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2020 Global Automotive Consumer Study

Elektromobilität, Autonomes Fahren und Connected Car aus Sicht der Konsumenten

Deloitte untersucht in einer weltweiten, repräsentativen Studie, wie Verbraucher zu den großen Themen stehen, die aktuell die Automobilindustrie umtreiben. Im Fokus steht dabei die Elektromobilität: Sie leitet für die Branche einen grundlegenden Wandel ein und verändert zugleich die Kundenerwartungen. Zudem analysiert die Studie weitere Trends wie autonomes Fahren, neue Mobilitätskonzepte und Car Connectivity. Erfahren Sie in der aktuellen Global Automotive Consumer Study 2020, worauf sich OEMs, Zulieferer und Mobilitätsdienstleister einstellen müssen.

Für die aktuelle Deloitte Automotive-Studie wurden mehr als 35.000 Konsumenten in 20 globalen Märkten befragt. Die Ergebnisse zeigen spannende Unterschiede für die jeweiligen Länder und Regionen – und für die stark exportorientierten deutschen Autohersteller und Zulieferer können sie wertvolle Hinweise für die künftige strategische Ausrichtung liefern.

Elektromobilität: Das Trendthema in der detaillierten Analyse

Das Interesse der Konsumenten an alternativen Antrieben ist weltweit gestiegen. Auf die Frage, welche Antriebsart sie bei ihrem nächsten Autokauf bevorzugen, zeigen die Antworten der Studienteilnehmer einen klaren Trend: Im Vergleich zu 2019 verzeichnen alternative Antriebe im Konsumenteninteresse zweistellige Zuwachsraten, mit Ausnahme der USA (41 % Anteil) favorisiert mittlerweile in fast allen Hauptmärkten mehr als jeder zweite Autokäufer alternative Antriebe. Den höchsten Anstieg zeigt Deutschland mit plus 14 Prozentpunkten, von 37 % auf 51 %. Einzig China weist nach dem Auslaufen der staatlichen Förderprogramme eine leicht negative Entwicklung auf (von 65 % auf 57 %), liegt aber insgesamt immer noch auf sehr hohem Niveau im internationalen Vergleich. Unter alternativen Antrieben fasst die Studie Elektro-Hybride, reine batteriegetriebene E-Autos und weitere Antriebsarten (Ethanol/ Gas/ Wasserstoff) zusammen. Den Löwenanteil des Kundeninteresses machen dabei derzeit die Hybridfahrzeuge aus.

Präferenzen von Verbrauchern bezüglich der Antriebsart ihres nächsten Fahrzeugs

Um die Akzeptanz der Verbraucher für E-Mobilität weiter zu erhöhen, müssen Politik und Wirtschaft entschlossener und zügiger handeln. Für die Hersteller wäre es sinnvoll, die Nachfrage durch attraktivere Preise anzuregen und die Technologie hinsichtlich Ladezeiten und Reichweiten weiter zu optimieren. Auf Seiten der Politik braucht es neben verbesserten rechtlichen Rahmenbedingungen finanzielle Anreize und Förderungen für den Aufbau einer flächendeckenden öffentlichen Ladeinfrastruktur.

Dr. Thomas Schiller, Partner und EMEA Automotive Lead bei Deloitte

Die Studie zeigt auch: weltweit sind aus Konsumentensicht die wichtigsten Gründe für den Kauf eines E-Autos die geringeren Emissionen und Betriebskosten gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen. Rabatte und Steuervorteile sind ebenso wie Prestige, Technikfaszination oder Markenbindung von insgesamt nachgelagerter Bedeutung. Die untenstehende Grafik zeigt die Verteilung der internationalen Präferenzen im Detail.

