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Geldwäscheprävention im Kunsthandel

Kunst und Kriminalität: Im Vergleich zum Finanzmarkt war der Kunstmarkt bislang kaum reguliert, über die Identität von Käufern und Verkäufern wird häufig geschwiegen. Zur Geldwäscheprävention im Kunsthandel müssen diese Privilegien überdacht werden.

Die Preise für Kunstgegenstände auf dem internationalen Kunstmarkt brechen seit Jahren neue Rekorde. Im Vergleich zum Finanzmarkt war er bislang kaum reguliert, die Preisgestaltung ist mitunter intransparent und über die Identität von Käufern und Verkäufern wird häufig geschwiegen. Diese alten Privilegien müssen nun zur Geldwäscheprävention im Kunsthandel zugunsten einer gesteigerten Transparenz, insbesondere vor dem Hintergrund des sich zunehmend entwickelnden Online-Marktes, überdacht werden.

„Led by a Sizzling Bacon, Sotheby’s First-Ever Hybrid Contemporary Art Evening Sale Format Nets an Impressive $300.4 Million” , titelte Artnet News Ende Juni 2020 über den Contemporary Art Evening Sale des britischen Auktionshauses Sotheby’s, der erstmals nicht vor Publikum im Saal abgehalten, sondern per Live-Streaming über Echtzeit-Video zeitgleich aus Hongkong, London und New York in die ganze Welt übertragen wurde. Damit reagierte das Traditionshaus auf die aktuellen Anforderungen in Zeiten von Social Distancing und das neue Format fand durchaus Anklang. Allein Francis Bacons Triptych Inspired by the Oresteia of Aeschylus (1981) brachte inklusive Gebühren 84,6 Millionen Dollar ein.  

Die COVID-19-Pandemie zwang auch die Kunstwelt in einen unvorhersehbaren Stillstand, beschleunigte zugleich aber auch den Weg hin zu einem Online-Markt, der letztlich zum Vertriebskanal für einen Großteil der Industrie wurde. Laut Hiscoxs Online Art Trade Report 2020 erwirtschafteten reine Online-Versteigerungen von Christie’s, Sotheby’s und Phillips in der ersten Hälfte des Jahres 2020 rund 370 Millionen Dollar – mehr als das Fünffache im Vergleich zu 2019. 

Fünfte EU-Geldwäscherichtlinie: Änderung der Meldevorschriften

Im Januar 2020 ist das aufgrund der Fünften EU-Geldwäscherichtlinie novellierte Geldwäschegesetz in Kraft getreten, welches durch eine Erweiterung des Kreises der Verpflichteten nunmehr auch Beteiligte des Kunstmarktes inkludiert. Die bislang geltenden Richtlinien wurden um strengere und erweiterte Meldevorschriften ergänzt, mit denen der Gesetzgeber illegale Geldwäschepraktiken und Terrorismusfinanzierung wirksamer bekämpfen will. Kunsthändler, Galeristen, Auktionshäuser und Kunstlagerhalter sind fortan dazu verpflichtet, ihre Geschäftspartner zu identifizieren, interne Risikoanalysen durchzuführen, zu dokumentieren und etwaige Verdachtsfälle zu melden. Ob großes Finanzinstitut oder kleine Galerie, Unternehmen oder selbstständiger Gewerbetreibender, alle werden gleichermaßen durch das neue Gesetz zur Mitwirkung verpflichtet. 

Gerade dort, wo unternehmerischer Erfolg in besonderem Maße vom Vertrauen der Kunden und Geschäftspartner abhängt, kommt es darauf an, Risiken bereits im Vorfeld zu erkennen und Verdachtsfälle nachhaltig aufzuklären. 

International haben wir uns aus diesem Grund unter dem Dach der globalen Deloitte Art & Finance Initiative zusammengetan, um unsere Mandanten mit unserer umfassenden Expertise bei der Umsetzung dieser neuen Sorgfaltspflichten zu unterstützen. Deloitte bietet eine breite Palette von Beratungsdienstleistungen in den Bereichen Finanzkriminalität und Art Secured Lending als neue Kreditform über Steuer-, Erb- und Zollangelegenheiten bis hin zu Due-Diligence-Prüfungen, die speziell auf den Kunstmarkt zugeschnitten sind.   

 

 

Recap: Webcast „Zum Umgang mit der 5. EU-Geldwäscherichtlinie im deutschen Kunsthandel”

Geldwäsche im Kunsthandel – Heute ist das Realität und stellt Kunstmarktakteure vor neue Herausforderungen. Am 15. Juli 2020 veranstalteten wir ein virtuelles Seminar zum Umgang mit der neuen Geldwäscherichtlinie im deutschen Kunsthandel. Der Webcast wurde von Dr. Ralph Wyss (Partner, Financial Crime Advisory, Deloitte, Zürich) moderiert und von mehr als 160 Teilnehmern besucht.

Zusammenfassung Webcast Geldwäsche im Kunsthandel (DT)

Die aktuelle Situation in Deutschland und der Schweiz diskutierten wir mit folgenden ReferentInnen:

  • Dr. Anne Laure Bandle (Rechtsanwältin bei Borel & Barbey, Genf; Dozentin für Kunst-, Urheber- und Kulturgüterrecht und Direktorin der Stiftung für Kunstrecht)
  • Katharina Stoll (Leitende Revisorin für Geldwäschereibekämpfung und Sanktionen bei der Commerzbank AG und Doktorandin an der Universität Glasgow)
  • Birgit Maria Sturm (Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. (BVDG))
  • Thole Rotermund (Kunsthändler und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. (BVDG))
  • Dr. Christina Berking (Kunstrechtsexpertin, Buse Heberer Fromm, Hamburg und Sprecherin der "Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel GbR", Köln)

 

Die Zusammenfassung des gesamten Webcasts können Sie hier in englischer und deutscher Fassung herunterladen.

Summary Webcast Money laundering in the art trade (EN)
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