zukunft der automobilzulieferer 2030

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Die Zukunft der Automobilzulieferer: Vier Industrieszenarien für 2030

Aktualisierte Deloitte Branchen-Szenarien unterstützen Zulieferunternehmen bei der Strategiefindung.

Vom autonomen Fahren bis zur Elektromobilität: Die Automobilindustrie ist in einem tiefgreifenden Prozess des Umbruchs. Doch wie wird sich dieser Wandel im Einzelnen abspielen – und was wird das für die Automobilzulieferer bedeuten? In unserem neuen Point of View „The Future of the Automotive Supplier Industry in 2030“ beschreiben die Strategie-Experten von Deloitte einen Planungsansatz auf Basis von Szenario-Analyse und haben vier Szenarien für das Jahr 2030 entwickelt. Damit erhalten Entscheider aus der Zulieferindustrie einen Planungsrahmen, mit dem sie die unterschiedlichen Entwicklungen durchdenken und sich dafür rüsten können.

In der Automobilindustrie vollzieht sich derzeit ein disruptiver Wandel, der für die Zulieferer eine existenzielle Bedrohung darstellen kann. Die Margen für viele Hardware-Komponenten sind unter enormen Druck geraten, die Zukunft wird voraussichtlich den Bereichen Software und Connected Services gehören. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs führt dazu, dass ganze Komponentenkategorien obsolet werden. In dieser Lage ist die Anpassung der eigenen Strategie essenziell. Doch der Erfolg von strategischen Entscheidungen hängt davon ab, wie der Umbruch im Automobilsektor genau aussehen wird – d.h. von der heute noch unklaren technologischen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in der Zukunft. Wenn beispielsweise Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor (Internal Combustion Engine, ICE) auch 2030 noch ein bedeutendes Marktsegment darstellen, dann könnte dies spezifische Strategiepfade für Zulieferer mit hohem ICE-bezogenen Umsatz eröffnen. Obgleich dies sicherlich keine langfristig tragfähige Strategie darstellt, könnte sie dennoch solide Erträge für das nächste Jahrzehnt und gegebenenfalls darüber hinaus generieren. Sollte sich dagegen bis 2030 der disruptive Trend im Bereich der Antriebstechnologie erwartungsgemäß noch weiter in Richtung E-Mobilität beschleunigen, dann erfordert das einen anderen Ansatz. Wie können Autozulieferer mit solchen Unsicherheiten umgehen?

Jenseits der Prognosen: Das Instrument der Szenario-Analyse

Angesichts dieser fundamentalen Unsicherheit sind Prognosen auf der Grundlage historischer Daten nur von begrenztem Wert. Die proprietäre Szenario-Methode von Deloitte und dem Center for the Long View bietet hier einen überlegenen Ansatz. Die Methode setzt bei umfangreichen Erhebungen zu Industrie-spezifischen Treibern an, u.a. mit Unterstützung vom hauseigenen Deloitte AI-Tool Deep View. Für die vier aktualisierten Szenarien, die in der Deloitte Studie The Future of the Automotive Value Chain: 2025 and beyond erstmals definiert wurden, wurden 100 wirtschaftliche, technologische, ökologische, politische und soziale Treiber identifiziert und analysiert. Darunter konnten achtzehn „kritische Unsicherheiten“ („critical uncertainties“) isoliert werden (große Auswirkung, hohe Unsicherheit).

Daraus wurden wiederum zwei zentrale Dimensionen abgeleitet, in denen sich die potenziellen Entwicklungen abspielen werden:

1. Stand des globalen Ökosystems der Automotive-Branche (technisch und ökonomisch)

2. Abhängigkeit der OEMs von den Zulieferern.

Dieses Grundgerüst ermöglicht die Darstellung von vier unterschiedlichen Narrativen, die plausible, teils extreme Szenarien beschreiben. Diese Szenarien wiederum schaffen einen Rahmen, an dem Zulieferunternehmen ihre Entscheidungen über Strategien und Maßnahmen für zukünftige Entwicklungen ausrichten und laufend anpassen können. Unterfüttert wird dieses Framework von den Branchen-spezifischen Quantifizierungsmodellen von Deloitte.

Befragungs-Ergebnisse zu den Treibern

Szenario 1: „Specialized Giants Rule“

Das erste Szenario beschreibt eine Welt, in der der globale Handel stark liberalisiert ist, die Volkswirtschaften wachsen und in der technologische Innovation floriert. Unterstützt wird diese Entwicklung durch verstärkte internationale Kooperation im Bereich der Regulierung. Batteriebetriebene Elektroautos (Battery Electric Vehicles, BEV) sind 2030 weit verbreitet. Software erzielt einen höheren Wertbeitrag als Hardware, was großen Tech-Konzernen Vorteile in vielen Bereichen verschafft (Data Ecosystems, Automotive Operating Systems). Dennoch können sich auch große traditionelle Zulieferer in diesem Szenario gut aufstellen, etwa durch Akquisition anderer, kleinerer Unternehmen. Die Autozulieferer entwickeln sich so zu „spezialisierten Riesen“ („specialized giants“), die mindestens einen wichtigen Aspekt der Wertschöpfungskette abdecken. Die OEMs hingegen verlieren ihnen gegenüber bis 2030 an Einfluss.

