fzulg steuerliche forschungszulage

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Forschungszulagengesetz (FZulG): Wie profitiert man von der steuerlichen Forschungszulage?

Wie die neue Fue-Förderung funktioniert und was auf Unternehmen zukommt

Deutschland ist eines der innovativsten Länder der Welt und investiert derzeit 3 % des Bruttoinlandprodukts in Forschung und Entwicklung*. Diese finanziellen Mittel werden im Rahmen unterschiedlichster, thematisch ausgerichteter Förderprogramme für Forschung und Entwicklung (FuE) an akademische Einrichtungen und Unternehmen vergeben. Seit Jahren bemängeln die unterschiedlichen Akteure der Forschungslandschaft das Fehlen einer steuerlichen, themenunspezifischen Förderung von FuE-Aktivitäten. Zur Stärkung des Innovationsstandorts Deutschland führt die Bundesregierung mit dem Forschungszulagengesetz nun diese lang erwartete Alternative zu der projektbasierten Förderung ein.

Ausgestaltung des Forschungszulagengesetzes (FZulG)

Von der Forschungszulage[1] sollen ab diesem Jahr insbesondere kleinere und mittelgroße Unternehmen profitieren, die zur vermehrten Investition in Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten angeregt werden sollen; Großunternehmen sind von der Förderung aber nicht ausgeschlossen. 

Das Forschungszulagengesetz (FZulG) sieht vor, dass Unternehmen unabhängig von ihrer Größe einen Anspruch auf einen Steuervorteil in Höhe von 25 % ihrer personalbezogenen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen haben, sofern diese Aktivitäten der Definition der Grundlagenforschung, der angewandten Forschung oder der experimentellen Entwicklung entsprechen. Ebenfalls geltend machen können Auftraggeber von forschungsbezogenen Unteraufträgen (Auftragsforschung) die mit diesen Unteraufträgen verbundenen Kosten, wenn der Auftragnehmer seinen Sitz in der Europäischen Union oder im Europäischen Wirtschaftsraum hat (60 % des an den Auftragnehmer gezahlten Entgelts). 

Die Förderung erfolgt als Steuergutschrift, die mit der Steuerlast des Unternehmens vollständig verrechnet wird. In Verlustsituationen, in denen keine Steuern gezahlt werden müssen, wird die Zulage ausgezahlt, so dass die Förderung auch z.B. innovativen Start-ups zugutekommen kann, die in ihrer Frühphase oft noch keine steuerbaren Gewinne ausweisen können. 

* Wert für 2017, Quelle: https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/welt/wissenschaft-forschung/forschung-und-entwicklung/fue-ausgaben-in-prozent-des-bip

[1] http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/148/1914890.pdf

 

Diese Grenzen sieht das Forschungszulagengesetz (FZulG) vor

Die Höchstgrenze der förderfähigen Kosten von 2 Mio. Euro und die damit maximal erreichbare  Förderung von 500.000 Euro pro Unternehmen ist im internationalen Vergleich sehr niedrig. Zwar gehen Fachleute davon aus, dass diese Grenze in den nächsten Jahren erhöht werden wird, aber gerade bei großen Unternehmen hat die Begrenzung für Ernüchterung gesorgt. Zudem ist zu beachten, dass die Grenze für den gesamten Unternehmensverbund gilt; in Konzernen muss in diesem Zusammenhang also sichergestellt werden, dass es durch Mehrfachbeantragungen nicht zu einer Überschreitung der Höchstgrenze kommt.

Der Weg zur Forschungszulage erfolgt in zwei Stufen: Im ersten Schritt beantragt das forschende Unternehmen bei einer noch zu benennenden „Bescheinigenden Stelle“ ein Gutachten, welches bestätigt, dass es sich bei den durchgeführten Forschungsaktivitäten tatsächlich um Forschung und Entwicklung nach der Definition der AGVO [2] handelt.

