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Herausforderungen: Konjunktur, Klimawandel, Talent-Management

CFO Survey Herbst 2019

Der Deloitte CFO Survey reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs deutscher Großunternehmen zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen. Der Survey erscheint halbjährlich und hat zum Ziel, Trends und Trendbrüche zu identifizieren.

Für die aktuelle 16. Ausgabe des deutschen CFO Survey hat Deloitte 145 CFOs deutscher Großunternehmen befragt. Im Fokus der Studie stehen die Wirtschaftsaussichten der wichtigsten Weltregionen sowie die Lage und die Strategie der deutschen Unternehmen. Zudem widmet sich der aktuelle Survey dem verstärkten Handlungsdruck aufgrund des Klimawandels und dem Dilemma des digitalen Talent-Managements in der Finanzfunktion.

Mehrheit der CFOs erwartet wirtschaftlichen Abschwung

Mit einer Eintrübung der Konjunktur rechnen deutsche CFOs schon länger. Inzwischen steht diese aus ihrer Sicht aber unmittelbar bevor. Auch wenn sie die aktuelle Lage weiterhin noch als positiv einschätzen: Die Aussichten auf zwölf Monate sind negativ.

Für Deutschland erwarten 56 Prozent der befragten CFOs eine Verschlechterung. Damit geht ein dramatischer Rückgang der eigenen Geschäftsaussichten einher, der Indexwert fällt auf ein Allzeittief in der achtjährigen Geschichte des CFO Survey. Die Erwartungen sind für 46 Prozent der Befragten schlechter als vor drei Monaten.

Besonders ausgeprägt ist der Pessimismus in der produzierenden Industrie (Automobilindustrie, chemische Industrie, Maschinenbau). Konsumgüter-, Immobilien- und Dienstleistungsindustrie können sich dagegen noch im neutralen oder nur leicht negativen Bereich halten.

 

Investitionen und Beschäftigung sollen sinken

Diese Trends wirken sich direkt auf die Investitions- und Einstellungsabsichten der Unternehmen aus. Die Investitionsbereitschaft für die kommenden 12 Monate fällt besonders markant um 33 Prozentpunkte. Bei den Einstellungen sieht es ähnlich negativ aus, wobei sich ein deutlicher Rückgang hier schon im Frühjahr abgezeichnet hatte. Erneut sind die produzierenden Industrien besonders pessimistisch. Sie fahren die geplanten Investitionen massiv zurück, während Konsumgüterindustrie und Immobilienbranche noch im positiven Bereich verbleiben. Auffällig ist beim Thema Einstellungen, dass die Bankbranche hier noch zurückhaltender agieren will als etwa die Automobilindustrie.

Grund für die negativen Entwicklungen dürften ebenfalls die wirtschaftlichen Aussichten sein. Für sechs von zehn Unternehmen stellt eine drohende Rezession ein klares Investitionshemmnis dar. Weitere Problemfelder sind aktuelle Handelskonflikte (41 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (35 Prozent).

Größter Treiber für Investitionen ist aus Sicht der CFOs die digitale Transformation: 44 Prozent sehen diese als Investitionstreiber. 40 Prozent nennen außerdem eine anhaltend hohe Nachfrage als Pluspunkt. Interessantes Detail: Eine weitere Lockerung der Geldpolitik hätte aus Sicht der CFOs kaum Wirkung. Nur vier Prozent würden deswegen mehr investieren.

 

Veränderte Risikolandschaft

Wie beeinflussen die verschlechterten Konjunktur- und Geschäftsaussichten die Risikowahrnehmung? Die Auswirkungen sind unverkennbar: Sinkende Inlandsnachfrage ist für 63 Prozent der CFOs auf Sicht von zwölf Monaten das neue Top-Risiko für ihr Unternehmen. Es folgen geopolitische Risiken (51 Prozent), Fachkräftemangel (49 Prozent) und schwächere Auslandsnachfrage (49 Prozent). Im Vergleich zu vorherigen Studien rückt auch das Risiko verstärkter Regulierung in Deutschland wieder in den Fokus (aktuell: 43 Prozent der Nennungen).

