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Tore, Stars und Umsatz: Deloitte Football Money League 2020

FC Barcelona erstmals auf Platz 1, FC Bayern erneut stark auf Platz 4

Wachstumsbranche Fußball: Die 20 Top-Clubs weltweit erzielten in der Saison 2018/19 einmal mehr einen neuen Rekordumsatz von insgesamt 9,3 Milliarden Euro – eine Steigerung um 11 Prozent gegenüber der Vorsaison. Das ist eine Zuwachsrate, die viele andere Industrien neidisch machen dürfte. In der Football Money League 2020 Studie analysiert Deloitte, welche Clubs es in diese exklusive Liga schafften – und wie ihnen das gelang. Aus der Bundesliga sind neben FC Bayern München wieder Borussia Dortmund und FC Schalke 04 mit dabei.

Sportlicher und finanzieller Erfolg: für diese Spitzenclubs sind das zwei Seiten derselben Medaille. Zum 23. Mal stellten die Experten der Deloitte Sport Business Gruppe die Tabelle der zwanzig finanziell leistungsstärksten Clubs der letzten Saison zusammen. Der FC Barcelona rückt in der Saison 2018/19 mit einem Umsatz von 840,8 Millionen Euro zum ersten Mal an die Spitze und verweist Erzrivale Real Madrid auf Rang zwei (757,3 Millionen Euro). Platz 3 geht erneut an Manchester United (711,5 Millionen Euro). Insgesamt dominiert Englands Premier League mit aktuell acht Clubs einmal mehr das Ranking. Doch auch die Bundesliga spielt mit drei Teams ganz oben mit. Es überrascht dabei wenig, dass Dauer-Meister FC Bayern München mit 660,1 Millionen Euro vorn liegt, und damit wieder Platz 4 erreicht. Auf Position zwölf folgt Borussia Dortmund (377,1 Millionen Euro), FC Schalke 04 (324,8 Millionen Euro) steigt um einen Rang auf Platz 15 auf.

 

Die Besten der Besten punkten mit kommerziellen Umsätzen

Ein zentraler wirtschaftlicher Erfolgsfaktor für die Umsatz-Elite sind natürlich sportliche Leistungen, vor allem in der UEFA Champions League. Diese bringen regelmäßig markant höhere Einnahmen aus TV- und Medienrechten. Sie machen mit 44 Prozent weiterhin den größten Teil des Gesamtumsatzes der Football Money League aus und stiegen in den letzten fünf Jahren mit durchschnittlicher jährlicher Wachstumsrate von elf Prozent. Auf diesen Posten haben die Clubs in der Vermarktung aber kaum Einfluss, da die Rechte durch die jeweiligen Dachverbände bzw. Ligen vermarktet werden. Umso größer ist jedoch der Einfluss auf die Höhe dieser Erlöse durch die sportliche Leistung. Es fällt dabei auf, dass die besonders umsatzstarke Spitzengruppe der Football Money League deutlich weniger abhängig von diesen Einnahmen ist als die weiteren Clubs. Dieser „Elite der Elite“ gelingt es, neben den Erlösen aus Medienrechten auch besonders hohe kommerzielle Erträge zu erwirtschaften, etwa indem sie ihre Marke besser verwerten. Der „Klassenbeste“ FC Barcelona hat im Rahmen der eigenen Vermarktung eine wesentliche Veränderung vorgenommen: Die Merchandising- und Lizenzaktivitäten werden nun In-house gesteuert, was zu einem deutlichen Umsatzplus von 150,4 Millionen Euro beitrug. Der kommerzielle Umsatz von 383,5 Millionen Euro ist bei Barça höher als beispielsweise der Gesamtumsatz von Borussia Dortmund.

