Schweizer KMU

Artikel

Deloitte Studie 2021: M&A Aktivität der Schweizer KMU

Vom Fall zum Aufstieg

Nach einem deutlichen Rückgang der M&A-Aktivitäten von Schweizer KMU in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 haben die Fusionen und Übernahmen im vierten Quartal 2020 zugenommen, wobei die Schweiz einen moderaten Rückgang ihres M&A-Aktivitätsvolumens (-4,6%) verzeichnete.

Der M&A-Markt stand 2020 weltweit unter dem Einfluss eines zweigeteilten, von COVID-19 geprägten Jahres. Das erste Halbjahr war stark durch den Ausbruch und die rasche internationale Verbreitung des Virus und den damit verbundenen Unsicherheiten beeinträchtigt. Ab Beginn des dritten Quartals stieg das Vertrauen wieder und die Unternehmen liessen bei der Durchführung von Fusionen und Übernahmen oder der Wiederaufnahme von Transaktionen, die Anfang des Jahres unterbrochen worden waren, mehr Pragmatismus walten.

Infolgedessen erholte sich der globale M&A-Markt Ende des Jahres rasch und erreichte ein Volumen von 3600 Milliarden Dollar im Jahr 2020. Dies entspricht einem moderaten Rückgang um 5% gegenüber 2019 (-3,8% nach Volumen). Das gleiche Szenario war auf dem Schweizer Markt zu beobachten, wo die Anzahl der Inbound- und Outbound-Transaktionen von Schweizer KMU leicht zurückging (187, d.h. -4,6% im Vergleich zu 2019). Bei der Veröffentlichung unserer Studie im Juli 2020 zur Analyse des ersten Halbjahrs ergab sich eine eindeutige Bilanz: ein historischer Rückgang der M&A-Aktivitäten der Schweizer KMU vor dem Hintergrund der Turbulenzen der COVID-19-Krise (-24,2% nach Volumen). In der zweiten Jahreshälfte zeigte sich dagegen ein ganz anderes Bild: Im dritten Quartal verlangsamte sich der Rückgang, und im vierten Quartal war aufgrund des Transaktionsrückstaus ein spürbarer Aufholeffekt zu verzeichnen, der den Rückgang des Transaktionsvolumens gegenüber dem Vorjahr abmilderte.

Deloitte Umfrage zur M&A Aktivität bei Schweizer KMU in 2020

Kernpunkte der Studie

Entwicklung der Anzahl der Transaktionen seit 2013

Übernahmen von Schweizer KMU: Die Stabilität verbirgt das Interesse der Schweizer Käufer und die Zurückhaltung ausländischer Investoren

Private Equity: 2020 als Rekordjahr

Die M&A-Aktivitäten (Verkäufe und Akquisitionen) der Private-Equity-Fonds verzeichneten 2020 einen Rekordwert, sowohl in absoluten Werten (83 Transaktionen) als auch in relativen Werten (44% der Transaktionen).

Ausblick 2021

Die vierteljährliche Analyse sagt viel über die bisherige Entwicklung mitten in der Pandemie aus. Die Tatsache, dass die Aktivitätsbilanz durch ein temporeiches Jahresende wieder ins Lot gebracht wurde, spricht dafür, dass sich für Unternehmen und Investmentfonds 2021 neue M&A-Möglichkeiten ergeben werden. Das aktuelle Umfeld stellt die Art und Weise, wie Unternehmen geführt und beliefert werden, wie ihre Mitarbeitenden arbeiten und wie die Menschen konsumieren, auf den Kopf. Diese Tendenzen gab es auch schon vor COVID-19, sie haben sich jedoch in diesem Jahr als Kampfansage gegen die Pandemie erheblich verstärkt. COVID-19 hat den bereits vorhandenen Trend zur Digitalisierung von Unternehmen beschleunigt, die rasch ihre Kompetenzen stärken mussten, um Kunden zu akquirieren bzw. zu halten. Zur Verkürzung der Wertschöpfungskette sind die Unternehmen auch zu mehr regionalen Transaktionen übergegangen, um ihre Versorgung sicherzustellen. COVID-19 hat auch die Bedeutung eines diversifizierten Vermögensportfolios für Unternehmen und Investmentfonds hervorgehoben. Dies unterstreicht den Wert stabiler Cashflows und die Bedeutung des Portfoliomanagements zur Steuerung des Geschäftsrisikos.

Dies dürfte in diesem Zusammenhang die M&A-Aktivitäten 2021 befeuern, da Restrukturierungsprogramme und Portfolioüberprüfungen sowohl von den Gewinnern als auch von den Verlierern der Pandemie durchgeführt werden. Die im vierten Quartal 2020 einsetzende Konjunkturerholung dürfte an Dynamik gewinnen, und die am stärksten
betroffenen Unternehmen könnten weitere Veräusserungen in Betracht ziehen. Die Aussichten hellen sich auf – bei hoher Liquidität, anhaltend niedrigen Zinssätzen und einer beispiellosen Liquiditätsmenge für die Investoren. Zudem sind die Banken bei der Übernahmefinanzierung von Qualitätsunternehmen entgegenkommend, und der Rückstau der 2020 verschobenen Transaktionen dürfte 2021 für Belebung sorgen. Diese optimistischen Voraussagen unterliegen nach wie vor den derzeitigen erneuten Lockdowns in mehreren Ländern und den Verzögerungen bei Impfkampagnen.

Wir rechnen damit, dass einige Sektoren von der Pandemie profitieren werden, wenn die Transaktionstätigkeit in den Sektoren Finanzdienstleistungen, Technologie, Gesundheitswesen und Industrieunternehmen anzieht. Die Bewertungen für Qualitätsanlagen dürften hoch bleiben und der Wettbewerb dürfte sich intensivieren. Die Art und Weise, wie Transaktionen ablaufen, ändert sich ebenfalls. Die Transaktionen werden selektiver, Entscheidungen werden schneller getroffen und die Verkäufer bewerten eher die Sicherheit und die zu erfüllenden Bedingungen für den Abschluss einer Transaktion, anstatt den Preis zu maximieren. Ebenso könnten sich Unternehmen und Sektoren, die von der Pandemie betroffen sind und sich in einer Umstrukturierung befinden, zu niedrigeren Preisen verkauft werden. Anleger könnten dann von der COVID-19-Krise profitieren.

Das Vertrauen in die Finanzprognosen und die Wachstumsaussichten der Zielunternehmen haben für Käufer in einem unsicheren Umfeld mehr denn je höchste Priorität. So könnten Earn-Outs an Bedeutung gewinnen und die Earn-Out-Perioden könnten sich verlängern. Auch das Umlaufvermögen wird überwacht, da sich die Zahlungszyklen und die Bestandsverwaltung im aktuellen Umfeld fundamental ändern.

Fanden Sie diese Seite hilfreich?