Deloitte Schweizer Millennials Survey 2019

Perspektiven

Schweizer Unternehmen müssen sich um Millennials bemühen

Deloitte Millennial Survey 2019: Eine Schweizer Perspektive

Der anhaltende technologische und gesellschaftliche Umbruch fordert die jungen Menschen in der Schweiz heraus. Millennials sind enttäuscht von traditionellen Institutionen, skeptisch gegenüber den Zielen der Unternehmen und wenig optimistisch, was wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt betrifft. Dies hat der Deloitte Millennial Survey 2019 ergeben.

Einige der wichtigsten Ergebnisse:

  • Millennials schätzen Erfahrung mehr als Status: Sie wollen zuerst reisen und dann vielleicht eine Familie gründen. Eigenheim und ein hohes Gehalt sind weniger wichtig.
  • Das Vertrauen der Schweizer Millennials in Politik und Wirtschaft ist relativ gering: Nur 15% sehen in Politikern und Führungskräften eine zuverlässige Informationsquelle.
  • 40% nennen den Klimawandel als eine der drei aktuell grössten Herausforderungen. Er beschäftigt jüngere Menschen derzeit weitaus mehr als die Wirtschaft oder ihre eigene Identität.
  • Millennials haben ein schwieriges Verhältnis zu den sozialen Medien: Die Hälfte von ihnen will sich eigentlich von den Plattformen zurückziehen. Zwei Drittel sorgen sich über Datenschutz und Cyber-Sicherheit.
  • Schweizer Unternehmen müssen sich anpassen, um Millennials als Kunden und Mitarbeitende zu halten: Sie erwarten, dass Unternehmen eine Führungsrolle in der Gesellschaft übernehmen.
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Ambitionen: Geld ist nicht alles

Ähnlich wie in anderen Industrieländern schätzen auch die in der Schweiz befragten jungen Menschen im Alter von 24 bis 35 Jahren das Sammeln von Erfahrungen mehr als einen hohen Lohn. Die Welt sehen steht in der Schweiz mit 61% zuoberst auf der Wunschliste, gefolgt von der Gründung einer Familie mit 47%.

Während sich auf globaler Ebene 52% der Befragten von einem hohen Gehalt und Wohlstand angezogen fühlen, sind es in der Schweiz nur 42%. Dieser Unterschied dürfte auf die hohen Durchschnittslöhne und die niedrigen Arbeitslosenzahlen in der Schweiz zurückzuführen sein: je wohlhabender eine Gesellschaft ist, desto mehr gewinnen andere Ambitionen an Bedeutung. So geben in der Schweiz nur 20% als eine ihrer Ambitionen an, ein Unternehmen gründen zu wollen.

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Begrenzter Optimismus

In der Schweiz sind die Millennials alles andere als optimistisch. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung befindet sich auf einem Rekordtief und ist auch niedriger als in den meisten anderen Ländern. Nur 14% der Schweizer Millennials glauben, dass sich die wirtschaftliche Situation in der Schweiz in den nächsten 12 Monaten verbessern wird, verglichen mit 26% der Befragten weltweit.

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn es um die politische Stimmung geht. Nur 16% der jungen Schweizer Millennials erwarten eine Verbesserung der sozialen und politischen Situation in den nächsten 12 Monaten, verglichen mit 22% weltweit.

 

 «Der hohe Lebensstandard der Schweiz dürfte einer der Hauptgründe für den verhaltenen Optimismus sein. Da es uns bereits sehr gut geht, sind Fortschritte nicht mehr offenkundig spürbar. Dennoch sollten wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern uns weiterhin Mühe geben und Selbstzufriedenheit vermeiden.»

Reto Savoia, CEO Deloitte Schweiz

 

Wachsende Besorgnis über den Klimawandel

Ein weiterer möglicher Grund für die gedämpfte Stimmung der Schweizer Millennials ist der Klimawandel. 40% der Befragten sind persönlich um den Schutz der Umwelt besorgt, der für sie bereits bei der Befragung rund um den Jahreswechsel 2018/2019 das Hauptanliegen darstellte. Dieser Wert liegt weit über dem globalen Durchschnitt von 29%.

