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Blick nach vorne – CFOs richten Strategie neu aus

CFO-Survey Herbst 2020

Der Deloitte CFO Survey reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs deutscher Großunternehmen zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen. Der Survey erscheint halbjährlich und hat zum Ziel, Trends und Trendbrüche zu identifizieren.

Der aktuelle CFO Survey Herbst 2020 untersucht unter anderem die Geschäftslage und Strategien deutscher Unternehmen während der Corona-Krise und im europäischen Vergleich sowie die Trends auf dem deutschen M&A-Markt, der im dritten Quartal wieder Fahrt aufnimmt.

Rückkehr auf Wachstumskurs

COVID-19 hat die Wirtschaft in Deutschland zunächst auf eine tiefe konjunkturelle Talfahrt geschickt. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung im September 2020 haben sich die Geschäftsaussichten seit dem historischen Tief im März jedoch wieder eindrucksvoll erholt. So sieht sich laut eigener Einschätzung eine sehr deutliche Mehrheit der CFOs am Ende des dritten Quartals entweder in der Erholungsphase oder sogar bereits zurück auf dem Vorkrisen-Wachstumskurs. 

Mit der Erholung der Geschäftsaussichten passen die Unternehmen auch ihre Geschäftsstrategien an: Weg von defensiven Maßnahmen wie Kostensenkungen hin zu offensiveren Strategien, wie etwa neuen Produkten und Dienstleistungen sowie Wachstum über Firmenübernahmen oder -zukäufe. Auch die generelle Investitionsbereitschaft hat sich im Herbst 2020 deutlich verbessert. Die Aussagen der Teilnehmer zu den wirtschaftlichen Aussichten und Strategien wurde aufgrund der dynamischen Entwicklungen im Zuge der Covid-19-Krise bereits auszugsweise im Rahmen der Deloitte Economic Trend Briefings veröffentlicht.

Da die Umfrage im September 2020 erfolgte, berücksichtigt die Einschätzung der CFOs nicht den zweiten Lockdown im November 2020. Somit können sich die aktuellen Einschätzungen zur wirtschaftlichen und unternehmerischen Lage von der dargestellten Situation unterscheiden.

Geschäftslage im europäischen Vergleich: Deutliche Unterschiede auf Länderebene

Auch im European CFO Survey überwiegt zum Zeitpunkt der Befragung die positive Stimmung. Fast jedes zweite Unternehmen schätzt die Geschäftslage insgesamt optimistischer ein als vor drei Monaten, nur 26 Prozent pessimistischer. 

Allerdings ergeben sich zwischen den großen Mitgliedsländern der Eurozone deutliche Unterschiede. Während sich Deutschland bei den Geschäftsaussichten der CFOs bereits im stark positiven Bereich (Indexwert 54 Prozent) bewegt, befinden sich Italien (-5 Prozent) und Spanien (-25 Prozent) weiterhin im negativen Bereich.

Diese Spaltung im Meinungsbild spiegelt sich bei den Erwartungen der europäischen CFOs an eine Rückkehr ihres Umsatzes auf Vorkrisenniveau wider. Auch hier zeigen sich die deutschen CFOs am optimistischsten – fast die Hälfte der deutschen Firmen geht von einer Erholung bereits in diesem Jahr aus. Dagegen erwarten das nur knapp 40 Prozent der Befragten in der gesamten Eurozone. In Italien und Spanien rechnet der Großteil der CFOs erst im Laufe des Jahres 2021 mit einer Rückkehr auf Vorkrisenniveau, knapp ein Viertel sogar erst 2022 oder noch später.

Trends auf dem deutschen M&A-Markt: Transaktionen rücken wieder in den Fokus

In der Hochphase der Pandemie im Frühjahr 2020 legten die Unternehmen ihren Fokus vor allem auf Liquidität und Cashflow und versuchten, ihre Schulden abzusichern und ihre Finanzierungsquellen zu diversifizieren. Inzwischen sehen sich viele Firmen aber auf Wachstumskurs und über 90 Prozent der Befragten schätzen ihre Bilanz als solide und mit ausreichend Liquiditätsreserven ausgestattet ein. Damit rücken auch Fusionen und Übernahmen wieder verstärkt in den Fokus.  

