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FMA Fokus 2024

Die Aufsichts- und Prüfschwerpunkte 2024 im Blickpunkt

Die letzten Jahre sind von einer Vielzahl wirtschaftlicher Herausforderungen, wie etwa der nach wie vor hohen Inflation, einer bedeutenden Zinswende, einem schwierigen Arbeitsmarktumfeld sowie einer global in Summe schwächelnden Konjunktur geprägt. Hinzu kommen außergewöhnliche geopolitische Risikofaktoren, der Russland-Ukraine Krieg, Rohstoff- und Energieengpässe, die hohe Volatilität von Vermögenswerten sowie der aktuelle Nahostkonflikt.

Aufsichts- und Prüfschwerpunkte 2024

Die Finanzmarktaufsichtsbehörde veröffentlichte am 06. Dezember 2023 ihre Aufsichts- und Prüfschwerpunkte für 2024. Damit sollen zentrale Risiken und Herausforderungen der kommenden Jahre in den Mittelpunkt der weiteren aufsichtlichen Bemühungen rücken. Diese werden von der FMA zusammenfassend wie folgt dargestellt:

Resilienz und Stabilität

Die österreichische Volkswirtschaft ebenso wie ihre Finanzmärkte bewiesen in den letzten Jahren einen hohen Grad an Krisenresistenz, den die FMA durch ihre Aufsichtstätigkeit auch zukünftig sichern möchte. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie für das Jahr 2024 die folgenden Schwerpunkte festgelegt:

  • Identifikation und enge Überwachung von Risiken, mit Hauptaugenmerk auf das Inflationsrisiko, Zins-, Kredit- und Liquiditätsrisiken sowie die Entwicklungen im Immobiliensektor.
  • Stärkung der Governance der Unternehmen durch Fit-&-Proper-Hearings, Deep Dives, thematische Schwerpunktanalysen sowie einen strukturierten Dialog mit den beaufsichtigten Unternehmen.
  • Integration neuer Wertpapierfirmen, im Besonderen in die laufende Beaufsichtigung und das Abwicklungsregime.
  • Intensivierung der Prüfung der Abwicklungsfähigkeit von Kreditinstituten durch Tests der Managementinformationssysteme (MIS) im Abwicklungsfall, realitätsnahe Soll/Ist-Vergleiche sowie das Setzen eines klaren Fokus auf Datenqualität- und ‑geschwindigkeit auch im Abwicklungsregime.

 

Die Finanzmärkte haben sich allen Widrigkeiten zum Trotz als widerstandsfähig erwiesen. Es gilt nun, diese Stabilität durch eine konsistente Weiterentwicklung des Risikomanagement- und Abwicklungsregimes weiter auszubauen.

Dominik Damm | Deloitte Banking, Treasury & Capital Markets

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Regulatory Risk Services

Digitaler Wandel

Die fortschreitende Digitalisierung beeinflusst die Wirtschaft und Gesellschaft stark. Neue Technologien wie Artificial Intelligence (AI) beschleunigen den Wandel und bieten Raum für innovative Finanzprodukte und alternative Vertriebsformen. Die FMA strebt einen regulatorischen Rahmen an, der Innovation fördert und faire Bedingungen sicherstellt. Dies soll durch die folgenden Projekte und Maßnahmen adressiert werden:

  • Digitalisierung auf dem österreichischen Finanzmarkt: Die FMA plant 2024 eine sektorübergreifende Erhebung zum aktuellen Digitalisierungsgrad sowie die Erstellung einer „Austrian Digital Finance Landscape“.
  • Stärkung der digitalen operationalen Resilienz der Unternehmen und des Finanzmarktes: Die FMA wird weiterhin einen klaren Fokus auf die digitale operationale Resilienz legen. Unter anderem werden die Auswirkungen von AI-Anwendungen auf die Geschäftsmodelle und -prozesse sowie auf die Risikobeurteilung evaluiert. Weiters erinnert die FMA, dass der Digital Operational Resilience Act – DORA ab 17. Jänner 2025 anzuwenden ist, um die digitale Resilienz in der EU zu stärken und zu vereinheitlichen.