Handlungsdruck durch den Klimawandel

Mega-Thema mit gesellschaftspolitischer Brisanz: Der Klimawandel beschäftigt Medien und Öffentlichkeit in hohem Maße. Viele Kunden verlangen zunehmend, dass Unternehmen auf diese ökologische Herausforderung reagieren. Das bestätigen die teilnehmenden CFOs. Jedes zweite Unternehmen spürt seitens ihrer Kunden den Druck auf den Klimawandel zu reagieren. Doch unter Druck stehen Unternehmen hierbei auch aus anderen Richtungen – etwa durch das eigene Management (46 Prozent), Regulierungsbehörden (44 Prozent) oder die Zivilgesellschaft (43 Prozent). Tatsächlich ziehen die Unternehmen auch praktische Konsequenzen in der Umsetzung oder Planung: 82 Prozent steigern ihre Energieeffizienz, 55 Prozent nutzen klimafreundlichere Technologien und Anlagen, 41 Prozent greifen vermehrt auf erneuerbare Energiequellen zurück. Beim Thema Emissionen zeigt sich ein gemischtes Bild: Etwa die Hälfte der Unternehmen hat keine eigenen Emissionsziele festgelegt.

 

Acht von 10 Unternehmen arbeiten daran, ihre Energieeffizienz zu steigern.

 

Digitales Talent-Management in der Finanzfunktion

Einen besonderen Fokus legt der aktuelle Herbst-Survey auf das Thema Talent-Management. Denn in der Finanzfunktion zeigt sich die Problematik des digitalen Umbruchs auf die Workforce besonders deutlich. Durch Digitalisierung und Automatisierung könnten viele bislang manuell ausgeführte Tätigkeiten und die damit verbundenen Stellen entfallen, z.B. durch Robotic Process Automation. Diesen Effekt beziffern die CFOs in der Studie auch konkret: Die meisten von ihnen (39 Prozent) schätzen, dass zwischen fünf und 14 Prozent derStellen innerhalb der Finanzfunktion entfallen.

Zugleich entstehen durch die neuen Technologien und Geschäftsmodelle neue Rollen mit entsprechenden digitalen Anforderungsprofilen. Allerdings verfügen die durch die Digitalisierung betroffenen Mitarbeiter zumeist nicht über die hierfür geforderten Qualifikationen, etwa in den Bereichen Advanced Analytics oder agiles Projekt-Management. Und auch auf dem Arbeitsmarkt herrscht ein akuter Mangel an geeignetem Personal. Das führt dazu, dass es 38 Prozent der CFOs „schwer“ oder „sehr schwer“ fällt, die notwendigen digitalen Kompetenzen für ihre Finanzfunktion zu finden. Und das, obwohl es sich nach Einschätzung der CFOs durchaus um attraktive Arbeitsplatzangebote handelt.

Als Ausweg bieten sich in vielen Fällen alternative Beschäftigungsmodelle wie Managed Services (Outsourcing / Shared Services) oder Zeitarbeit an. Langfristig tragfähig sind diese Optionen aber eher nicht. Deshalb kommt der Survey bei diesem wichtigen Zukunftsthema zu dem Fazit, dass CFOs dringend auf die digitale Qualifizierung der vorhandenen eigenen Mitarbeiter setzen sollten. Nur so können sie die vorliegenden Kompetenzlücken nachhaltig schließen.

 

Laden Sie hier den kompletten CFO Survey Herbst 2019 herunter und erfahren Sie mehr zu den aktuellen Entwicklungen und Einschätzungen aus Sicht der Finanzfunktion.

CFO Survey Herbst 2019

Frühere Ausgaben

CFO Survey Frühjahr 2019
Vorbereitet auf den Abschwung?

