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CFO Agenda 2020: Die aktuellen Top-Themen 

In diesem „CFO-Insights“-Artikel beschäftigen wir uns mit den zehn gravierendsten Herausforderungen, denen sich CFOs in einer Zeit des stetigen Wandels stellen müssen.

Angesichts der globalen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie mussten viele CFOs seit dem Frühjahr 2020 schnell auf zahlreiche Herausforderungen reagieren. Sie waren gezwungen, ihre Geschäftsstrategien zu überdenken, Prioritäten festzulegen und Erwartungen neu zu justieren. In vielen Fällen mussten sie nach der Verknappung der Liquidität auch unbequeme Hebel in Bewegung setzen: Projekte pausieren, geplante Investitionen aussetzen, Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten abwägen und staatliche Unterstützung beantragen.

Zudem mussten viele Unternehmen ihre digitalen Vorhaben beschleunigen, um geschäftliche und digitale Transformationen durchzuführen und Front- und Back-Office-Tools sowie Plattformen zu implementieren, die den Verkauf und die Bereitstellung von Online-Dienstleistungen ermöglichen. In einigen Fällen wurden Weiterbildungen der Financial Planning &Analysis (FP&A)-Teams erforderlich, damit die Finanzleiter schnell operative Verbesserungen bei der Budgetierung und Prognose umsetzen konnten. Zudem verlangten Management und Vorstände im Zuge der pandemiebedingten Rezession detailliertere Daten und die wichtigsten Kennzahlen möglichst in Echtzeit.

Auch in der Phase des Wiederanlaufs stehen die CFOs weiterhin vor großen Herausforderungen. Was sind die aktuellen Top-Themen auf der CFO Agenda 2020?

Hier finden Sie eine Analyse mit globalen Zahlen zu den wichtigsten Themen auf der CFO Agenda.

Die zehn aktuellen Top-Themen für CFOs:

1. Die Globalisierung neu bewerten 

Die durch die Pandemie ausgelösten Unterbrechungen der Lieferketten haben viele Führungskräfte der Finanzfunktion dazu veranlasst, die Rolle und die Auswirkungen ihres globalen Ökosystems mit einem neuen, kritischen Blick zu betrachten. Wie stark können Optionen wie "Onshoring" oder "Nearshoring" Risiken und Kosten reduzieren? Wenn sie ihre Liefernetzwerke umgestalten, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, können sich CFOs dazu entschließen, ihre erweiterten Lieferketten gegen regionalere Versionen auszutauschen. Sie können auch ihre Investitionen in die Automatisierung beschleunigen, indem sie Online-Tools zur Risikoerfassung hinzufügen, um die Rückverfolgbarkeit und Transparenz zu erhöhen, und das gesamte Lieferketten-Ökosystem kritisch hinterfragen. Unternehmen, die aufgrund der Ansiedlung von Fabriken in China und anderswo Produktionsunterbrechungen erlitten haben, sollten die Pandemie als eine Gelegenheit zur Risikoreduzierung und Diversifizierung nutzen.

Economic Trend Briefing: Die Zeichen stehen auf Wachstum
Flash-Ergebnisse des Deloitte CFO Survey

2. Hebelwirkung auf die Liquidität nutzen

Mit Ausbruch der Pandemie wurden Liquidität und Cashflow für die Unternehmen überlebenswichtig, und viele von ihnen nahmen große Anstrengungen auf sich, ihre Schulden abzusichern und ihre Finanzierungsquellen zu diversifizieren. Für Unternehmen, deren solide Bilanzen dem Ausbruch der Pandemie widerstanden haben, könnte nun aber die Zeit gekommen sein, um Schulden aufzunehmen und Mittel für erschwingliche Übernahmen in Bereichen einzusetzen, die reif für eine Konsolidierung sind. CFOs können auch beschließen, Vermögenswerte zu veräußern, um Kapital für Transformationstransaktionen zu beschaffen, die ihrem Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern. Unternehmen, die weiterhin Liquidität benötigen, konzentrieren sich hingegen auf den Cashflow und Kostensenkung (z.B. Immobilienkosten). Der CFO Survey für Herbst 2020 (die Veröffentlichung der vollständigen Ergebnisse erfolgt Mitte November 2020)  zeigt, dass der Fokus der deutschen CFOs weiterhin auf Kostensenkungen (71%) und Erhöhung des operativen Cashflows (56%) liegt. Ein Drittel der Unternehmen (32%) möchte jedoch durch Firmenübernahmen wachsen, ein Viertel (25%) in neue Märkte expandieren. 94% der befragten CFOs sind zuversichtlich, dass ihre Bilanz solide ist und ausreichenden Liquiditätsreserven zur Verfügung stehen.

