Bewertung von Carbon Risiken

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Climate Finance – geeignete Ansätze zur Bewertung von Carbon Risiken

Status quo und zukünftige Entwicklungen

Der Klimawandel ist derzeit nicht nur auf der Agenda der Weltpolitik präsent, auch im Rahmen der Bewertung von Assets gewinnt die Berücksichtigung diesbezüglicher Risiken an Bedeutung. Es ist für gewisse Fonds von hoher Wichtigkeit, das Carbon Risiko zu quantifizieren und umfangreiche Maßnahmen zu ergreifen, um Investoren vor den Auswirkungen von Klimarisiken zu schützen.

Die Studie

Prof. Dr. Martin Hellmich, verantwortlicher Partner für die Bewertung von Wertpapieren im Bereich Audit & Assurance bei Deloitte, arbeitet zusammen mit dem Lehrstuhlinhaber für Energy Trading und Finance an der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Rüdiger Kiesel, an der Identifizierung von operationellen Ansätzen bzw. deren Erweiterung, um insbesondere Carbon-Risiken in der Bewertung von Assets zu berücksichtigen.

Klimarisiken und Ausgangssituation

Die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen liegen alle in den Jahren seit 2010. Swiss Re schätzt beispielsweise den Gesamtbetrag der ökonomischen Verluste durch Naturkatastrophen im Jahr 2017 auf ca. 337 Mrd. USD. Klimarisiken können ökonomisch wie durch einen Anstieg des Meeresspiegels oder Hurrikane verheerend sein und durch Folgeschäden zunehmend politische Konflikte schüren. Klimaveränderungen können ebenfalls zu veränderten Nachfragesituationen bzw. physischen Schäden bei Vermögenswerten führen sowie durch eine Transformation in eine Low-Carbon-Ökonomie Geschäftsmodelle grundlegend verändern.

Bedeutung der Bewertung von Carbon Risiken für das Asset Management

  • Durch eine Deckelung des globalen Temperaturanstiegs kann ein großer Anteil der fossilen Rohstoffe nicht mehr zur Energiegewinnung genutzt werden – damit haben Staaten und Unternehmen weniger Kapazitäten zur Schuldentilgung und werden radikalen Preisschocks und -anpassungen ausgesetzt sein.
  • Die Kosten für den Übergang in eine dekarbonisierte Ökonomie werden auf 3 % für Pensionsfonds, 2 % für Versicherungen und 0,4 % bei Banken geschätzt, wobei ein langsamer und unsicherer Übergang zu höheren Verlusten führen würde.
  • Als Konsequenz legen immer mehr Unternehmen ihre eigenen Emissionsziele fest, Investoren stoppen Investitionen in als klimaschädlich eingestufte Unternehmen oder formieren sich in Bündnissen wie Climate Action 100+, um Unternehmen von emissionsärmeren Energieformen zu überzeugen.

Forschungsansätze

  • Die Asset Pricing Theory untersucht die Problemstellung, dass ein Agent zwischen den bekannten Kosten der Maßnahmen zur Abmilderung des Klimawandels und den unsicheren Vorteilen, die dadurch entstehen, abwägen muss. Eine Carbon-Steuer basierend auf einem Emissionspreis von CO2 in der Höhe von 110 EUR bis 2050 wäre dem Problem angemessen.
  • Kleimeier und Viehs untersuchten die Auswirkungen der Offenlegung von Carbon-Intensitäten und Emissionswerten der Kosten von Carbon-Emissionen auf Fremdkapitalkosten mit dem Ergebnis, dass größere Transparenz zu besseren Kreditbedingungen führt.
  • Eine Studie zum Zusammenhang von Carbon-Risiken und Eigenkapitalkosten von deutschen und österreichischen Unternehmen im Zeitraum Januar 2016 bis Dezember 2018 mit 81 Unternehmen zeigte, dass Carbon-Intensität und Eigenkapitalkosten positiv korreliert sind und dass strenge Regulierung die Eigenkapitalkosten reduzieren kann.
  • Ein Multifaktor-Modell zur Einschätzung der Auswirkungen von EUA-Preisen (European Emission Allowances) auf die Aktienkurse von Stromversorgern zeigt, dass die Aktienkurse tendenziell positiv auf EUA-Preisänderungen für diejenigen Produzenten reagieren, die überwiegend Ökostrom in ihrer Produktion verwenden.