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CFO Survey Herbst 2017

Steigende Zinsen, stärkerer Aufschwung?

Der Deloitte CFO Survey reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs deutscher Großunternehmen zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen. Der Survey erscheint halbjährlich und hat zum Ziel, Trends und Trendbrüche zu identifizieren.

An der zwölften Ausgabe des deutschen Deloitte CFO Survey 2017 haben 142 CFOs teilgenommen. Im Fokus stehen die Wirtschaftsaussichten der wichtigsten Weltregionen, die Lage und die Strategie der deutschen Großunternehmen sowie die Digitalisierung der Finanzfunktion.

Ein Schwerpunkt des Surveys liegt auf der Geld- und Zinspolitik und den Erwartungen der CFOs über ihre künftige Entwicklung und Auswirkungen.

Top Fakten aus der Studie

Wirtschaftslage gut, Investitionen steigen an

  • Die CFOs bewerten die wirtschaftliche Lage und die Aussichten in Deutschland sowie in der Eurozone und China sehr positiv, sehen die künftige Entwicklung in den USA jedoch kritisch.
  • Die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen steigt merklich an und erreicht den höchsten Wert seit Beginn des CFO Surveys 2012 - ein Indiz, dass der Aufschwung weiter an Fahrt gewinnen könnte.

 

CFOs erwarten Zinswende

  • Zwei Drittel der CFOs beurteilen die aktuelle Geldpolitik als zu locker und erwarten in den kommenden 12 Monaten einen (leichten) Zinsanstieg. Viele befürchten die Entstehung von Blasen an den Finanz- und Immobilienmärkten.
  • Für 70% der Unternehmen hätte eine Zinswende aber keine strategischen Auswirkungen auf das eigene Unternehmen, aber zwei Drittel erwarten Finanzierungsprobleme hochverschuldeter Eurostaaten. 

 

Neue Technologien verändern die Organisationsstruktur

  • Digitale Technologien ermöglichen den CFOs den Fokus der Organisationsentwicklung sowohl auf Standardisierung/ Automatisierung als auch auf Flexibilität und Stakeholder-Orientierung zu legen.

Interview mit unserem Experten Alexander Börsch

Wie schätzen Sie die Aussichten für ein Ende des Quantitative Easing bzw. für eine Zinswende in der Eurozone ein? Wie könnte der EZB Fahrplan hier aussehen?

Die gestiegene Inflation in der Eurozone und die robuste Konjunktur geben der EZB zumindest einigen Spielraum in der Geldpolitik. Die Inflation liegt zwar noch unter dem Ziel von 2%, aber nicht mehr weit, und das Wachstum wird 2017 bei knapp über 2% liegen. Damit erlebt die Eurozone das stärkste Wachstum seit 7 Jahren. Auch die Wachstumsunterschiede in der Eurozone werden kleiner. Alle Länder wachsen mit mindestens 1.5%, manche wie die Slovakische Republik oder Irland sogar mit 4%.

Von daher macht die konjunkturelle Lage einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik möglich. Die deutschen CFOs erwarten dies tatsächlich auch. Fast zwei Drittel erwarten einen Anstieg der Zinsen auf Sicht von 12 Monaten. Dabei wird kein radikaler Wandel erwartet, sondern eher ein leichter und schrittweiser Anstieg. Angesichts der amerikanischen Zinspolitik und den nach wie vor bestehenden Risiken dürfte dies auch das realistischste Szenario sein.

Deutsche CFOs bewerten eine mögliche Zinswende nach der deutschen CFO Umfrage ja mehrheitlich positiv. Wie schätzen Sie die konjunkturellen Auswirkungen auf Deutschland ein?

Die deutschen CFOs sehen die gegenwärtige Geldpolitik sehr kritisch. Sie halten sie in ihrer Mehrheit für zu locker und befürchten die Entstehung von Blasen an den Finanz- und Immobilienmärkten. Von daher ist eine mögliche Zinswende für die CFOs eine Rückkehr zur geldpolitischen Normalität. Wenn sie schrittweise verläuft, dürften die Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur sehr begrenzt sein. Nur knapp jeder zehnte erwartet eine Schwächung der deutschen Konjunktur und Auswirkungen auf das eigene Unternehmen sehen auch nur relativ wenige CFOs.