Der Survey geht der Frage nach, welche Auswirkungen ein Abschwung auf die Finanzfunktionen in den Unternehmen hätte. Ein entscheidender Aspekt ist hierbei deren Fähigkeit zur Skalierung ihrer Kapazitäten, um sie an eine veränderte Nachfrage anzupassen. In diesem Punkt sehen sich 60 Prozent der CFOs gut oder sehr gut vorbereitet, doch etwas mehr als ein Drittel schätzt die Skalierbarkeit als schlecht ein. Zu deren Steigerung setzen die CFOs neben Shared Services und der Bündelung von Aufgaben in regionalen Hubs verstärkt auf Prozessautomatisierung und wollen auch im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs weiter an ihren Digitalisierungsstrategien festhalten.

CFO Survey Herbst 2018
CFOs unter Druck – Fachkräftemangel und indirekte Kosten

Angesichts der eher pessimistischen Wirtschaftsaussichten und des gravierenden Fachkräftemangels rückt für viele Unternehmen die Optimierung der indirekten Kosten in den Blickpunkt. Die Hälfte von ihnen verzeichnet einen Anstieg der Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten und gut ein Drittel auch höhere Produktionsgemeinkosten. Für die Optimierung setzen die CFOs auf einen Mix aus eher traditionellen Maßnahmen und innovativen Ansätzen wie Prozessstandardisierung und Automatisierung (einschließlich Robotics Process Automation).

CFO Survey Frühjahr 2018
Investitionsziel: Deutschland

Die Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen steigt auf einen neuen Rekordwert und 63 Prozent der CFOs nennen als Investitionsziel Deutschland – damit liegt der Heimatmarkt ganz klar vor Westeuropa, Nordamerika und China. Deloitte hat die CFOs zusätzlich zum Stand der digitalen Transformation ihres Bereichs befragt. Die Studie liefert damit wertvolle Hinweise für eine aktuelle Positionsbestimmung: Wie gut ist Ihr Unternehmen hier im Vergleich zu den Mitbewerbern aufgestellt?

CFO Survey Herbst 2017
Steigende Zinsen, stärkerer Aufschwung?

Die CFOs bewerten die wirtschaftliche Lage und die Aussichten in Deutschland und der Euro-Zone sehr positiv, und die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen steigt merklich an. Zwei Drittel der CFOs beurteilen die aktuelle Geldpolitik als zu locker und erwarten in den kommenden 12 Monaten einen (leichten) Zinsanstieg. Laut Studie hätte eine Zinswende für 70 Prozent der befragten Chief Financial Officer aber keine strategischen Auswirkungen auf das eigene Unternehmen.

CFO Survey Frühjahr 2017
Herausforderung Politische Risiken

Die deutschen CFOs nehmen die politischen Entwicklungen (Brexit-Referendum, möglicher Aufschwung populistischer und protektionistischer Parteien in der EU) sehr ernst und betrachten sie nach wie vor als die größten Risiken für ihre Unternehmen. 

CFO Survey Herbst 2016
Hoffen auf den weichen Brexit

Das Brexit-Referendum war das dominierende ökonomische Ereignis des Sommers 2016. Die Ergebnisse des CFO Survey zeigen, dass ein gutes Drittel der befragten CFOs negative Auswirkungen auf ihr Geschäft durch die Brexit Verhandlungen erwarten.

CFO Survey Frühjahr 2016 
Die neue Realität: digital und volatil

Die Ergebnisse des CFO Survey zeigen, dass die CFOs nach wie vor zuversichtlich in die Zukunft blicken – trotz geopolitischer Risiken sowie eines drohenden Rückgangs der Auslandsnachfrage.

CFO Survey Herbst 2015 
Wachstumsmotor Nordamerika

Die wichtigsten Risiken, die die CFOs sehen, kommen fast alle aus dem internationalen Umfeld. Die Furcht vor sinkender Auslandsnachfrage, vor allem durch die Schwäche der Emerging Markets, ist dabei zentral.

CFO Survey Frühjahr 2015
Auf Wachstumskurz trotz Risiken 

Die Konjunktur- und Geschäftsaussichten erreichen nach dem Einbruch im letzten Herbst fast wieder Rekordstände. Die Risikobereitschaft der CFOs steigt das erste Mal seit Jahren deutlich und Wachstum wird zur strategischen Priorität.