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CFO Survey Frühjahr 2019

Vorbereitet auf den Abschwung?

Der Deloitte CFO Survey reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs deutscher Großunternehmen zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen. Der Survey erscheint halbjährlich und hat zum Ziel, Trends und Trendbrüche zu identifizieren.

Für die aktuelle Ausgabe des deutschen CFO Survey hat Deloitte 170 CFOs deutscher Großunternehmen befragt. Im Fokus der Studie stehen die Wirtschaftsaussichten der wichtigsten Weltregionen sowie die Lage und die Strategie der deutschen Unternehmen. Zudem widmet sich der aktuelle Survey der Frage, wie gut die Finanzfunktionen für einen drohenden Abschwung gerüstet sind.

Starke Eintrübung der konjunkturellen Aussichten

Nach wie vor bewerten zwei Drittel der befragten CFOs die wirtschaftliche Lage in Deutschland als gut oder sehr gut. Ähnlich positiv beurteilen sie aktuell auch die Situation in den USA, während die Einschätzungen für China und die Euro-Zone zurückhaltender ausfallen. Beim Blick in die Zukunft herrscht allerdings erhebliche Skepsis: ein großer Teil der CFOs rechnet mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage in den kommenden 12 Monaten – nicht nur hierzulande, sondern auch in den übrigen oben genannten Ländern und Regionen.

Dementsprechend kritisch schätzen die CFOs die Geschäftsaussichten ein; Sie fallen auf einen der niedrigsten Werte seit 2012. Darunter leiden in der Folge sowohl die Investitionsneigung (minus 10 Prozentpunkte) als auch die Einstellungsbereitschaft (Rückgang um 21 Prozentpunkte). Beide Indikatoren bewegen sich insgesamt noch im positiven Bereich, doch angesichts der guten aktuellen Lage sind die verringerten Werte ein klarer Beleg dafür, wie pessimistisch die Unternehmen nach vorne blicken.

Risiken: Fachkräftemangel und Geopolitik am spürbarsten

Wie im CFO Survey Frühjahr 2018 nennen die Befragten mit unverändert 62 Prozent den Fachkräftemangel als das gravierendste Geschäftsrisiko. Nach einem deutlichen Anstieg um 8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr folgen danach geopolitische Risiken (58 Prozent). Im Zuge dessen sorgen sich immer mehr Unternehmen um eine nachlassende Auslandsnachfrage (+13 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Für die globale Wirtschaft sehen die Finanzvorstände vor allem Risiken durch eine weltweite Zunahme von Protektionismus und Populismus, Cyber-Angriffe auf Unternehmen und/oder Regierungen, die immer noch nicht gebannte Gefahr eines harten Brexit oder eine neue Krise in der Euro-Zone.

 

Rezession oder Abschwung?

Angesichts der schwächeren Konjunktur, der pessimistischen Geschäftsaussichten und der genannten weltwirtschaftlichen Risiken stellt sich die Frage, ob wir auf eine Rezession zusteuern. Die Mehrheit der befragten CFOs sieht diese Gefahr nicht. Nur 31 Prozent erwarten in den nächsten 12 bis 18 Monaten eine Rezession in Deutschland, etwas mehr erwarten dies für die Euro-Zone. Die Rezessionsgefahr in den USA fällt laut Einschätzung der CFOs mit einem knappen Viertel (23 Prozent) noch einmal geringer aus. Mehrheitlich gehen die CFOs also eher von einem Abschwung im Sinne einer Verlangsamung der Wachstumsraten aus.

71 Prozent der CFOs sehen ihre Unternehmen dafür gut oder sehr gut gerüstet. Konkrete Vorbereitungen haben aber erst 35 Prozent getroffen. Maßnahmen und Aktionspläne im Falle eines Abschwungs oder einer Rezession umfassen beispielsweise Anpassungen der Kreditlinie (von 43 Prozent umgesetzt oder geplant), die Verbreiterung der Geschäftsbasis (42 Prozent) oder Effizienzsteigerung durch die verstärkte Nutzung fortgeschrittener Technologien (38 Prozent). Maßnahmen auf der Finanzierungsseite, etwa Diversifizierung von Finanzierungsquellen und Reduzierung der Verschuldung, sind bei ungefähr einem Drittel der Unternehmen geplant oder bereits durchgeführt.

Die Bedeutung digitaler Strategien, Technologien und Lösungen scheint gerade im Hinblick auf mögliche Krisen- und Abschwung-Szenarien noch nicht umfassend erkannt und ihre Potenziale scheinen nicht vollständig ausgelotet zu sein. Die Personalfrage hingegen spaltet die Studienteilnehmer: 42 Prozent wollen die Belegschaft im Krisenfall reduzieren, 51 Prozent planen auch bei negativen Perspektiven mit der aktuellen Personalstärke. Dass Digitalisierung und Automatisierung bei den entsprechenden Überlegungen eine größere Rolle spielen, ist nicht erkennbar.

Rolf Epstein, Leiter CFO Programm Deutschland

 

So planen die Finanzfunktionen für den Ernstfall

Die aktuelle Ausgabe des CFO Survey untersucht auch, welche Auswirkungen ein Abschwung auf die Finanzfunktionen in den Unternehmen hätte. Ein entscheidender Aspekt ist hierbei deren Fähigkeit zur Skalierung ihrer Kapazitäten, um sie an eine veränderte Nachfrage anzupassen. In diesem Punkt sehen sich 60 Prozent der CFOs gut oder sehr gut vorbereitet. Immerhin etwas mehr als ein Drittel der CFOs schätzt die Skalierbarkeit in ihrer Finanzfunktion jedoch als schlecht ein.