Durch den technologischen Fortschritt werden Cyber-Attacken immer professioneller, die Bedrohung nimmt dementsprechend laufend zu. Deshalb ist es insbesondere auch auf dem Finanzmarkt essenziell, Cyberrisiken professionell zu managen. Die FMA bündelt die Instrumente zur Analyse, Prüfung und Stärkung der Cybersicherheit in der „FMA Cyber Security Toolbox“.

 

Ein Mehr an Investitionen in Cyber Security ist für einen nachhaltigen Schutz unerlässlich, um den wachsenden Anforderungen entsprechend zu begegnen.

Georg Schwondra | Deloitte Risk Advisory

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Cyber Risk Services

Neue Geschäftsmodelle

Im Zuge der Digitalisierung entstanden Geschäftsmodelle für Crypto-Assets, die bisher kaum reguliert waren. Durch die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR) der EU wird ein EU-weites Regulierungssystem eingeführt.

Gelistet sind unter anderem das öffentliche Angebot, die Zulassung zum Handel sowie die Erbringung von Dienstleistungen bezogen auf Crypto-Assets.

MiCAR wird sukzessive bis Ende 2024 anwendbar. Die FMA wird sich im kommenden Jahr auf die neuen Aufgaben und Befugnisse gemäß MiCAR vorbereiten. Dazu gehören:

  • Marktsondierung zu (neuen) MiCAR-Geschäftsmodellen und 
    -Beaufsichtigten sowie zu Anknüpfungspunkten der MiCAR bei Banken und FinTech-Unternehmen, in der Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und für die Weiterentwicklung der Regulatory Sandbox.
  • Implementierung der internen aufsichtlichen Struktur für die Zulassung und laufende Beaufsichtigung von Crypto-Asset Service Providers (CASPs) und von Emittenten von Crypto Assets, wie Assest-Referenced Token (ART) und Electronic Money Token (EMT) sowie für das Monitoring von Whitepapers und Verfolgen von Marktmissbrauch.
  • Gezielter Aufbau von Know-how, personell, technisch und wirtschaftlich, um die neuen Aufgaben wahrzunehmen.

 

Durch MiCAR wird die Welt der Crypto Assets reguliert. Die FMA setzt im Jahr 2024 auf den Aufbau von Know-how, internen Strukturen und Ansätzen zur Wahrnehmung ihrer neuen Aufgaben.

Christa Janhsen | Deloitte Risk Advisory

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Regulatory Risk Services

Kollektiver Verbraucherschutz

Finanzinnovationen – besonders im digitalen Vertrieb – ermöglichen wesentlich raschere und einfachere Teilnahme der Verbraucher:innen am Kapitalmarkt. Dies eröffnet neue Möglichkeiten und Chancen, birgt jedoch auch Gefahren und Risiken. Gerade zum Schutz der Konsument:innen vorgeschriebene Informationen werden oftmals online von diesen als lästige Pop-Ups empfunden und reduzieren so die ursächlich angestrebte Transparenz.

Die FMA konzentriert sich daher im Jahr 2024 auf die Bereitstellung objektiver, nicht verkaufsgetriebener Informationen und setzt die folgenden Projekte und Maßnahmen um:

  • Sicherstellung von rechtskonformen Produktentwicklungs- und Produktfreigabeverfahren bei Versicherungsanlageprodukten.
  • Prävention von Anlagebetrug durch Kooperation mit der Oesterreichischen Nationalbank und Erschließung neuer Medienkanäle für Verbraucherinformationen.
  • Market Monitoring mit Fokus auf den digitalen Vertrieb, insbesondere durch „Deep Dive“-Analysen zu den Altersgruppen von Konsument:innen und deren Anlageverhalten.
  • Conduct-Schwerpunkte zu den Rechten und Pflichten bei der Nutzung von Zahlungsdiensten, v.a. Kontrolle der Einhaltung der Pflichten von Kreditinstituten zur Transaktionsüberwachung/Transaktionsrisikoanalyse und folglich Diskussion von Auffälligkeiten, Erwartungshaltungen und Best Practices.