Liegt ein positives Gutachten vor, kann im zweiten Schritt bei dem zuständigen Finanzamt die Forschungszulage unter Nennung der förderfähigen FuE-Aufwände beantragt werden. Die Forschungszulage wird mit einem Bescheid festgesetzt und bei der nächsten Steuerveranlagung mit der Steuerlast des Unternehmens vollständig verrechnet. 

[2] Verordnung (EU) Nr. 651/2014 der Kommission vom 17. Juni 2014 zur Feststellung der Vereinbarkeit bestimmter Gruppen von Beihilfen mit dem Binnenmarkt in Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union Text von Bedeutung für den EWR

 

Herausforderungen beim Antrag auf die steuerliche Forschungszulage

Die Erfahrungen aus anderen OECD Staaten zeigen, dass für Antragsteller der steuerlichen Förderung im Wesentlichen zwei Herausforderungen bestehen: 

Zum einen die adäquate Definition der zu begünstigenden Vorhaben: Hier sind Unternehmen häufig zu restriktiv bei der Bewertung und Qualifizierung ihrer FuE-Tätigkeiten, indem sie ihre Vorentwicklungsaktivitäten oft nicht als der Definition entsprechende FuE Aktivitäten einordnen. 

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass die Einstufung der förderfähigen Aktivitäten der FuE-Definition der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung des europäischen Beihilferahmens folgen muss. Diese Richtlinie gibt allerdings sehr abstrakte, generelle Vorschriften und ist ggf. nicht einfach auf den konkreten Fall übertragbar.

 

Dokumentation nicht auf die leichte Schulter nehmen

Zum anderen ist die Dokumentation der für die Förderung nach dem FZulG eingereichten Forschungs- und Entwicklungsprojekte nicht zu unterschätzen, denn sie muss dem Evaluator die Einschätzung ermöglichen, ob es sich bei dem Vorhaben um eine der drei begünstigten Kategorien handelt (inhaltlich-technische Dokumentation). Die Angaben müssen im Rahmen einer nachträglichen Prüfung im Detail nachweisbar sein und einer Revision standhalten (Dokumentation der förderfähigen FuE-Aufwände). 

Das kann gerade bei Personalkosten bzw. deren Allokation zu Projekten schwierig sein, insbesondere wenn noch keine passenden unternehmensinternen Prozesse etabliert sind. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass dieselben Kostenpositionen nicht mehrfach (im Kontext verschiedener Förderprojekte) angesetzt werden, da hier das beihilferechtliche Verbot der Doppelförderung gilt und ggf. strikt geahndet wird.

 

Eine frühzeitige Vorbereitung auf die Beantragung der Forschungszulage ist essentiell

Damit bereits die erste Beantragung der Zulage reibungslos verläuft, sollten sich Unternehmen sorgfältig vorbereiten. Dabei können sie sich an den folgenden Phasen und Leitfragen orientieren:

  • Initialisierungsphase: Wie werden FuE Aktivitäten aktuell im Unternehmen inhaltlich-technisch und kostenseitig dokumentiert?
  • Analysephase: Handelt es sich bei den geplanten bzw. durchgeführten Aktivitäten um FuE und sind die in diesem Zusammenhang entstandenen Personalkosten somit förderfähig?
  • Berechnungsphase: Wie werden die förderfähigen Kosten im Rahmen klar abgegrenzter FuE- Projekte ermittelt?
  • Dokumentationsphase: Wie werden die durchgeführten Aktivitäten auch für Dritte nachvollziehbar dargestellt?
  • Beantragungsphase: Wie kann bürokratischer Aufwand minimiert werden?

Das Deloitte Förderberatungsteam (GI3) steht Ihnen bei allen
Aspekten und Fragen zur steuerlichen Förderung zur Seite. Sprechen Sie uns an! 

Lukas Lechner
Manager - Global Investments & Innovation Incentives
llechner@deloitte.de
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