Zur Steigerung der Skalierbarkeit setzen die CFOs neben Shared Services und der Bündelung von Aufgaben in regionalen Hubs verstärkt auf Prozessautomatisierung. In diesem Zusammenhang wollen die CFOs auch im Falles eines wirtschaftlichen Abschwungs weiter an ihren Digitalisierungsstrategien festhalten: nur 9 Prozent von ihnen würden in diesem Bereich Kürzungen des Projektportfolios und Budgets vornehmen, 16 Prozent sehen sogar eine Erhöhung vor. Die Personalfrage hingegen spaltet die Studienteilnehmer: 42 Prozent wollen die Belegschaft im Krisenfall reduzieren, 51 Prozent planen auch bei negativen Perspektiven mit der aktuellen Personalstärke.

Laden Sie hier den kompletten CFO Survey Frühjahr 2019 herunter und erfahren Sie mehr zu den aktuellen Entwicklungen und Einschätzungen aus Sicht der Finanzfunktion.

Rolf Epstein
Rolf Epstein

CFO Survey Frühjahr 2019

Frühere Ausgaben

CFO Survey Herbst 2018
CFOs unter Druck – Fachkräftemangel und indirekte Kosten

Angesichts der eher pessimistischen Wirtschaftsaussichten und des gravierenden Fachkräftemangels rückt für viele Unternehmen die Optimierung der indirekten Kosten in den Blickpunkt. Die Hälfte von ihnen verzeichnet einen Anstieg der Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten und gut ein Drittel auch höhere Produktionsgemeinkosten. Für die Optimierung setzen die CFOs auf einen Mix aus eher traditionellen Maßnahmen und innovativen Ansätzen wie Prozessstandardisierung und Automatisierung (einschließlich Robotics Process Automation).

CFO Survey Frühjahr 2018
Investitionsziel: Deutschland

Die Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen steigt auf einen neuen Rekordwert und 63 Prozent der CFOs nennen als Investitionsziel Deutschland – damit liegt der Heimatmarkt ganz klar vor Westeuropa, Nordamerika und China. Deloitte hat die CFOs zusätzlich zum Stand der digitalen Transformation ihres Bereichs befragt. Die Studie liefert damit wertvolle Hinweise für eine aktuelle Positionsbestimmung: Wie gut ist Ihr Unternehmen hier im Vergleich zu den Mitbewerbern aufgestellt?

CFO Survey Herbst 2017
Steigende Zinsen, stärkerer Aufschwung?

Die CFOs bewerten die wirtschaftliche Lage und die Aussichten in Deutschland und der Euro-Zone sehr positiv, und die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen steigt merklich an. Zwei Drittel der CFOs beurteilen die aktuelle Geldpolitik als zu locker und erwarten in den kommenden 12 Monaten einen (leichten) Zinsanstieg. Laut Studie hätte eine Zinswende für 70 Prozent der befragten Chief Financial Officer aber keine strategischen Auswirkungen auf das eigene Unternehmen.

CFO Survey Frühjahr 2017
Herausforderung Politische Risiken

Die deutschen CFOs nehmen die politischen Entwicklungen (Brexit-Referendum, möglicher Aufschwung populistischer und protektionistischer Parteien in der EU) sehr ernst und betrachten sie nach wie vor als die größten Risiken für ihre Unternehmen. 

CFO Survey Herbst 2016
Hoffen auf den weichen Brexit

Das Brexit-Referendum war das dominierende ökonomische Ereignis des Sommers 2016. Die Ergebnisse des CFO Survey zeigen, dass ein gutes Drittel der befragten CFOs negative Auswirkungen auf ihr Geschäft durch die Brexit Verhandlungen erwarten.

CFO Survey Frühjahr 2016 
Die neue Realität: digital und volatil

Die Ergebnisse des CFO Survey zeigen, dass die CFOs nach wie vor zuversichtlich in die Zukunft blicken – trotz geopolitischer Risiken sowie eines drohenden Rückgangs der Auslandsnachfrage.

CFO Survey Herbst 2015 
Wachstumsmotor Nordamerika

Die wichtigsten Risiken, die die CFOs sehen, kommen fast alle aus dem internationalen Umfeld. Die Furcht vor sinkender Auslandsnachfrage, vor allem durch die Schwäche der Emerging Markets, ist dabei zentral.

CFO Survey Frühjahr 2015
Auf Wachstumskurz trotz Risiken 

Die Konjunktur- und Geschäftsaussichten erreichen nach dem Einbruch im letzten Herbst fast wieder Rekordstände. Die Risikobereitschaft der CFOs steigt das erste Mal seit Jahren deutlich und Wachstum wird zur strategischen Priorität.

Über das CFO Program

In unserem globalen CFO-Program bieten wir CFOs neben dem CFO Survey eine breite Palette an Möglichkeiten sich zu vernetzen und mit Gleichgesinnten auszutauschen, über neuste Trends und Studien zu informieren oder parktische Tipps und Tools an die Hand zu bekommen, um den aktuellen makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen und Herausforderungen bestmöglich zu begegnen.

CFO Transition Lab
Das CFO Transition Lab bietet eine 360° Perspektive auf Ihre Rolle als CFO und einen persönlichen 180-Tage Plan.

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CFO Insights
Die Agenda eines Finanzvorstandes ist lang und komplex - mithilfe unserer Deloitte CFO Insights ebnen wir CFOs den Weg zu einem erfolgreichen Umgang mit aktuellen Themen.

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