Article

Legacy-Moder­ni­sie­rung: Gewachsene Altsysteme fordern Unternehmen im Digitalisierungskontext heraus

Aktuelle Studie belegt Nachholbedarf

Systeme und Anwendungen sind oft über Jahrzehnte gewachsen, in unterschiedlichen Sprachen programmiert, für Plattformen jeglicher Art optimiert und über teils provisorische Umwege miteinander verbunden. Die gewachsenen Systeme wegwerfen und alles neu entwickeln ist jedoch auch keine Lösung und so fordern geerbte Anwendungen die IT-Manager der meisten Unternehmen heraus. Sie schneller, flexibler und agiler zu machen, ist das Ziel der Legacy-Modernisierung, mit der sie sich konfrontiert sehen. Eine gemeinsame Studie von IDG Research Services mit Deloitte zeigt, welche Hürden es dabei wie zu meistern gilt. Befragt wurden 334 IT-Verantwortliche in der DACH-Region.

Wie gelingt Legacy-Modernisierung – Axel Rupp im Interview mit Heinrich Vaske, Editorial Director COMPUTERWOCHE und CIO-Magazin

Zur Studie beantwortet Axel Rupp, Partner und Leiter der Technology Service Line Systems Integration im Bereich Consulting bei Deloitte, vier Kernfragen:

  1. Die Befragten der Studie zeigen sich zunächst relativ zufrieden mit der eigenen IT-Infrastruktur – gibt es denn trotzdem ein Bewusstsein für Legacy-Modernisierungsbedarf?

    Zwei Drittel der Befragten sehen eine digitale Modernisierung als „sehr wichtig“ oder zumindest als „wichtig“ an. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieser Wert in Zukunft weiter steigen wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Digitalisierung vieler Unternehmen sich zunächst nur auf das Frontend bezieht. Dadurch soll die Kundenschnittstelle attraktiv gemacht und die Kundenbindung abgesichert werden. Beispielsweise Fintechs bei Banken oder Insurtechs bei Versicherungen haben das Ziel, derartige Kundenschnittstellen zu kontrollieren und sich zwischen Kunden und Finanzinstitute zu setzen. Durch diesen Fokus wird das Backend häufig vernachlässigt oder dessen Modernisierung nicht energisch genug angegangen. Jedoch wird hier das Geld klassisch in den Geschäftsprozessen verdient und deshalb besteht dringender Handlungsbedarf. Aus meiner Sicht kann eine umfangreiche Digitalisierungsstrategie nur zusammen mit einer entsprechenden Modernisierungsstrategie einhergehen und muss das gesamte Applikationsportfolio, die Organisation und Abläufe umfassen. Gerade die verlässlichen Kernapplikationen im Backend, mit denen bislang die Profite über das angestammte Geschäftsmodell erwirtschaftet wurden, müssen hinterfragt und auf Zukunftsfähigkeit im digitalen Kontext hin ausgerichtet werden.
  2. Um was für Systeme handelt es sich bei den Unternehmen überwiegend und wie lange sind diese bereits im Einsatz?

    Ein Viertel der Firmen hat immer noch monolithische Altsysteme im Einsatz. Zudem sind 50% aller genutzten Systeme bereits seit Längerem im Einsatz und dadurch erhöht sich der Aufwand für deren Wartung und Betrieb. Meine Erfahrung zeigt, dass häufig gerade die Kernapplikationen, die sogenannten „Heart of the Business“ über Jahrzehnte oftmals auf Mainframe Plattformen klassische Geschäftsprozesse unterstützen. Hier besteht natürlich Handlungsbedarf, gerade im Kontext der Digitalisierung, wo Time-To-Market, Flexibilität und Agilität eine immer wichtigere Rolle spielen. Zudem läuft immer noch ein Großteil der Datenverarbeitung über Batchprozesse ab, die diametral zu dem Realtime Informationsbedarf der Kunden stehen.
  3. Welchen Hauptvorteil kann man sich von einer Legacy-Modernisierung zurecht erhoffen?

    Einer der größten Vorteile, die die Modernisierung mit sich bringt ist ein erhöhter Sicherheitsstandard. Zudem können Geschäftsprozesse optimiert werden, was verringerte Betriebskosten bei höherer Produktivität mit sich bringt. Ich habe selbst immer wieder beobachten können, wie Transformations- beziehungsweise Modernisierungsstrategien massive Kosteneinsparungen bringen. Man muss aber auch ungeachtet der Vorteile die Probleme sehen, die im Falle einer versäumten Modernisierung entstehen – beispielsweise der Wissensverlust durch die Pensionierung von Entwicklern und Systemprogrammierern, die Legacy-Applikationen betreuen und weiterentwickeln. Erfahrungsgemäß ist hier nur unzureichend Dokumentation vorhanden. Weiter steigende Regulatorik- und Securityanforderungen, die unmittelbar implementiert werden müssen, verschärfen das Betriebsrisiko der alten Anwendungen zusätzlich.
  4. Wie lautet zusammenfassend deine Empfehlung – wo fängt man an, wenn man größere Legacy-Modernisierungsmaßnahmen plant?

    Die Digitalisierungsstrategie der Unternehmen – wie beispielsweise häufig im Finanzbereich der Fall – darf sich nicht weiterhin in erster Linie auf das Frontend beziehen. Vielmehr ist über eine Modernisierungsstrategie die Backend-Anwendungslandschaft einzubeziehen, die sogenannte „Darks-side of Digitalization“. Die Auswahl der Modernisierungsszenarien muss mit Bedacht definiert und umgesetzt werden. Es gibt dabei kein allgemeingültiges Vorgehen. Unter Berücksichtigung der Skill-Problematik, der Umsetzungsgeschwindigkeit und des Transformationsrisikos unterscheiden sich die Modernisierungsstrategien sehr. Eine Kombination von Szenarien, etwa das Refactoring mit einer anschließenden Modernisierungsphase (Continuous Modernization), kombiniert die Vorteile und eliminiert entsprechende Nachteile. Dieser Ansatz führt letztlich auch dazu, dass der CIO die Investitionen, die in den Legacy-Applikationen in eine zukunftsfähige Plattform überführt, im Blick hat. Letztendlich kann er so auch in einer agilen Organisation priorisiert die Anforderungen an Funktionalität, Architektur und Technologie umsetzen.

Legacy-Applikationen zukunftsfähig machen mit dem Deloitte Modernization Studio

Der Ansatz von Deloitte zur Modernisierung einer Natural- oder Cobol-Anwendung beruht auf einem kostengünstigen und effektiven 2-Phasen-Vorgehen. Gerne berät Sie unser Team des Deloitte Modernization Studios, wie Ihre Alt-Anwendungen auf eine aktuelle Technologieplattform gehoben und moderne Anforderungen und Gestaltungsprinzipien gesetzt werden können. Nehmen Sie dazu mit uns Kontakt auf.