Football Finance

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Annual Review of Football Finance 2022

COVID-19 weiterhin mit signifikanten ökonomischen Auswirkungen auf die europäische Fußballbranche

Zum 31. Mal präsentiert Deloitte die englische Ausgabe des „Annual Review of Football Finance“ mit den wichtigsten Finanzzahlen des internationalen Profifußballs im Geschäftsjahr 2020/2021. Die aktuelle Studie verdeutlicht die signifikanten ökonomischen Auswirkungen von COVID-19 auf die europäische Fußballbranche in der Spielzeit 2020/21, die vor allem durch die Abwesenheit der Fans in europäischen Stadien und dem damit einhergehenden Ausbleiben von Ticketeinnahmen negativ beeinflusst wurde. Zusätzlich bietet die Studie einen detaillierten Blick auf die englischen Fußballligen und beleuchtet in weiteren Sonderkapiteln unter anderem die Frauenfußball-Saison 2020/21 sowie aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit Investments im Fußballbereich.

Zentrale Ergebnisse

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Wie schon im Vorjahr war die Saison 2020/21 von der globalen COVID-19-Pandemie und den damit einhergehenden Schutzmaßnahmen und Einschränkungen geprägt. So fand ein Großteil der Saison ohne Publikum oder mit einer sehr niedrigen Auslastung in den Stadien statt. Trotz der Abwesenheit der Fans stieg der Gesamtumsatz im europäischen Fußballmarkt (exklusive Transfererlöse) um rund 10% auf 27,6 Mrd. Euro an. Dies ist hauptsächlich auf die verspätete Austragung der UEFA EURO 2020 im Sommer 2021 zurückzuführen, in deren Folge im Segment der Verbände (FIFA, UEFA, Nationalverbände) ein Wachstum von 1,8 Mrd. Euro (+95%) erzielt wurde.

Die "Big Five"-Ligen, vor allem getrieben durch Umsatzsteigerungen in Folge höherer Medienerlöse in der Premier League und Serie A, verbuchten ein Wachstum der aggregierten Einnahmen um 0,5 Mrd. Euro (+3%) auf 15,6 Mrd. Euro. Die fünf großen Ligen vereinen dabei einen Anteil von 57% der Gesamtumsätze des europäischen Fußballmarktes auf sich. Dahinter folgen die Topligen der „Nicht-Big-Five-Länder“, die ein Umsatzwachstum von 0,1 Mrd. Euro auf 5,1 Mrd. Euro verzeichneten (+2%).

Weiterhin führt die Premier League (5,5 Mrd. Euro) das Ranking der umsatzstärksten Fußballligen an, nachdem sie in ihrer 30-jährigen Jubiläumssaison 2020/21 ein Wachstum in Höhe von 0,4 Mrd. Euro (+8%) ausweisen konnte. Dahinter folgt die Bundesliga mit 3,0 Mrd. Euro (-6%), die sich im internationalen Vergleich vor der spanischen La Liga mit 2,9 Mrd. Euro (-5%) behaupten konnte. Somit vergrößerte sich auch der Abstand zwischen den beiden umsatzstärksten Ligen wieder auf das Niveau von 2018/19 mit ca. 2,5 Mrd. Euro (Premier League ggü. Bundesliga).

Die italienische Serie A und die französische Ligue 1 tragen Einnahmen in Höhe von 2,5 Mrd. Euro (+23%) beziehungsweise 1,6 Mrd. Euro (+1%) zu den 15,6 Mrd. Euro an Gesamteinnahmen der fünf großen europäischen Ligen bei. Die Serie A verzeichnete dabei das größte relative Wachstum unter den „Big Five“-Ligen, was im Wesentlichen auf die Verschiebung von Medienerlösen aus der Vorsaison in das Geschäftsjahr 2020/21 zurückzuführen ist.

 

Bundesliga: Umsatz sinkt leicht

Mit rund 3 Mrd. Euro erwirtschaftete die Bundesliga einen um 203 Mio. Euro (-6%) geringeren Umsatz als noch in der Vorsaison. Dies ist vor allem auf einen Rückgang bei den Spieltagerlösen zurückzuführen, die in Konsequenz des pandemiebedingten Zuschauerausschlusses um 342 Mio. Euro auf 22 Mio. Euro (-94%) sanken. 

Wie in den Vorjahren hatten die Medienerlöse mit 55% und 1,7 Mrd. Euro den größten Anteil am Umsatz der Bundesliga 2020/21, verzeichneten jedoch im „Big-Five“-Ligen-Vergleich den geringsten Anstieg (+169 Mio. Euro bzw. 11%). Dies ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die Bundesliga als einzige der „Big Five“-Ligen die Vorsaison trotz Unterbrechung bis Ende Juni 2020 (und damit noch innerhalb des Geschäftsjahres 2019/20) erfolgreich beenden konnte.

 

Während die Ligue 1 vorzeitig abgebrochen wurde, erfolgte der Abschluss der Saisons von Premier League, La Liga und Serie A erst im Juli 2020 und damit im hier betrachteten Geschäftsjahr 2020/21. Demensprechend beinhalten die Medienerlöse dieser Ligen in 2020/21 einen signifikanten Umsatzanteil, der unter normalen Umständen im Vorjahr verbucht worden wäre.    

Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte

 

Positiv wirkte sich hingegen die Teilnahme von Bundesliga-Clubs an der K.O.-Runde der UEFA Champions League 2019/20 aus, welche im August 2020 und damit ebenfalls im hier betrachteten Geschäftsjahr 2020/21 ausgetragen wurde. Hier konnte der FC Bayern München den Titel gewinnen, während RB Leipzig erst im Halbfinale ausschied.

Darüber hinaus gelang es der DFL, durch den Abschluss des Bieterprozesses für den Medienrechtezyklus der kommenden vier Jahre (2021/22 bis 2024/25) im Sommer 2020 den Clubs mitten in der Pandemie eine Zukunftsperspektive zu eröffnen und für Planungssicherheit zu sorgen. Die Rechte wurden für durchschnittlich 1,1 Mrd. Euro pro Saison veräußert. Dies entspricht einem Minus von 5% im Vergleich zur vorherigen Rechteperiode, was – vor allem angesichts der wirtschaftlich unsicheren Lage sowie der geringen Bieterzahl für die großen Rechtepakete – dennoch als Erfolg gewertet werden kann. 

 

Überdurchschnittliche wirtschaftliche Stabilität der Bundesliga

Die Bundesliga bleibt auch in der Saison 2020/21 zusammen mit der Premier League die einzige der „Big Five“-Ligen, die seit 20 Jahren stets ein positives Betriebsergebnis erzielen konnte. Im Hinblick auf den Personalaufwand setzen die deutschen Clubs ebenfalls weiter auf Stabilität, wenngleich die Personalaufwandsquote in der Saison 2020/21 in Folge sinkender Umsätze und der verhältnismäßig unflexiblen Kostenstruktur im Personalaufwand mit 65% auf ein neues Rekordhoch der vergangenen 20 Jahre gestiegen ist.

 

Auch in der Saison 2020/21 macht sich das wirtschaftlich nachhaltige Handeln der deutschen Clubs bezahlt, was sich darin widerspiegelt, dass die Bundesliga weiterhin die geringste Personalaufwandsquote unter den „Big Five“-Ligen aufweist.

Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte

 

Details zum Annual Review of Football Finance

Die Analysen der Finanzergebnisse und -positionen verschiedener europäischer Ligen basieren auf Einzel- oder Konzernabschlüssen sowie Informationen, die Deloitte von den nationalen Verbänden/Ligen zur Verfügung gestellt wurden. Sofern nicht ausdrücklich erwähnt, handelt es sich um Angaben exklusive Steuern und Erlösen aus Spielertransfers. In einigen Fällen wurden Anpassungen bei der Zuordnung der veröffentlichten Zahlen vorgenommen, um die Finanzdaten der Fußballclubs und -ligen besser vergleichen zu können. Für unsere grenzüberschreitenden Analysen wurden alle Finanzdaten mit dem durchschnittlichen Wechselkurs des jeweiligen Jahres per 30. Juni in Euro umgerechnet.

Im Hinblick auf die besonderen Umstände, die durch COVID-19 hervorgerufen wurden, ist zu beachten, dass sich die Analyse in diesem Bericht weitestgehend auf das Geschäftsjahr 2020/21 konzentriert. Darüber hinaus führt die Beendigung der Spielzeiten in England, Spanien und Italien in der Saison 2019/20 nach dem Ende der typischen Finanzberichtszeiträume dazu, dass einige Einnahmen- und Kostenelemente der Saison 2019/20 im darauffolgenden, hier betrachteten Geschäftsjahr 2020/21 erfasst werden.

Hier erhalten Sie die vollständige Studie „Annual Review of Football Finance“ als Download

Inhaltlich verantwortlich für die Studie ist Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte. Besonders in diesen herausfordernden Zeiten kann unsere langjährige Branchenexpertise einen wichtigen Mehrwert für die diversen Akteure des Sportökosystems beisteuern. Neben unserem breiten Spektrum an finanzwirtschaftlichen Beratungsdienstleistungen (z.B. Transaktionsberatung, Liquiditätsplanung, Finanzreporting) bieten wir u.a. auch eine bedarfsorientierte Unterstützung in den Bereichen Digitalisierung und IT an. Dies umfasst u.a. auch die Themenfelder Cyber Security, NFT und Metaverse. In diesen Bereichen konnten wir in der jüngeren Vergangenheit bereits erfolgreich Projekte durchführen. Des Weiteren sind wir vermehrt auch im Rahmen der Nachhaltigkeitsberatung im Sport tätig. So unterstützen wir beispielsweise den DFB bei der Erarbeitung einer ganzheitlichen Umwelt- und Klimaschutzstrategie sowie bei der Entwicklung von Leitlinien zur Implementierung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen im Spielbetrieb.

Haben Sie Rückfragen zu unseren Beratungsleistungen im Sport Business? Dann kontaktieren Sie uns gerne unter sportbusiness@deloitte.de.

Die englischsprachige Ausgabe finden Sie hier zum Download.

Archiv

Annual Review of Football Finance 2021

COVID-19 bremst Umsatzwachstum der europäischen Fußballbranche.

Deutsche Ausgabe des Annual Review of Football Finance 2020

Bundesliga setzt Umsatzwachstum weiter fort. Die Studie verdeutlicht die weiterhin steigende Wirtschaftskraft des europäischen Fußballs vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie und zeigt die möglichen ökonomischen Auswirkungen auf. 

Deutsche Ausgabe des Annual Review of Football Finance 2019

Bundesliga mit größtem Wachstum aller Ligen.

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