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Die besten Tech-Standorte in Deutschland: 50 Städte im Ranking

Die aktuelle Deloitte Studie analysiert Status und Potenzial der deutschen Tech-Hubs

Lokale Ökosysteme schaffen den Nährboden für Fortschritt und digitale Innovation. Denn sie vernetzen Unternehmen, Start-ups, Talente, Hochschulen und Forschungseinrichtungen – das Silicon Valley ist hierfür das wohl bekannteste Beispiel. Doch welche Standorte sind hierzulande in der digitalen Ökonomie führend? Und wie gut sind die deutschen Städte für die digitale Zukunft aufgestellt? Die Antworten liefert unsere Studie zu den Tech-Standorten in Deutschland. Das spannende Resultat: Neben den großen Metropolen glänzen zahlreiche kleinere Städte als „Hidden Champions“.

Tech-Standorte sind heutzutage viel mehr als nur Zentren der IKT-Industrie (Informations- und Kommunikationstechnik). Denn fortschrittliche digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotic Process Automation oder Data Analytics sind zu zentralen Themen für nahezu alle Branchen und Sektoren geworden: Die Digitalisierung der traditionellen Industrien schreitet immer schneller und umfassender voran, ob durch das autonome Fahren in der Automobilindustrie, den durch Fintechs ausgelösten Wandel in der Finanzbranche oder Industrie 4.0 im produzierenden Gewerbe. Deshalb gewinnen Tech-Standorte als lokale Ökosysteme, in denen digitale Technologien mit traditionellen Produkten und Dienstleistungen verknüpft werden, zunehmend an Bedeutung. Sowohl aus Perspektive der Unternehmen als auch aus Sicht der Städte und Gemeinden ist das Vorhandensein und der Ausbau der passenden Standortfaktoren entscheidend für wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand.

Innovationen und Talente

Auf den ersten Blick mag die Wichtigkeit von geographischen Standorten im Zeitalter der Digitalisierung widersprüchlich erscheinen. Schließlich ist die Verfügbarkeit von Informationen an jedem Ort und ihre quasi kostenlose Übermittlung geradezu Kern digitaler Technologien. Doch tatsächlich ist die digitale Ökonomie in hohem Maße räumlich konzentriert. Die Gründe sind vielfältig, basieren aber vor allem auf zwei Faktoren: dem tiefgreifenden Wandel der Innovationsmuster in Unternehmen und den Besonderheiten der Arbeitsmärkte für Tech-Talente.

Heute entstehen digitale Innovation nicht isoliert in unternehmenseigenen Forschungsabteilungen, sondern in regionalen Netzwerken, in denen Start-ups, Forschungsinstitute, Risikokapitalgeber, Experten und Unternehmen in ständigem Austausch miteinander stehen. Räumliche Nähe und persönliche Beziehungen schaffen optimale Bedingungen, um neues Wissen zu teilen und Ideen zu entwickeln.

Tech-Talente sind ein zentraler Bestandteil von Innovations-Ökosystemen, denn Technologie funktioniert nicht ohne Humankapital. Doch in der digitalen Ökonomie herrscht ein Mangel an hochqualifizierten Fachkräften. Zugleich hat die zunehmende technische Komplexität und Spezialisierung zur Folge, dass sich die digitalen Skills immer weiter ausdifferenzieren.

Für erfolgreiche Standorte ist es daher einerseits wichtig, durch eine hohe Attraktivität neue Talente von außerhalb anzuziehen, darunter auch Fachkräfte aus dem Ausland. Ein dynamischer Arbeitsmarkt mit hochqualifizierten und gut bezahlten Jobs, eine moderne Infrastruktur und eine hohe regionale Lebensqualität zählen hier vor allem. Zugleich gilt es, durch exzellente Bildungseinrichtungen vor Ort die passenden Bedingungen und Qualifikationen für die kommenden Talente zu schaffen.

Tech-Standorte in Deutschland: Status- und Potenzial-Index

Doch wie gelingt ein valider Vergleich von 50 deutschen Städten, um festzustellen, welche Tech-Standorte aktuell dominieren und welche das höchste Potenzial für die künftige Entwicklung aufweisen? Deloitte hat dafür in einer wissenschaftlichen Untersuchung insgesamt 15 Einzelindikatoren zu zwei Indizes aggregiert, dem Status-Index und dem Potenzial-Index der Studie. Diese bilden die Verteilung der Tech-Jobs und der Tech-Talente an den deutschen Standorten sowie deren Zukunftsaussichten ab.