 

Verbraucherinnen und Verbraucher können heute im Internet beinahe grenzenlos und global agieren, die digitale Technologie verleitet zu spielerischem Handeln und auf der Jagd nach Rendite ignorieren sie zunehmend Risiken – diese gilt es im Verbraucherschutz adäquat zu adressieren und weiter zu reduzieren.

Dominik Damm | Deloitte Banking, Treasury & Capital Markets

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Financial Services Industry

Nachhaltigkeit

Der Finanzsektor soll weiterhin einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels und zum Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft leisten, weshalb ein besonderer Fokus der FMA im Jahr 2024 auf die folgenden Themenbereiche gelegt wird:

  • Integration von Klima- und Umweltrisiken in Risikomanagement, Governance und Strategie durch aktive Mitarbeit an der europäischen Szenarioanalyse 2024, die weitere Vertiefung von nationalen Klimastresstests, die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken im SREP sowie eine Weiterentwicklung des FMA-Leitfadens zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken.
  • Vertiefung der Greenwashing Analysen bei Transparenz und Offenlegung mit einem Fokus auf eine adäquate Umsetzung der CSRD, Taxonomie-VO, SFDR und NFDR sowie beim Vertrieb von ESG-Finanzprodukten bei Banken, Versicherungen und Pensionskassen.

 

Der Finanzsektor kann einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten. Die FMA wird auch in 2024 ihren eingeschlagenen Weg zur adäquaten Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken und zur korrekten Offenlegung und Transparenz von ESG-Faktoren weiterverfolgen.

Dominik Damm | Deloitte Banking, Treasury & Capital Markets

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Sustainability

Sauberer Finanzplatz Österreich

Ein sauberer Finanzmarkt ist das Fundament, um die Marktteilnehmer:innen mit entsprechenden Finanzdienstleistungen zu versorgen. Diverse Faktoren, wie z.B. der Inflationsschub, geändertes Verbraucherverhalten und der Russland-Ukraine-Krieg, schaffen einen Nährboden für dubiose Anbieter und kriminelle Aktivitäten. Vor diesem Hintergrund ist die Aufsicht gefordert, den Markt eng zu überwachen und hat sich demnach für 2024 u.a. folgende Aufsichts-/Prüfschwerpunkte gesetzt:

  • Finanzielle Berichterstattung, d.h. Augenmerk auf die korrekte Darstellung & Quantifizierung der (nicht-)finanziellen Berichterstattung.
  • Social Media Monitoring, d.h. Evaluierung Prozesse und Systeme hinsichtlich allfälliger Marktmissbrauchsrisiken.
  • Transparenzvorschriften, d.h. Einhaltung (Compliance-) Vorgaben iZm ad-hoc Publizität/Directors Dealings und Marktmissbrauch (MAR).
  • Vorbereitung auf das neue EU-AML-Paket, d.h. Positionierung der FMA als Geldwäscheaufsicht im Gefüge der neu zu schaffenden AMLA (Anti-Money Laundering Authority).
  • Whistleblowing, d.h. insbesondere, ob die IT-Lösungen den Anforderungen des HSchG entsprechen und die Vorgaben des Rechnungshofs umgesetzt wurden.
  • Kampf gegen Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung, d.h. Fortführung der Null-Toleranz-Politik, u.a. ersichtlich iZm der Integration der VASPs, sowie Fokus auf KYC (-Transaktionen), neue Gruppenansätze und Ausbau des strukturierten Dialogs mit den Beaufsichtigten und Stakeholdern.
  • Übernahme der Aufsichtskompetenz im Sanktionenrecht, d.h. die FMA wird diese Kompetenz schrittweise von der OeNB übernehmen.

 

Sauberer Finanzplatz

Im Bereich AML/CFT stehen das KYC-Prinzip, risikoanfällige Transaktionen, neue Ansätze in der Gruppenaufsicht und die Übernahme der Aufsichtskompetenz für Sanktionen durch die FMA im Fokus.

Shahanaz Müller | Deloitte Forensic

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Advisory
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