Gründe, warum Verbraucher Hybrid- oder E-Fahrzeuge in Betracht ziehen

In allen untersuchten Märkten besteht bei der überwiegenden Mehrheit der Befragten die Bereitschaft, für ein E-Auto einen höheren Kaufpreis zu zahlen. Aber auch hier zeigen sich von Land zu Land Unterschiede: So wollen etwa in den USA 34 % der Befragten keinen Mehrpreis zahlen, aber 29 % würden bis zu 1.000 Dollar Aufpreis akzeptieren und 12 % sogar mehr als 3.000 Dollar.

In China hingegen sind 90 % der Studienteilnehmer bereit, für ein E-Mobil mehr zu zahlen – Aufpreise von bis zu 5.000 Yuan (ca. 650 Euro) bzw. über 15.000 Yuan (ca. 2.000 Euro) würden hier sogar 28 bzw. 31 % der Befragten beim Kauf akzeptieren. Deutlich kostensensibler sind dagegen die Deutschen: 43 % sind nicht bereit, mehr für ein Elektroauto zu investieren. Immerhin 24 % würden einen Mehrpreis von bis zu 800 Euro akzeptieren, 11 % sogar Zusatzkosten von über 2.500 Euro.

Die aktuelle Studie untersucht detailliert auch weitere entscheidende Faktoren zum Thema Elektromobilität, die für Konsumenten in den internationalen Hauptmärkten USA, China, Indien, Deutschland, Südkorea und Japan ausschlaggebend sind:

  • Welche Reichweite erwarten Konsumenten von Elektroautos?
  • Welche Ladezeiten sind aus Sicht der Verbraucher akzeptabel?
  • Wie genau wirken sich steigende Kraftstoffpreise (in konkreten Preispunkten auf die Bereitschaft der Konsumenten aus, auf ein E-Auto umzusteigen?
  • Wen sehen die Autokäufer beim Aufbau der Ladeinfrastruktur in der Pflicht?

Alle Daten und Zahlen hierzu finden Sie in der 2020 Global Automotive Consumer Study nebenstehend zum Download.  

Autonomes Fahren: Eine Frage der Sicherheit

Entscheidend für die Akzeptanz beim Verbraucher – und damit schlussendlich für die Nachfrage nach selbstfahrenden Autos – ist das Thema Sicherheit. Und hier zeigen die Ergebnisse der Studie, dass bei den Konsumenten nach wie vor erhebliche Skepsis herrscht. In Deutschland, Japan, Korea und den USA bewertet knapp die Hälfte der Befragten (jeweils zwischen 44 und 48 %) die Technologie als nicht sicher. Gegenüber den Studienergebnissen aus dem Vorjahr ist auffällig, dass in Indien sogar ein deutlicher Anstieg der Sicherheitsbedenken um 10 Prozentpunkte zu verzeichnen ist – auf den im internationalen Vergleich höchsten Stand von 58 %. Und obwohl in China die Verbraucher global gesehen am wenigsten Vorbehalte gegenüber dem autonomen Fahren haben, ist der Anteil der Befragten, die selbstfahrende Autos für nicht sicher halten, deutlich von 25 auf 35 % gestiegen.

Prozentsätze der Verbraucher, die der Aussage zustimmen, dass autonome Fahrzeuge nicht sicher sind

Die Berichterstattung über gravierende Unfälle von autonomen Fahrzeugen in den Medien hat hierbei großen Einfluss. So geben 72 % der in Korea Befragten an, dass diese ihre Einschätzung bezüglich der Sicherheit von autonomen Fahrzeugen negativ beeinflusst; in Indien sind es 70 % und in den USA 68 %. Der negative PR-Effekt macht sich ebenfalls in anderen Märkten bemerkbar, wenn auch auf etwas geringerem Niveau: In Deutschland bestätigen dies 59 %, in Japan 58 % und in China 55%.

