. Ob finanzwirtschaftliche, steuerliche oder rechtliche Beratung, Unternehmensbewertungen und Due Diligence diverser Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga, Beratung hinsichtlich Unternehmens- und Organisationsentwicklung sowie IT- und Digital-Assessments für nationale Fußball- und Sportverbände, Cyber-Security-Projekte für europäische Top-Clubs, strategische Beratung für Ligen im Kontext der Medienrechtevermarktung oder Sportdatenanalyse: Wir nutzen unsere mehr als 20-jährige Erfahrung im Sportbusiness und die Vielfalt unserer Kompetenzen bei Deloitte. Gemeinsam mit unseren internationalen Kollegen sind wir zudem immer häufiger für verschiedene Stakeholder im wachsenden und komplexen eSports-Markt tätig. Auch in der COVID-19-Pandemie stehen wir Ihnen mit unseren Beratungsleistungen selbstverständlich zur Verfügung.

Haben Sie Interesse an einem Print-Exemplar der Studie oder Rückfragen zu unseren Beratungsleistungen im Sport Business, kontaktieren Sie uns gerne unter sportbusiness@deloitte.de.

Archiv

Deutsche Ausgabe des Annual Review of Football Finance 2020

Bundesliga setzt Umsatzwachstum weiter fort. Die Studie verdeutlicht die weiterhin steigende Wirtschaftskraft des europäischen Fußballs vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie und zeigt die möglichen ökonomischen Auswirkungen auf. 

Deutsche Ausgabe des Annual Review of Football Finance 2019

Bundesliga mit größtem Wachstum aller Ligen

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