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Neue Leitlinie zur Kreditvergabe und -überwachung

EBA-Konsultationspapier

Am 19. Juni 2019 hat die EBA ein Konsultationspapier für neue Leitlinien zur Kreditvergabe und –überwachung (Draft Guidelines on loan origination and monitoring) veröffentlicht und somit auf den im Juli 2017 veröffentlichten Aktionsplan des EU-Rates reagiert. Dieser zielt darauf ab, die Entwicklung der notleidenden Kredite in der EU zu überwachen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Im Interesse einer besseren Transparenz und der allgemeinen Stärkung und Stabilisierung der Bankwirtschaft sieht der Aktionsplan unter anderem vor, dass die EBA detaillierte Leitlinien zur Kreditprüfung und -überwachung entwickelt. Der Leitlinienentwurf präzisiert folglich die Leitlinien zur internen Governance in Bezug auf den Kreditvergabeprozess und hinsichtlich der Überwachung während der Kreditlaufzeit. Risikomanagementpraktiken, Richtlinien, Prozesse und Abläufe der Kreditvergabe und -überwachung von leistungsfähigen Krediten sowie deren Integration in das gesamte Management und Risikomanagement-Rahmenwerk sind vom Vorschlag des EBA-Leitfadens umfasst.

 

Hintergrund

Im Gegensatz zu der im Oktober 2018 von der EBA veröffentlichten Leitlinie über das Management notleidender und gestundeter Risikopositionen (EBA/GL/2018/06), die sich damit befasst, wie bereits gestundete und notleidende Kredite zu verwalten sind, setzt das neue Konsultationspapier schon zu einem früheren Zeitpunkt an. Hierdurch soll verhindert werden, dass neu vergebene Kredite in der Zukunft zu notleidenden Krediten werden. Grundlagen für den Entwurf des Leitfadens sind insbesondere:

  • Art. 74 Abs. 1 CRD IV zu internen Governance-Regelungen, Prozessen und Mechanismen,
  • Art. 79 CRD IV, der Anforderungen an das Kreditrisiko und den Gegenparteiausfall definiert sowie
  • Art. 18 und 20 2014/17/EU (Mortgage Credit Directive), welche die Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Konsumenten und die Verifikation von Konsumenteninformationen regeln.

Ziele

Das seit der Finanzkrise stark gestiegene und weiterhin im gesamten EU-Raum hohe Volumen an notleidenden Krediten hat zu einer starken Fokussierung der Aufsicht auf die Kreditqualität geführt. In diesem Zusammenhang wurde die Notwendigkeit einer EU-weiten Einführung von Standards erkannt, die konsistent und verlässlich für das Management und die Überwachung von Kreditrisikoengagements gelten.

Der nun vorliegende Entwurf der Leitlinie berücksichtigt die Erfahrung der EBA mit den beaufsichtigten Instituten und die bisherige Praxis im Zusammenhang mit Kreditgewährungsregelungen. Dabei wurden aktuelle aufsichtsrechtliche Schwerpunkte und Entwicklungen bezüglich der Kreditgewährung mit einbezogen. Dazu gehören in erster Linie ökologische (u.a. Bezugnahme auf das Pariser Klimaabkommen und die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung), soziale und marktwirtschaftliche Faktoren, Geldwäsche- und Terrorismusbekämpfung, sowie technologiebasierte Innovationen. Hervorzuheben ist, dass die EBA erstmals Änderungen vorschlägt, welche die Anbieter von Verbraucherkrediten unter der Verbraucherkreditrichtlinie (Consumer Credit Directive) und von bankenfremden Hypothekarkrediten unter der Wohnimmobilienrichtlinie (Mortgage Credit Directive) betreffen. Das übergeordnete Ziel der EBA besteht darin, die Finanzstabilität und Widerstandsfähigkeit des EU-Finanzsystems durch die Umsetzung der genannten Aspekte weiter zu verbessern. Dazu wird angestrebt, die Qualität der Daten sowie die Informationssymmetrie zwischen Institutionen und Investoren in den Sekundärmärkten für notleidende Kredite in Europa zu verbessern.



Ausblick

Die öffentliche Anhörung ist für den 20. September 2019 bei der EBA in Paris anberaumt. Am 30. September 2019 endet die Konsultationsphase während die erstmalige Anwendung der Leitlinie erst für den 30. Juni 2020 vorgesehen ist. Es bleibt abzuwarten, welche Reaktionen von den betroffenen Instituten erfolgen und welche Herausforderungen sich im Rahmen einer späteren Umsetzung sowie Überwachung konkret ergeben werden.

 

Ihre Ansprechpartner

Johannes Kühn
jokuehn@deloitte.de
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