Besondere Bedeutung für den Status-Index haben neben den Jobs in der ITK-Industrie auch jene im MINT-Bereich (Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften, Technologie). Damit berücksichtigt die Studie erstmalig den in der Einleitung beschriebenen Trend, dass digitale Innovation auch für die traditionellen Industrien immer wichtiger wird – so benötigen beispielsweise Automobilhersteller Informatiker für das autonome Fahren oder Versicherungskonzerne Big Data Spezialisten für die Risiko-Analyse.

Der Status-Index erfasst deshalb die Anzahl der Beschäftigten in beiden Bereichen (ITK und MINT) sowie die Dynamik (im Zeitraum von 2013 bis 2017) und den jeweiligen Anteil von Jobs an der Gesamtbeschäftigung in der Stadt. Auch der Anteil der komplexen MINT-Berufe, die ein mindestens vierjähriges Studium oder eine vergleichbare Qualifikation voraussetzen, fließt in den Index ein, da diese Jobs ein besonders hohes Innovationspotenzial mit sich bringen. Aktuelle Arbeitsmarktdaten zur Beschäftigungsquote der erwerbsfähigen Bevölkerung und zur Akademikerquote unter der Gesamtbeschäftigung sind weitere Indikatoren für den Status-Index.

Der Potenzial-Index bildet die Talent-Pipeline der Tech-Standorte ab und erfasst folgende Indikatoren: Die Anzahl der eingeschriebenen MINT-Studenten, deren Anteil an der gesamten Studentenzahl vor Ort und die Reputation der örtlichen Universitäten. Zudem berücksichtigt der Index die Anziehungskraft der Stadt auf MINT-Absolventen von außerhalb, die Haltekraft für lokale MINT-Absolventen sowie die prognostizierte Entwicklung der erwerbsfähigen Bevölkerung bis zum Jahr 2030.

München vor Berlin, gefolgt von den Hidden Champions im Ranking

Insgesamt ist München der bedeutendste Tech-Standort in Deutschland und liegt sowohl beim Status-Index als auch beim Potenzial-Index ganz vorne. Die Stadt weist die stärkste Spezialisierung auf die IKT-Industrie auf, hat die höchste Anzahl an technologisch orientierten (MINT)-Berufen und zeigt zudem eine ungebrochene Dynamik in diesen Bereichen. Danach folgt im Gesamtranking Berlin mit teils merklichem Abstand in einzelnen Wertungskategorien.

Doch neben den Big-2-Metropolen haben sich eine ganze Reihe kleinerer Städte als Tech-Hubs etabliert. Angeführt werden diese Hidden Champions von Darmstadt auf dem dritten Platz in der Gesamtwertung. Darmstadt ist führend bei Forschung- und Ausbildung sowie bei den Technologie-Berufen. Andere Hidden Champions ragen ebenfalls aufgrund ihrer führenden Stellung in der Forschung und Ausbildung oder auch der technologisch orientierten Wirtschaftsstruktur heraus. Dazu gehören neben Darmstadt auch Erlangen, Karlsruhe und Aachen.

Alle Ergebnisse der Studie zu den deutschen Tech-Standorten

Für ein zukunftsfähiges Deutschland benötigen wir Städte und Kommunen, die unser digitales Leben und unsere digitale Wirtschaftskraft ganzheitlich begreifen: Dabei geht es um mehr als nur um moderne, digitale Infrastrukturen – es geht auch darum, die besten Tech-Talente anzuziehen und zu binden. Laden Sie hier die Datenland Deutschland Studie herunter und erfahren Sie neben allen Ergebnisse im Detail auch, wie Standorte durch Spezialisierung in der digitalen Ökonomie und durch die Anknüpfung an internationale Innovations-Netzwerke ihre Attraktivität für Investoren, Unternehmen und Talente steigern können.

Die Ergebnisse kurz und knapp zusammengefasst

Weitere Publikationen aus der Reihe "Datenland Deutschland" finden Sie auf der Übersichtsseite.