Diversity

Insights

Diversity in Aufsichtsrat und Vorstand

Wie bunt sind deutsche Gremien?

Das Thema Diversity wird in der Öffentlichkeit nach wie vor kontrovers diskutiert. Allgemein anerkannt wird, dass in Vorstand und Aufsichtsrat jeweils die qualifiziertesten Bewerber aufzunehmen sind und ein angemessen breites Spektrum von Kompetenzen und Qualifikationen hergestellt werden sollte.

Unterschiedliche Ansichten gibt es jedoch zu den Fragen, inwieweit der persönliche Hintergrund eines Menschen seine beruflich relevanten Kompetenzen prägt und welche Spannbreite an Kompetenzen in den Gremien erforderlich ist. Der Deutsche Corporate Governance Index gibt eine Empfehlung.

Empfehlung des DCGK

Besetzung des Vorstands und weiterer Führungsfunktionen

4.1.5 Der Vorstand soll bei der Besetzung von Führungsfunktionen im Unternehmen auf Vielfalt (Diversity) achten und dabei insbesondere eine angemessene Berücksichtigung von Frauen anstreben.

5.1.2 Der Aufsichtsrat bestellt und entlässt die Mitglieder des Vorstands. Bei der Zusammensetzung des Vorstands soll der Aufsichtsrat auch auf Vielfalt (Diversity) achten und dabei insbesondere eine angemessene Berücksichtigung von Frauen anstreben.

Besetzung des Aufsichtsrats

5.4.1 Der Aufsichtsrat ist so zusammenzusetzen, dass seine Mitglieder insgesamt über die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen verfügen.

Der Aufsichtsrat soll für seine Zusammensetzung konkrete Ziele benennen, die unter Beachtung der unternehmensspezifischen Situation die internationale Tätigkeit des Unternehmens, potentielle Interessenskonflikte, eine festzulegende Altersgrenze für Aufsichtsratsmitglieder und Vielfalt (Diversity) berücksichtigen. Diese konkreten Ziele sollen insbesondere eine angemessene Beteiligung von Frauen vorsehen.

Vorschläge des Aufsichtsrats an die zuständigen Wahlgremien sollen diese Ziele berücksichtigen. Die Zielsetzung des Aufsichtsrats und der Stand der Umsetzung sollen im Corporate Governance Bericht veröffentlicht werden.

Einführung einer Frauenquote in Deutschland

In ihrem Koalitionsvertrag haben SPD, CDU und CSU vereinbart, zu Beginn der 18. Legislaturperiode „Geschlechterquoten in Vorständen und Aufsichtsräten in Unternehmen“ einzuführen. Aufsichtsräte von voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen, die ab dem Jahr 2016 neu besetzt werden, sollen danach eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent aufweisen.  Bei Nichterreichen dieser Quote sollen die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehenen Stühle frei bleiben.

Börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen sollen gesetzlich verpflichtet werden, ab 2015 verbindliche Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat, Vorstand und in den obersten Management-Ebenen festzulegen und zu veröffentlichen und hierüber transparent zu berichten. Die ersten Zielgrößen müssen innerhalb der 18. Wahlperiode des Deutschen Bundestages erreicht werden und dürfen nicht nachträglich nach unten berichtigt werden.

Initiativen auf EU-Ebene

Wie im Arbeitsprogramm für 2012 dargelegt, zieht die EU-Kommission eine gesetzliche Initiative zur Verbesserung der Geschlechterverteilung in den höchsten Entscheidungsgremien der börsennotierten Unternehmen in Erwägung.

Auf der Grundlage des Fortschrittsbericht „Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU“, der von Vizepräsidentin Reding am 5. März 2012 vorgestellt wurde, startete die Kommission eine öffentliche Konsultation von interessierten Kreisen zu möglichen Maßnahmen in diesem Bereich.

Diese Konsultation sollte in die Bewertung von möglichen Maßnahmen auf EU-Ebene zur stärkeren Beteiligung von Frauen an wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen einfließen, die der Kommission bei der Entscheidung, ob sie Maßnahmen vorschlägt, und welcher Art diese Maßnahmen sein sollen, als Grundlage dienen sollte. Die Frist für die Einreichung von Beiträgen endete am 28. Mai 2012.

Am 14. November 2013 stimmte das EU-Parlament für eine EU-Richtlinie, nach der Unternehmen, die an Börsen innerhalb der EU notiert sind, in 2020 40 Prozent ihrer nicht-geschäftsführenden Direktoren bzw. Aufsichtsräte mit dem unterrepräsentierten Geschlecht besetzen müssen. Bei Nichtbeachtung sieht die Richtlinie Sanktionen vor. Kleine und mittlere Unternehmen (mit weniger als 250 Beschäftigten und einem weltweiten Jahresumsatz bis 50 Mio. EUR) sowie nicht börsennotierte Gesellschaften wären von dieser Regelung ausgenommen.

Fanden Sie diese Information hilfreich?