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Deloitte Global Supplier Risk Monitor 2021

Frühzeitige Risikoidentifikation und proaktive Transformation in Zeiten von COVID-19 und Disruption in der Autoindustrie 

Die COVID-19-Pandemie hat die Autoindustrie zu einem ungünstigen Zeitpunkt hart getroffen. Die Zulieferer müssen sich nicht nur den Auswirkungen dieser Krise stellen, sondern sind gleichzeitig gefordert, die Transformation der automobilen Wertschöpfungskette voranzutreiben. Die verschiedenen Unternehmens- und Marktrisiken in diesem herausfordernden Umfeld zu kennen, ist essentiell, um frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Das sind zentrale Aussagen des aktuellen Global Supplier Risk Monitors von Deloitte. Das Risiko-Analyse-Framework für Automobilzulieferer identifiziert Fahrzeugkomponenten-spezifisch die größten Herausforderungen in diesem Sektor und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf.

Corona-Krise und Struktur-Wandel treffen Automobilindustrie und Zulieferer

Zweifelsohne befindet sich die Automobilindustrie aktuell in schwierigem Fahrwasser. Seit 2019 und verstärkt durch den Ausbruch der Pandemie in 2020 sind die Verkaufszahlen von PKWs insgesamt stark zurückgegangen. Gleichzeitig steigt zunehmend der Anteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Infolgedessen sind die Aktienkurse der etablierten OEMs gefallen, während die Aktienkurse von neuen, auf E-Mobilität spezialisierten Mitbewerbern wie Tesla in neue, bislang ungekannte Höhen gestiegen sind. Auch wenn die Pandemie nicht die Hauptursache für diese Entwicklung ist, hat sie die bereits bestehenden Risikofaktoren und strukturellen Trends verstärkt, mit denen die Automobilzulieferindustrie ohnehin schon konfrontiert war.   

Deloitte Global Supplier Risk Monitor 2021

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Herausforderungen durch Digitalisierung und Elektrifizierung

Dieser Wandel birgt für viele Zulieferer enorme Risiken: Unternehmen, die zu langsam sind, um die neuesten technologischen und verbrauchergetriebenen Trends umzusetzen oder neue Vorschriften zu befolgen, laufen Gefahr, zu scheitern. Dazu zählen vor allem die spezifischen Herausforderungen, die sich beispielsweise aus der Digitalisierung und Elektrifizierung ergeben. So geraten Produkte rund um den Verbrennungsmotor zunehmend unter Druck, während Elektromobilität stark an Bedeutung gewinnt. Die verschiedenen Unternehmen sind hier unterschiedlich stark Risiken ausgesetzt:

  • Externe Risiken sind unkontrollierbare Faktoren, wie beispielsweise Wettbewerbsdruck oder regulatorische Entwicklungen, die einen Einfluss auf die gegenwärtige oder zukünftige Performance eines Unternehmens haben, aber weitgehend dem Einfluss des Managements entzogen sind.
  • Interne Risken können grundsätzlich vom Unternehmen beeinflusst werden und sind entweder ein Multiplikator oder ein Mitigator für externe Risiken. Während alle Unternehmen innerhalb eines Fahrzeugkomponenten-Cluster in gleichem Maße von externen Faktoren betroffen sind, unterscheidet sie jedes Unternehmen in Bezug auf ihre internen Risiken.

Die radikale Marktveränderung aber auch die deutlich unterschiedlichen und ebenfalls drastischen Änderungen unterliegenden Risikoprofile eines jeden Unternehmens machen deutlich, dass das Erkennen von Risiken und die richtige Vorbereitung darauf essentiell für den zukünftigen Unternehmenserfolg sind. Dabei ist die Kombination aus szenariobasiertem Denken und strategischem Vorgehen unerlässlich. Diese hilft Zuliefern, deren Kunden sowie auch Finanzierungspartnern, proaktiv Risikobereiche zu erkennen sowie eine priorisierte Reihe von Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um auf die möglichen Bedrohungen für ihr Geschäft zu reagieren.  