Szenario 2: „Mobility Islands“

Szenario 2 entfaltet demgegenüber eine andere Zukunft, die von geopolitischen Spannungen und Protektionismus geprägt ist. Das Wirtschaftswachstum stagniert, und die regulatorischen Prioritäten divergieren von Land zu Land, was den technologischen Fortschritt behindert. OEMs konzentrieren sich verstärkt auf ihre Heimatmärkte und tun sich schwer mit Investitionen, während regionale Zulieferer zu wichtigen Impulsgebern der Innovation werden. Autozulieferer kooperieren verstärkt mit Technologieunternehmen und bilden internationale Partnerschaften. So können sie neue Softwarelösungen, Fahrzeugplattformen und innovative Komponenten entwickeln. Bis 2030 dominieren die Zulieferer die Automotive-Branche.

Szenario 3: „The Lonely Road“

Auch das dritte Szenario ist von geopolitischen Konflikten, schwachem Wirtschaftswachstum und technologischer Stagnation gekennzeichnet. In Folge der COVID-19-Krise kommt es zu einer globalen Rezession und verstärktem Protektionismus. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verzeichnen 2030 immer noch einen signifikanten Marktanteil bei Neuzulassungen. Das globale technologische Ökosystem ist fragmentiert, China hat sich aus den internationalen Märken zurückgezogen. Die Isolierung regionaler Märkte führt zu einer neuen Führungsrolle der OEMs im Bereich der Software-Innovation. Sie integrieren weite Teile der Wertschöpfungskette, entwickeln eigene Betriebssysteme und investieren in Mobilitätsplattformen. In Szenario 3 behalten OEMs die Oberhand in der Automobilbranche.

Szenario 4: „Scale to Survive“

Szenario 4 entwirft ein Narrativ des Wachstums und des liberalisierten Welthandels. Internationale regulatorische Kooperation befördert dabei Innovation und Wettbewerb, die BEV-Technologie hat große Fortschritte gemacht. Produktion und Absatz steigen in Asien , stagnieren aber zugleich in den westlichen Industriestaaten. Konsolidierte OEMs erzielen Erfolge mit hoch standardisierten Fahrzeugplattformen und sind klare Innovationsführer. Durch Rückwärtsintegration erhöhen sie den Druck auf die Zulieferer in bestimmten Bereichen der Wertschöpfungskette (Software, Batteriemanagement). Die globale Expansion chinesischer Zulieferer führt zu zusätzlichem Wettbewerb für regionale Zulieferunternehmen, die im Jahr 2030 gegenüber den OEMs deutlich an Einfluss eingebüßt haben.

Szenario-Framework und CASA-Trends pro Szenario

Bewegen Sie den Mauszeiger über die vier verschiedenen Szenarien, um mehr zu erfahren:

Die praktische Umsetzung: Strategie-Kompetenz von Deloitte im Automotive-Sektor

Mithilfe dieser vier Branchenszenarien können individuelle Zulieferer jeweils passende Strategien und Maßnahmenportfolios entwickeln. Die Deloitte-Experten haben für diesen Zweck ausgefeilte Quantifizierungsmodelle erarbeitet, sowohl für die Kurzfrist- und die Langfrist-Perspektive. Im neuen Point of View wird die langfristige Szenario-Quantifizierung am Beispiel eines Zulieferers erläutert, der stark von den Profit Pools seines ICE-Komponenten-Clusters abhängig war. Diese Lage machte einen Strategiewechsel nötig. Markt- und Unternehmensbetrachtung wurden verbunden, um den richtigen Rahmen für die Entscheidung zu gewinnen. Die Quantifizierung ermöglichte dabei den Vergleich einer Anzahl unterschiedlicher Strategien mit der Basis-Situation im Hinblick auf Gewinnbeitrag bzw. EBIT-Marge. Unter den Strategien waren Ansätze wie „Harvest“ und „Konsolidierung“, aber auch eine ergänzende „Portfolio Shift“-Strategie für mehr Wachstum in der Zukunft. Der Point of View bringt auch das Kurzfrist-Beispiel eines Zulieferers, der durch die aktuelle Disruption in der Branche schwer getroffen wurde. Bei dem Projekt kam der „Fast Impact, Rapid Response“-Service von Deloitte zum Einsatz (FIR2, vgl. Deloitte CFO Insights). Im Lauf einiger Wochen konnten potenzielle Maßnahmen identifiziert und ihre Implementierung geplant werden. Im Anschluss an das Projekt wird die reale Entfaltung der relevanten Treiber kontinuierlich überwacht, um die reale Entwicklung der Szenarien erfassen und die Maßnahmenportfolios entsprechend anpassen zu können.

Mit einer Kombination von breiter Branchenerfahrung, tiefem Business-Verständnis und fortgeschrittener Strategie-Expertise unterstützt Deloitte Automobilzulieferer bei komplexen Zukunftsentscheidungen. Erfahren Sie mehr über diesen Ansatz im neuen Deloitte Point of View “Scenarios of Tomorrow: The Future of the Automotive Supplier Industry in 2030”.

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