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Vorstellung des EU-Förderprogramms „Horizon Europe“ 

In diesem Jahr endet der mehrjährige Finanzrahmen 2014-2020 der Europäischen Union. Damit verknüpft sind das Auslaufen der aktuellen Förderperiode der europäischen Strukturförderung (Europäischer Fond für Regionale Entwicklung EFRE, Europäischer Sozialfonds etc.) und des europäischen Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020. Horizon Europe soll die Erfolgsgeschichte fortschreiben. Aufgrund der finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie des Brexits musste Horizon Europe nun allerdings starke Kürzungen hinnehmen. Damit wird die europäische Forschungslandschaft vor einen harten Konkurrenzkampf um die verfügbaren Mittel gestellt.

Die Gründe für das Programm "Horizon Europe"

Während die letzten Förderbekanntmachungen unter Horizon 2020 noch offen sind, nimmt das Nachfolgeprogramm zunehmend Gestalt an. Horizon Europe soll die Erfolgsgeschichte der europäischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet von Forschung, Entwicklung und Innovation fortsetzen. 

Angesichts der zahlreichen geopolitischen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen wie auch der aktuellen COVID-19-bedingten Situation, mit denen die EU derzeit konfrontiert ist, rückt die Bedeutung einer vitalen Forschungs- und Innovationslandschaft stärker denn je in den Vordergrund. Nicht nur bedürfen konkrete Entwicklungen wie der Klimawandel wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze, der Wohlstand auf unserem Kontinent hängt ganz wesentlich von der Innovationskraft seiner Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen ab. 

Die größte Hürde, vor der Europa im globalen Wettbewerb mit den US-amerikanischen Technologiegiganten aus dem Silicon Valley, den chinesischen Unternehmen aus dem Pearl River Delta und dem Pekinger Innovationshub Zhongguancun steht, ist der Transfer von wissenschaftlicher Spitzenklasse in unternehmerische und kommerzielle Industrieführerschaft. Die Verwertung der Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte stellt ein zentrales Aufgabengebiet dar, in dem Europa noch einen signifikanten Nachholbedarf hat. Während rund ein Drittel der weltweiten wissenschaftlichen Fachliteratur aus europäischer Feder stammt , verzeichnet die EU nur 5,23% der weltweiten Patentanmeldungen.

Diese Lücke gilt es zu schließen, und genau an diesem wesentlichen strategischen Punkt setzt Horizon Europe mit seinen drei Säulen an:

  • Exzellente Wissenschaft
  • Globale Herausforderungen und Europäische industrielle Wettbewerbsfähigkeit
  • Innovatives Europa.

Hierbei stehen die folgenden Themengebiete im Fokus:

  • Gesundheit
  • Inklusive und sichere Gesellschaften
  • Digitalisierung und Industrie
  • Klima, Energie und Mobilität
  • Lebensmittel und natürliche Ressourcen.

Mittelstreichungen für das Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe

Nach zähen und langwierigen Verhandlungen haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs am 21.07.2020 auf den EU-Haushalt für den Zeitraum 2021-2027 geeinigt. Im Zentrum des mehr als 1,8 Billionen EUR umfassenden Pakets stehen die Aufbaumaßnahmen des Instruments „Next Generation EU“, welche die Auswirkungen der COVID19-Pandemie abfedern sollen. Verlierer der Verhandlungen sind Forschung und Wissenschaft.

Dass sich der Brexit negativ auf das EU-Budget auswirken könne, war vorauszusehen, ebenso das angespannte nationale Haushaltslagen keine günstigen Voraussetzungen für eine budgetäre Expansion sind. Daher war es auch wenig überraschend, dass die Kommission im Mai 2020, also bereits mitten in der Pandemie, nur noch 91,2 Mrd. EUR für Horizon Europe vorschlug. Dies folgte einem Kompromissvorschlag von EU Ratspräsident Michel von Februar 2020. Hinzu sollten noch knapp 15 Mrd. EUR aus dem Aufbaufonds „Next Generation EU“ kommen.