Unterstützung bei der strategischen Weichenstellung

Um die Zulieferer bei der Ausrichtung ihrer Strategie zu unterstützen, hat Deloitte den Global Supplier Risk Monitor entwickelt. Dabei wurde der Automobilzulieferermarkt nach dem gleichen Ansatz wie in der Studienreihe „Future of the Automotive Value Chain“  in 19 Fahrzeugkomponenten-Cluster aufgeteilt. Ziel ist es, die clusterspezifischen Risiken zu identifizieren, deren potenzielle Auswirkungen zu skizzieren und mögliche Gegenmaßnahmen aufzuzeigen. So werden Automobilzulieferer und deren wichtigste Stakeholder – von den OEMs bis hin zu den Kapitalgebern – in die Lage versetzt, die heutigen Risiken zu managen und deren Auswirkungen zu mindern.  

Systematik und Methodik: Risiko-Analyse-Framework für Automobilzulieferer

Der Global Supplier Risk Monitor ermöglicht es Unternehmen, Risiken in 19 separaten Clustern kontinuierlich und systematisch zu überwachen. Jeder dieser Cluster wird anhand von drei externen Risikokategorien und drei internen Risikokategorien auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Zu den externen Risikofaktoren zählen Marktstruktur und -druck, das regulatorische und gesellschaftliche Umfeld sowie die zukünftige Marktrelevanz. Während alle Unternehmen innerhalb eines Clusters in gleichem Maße von diesen externen Faktoren betroffen sind, unterscheiden sie sich jedoch hinsichtlich ihrer internen Risiken. Diese umfassen die Cash-Generierungskraft, die Anpassungsfähigkeit und Innovationsfähigkeit innerhalb des Clusters sowie die Bonität.

Der Wert, der jeder Risikokategorie zugewiesen wird, kombiniert weitere Risikoindikatoren, die auf der Grundlage umfangreicher Recherchen und Branchenkenntnisse von den Deloitte Experten bewertet werden. So wird bei der Identifizierung der relevanten Risiken für einen bestimmten Cluster eine ganzheitliche und laufend aktuelle Sichtweise sichergestellt. 

Dieses Vorgehen bietet eine solide Grundlage für die Risikoidentifizierung und die Entwicklung von Gegenmaßnahmen. Anhand der Position innerhalb der Risikomatrix können erste Hypothesen über den Ursprung oder den primären Treiber jedes Risikos entwickelt und Initiativen zur Risikominderung erarbeitet werden. 

Die höchsten und geringsten Risiken für Automobilzulieferer

Die größten Herausforderungen bestehen derzeit in Fahrzeugkomponenten-Clustern, die sich auf Verbrennungsmotoren und Abgassysteme konzentrieren. So weist das Cluster ICE (Internal Combustion Engine) das höchste externe Risiko auf. Dieser Bereich ist mit einem sinkenden Marktvolumen, einer hohen Marktkonsolidierung sowie starken negativen Auswirkungen seitens der Gesetzgebung konfrontiert. Das höchste interne Risiko wurde momentan im Fahrzeugkomponenten-Cluster Achsen festgestellt, der von geringen Erträgen und schlechten Bilanzstrukturen gelkennzeichnet ist. 


Die geringsten Risiken sind eindeutig in den Clustern ADAS & Sensors und Electric Drivetrain zu finden. Der Cluster ADAS & Sensoren weist unter den fünf stabilsten Clustern sogar in fünf von sechs Risikokategorien das geringste Risiko auf. Besonders positiv wirken sich hier vor allem die Faktoren Anpassungsfähigkeit & Innovationsfähigkeit sowie Bonität der in diesem Fahrzeugkomponenten-Cluster befindlichen Unternehmen aus.

Fazit

Um den langfristigen Unternehmenserfolg sicherzustellen, ist es für Zulieferer, deren Kunden sowie auch Finanzierungspartner unerlässlich, einen kontinuierlichen und systematischen Ansatz zur Überwachung und Bewertung von internen und externen Risiken zu etablieren. Das setzt eine strukturierte Methodik voraus, die es möglich macht, Risiken frühzeitig zu erkennen und darauf mit den richtigen Gegenmaßnahmen zu reagieren.

Der Global Supplier Risk Monitor von Deloitte wird fortlaufend aktualisiert und bietet hilfreiche Unterstützung bei der Risiko-Analyse und zeigt anhand von Use-Cases die Anwendung des Frameworks in der Praxis.

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