Drei Viertel der befragten CFOs sehen Wachstumschancen in ihrer Branche, zwei Drittel sind zuversichtlich, ausreichende interne Ressourcen für potenzielle Fusionen und Akquisitionen sowie die anschließende Transformation zur Verfügung zu haben. Bei den M&A-Zielen steht die Bildung strategischer Allianzen mit Partnerfirmen und Start-ups aus dem eigenen Ökosystem an erster Stelle (62 Prozent), gefolgt von der Forcierung von Synergiegewinnen (51 Prozent). Derzeit sind die wesentlichen Herausforderungen bei M&A-Transaktionen für die CFOs weniger in der finanziellen Lage, sondern eher in regulatorischen sowie politischen Hürden begründet. 

 

Wie hat die Pandemie die M&A-Prioritäten für europäische Unternehmen verändert? Lesen Sie dazu auch unseren neusten Deloitte Insights Artikel.

Eine Einschätzung von Karsten Hollasch, Lead Partner M&A Offerings bei Deloitte Deutschland.

Wir sehen gerade bei M&A aufgrund von verschiedenen Einflussfaktoren eine zunehmende Dynamik auf dem Markt. Die Notwendigkeit zur beschleunigten Digitalisierung, die Unternehmen derzeit aufgrund der COVID-19-Pandemie beschäftigt, sorgt für ein vermehrtes Interesse bei Corporates und Private Equity Unternehmen an M&A Transaktionen und strategischen Allianzen.

Klar ist: für M&A Transaktionen benötigen Unternehmen Geld. Gerade die Unsicherheit im Frühjahr 2020 hat dazu geführt, dass sowohl Unternehmen wie Banken ihre Investitionen zunächst eingefroren haben. Der M&A Markt hat sozusagen von März bis Mai die Luft angehalten. Seit dem Sommer nehmen die Investitionen wieder zu und das in verschiedenen Bereichen.

Allianzen werden genutzt um komplementäre Erkenntnisse zusammen zu bringen oder gemeinsame Finanzierungen zu stemmen; Start-ups bringen frische Köpfe und Technologie-Know-Hows ins Unternehmen.

Gerade digitale Innovationstreiber - Bereiche wie Software, E-Mobility, Elektrifizierung, Kommunikations-Technologien oder Home-Fitness - sind hier heißbegehrte Partner auf dem Markt.

Dabei agieren Unternehmen teils als offensive Player, die durch Zukäufe ihr strategisches Portfolio erweitern, technologische Innovationen ins Unternehmen holen wollen oder auch an einer regionalen Ausweitung in neue Handelsmärkte interessiert sind. Gerade Private Equity Unternehmen verfügen derzeit über genug „Dry Powder“ (im Sinne von zur Verfügung stehenden Finanzfunds) um sofort zu investieren. Auch die Banken haben sich wieder Investitionen und der Vergabe von Fremdkapital geöffnet.

Natürlich gibt es aufgrund der aktuellen Lage auch vermehrt Unternehmen die aufgrund von Liquiditätsengpässen oder strategischen Veränderungen an einem Verkauf verschiedener Unternehmenssparten interessiert sind und damit defensivere Strategien fahren. Gerade Unternehmen wie Automobilzulieferer oder auch die Reise- und Tourismusbranche sind hiervon betroffen.

Es bleibt abzuwarten wie sich der Markt weiter entwickeln wird, gerade auch im Hinblick auf etwaige weitere Lockdowns. Sicher ist: die Pandemie hat den notwendigen Transformationsprozess bei vielen Unternehmen noch einmal deutlich befeuert. Daher ist es wichtig, dass Unternehmen auch über die traditionellen M&A-Aktivitäten hinausdenken und auf ein breites Spektrum an unterschiedlichen Wachstumsstrategien setzen.

 

Vielen Unternehmen wurde aufgrund der Pandemie der Digitalisierungsspiegel vorgehalten. Die Digitalisierung ist zur Notwendigkeit geworden und erhöht auch die Wichtigkeit mit den richtigen Partnern oder Unternehmensbereichen zu fusionieren.