Doch wie kann mehr Sicherheit gewährleistet werden? Hier setzen vor allem die Befragten in Indien (80 %), China (77 %) und Korea (74 %) das Vertrauen in die Zertifizierung selbstfahrender Autos durch staatliche Behörden. In anderen Ländern herrscht jedoch weniger Einigkeit, dass staatlich geprüfte Fahrzeuge für höhere Sicherheit sorgen können: in den USA bejahen dies 57 %, in Deutschland und in Japan jeweils nur 42 % der Befragten.

Die Berichterstattung über gravierende Unfälle von autonomen Fahrzeugen in den Medien hat hierbei großen Einfluss. So geben 72 % der in Korea Befragten an, dass diese ihre Einschätzung bezüglich der Sicherheit von autonomen Fahrzeugen negativ beeinflusst; in Indien sind es 70 % und in den USA 68 %. Der negative PR-Effekt macht sich ebenfalls in anderen Märkten bemerkbar, wenn auch auf etwas geringerem Niveau: In Deutschland bestätigen dies 59 %, in Japan 58 % und in China 55%.

Doch wie kann mehr Sicherheit gewährleistet werden? Hier setzen vor allem die Befragten in Indien (80 %), China (77 %) und Korea (74 %) das Vertrauen in die Zertifizierung selbstfahrender Autos durch staatliche Behörden. In anderen Ländern herrscht jedoch weniger Einigkeit, dass staatlich geprüfte Fahrzeuge für höhere Sicherheit sorgen können: in den USA bejahen dies 57 %, in Deutschland und in Japan jeweils nur 42 % der Befragten.

Wer bringt die ersten selbstfahrenden Autos auf den Markt?

Noch ist Autonomes Fahren ein Zukunftsthema. Doch wem trauen die Verbraucher am ehesten zu, als Erster selbstfahrende Autos zur Marktreife zu entwickeln und in den Handel zu bringen? Traditionellen Autoherstellern, etablierten Technologiekonzernen oder gar ganz neuen Unternehmen, die sich auf selbstfahrende Autos spezialisieren?

Hier sind zwischen den Märkten deutliche Unterschiede festzustellen. Während etwa deutsche Konsumenten alle drei Optionen zu relativ ähnlichen Anteilen für wahrscheinlich halten (wobei die OEMs gegenüber Vorjahr um immerhin 2 Prozentpunkte besser abschneiden), liegen nur in Japan die Autohersteller vorne (65 %). In den anderen asiatischen Ländern räumen die Befragten neuen Marktteilnehmern die größten Chancen ein: In Korea sind das 47 %, in China 44 % und in Indien 37%.

Auffällig ist allerdings in der Gesamtschau: Im Vergleich zu 2019 haben die Autohersteller hier global an Boden verloren und auf das autonome Fahren spezialisierte Unternehmen haben bei diesem Thema einen Anstieg in der Verbraucherwahrnehmung erfahren, besonders in den USA. In China konnten die Technologiekonzerne deutlich zulegen – von 20 auf 31%.

Connected Car: Was ist Kunden die Vernetzung wert – und mit wem teilen sie die Daten?

Hier zeigen sich in der Studie ebenfalls signifikante Unterschiede zwischen den Märkten. In aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien sieht eine große Mehrheit von 76 bzw. 80 % einen Mehrwert in Car Connectivity – in Deutschland teilen diese Einschätzung gerade mal 36 % der Befragten, in den USA 46 %. Wenn es darum geht, welchen Aufpreis Kunden für Connected-Car-Features beim Autokauf zu zahlen bereit sind, bestätigt sich dieses Verhältnis: So wollen 46 % der deutschen Verbraucher gar nichts extra bezahlen und 39 % nur einen geringen Aufpreis von maximal 600 Euro. In China hingegen würden insgesamt 35 % geringe und 60 % sogar höhere Extrakosten akzeptieren.

Zugleich bestehen aber weltweit Bedenken bezüglich der Datensicherheit von vernetzten Automobilen. In Deutschland gaben dies 62 % der Befragten an, in Indien sogar 69 %. Am wenigsten kritisch sehen dies Konsumenten in China und Japan (jeweils 40 %).