Zwei Erklärungen sind hier plausibel. Entweder ist der erwartete leichte Zinsanstieg zu niedrig, um einen wirklichen Effekt zu haben oder die CFOs haben in der Niedrigzinsphase ihre Finanzierung langfristig gesichert. Unmittelbar betroffen von einem Zinsanstieg wären eigentlich die Investitionen, doch es zeigt sich, dass die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht hat. Die Investitionen waren lange Zeit die Achillesferse des deutschen Aufschwungs und haben sich schwach entwickelt. Sollte hier eine Trendwende erfolgen, würde das den Aufschwung auf eine breitere Basis stellen. Momentan ist er vor allem vom Konsum getrieben.

Und die konjunkturellen Auswirkungen auf andere Euro Länder?

Die europäischen CFOs erwarten in ihrer Mehrheit ebenfalls einen Zinsanstieg. Aber auch auf europäischer Ebene dürften langsam und schrittweise steigende Zinsen auf die Finanzierung der Unternehmen keine unmittelbaren und kurzfristigen Auswirkungen haben. Der Aufschwung in der gesamten Eurozone ist stabiler als viele erwartet haben. Er ist 2013 gestartet, entwickelt sich aber bis 2016 recht kraftlos. Seitdem gewinnt er an Schwung und hat alle Länder erfasst. Auch politische Risiken in der Eurozone konnten den Aufschwung bisher nicht bremsen. Dies spricht dafür, dass er sich robust entwickelt und von vorsichtigen Zinserhöhungen nicht aus der Bahn geworfen wird.

Viele Experten erwarten Schwierigkeiten für hochverschuldete Euro Länder bei einer Zinswende. Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die Staatsverschuldung in der Eurozone ein? Begrenzt dies den Spielraum der EZB?

Diese Einschätzung wird von den deutschen CFOs geteilt. Über zwei Drittel erwarten Finanzierungsschwierigkeiten hochverschuldeter Eurostaaten nach einer Zinswende. Wenn dies stimmt, dann ist auch die gute Konjunktur keine Garantie dafür, dass die Eurokrise nicht wieder aufflammt. Da die EZB aber den Euroraum als Ganzes im Blick haben muss und auf das Inflationsziel verpflichtet ist, kann sie eventuelle Finanzierungsprobleme nicht zum Maßstab ihrer Geldpolitik machen. Um die Staatsverschuldung zu senken können entweder Ausgaben sinken oder das Wachstum steigen. Aus diesem Grund sind wachstumsfördernde Reformen in der Eurozone erfolgsentscheidend. Aber das ist nicht die Aufgabe der EZB, sondern der nationalen Wirtschaftspolitik.
 

Alexander Börsch

European CFO Survey - CFOs switch focus to the longer term

Die europäische CFO-Survey von Deloitte reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs europaweit zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen. Die Ergebnisse basieren auf Antworten von über 1.500 CFOs in 19 Ländern.

In diesem Quartal ist der Optimismus am höchsten und die Wahrnehmung der externen Unsicherheit ist auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der europäischen Studie (Frühjahr 2015). Aber der Wettbewerb ist hart, und die Botschaft ist klar: Es ist Zeit, sich auf die Zukunft vorzubereiten.

Mehr informationen finden Sie auch in unserem Instant-Magazin zur aktuellen European CFO Survey.

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Über das CFO Program

In unserem globalen CFO-Program bieten wir CFOs neben dem CFO Survey eine breite Palette an Möglichkeiten sich zu vernetzen und mit Gleichgesinnten auszutauschen, über neuste Trends und Studien zu informieren oder parktische Tipps und Tools an die Hand zu bekommen, um den aktuellen makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen und Herausforderungen bestmöglich zu begegnen.

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