Karsten Hollasch, Lead Partner M&A Offerings Deloitte Deutschland

Jetzt reinhören: die Ergebnisse im Performance Manager Podcast

Der Performance Manager Podcast ist der erste deutschsprachige Podcast für Business Intelligence und Performance Management. Controller und CFO erhalten hier Inspirationen, Know-how und Impulse für die berufliche und persönliche Weiterentwicklung. In dieser Ausgabe unterhalten sich Peter Bluhm (www.atvisio.de/unternehmen/) und unser Deloitte Chefökonom Dr. Alexander Börsch über die Ergebnisse des aktuellen CFO Survey Herbst 2020.

Über den CFO Survey

Für den 18. deutschen CFO Survey wurden zwischen dem 3. und dem 30. September 2020 100 CFOs deutscher Großunternehmen online befragt. 62 Prozent der teilnehmenden Unternehmen erzielen einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro, 36 Prozent über eine Milliarde Euro. Bei der Branchenstruktur dominieren die Immobilienbranche und Maschinenbauindustrie mit 18 und 14 Prozent, gefolgt von der Automobilindustrie mit 12 Prozent. Laden Sie hier den vollständigen CFO Survey Herbst 2020 herunter  und lesen Sie mehr zu den aktuellen Einschätzungen der deutschen Finanzvorstände.

Strategien für die neue Normalität | Die Ergebnisse auf einen Blick

Frühere Ausgaben

CFO Survey Frühjahr 2020
Transformationsthemen im Fokus: Sustainability & Service-Delivery

Die Folgen der COVID-19-Pandemie belasten die Wirtschaft schwer, die CFOs erwarten keine schnelle konjunkturelle Erholung. Die Unternehmen befinden sich noch im Krisenmodus, doch welche Prioritäten nehmen sie für die Zeit danach in den Blick? Aus der Erhebung im Rahmen des Deloitte CFO Survey Frühjahr 2020 lässt sich ablesen: Auch weiterhin stehen langfristige Transformationsthemen ganz oben auf der Agenda, und zwar insbesondere die Bereiche Sustainability und Service-Delivery. Denn aus Sicht der CFOs sind diese entscheidend, um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen über den Horizont der aktuellen Krise hinaus zu sichern.

Lesen Sie auch: Economic Trend Briefing: Die Zeichen stehen auf Wachstum 


CFO Survey Herbst 2019

Herausforderungen: Konjunktur, Klimawandel, Talent-Management

Die Geschäftsaussichten im Herbst 2019 waren auf einem Rekordtief und CFOs fürchteten eine sinkende Inlandsnachfrage in den kommenden Monaten. Das Ergebnis: Investitionen werden zurückgefahren und Neueinstellungen gehen zurück. Die digitale Transformation wurde weiterhin als ein Investitionstreiber gesehen. Zudem spüren Unternehmen zunehmend den Druck, auf das heiß diskutierte Thema Klimawandel zu reagieren. Nur eine Minderheit von 38% hat sich jedoch zu diesem Zeitpunkt konkrete Emissionsziele gesetzt. Und nur 3% der Unternehmen haben ihre Emissionsziele im Einklang mit dem Pariser Abkommen festgelegt. Im Rahmen der digitalen Transformation der Finanzfunktion werden die Mitarbeiter immer mehr zum entscheidenden Engpassfaktor. Weder intern noch extern können CFOs derzeit die Mitarbeiter mit den erforderlichen digitalen Kompetenzen finden.


CFO Survey Frühjahr 2019
Vorbereitet auf den Abschwung?

Der Survey geht der Frage nach, welche Auswirkungen ein Abschwung auf die Finanzfunktionen in den Unternehmen hätte. Ein entscheidender Aspekt ist hierbei deren Fähigkeit zur Skalierung ihrer Kapazitäten, um sie an eine veränderte Nachfrage anzupassen. In diesem Punkt sehen sich 60 Prozent der CFOs gut oder sehr gut vorbereitet, doch etwas mehr als ein Drittel schätzt die Skalierbarkeit als schlecht ein. Zu deren Steigerung setzen die CFOs neben Shared Services und der Bündelung von Aufgaben in regionalen Hubs verstärkt auf Prozessautomatisierung und wollen auch im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs weiter an ihren Digitalisierungsstrategien festhalten.