Am Ende der Marathonverhandlungen stehen Horizon Europe von 2021 bis 2027 nun knapp 91 Mrd. EUR zur Verfügung, allerdings inklusive der zusätzlichen Gelder aus „Next Generation EU“. Dies übertrifft zwar das Budget von H2020 für die Jahre 2014-2020, entspricht aber nur zwei Dritteln der Forderung der European University Association (EUA) und des Europäischen Parlaments an die finanzielle Ausstattung.

Die Parlamentarier müssen dem Vorschlag noch zustimmen und haben bereits angekündigt nachverhandeln zu wollen, um insbesondere für das Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe einen signifikanten Aufschlag zu erwirken. Weiterhin fordern die Parlamentarier die Schaffung von Einnahmequellen von Eigenmitteln für die EU wie beispielsweise eine CO2- oder Digitalsteuer

Für den Fall, dass keine Erhöhung des Mehrjährigen Finanzierungsrahmens (MFR) und damit auch keine Erhöhung der für Horizon Europe zur Verfügung stehenden Mitteln erreicht werden kann, steht der europäischen Forschungs- und Innovationslandschaft die Mammutaufgabe bevor, den zahlreichen aktuellen (COVID-19) und anderen dauerhaften Herausforderungen (Demographie, Klimawandel) mit innovativen Lösungen auf Grundlage eines nur geringfügig gestiegenen Budgets zu begegnen.

Für forschende Unternehmen in Deutschland würde dies mit Blick auf den Wettbewerb um die Horizon Europe Fördermittel bedeuten, dass noch mehr Wert auf die Zusammenstellung erstklassiger Forschungs- und Innovationsverbünde, die Beschreibung überzeugender Projektideen und natürlich auf wettbewerbsstarke Antragsunterlagen gelegt werden muss.
Abgefedert würde das knappe Budget von Horizon Europe lediglich durch das nationale Konjunkturpaket der deutschen Bundesregierung. Dieses beinhaltet das sogenannte „Zukunftspaket“, welches durch gezielte Förderung wie beispielsweise durch die steuerliche Forschungszulage Zukunftsinvestitionen und -Innovationen bei deutschen Unternehmen ermöglichen bzw. erleichtern soll. Im Vordergrund des Zukunftspakets stehen dabei die Themen Digitalisierung, Elektromobilität und Technologien für den Klimaschutz.

Horizon Europe: Budget und Beantragung der Fördermittel

Um den Zugang zu den Fördermitteln zu erleichtern und die damit verbundenen administrativen Aufwände zu reduzieren, ist eine Vereinfachung der Abrechnungsmodalitäten für Zuwendungsempfänger geplant. Daher sollen für die Muster-Zuwendungsvereinbarung (Model Grant Agreement, MGA) die folgenden Maßgaben gelten:

  • Änderungen der Bestimmungen fokussieren sich u.a. auf Regeln zur Verbreitung und Nutzung der Projektergebnisse.
  • Die Anzahl der MGA soll von aktuell etwa 40 auf nur noch 3 reduziert werden: das allgemeine MGA, ein MGA für Projekte mit Abrechnung nach Stückkosten und ein MGA für pauschale Förderungen.
  • Vereinfachung v.a. bei der Berechnung der Personalkosten, stärkere Berücksichtigung der üblichen Kostenrechnungspraktiken der Zuwendungsempfänger sowie neue Standardbestimmungen zur Abrechnung von Prototypen. 

Das europäische Netzwerk der Fördermittelexperten von Deloitte Gi3 begleitet die Entwicklung von Horizon Europe intensiv. Dabei hilft Deloitte Unternehmen aus unterschiedlichen Industrien dabei, durch die komplexe Fördermittellandschaft zu navigieren und unterstützt von der Antragsstellung bis hin zur Prüfung der Projektabrechnunge.