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PropTech für die Wohnungswirtschaft

Die Technologie-Startups der Immobilienbranche - kurz PropTechs - sind die Impulsgeber der digitalen Entwicklungen in der Immobilienbranche. Dank modernster neuster Informations- und Kommunikationstechnologie können Unternehmen ihre Prozessabläufe und Organisationsstrukturen optimieren oder neue Geschäftsideen und Modelle implementieren. Wie aber findet man die richtige Lösung für sein eigenes Unternehmen?

Warum Top-5-Listen und Awards bei der Auswahl digitaler Lösungen nicht hilfreich sind

Im ersten Halbjahr 2017 wurden bereits fünf unterschiedliche PropTech Awards vergeben, weitere sind zu erwarten. Die Betrachtung der Gewinnerlisten verdeutlicht, dass überwiegend bekannte Namen die Nase vorn hatten.

Das muss nicht überraschen. Die Namen etlicher ausgezeichneter Unternehmen waren aufgrund ihrer regen Marktaktivitäten zu erwarten. Schon deshalb lohnt ein zweiter Blick auf die jeweiligen Nominierungskategorien der einzelnen Startups.

Generell sind relativ unspezifische Kategorien wie „Bestes PropTech [Tool]“ und entsprechende Awards für ein Unternehmen auf der Suche nach digitalen Lösungen nur bedingt hilfreich. Die Kategorie greift zu kurz und die Bewertungskriterien sind eher allgemein gehalten. Eine stärkere Differenzierung mit Blick auf die unterschiedlichen Herausforderungen der Nutzergruppen einerseits und den Anwendungs-Fokus der Tools andererseits ist notwendig um dem Anspruch an Transparenz und Vergleichbarkeit - und damit auch eine effektive Orientierung für den Nutzer - zu gewährleisten.

Aber was meinen Sie: Sind Awards oder Top-5-Listen für Nutzer hilfreich? Orientieren Sie sich bei der Auswahl daran?

PS: Wer als Wohnungsunternehmen gerade eine digitale Lösung sucht oder evaluiert: Wir haben eine qualifizierte Momentaufnahme der PropTechs und ihrer Lösungsansätze für die Wohnungswirtschaft erstellt. Wo entsteht ein Mehrwert? Welche PropTechs zeigen Nachhaltigkeit?

Eine Momentaufnahme

In unserer Momentaufnahme haben wir von 150 zu dem Zeitpunkt bekannten PropTechs 135 näher analysiert, die im Schnitt in den letzten 1-5 Jahren gegründet wurden.

Untersuchungsschwerpunkt waren die Fragen zur Produkt- und Unternehmensperspektive: Wo liegen Potenziale für die Wohnungswirtschaft und wie nachhaltig ist der potenzielle Geschäftspartner aufgestellt.

Für die Analyse war es notwendig die Fragen zu operationalisieren und anhand von vertiefenden Betrachtungspunkten beurteilbar zu gestalten. Hierzu wurden u.a. der Produkt-USP, der Reifegrad, die Sicherheit, das Geschäftsmodell, die Finanzierung, die Pilot-Projekte sowie vorhandene Partnerschaften reflektiert. Die Einzelbewertungen wurden je PropTech gewichtet zusammengefasst und in einer Bewertungsmatrix abgebildet.

Unsere Beurteilungen basieren maßgeblich auf unserer langjährigen erprobten Expertise für die Wohnungswirtschaft und unserer Kenntnis über deren Erwartungshaltung gegenüber neuen Anwendungen.
 

Die Ergebnisse

Im Ergebnis liefert die Analyse eine breit gestreute Anordnung der PropTechs. Aus der Produktperspektive heraus lassen sich drei Cluster von Unternehmen bilden:

  • Über die Hälfte der betrachteten Unternehmen bieten derzeit nur geringen Mehrwert für Wohnungswirtschaft, da sie nur den Endnutzer (Mieter/ Wohnungseigentümer) ansprechen und/ oder ein geringes Anwendungspotenzial für die Wohnungswirtschaft beinhalten (z.B. Crowdfunding, Immobilienbewertung).
  • Etwa ein Drittel der PropTechs hat vielversprechende, aber oft vergleichbare Produktideen. Hier fehlt aktuell der USP um sich in diesem herausfordernden Wettbewerb mittelfristig eigenständig positionieren zu können. Besonders häufig waren diese PropTechs in den Anwendungsbereichen Vermietung & Verkauf sowie 3D/VR/AR engagiert.
  • Lediglich ein Zehntel der betrachteten Unternehmen bot vielversprechende und z.T. einzigartige Produktansätze mit erkennbarem Mehrwert für die Wohnungswirtschaft an. Die Produktideen waren weitestgehend ausgereift und teilweise als Pilot in Anwendung. Die häufigsten Anwendungsbereiche waren hier Smart Building IoT und Immobilienverwaltung.

Von den analysierten PropTechs waren etwa ein Drittel dem Anwendungsbereich Vermietung & Verkauf (inklusive temporärer Vermietung und Verkaufsunterstützung via Makler/Mieter/Vermieter-Plattformen) zuzuordnen, ein Viertel engagieren sich in den technologiebezogenen Anwendungsbereichen wie 3D/virtuell/augmented reality und Smart Building, etwa ein Fünftel verfolgt Digitalisierungsansätze in der Immobilienverwaltung. Der Rest war den Anwendungsbereichen Investment (Finanzierung und Bewertung) und Baumanagement zuordenbar. Daneben bestehen aus Perspektive der Wohnungswirtschaft „weiße Flecken“ bei möglichen Anwendungsbereichen, bspw. AAL.

Derzeit findet in sehr überschaubarem Maß eine klare Fokussierung der Wohnungswirtschaft statt. Entsprechend besteht ein Annäherungsbedarf sowohl von Seiten der Wohnungswirtschaft als auch von Seiten der PropTechs. Allerdings zeichnet PropTechs eine Lernbereitschaft aus, kombiniert mit einer erkennbar hohen Transformations- und Entwicklungsgeschwindigkeit sowohl in den Produkten als auch auf Unternehmensseite.