3. Die Digitalisierung vorantreiben

Die Krise hat als Katalysator für die Finanzfunktion gewirkt und den Einsatz von digitalen Technologien und Automatisierung ausgeweitet und beschleunigt, auch im jährlichen Planungsprozess und bei FP&A. Wenn CFOs das Spektrum der Investitionen in diese neuen Technologien bewerten, sollten sie auf Lösungen setzen, die nicht nur bessere Geschäftsergebnisse ermöglichen, sondern auch den Datenschutz und die Cybersicherheit stärken. Zudem gilt es, die Notwendigkeit von Investitionen in Technologien der nächsten Stufe, wie KI-gestützte Analysen und RPA, zu berücksichtigen. Der CFO Survey für Herbst 2020 belegt, dass für die deutschen CFOs Digitalisierung ganz weit oben auf der Agenda steht: In die Optimierung von Organisation und Prozessen wollen 61 Prozent investieren, in Software, Daten, Netzwerke und Webseiten knapp die Hälfte (47 Prozent).

4. Vorbereitung für eine länger anhaltende Rezession treffen

Weltweit treibt viele CFOs die Sorge um, dass die Pandemie eine längerfristige Rezession auslösen könnte. Die Weltbank prognostiziert für die Weltwirtschaft einen Rückgang des BIP in diesem Jahr um 5,2%. Die deutschen CFOs bewerten die Situation weniger pessimistisch und sehr differenziert, wie der CFO Survey für Herbst 2020 belegt. So schätzen 45 Prozent die derzeitige konjunkturelle Lage in Deutschland als gut ein, nur 20 Prozent als schlecht, der Rest sieht sie neutral. Über zwei Drittel erwarten eine Verbesserung auf Sicht von 12 Monaten. Auch für China sind die CFOs ähnlich optimistisch (aktuelle Lage: 58% gut/sehr gut, 72% erwarten eine Verbesserung). Sehr negativ wird die konjunkturelle Lage hingegen in der restlichen Eurozone (aktuelle Lage: 7% gut/sehr gut; 56% erwarten eine Verbesserung) und den USA (aktuelle Lage: 13% gut/sehr gut; 39% Verbesserung erwarten eine Verbesserung) gesehen. Gerade für exportabhängige Branchen gilt es, dies in der langfristigen Planung zu berücksichtigen.

5. Einen neuen Führungsstil für Remote Work entwickeln

In vielen Finanzabteilungen führte die COVID-19-Pandemie zu einem grundlegenden Wandel der Arbeitsweise: statt im Büro arbeiten die Mitarbeiter nun verstärkt im Homeoffice, und angesichts des Pandemieverlaufs wird Remote Work kein kurzfristiges Experiment bleiben. Die Ergebnisse des aktuellen CFO Survey im Herbst 2020 zeigen zudem, dass 66% der Unternehmen planen, auch in der Zeit nach Corona vermehrt auf Remote Work zu setzen. CFOs müssen lernen, wie man Teams führt, die nicht physisch präsent sind. Etwa indem sie in virtuellen Meetings besonders auf die Tonalität ihrer Ansprache achten, offen sprechen und erwünschte Verhaltensweisen fördern. In der Tat bietet es sich im Zuge der Entwicklung hybrider Arbeitskulturen an, in Team-Meetings über die gemachten Erfahrungen aus den letzten Monaten zu diskutieren, um besser beurteilen zu können, was in der virtuellen Arbeitsumgebung gut funktioniert hat und wo Optimierungsbedarf besteht. Darüber hinaus können CFOs und HR die neue virtuelle Arbeitsweise und Tools nutzen, um offensichtliche Lücken, z.B. im Bereich der digitalen Kompetenzen, anzugehen und mit passenden Strategien und Maßnahmen aktiv zu schließen.

6. Talente im Unternehmen halten

Der Mangel an Fachkräften ist eine fortwährende Herausforderung, und viele CFOs machen sich Gedanken, wie sie unter den erschwerten Bedingungen von Remote Work ihre besten Mitarbeiter im Unternehmenhalten können - denn auch in der Pandemie hält der Wettbewerb der Unternehmenum fähige und erfahrene Arbeitskräfte an. Und Finanzleiter, die ihr Unternehmen erfolgreich durch die Krise geführt haben, sind derzeit selbst auf dem Arbeitsmarkt höchst gefragt. Das erklärt, warum die befragten CFOs in der Umfrage "Q3 2020 CFO Signals" die "Bindung von Schlüsseltalenten" als eines ihrer dringendsten Anliegen nennen und die mögliche Abwanderung von Leistungsträgern als eines der gravierendsten Risiken für 2020 ansehen. 