 

Starker Meister: FC Bayern München nimmt Anlauf auf Platz 3

Aber auch der deutsche Spitzenreiter spielt in dieser Disziplin in einer ganz eigenen Liga. Die kommerziellen Einnahmen machten 54 Prozent des Umsatzes aus und wuchsen 2018/19 um rund zwei Prozent. Das ist im Vergleich der Clubs der dritthöchste Anteil dieser wichtigen Einnahmequelle am Gesamtumsatz, der insgesamt um fünf Prozent zunahm. Die Rechteeinnahmen stiegen dagegen um zwanzig Prozent – und das, obwohl Bayerns Elf in der Champions League schlechter abschnitt als in der Vorsaison. Der Grund war eine Verbesserung der Ausschüttungen sowohl auf UEFA- als auch auf nationaler Ebene. Und auch wenn der Umsatzabstand zum Drittplatzierten im Ranking Manchester United 2018/19 noch zunahm: Da die Red Devils in der aktuellen Champions League außen vor sind, könnten die Bayern in der Football Money League 2021 im Umsatz an ihnen vorbeiziehen und in die Top 3 vorstoßen.

 

Medienrechte und digitale Initiativen: Borussia Dortmund zeigt Spielfreude

Beeindruckendes Wachstum: Mit 19 Prozent steigerten die Borussen den Umsatz besonders kräftig und erspielten wieder Rang zwölf. Dazu trug vor allem das deutliche Plus bei den Medienrechten bei (37 Prozent), befeuert u.a. durch die Auftritte in der Champions League und einer Steigerung der Medienerlöse der Bundesliga. Doch das allein wird nicht ausreichen, um in Zukunft zur absoluten Spitzengruppe aufzuschließen. Wichtig wären hierfür auch in Dortmund Zugewinne bei den kommerziellen Einnahmen. Daher setzt man hier beispielsweise verstärkt auf das Thema virtuelle Bandenwerbung. Als erster Bundesligist setzte man diese Technologie seit 2018/19 bei allen Heimspielen ein. Unterschiedliche regionale Zielgruppen werden dadurch individuell ansprechbar. Die genauen Auswirkungen hieraus auf die kommerziellen Erlöse, werden sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen. Im Moment liegt deren Anteil bei 40 Prozent am Gesamtumsatz, was im Ranking ebenfalls der zwölfte Platz bedeutet. Positiv wird sich zukünftig für den Umsatz des deutschen Vizemeisters jedenfalls der jüngst verlängerte Ausrüster-Deal mit Puma auswirken, der deutlich bessere Konditionen beinhaltet.

 

Erfolgreiche Saison: Etappensieg für FC Schalke 04

Mit dem „Aufstieg“ um einen Rang auf Platz 15 stellen die Gelsenkirchener ihre Wirtschaftskraft eindrücklich unter Beweis. Der Umsatz wuchs von 243,8 Millionen Euro in der Vorsaison auf 324,8 Millionen Euro in 2018/19. Hauptgrund: Nach einer vierjährigen Pause nahm der Club wieder an der Champions League teil, was zur starken Verbesserung der Rechte-Einnahmen um 77 Prozent beitrug. Allerdings konnten sich die Königsblauen in der Saison 2018/19 bei keinem UEFA-Wettbewerb qualifizieren und müssen daher für die kommende Ausgabe der Money League mit einem Umsatzrückgang in diesem Bereich rechnen. Auch hier wäre ein wichtiges Gegenmittel eine weitere Stärkung des kommerziellen Umsatzes (Anteil: 34 Prozent). Dabei hat Schalke mit kreativen Ideen vorgelegt, etwa durch digitale Innovationen wie den Streamingdienst Schalke TV oder eine interaktive Augmented-Reality-App. Vor allem aber dürften neue oder verlängerte kommerzielle Deals sowie die stabile Beziehung mit dem Sponsor Gazprom verhindern, dass Schalke in der Football Money League 2021 aus den Top 20 absteigt.

 

Die Football Money League: Sport-Expertise von Deloitte

Deloitte basiert die Rangliste der Football Money League auf den Umsatzangaben der Clubs bzw. Unternehmen. Transfererlöse und Mehrwertsteuer o.ä. werden dabei nicht berücksichtigt. Mit der Football Money League liefert Deloitte die aktuellste und zuverlässigste unabhängige Analyse der relativen finanziellen Performance der Top-Clubs. Die vollständige Studie zur 23. Deloitte Football Money League finden Sie hier  im englischsprachigen Download. Die deutschsprachige Ausgabe mit einem stärkeren Fokus auf die Bundesliga inklusive der Daten weiterer deutscher Clubs erscheint im Frühjahr dieses Jahres.

Infografik Deloitte Football Money League 2020

Football Money League 2019