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Aufgrund ihrer Klimabedenken fordern viele Millennials in der Schweiz, dass sich Unternehmen stärker mit den Auswirkungen ihres Geschäfts auf die Umwelt auseinandersetzen. So sind bereits 43% der Befragten eine Beziehung zu einem Unternehmen eingegangen, weil sie glauben, dass sich dessen Produkte oder Dienstleistungen positiv auf Umwelt oder Gesellschaft auswirken.

Wirtschaftsführer mit geringerem Ansehen als Politiker

In Übereinstimmung mit früheren Umfragen äussern die Schweizer Befragten wenig Wertschätzung gegenüber politischen und wirtschaftlichen Führungskräften. 68% (73% weltweit) geben an, dass politische Entscheidungsträger keinen positiven Einfluss auf die Welt haben, während 64% (54% weltweit) dasselbe über Entscheider aus der Wirtschaft denken.

Zudem haben nur 16% der Schweizer Millennials «ein grosses Vertrauen» in politische Entscheidungsträger, 14% geben auf die Frage nach Führungskräften aus der Wirtschaft die gleiche Antwort.

Neuartige Technologie- und Medienlandschaft

Direkte Kommunikation scheint der Königsweg zu sein, um Vertrauen wiederherzustellen: Viele Millennials misstrauen nämlich auch den traditionellen Medien und haben gleichzeitig ein widersprüchliches Verhältnis zu den sozialen Medien.

48% der Befragten geben an, dass die Presse und das Fernsehen die Welt negativ beeinflussen. 25% sagen, dass sie «kein Vertrauen» in traditionelle Medien als zuverlässige Informationsquelle haben. Diese Schweizer Ergebnisse entsprechen weitgehend den globalen Resultaten.

Auf die Frage nach der persönlichen Nutzung digitaler Geräte und sozialer Medien gibt zwar eine Mehrheit (56%) der Schweizer Millennials (71% weltweit) an, dass sie ein positives Gefühl hat. 61% glauben aber trotzdem, dass sie glücklicher wären, wenn sie weniger Zeit mit sozialen Medien verbringen würden, 59% sind der Meinung, dass sie körperlich gesünder wären. Eine Mehrheit von 60% gibt zudem an, dass soziale Medien mehr schaden als nützen.

 

«Soziale Medien können abhängig machen. Einige Technologieunternehmen haben diese Gefahr erkannt und sind sich der negativen Auswirkungen ihrer Geräte und Apps bewusst. Sie haben gehandelt und stellen den Menschen technische Massnahmen zur Verfügung, um sich ihres Konsums besser bewusst zu werden und ihre Nutzung gezielt einschränken zu können. Allerdings müssen Millennials auch selbst lernen, wie man mit den Schattenseiten der digitalen Technologie umgeht.»

                 Myriam Denk, Partner in Human Capital Consulting Lead Deloitte Schweiz

 

Bedenken zu Datenschutz und Cyber-Sicherheit

Was persönliche Daten betrifft, so sind 76% der befragten Schweizer Millennials besorgt darüber, wie Unternehmen personenbezogene Informationen sammeln. 58% sind der Meinung, dass Social-Media-Plattformen mehr leisten müssen, um Daten zu schützen und die Online-Sicherheit zu verbessern. 43% glauben jedoch, dass auch jeder Einzelne selbst mehr Verantwortung übernehmen muss.

Digitale Transformation: eine Herausforderung, keine Bedrohung

Digitale Technologien und die Industrie 4.0 verändern die Arbeitswelt. 49% der derzeit erwerbstätigen Schweizer Millennials glauben zwar, dass es durch die neuen Technologien schwieriger wird, einen Arbeitsplatz zu finden oder zu wechseln. Trotzdem sind 78% zuversichtlich, dass sie über alle oder einen Teil der erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, die sie für eine von der Industrie 4.0 geprägte Welt benötigen werden. Mit anderen Worten: Millennials verstehen die digitale Transformation mehr als Herausforderung denn als Bedrohung.

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