Wenn es darum geht, wem Verbraucher die im vernetzten Auto generierten und geteilten Daten bevorzugt anvertrauen, sind ebenfalls deutliche Unterschiede auszumachen. So werden nur in Japan die OEMs an erster Stelle genannt, während in Deutschland lediglich 28% die Daten mit den OEMs teilen wollen (USA 26%, China 24%). Auffällig ist, dass 29% der befragten Deutschen und 26% der US-Konsumenten ihre Daten niemandem anvertrauen wollen – weder OEMs, Händlern oder dem Staat, noch anderen Stellen wie Versicherungen, Finanzdienstleistern oder Cloud-Anbietern.

Verbraucher-Präferenzen im Hinblick auf die Einrichtung, der sie bevorzugt ihre Daten aus dem vernetzten Fahrzeug anvertrauen

Neue Mobilitätskonzepte: Stauvermeidung, Fahrdienste, Verzicht aufs eigene Auto

Auf die Frage, wie sich die weltweit immer drängenderen Stauprobleme beheben lassen, herrscht länderübergreifender Konsens, dass der Ausbau und die stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel die effektivste Lösung darstellt. Mit 62 % Zustimmung liegt hier Deutschland im internationalen Vergleich ganz vorne (zum Vergleich: China 41 %, USA 44 %). Andere Maßnahmen wie beispielsweise Zufahrtsbeschränkungen, die Schaffung emissionsfreier Zonen oder Sonderspuren für Autos mit mehreren Insassen sind global nur aus Sicht einer Minderheit geeignete Ansätze zur Stauvermeidung oder -minderung.

Verbraucher-Meinungen zum besten Ansatz für die Stauminderung

Die aktuelle Studie hat auch untersucht, wie sich die Nutzung und die Akzeptanz von Fahrdiensten (englisch: Ride-Hailing Services) innerhalb der letzten drei Jahre entwickelt hat. Das Resultat: Weltweit hat die regelmäßige Nutzung (mindestens einmal pro Woche) im Schnitt zwar abgenommen, aber die gelegentliche Nutzung ist deutlich gestiegen, teils auf mehr als das Doppelte. In Indien, China und den USA gibt die Mehrheit diesen Diensten sogar den Vorzug gegenüber traditionellen Taxis. Da in Deutschland derartige Fahrdienste aus regulatorischen Gründen nicht flächendeckend verfügbar sind, verharren die Werte hierzulande im internationalen Vergleich aber auf niedrigem Niveau.

Bei jungen Nutzern von Fahrdiensten der Generationen Y und Z zeichnet sich ein klarer Trend ab: Sie geben signifikant häufiger als ältere Befragte an, für ihre Mobilitätsbedürfnisse auf den Besitz eines eigenen Autos verzichten zu können. Über alle Altersgruppen hinweg können sich vor allem Fahrdienstnutzer in den asiatischen Märkten mit ihren vielen Metropolen und Mega-Cities vorstellen, künftig gar kein eigenes Auto mehr zu besitzen (Indien 62 %, China 43 %, Japan 42 %). In Deutschland sind es immerhin 37 % der Befragten.

Deloitte Global Automotive Consumer Study 2020 zum Download

Laden Sie hier die kompletten Ergebnisse der 2020 Deloitte Global Automotive Consumer Study – den Global Focus Countries Report und den Europe Report –  herunter und lesen Sie, welche weiteren Faktoren für Verbraucher beim Autokauf und beim Thema Mobilität relevant sind. Mehr Publikationen rund um Digitalisierung und innovative Technologien in der Automobilindustrie finden Sie auf unserer Automotive-Überblicksseite.

Deloitte unterstützt Autohersteller und Zulieferer mit dem umfassenden Know-how seiner Experten und Berater dabei, erfolgreich den Wandel im Automobilsektor zu gestalten.