7. Die Ruhe bewahren und Perspektiven bieten

Seit Ausbruch der Pandemie haben sich die CFOs hauptsächlich auf das Kostenmanagement und die Aufrechterhaltung der Liquidität konzentriert. Doch ein wichtiger Aspekt ihrer Rolle, die Kommunikation mit den Stakeholdern, hat einen Wandel erfahren: Um das Krisenmanagement voranzutreiben und die Organisation dabei zu unterstützen, Pläne zur Wiedergewinnung der Kunden im Post-COVID-Markt zu entwickeln, müssen CFOs transparenter und einfühlsamer mit den wichtigsten Stakeholdern und Mitarbeitern agieren und kommunizieren. Es gilt, den Mitarbeitern Sicherheit und eine Perspektive zu vermitteln, dass das Unternehmen gut positioniert ist, um die Krise gemeinsam zu überstehen. 

8. Die richtige Balance zwischen Outsourcing und Automatisierung finden

Bei sinkender Nachfrage suchen CFOs unweigerlich nach Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen bei nicht kritischen oder sich wiederholenden Prozessen. Infolgedessen werden Unternehmen möglicherweise verstärkt einige Aktivitäten auslagern. Die Deloitte Umfrage "Q2 2020 CFO Signals" zeigt, dass fast die Hälfte der weltweit befragten CFOs damit rechnet, dass sie in einem Jahr weniger Finanzpersonal haben wird. Und 16 Prozent der CFOs planen, mehr ausgelagerte Finanzdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Dennoch wird es mit Blick auf die veränderten Aufgaben der Finanzfunktion darauf ankommen, das richtige Gleichgewicht zwischen Outsourcing und Automatisierung zu finden - und zu bestimmen, welche neuen Fähigkeiten durch Weiterbildung des gegenwärtigen Personals erreicht werden können.

9. Performance-Szenarien entwickeln

Das Maß an Unsicherheit über die Zukunft der Wirtschaft wird die CFOs dazu zwingen, ihre Forecasts immer wieder anzupassen und dabei praktisch fortlaufend verschiedene Szenarien durchzuspielen. Aber es stellen sich viele Fragen: Welche Annahmen sind am zuverlässigsten - und wie oft sollten sie überprüft werden? Welche Risiken nehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu, und wie können sie effektiv gemanagt werden? Wie kann eine Organisation bei einem so hohen Anteil der Unternehmensleistung, die von externen Faktoren beeinflusst wird (vor allem bei den Umsatzerlösen), dieseFaktoren erfassen, einschätzen und managen? Anstatt absolute Genauigkeit anzustreben, kann es für Finanzleiter lohnend sein, verschiedene Optionen und Eventualitäten zu durchdenken. Das Ergebnis: ein COVID-19-Playbook, das dabei helfen kann, die Auswirkungen bestimmter Veränderungen zu antizipieren und sich darauf einzustellen.

10. Innovation als Schlüssel zur Zukunft begreifen 

Zusätzlich zu diesem agileren Ansatz in der Planung müssen die CFOs in der Organisation eine führende Rolle bei der Förderung neuer Einnahmequellen durch Innovation einnehmen. So wie Unternehmen neue Wege gefunden haben, wie ihre Mitarbeiter arbeiten und interagieren können, können sie auch Wege finden, Technologie mit einer besseren Nutzung von Daten zu kombinieren, wodurch konkreten Innovationen geschaffen werden können. Um das Unternehmen aus der gegenwärtigen Krise und wieder zurück auf die Erfolgsspur zu führen, gilt es, neue Produkte und/oder Dienstleistungen zu identifizieren, neue Preisstrategien zu entwickeln und neue Vertriebskanäle und Märkte zu erschließen. Wenn Unternehmen schwierige finanzielle Entscheidungen treffen, ist es entscheidend, dass die CFOs wissen, wann sie grünes Licht für die Optionen geben müssen, die sich in Zukunft auszahlen werden.

Laden Sie hier den CFO Insights “What’s keeping CFOs up at night in 2020?“ herunter und erfahren Sie mehr Details auch im globalen Kontext zu den wichtigsten Themen auf der CFO Agenda.



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