Perspektiven

Strom und Versorgung: Herausforderungen der heutigen Zeit

Schweizer Energieversorgungsunternehmen, Erfolgsgaranten für die Schweizer Wirtschaft durch die exzellente Versorgung mit CO2-freier Energie, sehen sich weiterhin einem schweren Marktumfeld gegenüber: tiefe Grosshandelspreise, verändernde regulatorische Rahmenbedingungen oder der Einzug von neuen Technologien sind nur einige der Themen, welche von Energieversorgern adressiert werden müssen.

Ihre Herausforderungen

Tiefe Grosshandelspreise

Die niedrigen Grosshandelspreise bleiben weiterhin oftmals unter den Produktionskosten vieler Schweizer Kraftwerke. Das abnehmende Eigenkapital führt zu anhaltendem Druck für Kostenoptimierung, insbesondere Refinanzierungen sowie dem Verkauf von nicht Kerngeschäftsbereichen. Bereits setzen einige Energieversorgungsunternehmer auf eine Aufteilung der Geschäftsfelder in zwei Firmen, um die für neue Investoren attraktiven Geschäftsbereiche eigenständig im Markt zu positionieren.

Um die grossen Einbussen bzw. Verluste durch den Energieverkauf aus den traditionellen Kraftwerken am Grosshandelsmarkt bzw. bei Grossabnehmern auffangen zu können, suchen Energieversorgungsunternehmen zunehmend nach Investitionsopportunitäten in Energiedienstleistungen sowie in der regulierten Stromerzeugung, wo es in gewissen Ländern Europas noch immer Fördergelder für Investitionen in neue erneuerbare Stromerzeugungsanlagen wie beispielsweise Wind- und Solaranlagen gibt.

Wandelnde regulatorische Anforderungen – Liberalisierung und das digitale Energieversorgungsunternehmen

Basierend auf den aktuellen Aussagen des Bundesamts für Energie (BFE) wird die vollständige Strommarktöffnung nicht vor 2020 erfolgen – längerfristig dürfe diese jedoch auch in der Schweiz umgesetzt werden. Erfahrungen in den europäischen Staaten zeigen, dass die vollständige Strommarktöffnung zu einer Reduktion der Endkundenpreise führten dürfte. Die aktuell abnehmenden Margen im teilweise geöffneten heutigen Endkundenmarkt (Kunden mit einem jährlichen Verbrauch von mindestens 100 MWh können in den freien Markt übertreten) sind ein Vorgeschmack auf eine allfällige zweite vollständige Stufe der Strommarktöffnung. Der entstehende Wettbewerb um Kunden wird sich auch in der Schweiz entwickeln, und Energieversorgungsunternehmen, denen es nicht gelingt, neue Kunden für sich zu gewinnen, werden eine Kundenerosion erfahren. Eine klare Strategie und Marktposition sind erforderlich, um dieser Erosion entgegenwirken zu können – und die Vorbereitungen dazu sollten bereits heute beginnen.

Neue regulatorische Anforderungen – Finanzmarkt und Steuern

Die Geschäfte auf den Grosshandelsmärkten geraten immer mehr in den Fokus finanzieller Regulierungen (z.B. MIFID II, FinfraG, etc.) und sehen sich mit neuen Anforderungen im Steuerrecht konfrontiert (z.B. BEPS).

Neue Technologien

Der Einzug der dezentralen Erzeugung und Speicher, kombiniert mit den Möglichkeiten des „Internet of Things“ sorgen im Energiebereich für eine revolutionäre Stimmung.

Energieversorgungsunternehmen und Netzbetreiber sind gefordert, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen und insbesondere neue Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit dezentraler Erzeugung, Prosumer-Dienstleistungen und Home-Automatisierung zu evaluieren bzw. anzubieten. Die Verschiebung der Stromerzeugung ins Verteilnetz sowie die zusätzlichen Speichermöglichkeiten führen zu neuen Anforderungen in der Netzführung (smart grid) und durch den Einzug der IT-Technologie auch zu einer grösseren Verwundbarkeit durch Cyber-Attacken.

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