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KMU treiben die Wiederbelebung der M&A-Aktivitäten in der Schweiz voran

Zürich, 31. Januar 2017

Das Schweizer M&A-Jahr 2016 zeigte sich vor allem von regen grenzüberschreitenden Transaktionen geprägt. Die KMU bleiben dabei klar der Motor des M&A-Geschäfts in der Schweiz. Die halbjährliche Deloitte Studie zu M&A-Aktivitäten von KMU in der Schweiz stellt sowohl eine deutliche Erholung des Inbound-Geschäfts wie auch eine Zunahme der durch Schweizer KMU im Ausland getätigten Übernahmen fest. Das Jahr 2017 dürfte an den Trend anknüpfen und den Aufschwung der M&A-Aktivitäten in der Schweiz bestätigen.

Das Inbound1-Geschäft wuchs 2016 um 44% und ist damit der wichtigste Treiber des Aufschwungs der M&A-Aktivitäten der Schweizer KMU. Das Outbound2-Geschäft nimmt im gleichen Zeitraum um 13% zu. Schweizer KMU setzen einen offensichtlichen Schwerpunkt auf Übernahmen mit ausländischer Komponente: Die Anzahl der Geschäfte im Inland nimmt das vierte Jahr in Folge ab (-18%), während grenzüberschreitende Aktivitäten immer wichtiger werden – ihr Anteil stieg von 58% der Transaktionen im Jahr 2015 auf 68% im Jahr 2016.

Das anhaltende Klima der Ungewissheit hat im letzten Jahr die globalen M&A-Aktivitäten etwas gebremst, nicht aber im Schweizer KMU-Sektor. Die Anzahl Transaktionen wuchs von 176 auf 191, wobei das Niveau der Jahre 2013 (231 Transaktionen) und 2014 (216) nicht erreicht wurde.

«Dieser Aufwärtstrend stellt die Anpassungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft unter Beweis. Trotz anhaltendem Währungsdruck haben die solidesten KMU ihre Investitionsausgaben wieder aufgenommen. Auf der anderen Seite verhielten sich die ausländischen Käufer äusserst opportunistisch, nicht zuletzt aufgrund der Reputation, des Technologieniveaus und der hohen Qualität der Dienstleistungen der mittelständischen Unternehmen in der Schweiz», erklärt Jean-François Lagassé, leitender Partner Financial Advisory von Deloitte in der Schweiz.

Erholung der Outbound-Transaktionen, Inlandsmarkt rückläufig

Mit 61 Transaktionen (+13% ggnb. 2015) beschleunigten Schweizer KMU ihre Übernahmeaktivitäten im Ausland; die Zahl markiert den Höchstwert seit Durchführung der Studie. Die bevorzugten Partner sind Altbekannte: Deutschland (16 Übernahmen) und die USA (9). Der optimistischere Ausblick der Schweizer Wirtschaft führt dazu, dass Schweizer KMU mehr strategische Übernahmen im Ausland tätigen. Die externe Wachstumspolitik ermöglicht den Schweizer KMU sich in andere Branchen zu diversifizieren und weitere Regionen zu erschliessen. Diese Strategie wird durch den starken Franken weiter beflügelt.

Der Inlandsmarkt ist in den letzten Jahren stark ruckläufig: von 2013 bis 2016 ging die Anzahl der Inlandstransaktionen um 42% zurück. Diese Abschwächung lässt sich vor allem dadurch erklären, dass Schweizer Unternehmen stärker darauf ausgerichtet sind, ihre Aktivitäten im Ausland auszuweiten und ihre Abhängigkeit vom Schweizer Markt zu verringern und deshalb Outbound-Transkationen bevorzugen.

Übernahmen in der Schweiz: Grosses Interesse an Dienstleistungen und in der Deutschschweiz

Der ausschlaggebende Faktor für das Gesamtmehr an Transaktionen in 2016 liegt im Inbound-Geschäft, das nach einem Rückgang von 40% in 2015 nun wieder um insgesamt 44% anstieg. Erstmals schlüsselt Deloitte die übernommenen Schweizer KMU3  nach Kantonen auf. Dabei zeigt sich, dass Zürich, Bern, Genf und Waadt die Nase vorn haben. Eine breite Kluft lässt sich indes zwischen der Deutschschweiz (71% der Transaktionen) und der Romandie (28%) sowie dem Tessin (2%) erkennen.

Über 60% der Inbound- und Inlandtransaktionen stammt aus dem Dienstleistungssektor und der Industrie. Dies sind klare Hinweise auf die Qualität der Ausbildung und die Effizienz des Schweizer Dienstleistungssektors, sowie auf die Widerstandskraft der Schweizer Industrie. Ein laufend vielfältigeres Käuferuniversum nutzt diese Chancen: Am aktivsten waren Frankreich (19 Übernahmen) vor Grossbritannien (9), Deutschland und den USA (je 8 Übernahmen), aber auch asiatische Unternehmen verstärken ihre Akquisitionsaktivitäten in der Schweiz.

Stephan Brücher, Partner Corporate Finance Advisory, sagt: «Schweizer KMU sind – trotz anhaltender Frankenstärke – sowohl bei europäischen als auch bei asiatischen, insbesondere chinesischen, Käufer beliebt. Auch wenn ein Teil dieser Übernahmen grosse Unternehmen betrifft, sind Schweizer KMU, hauptsächlich aus der Uhrenindustrie und dem Hotelgewerbe, für chinesische Investoren äusserst attraktiv. KMU stellen erstrangige Partner dar, insbesondere bei der Unternehmensnachfolge. Die Gründe sind aber nicht nur finanzieller Art. Im Rahmen einer langfristigen Anlage wollen ausländische Investoren vom Schweizer Know-how profitieren.»

«Auch Private-Equity-Gesellschaften haben einen grösseren Appetit für Schweizer mittelständische Unternehmen. Investmentfonds setzen vermehrt auf Schweizer KMU, weil sie attraktive Finanzierungsbedingungen und Investitionen in hochwertige Unternehmen suchen.» Insgesamt waren 23 KMU Ziel einer Übernahme durch einen Investmentfonds, was einen Anstieg von 28% gegenüber dem Vorjahr – und einen erstmaligen Umschwung des seit 2013 anhaltenden Abwärtstrends – bedeutet.

Die Perspektiven für 2017

Zum Ausblick auf das bevorstehende Jahr äussert sich Jean-François Lagassé: «Zahlreiche Herausforderungen, wie beispielsweise der starke Franken und der Margendruck auf wichtige Sektoren der Schweizer Wirtschaft, werden trotz erwartetem leichtem Wachstum des BIP (+1.8%) bestehen bleiben. Das Jahr 2017 dürfte trotzdem an den letztjährigen Trend anknüpfen und den Aufschwung der M&A-Aktivitäten in der Schweiz bestätigen. KMU mit einer soliden Finanzierung werden Transaktionen bevorzugen, die ihr Wachstum fördern, zumal gute Zinskonditionen diese Aktivitäten begünstigen. Ausländische Käufer, besonders asiatische, werden auch dieses Jahr ausgeprägtes Interesse an Schweizer KMU zeigen.»

***

1Inbound-Transaktion = Übernahme eines Schweizer KMU durch ein ausländisches Unternehmen
2Outbound-Transaktion = durch ein Schweizer KMU im Ausland getätigte Übernahme
3Schliesst Inland- und Inbound-Transaktionen ein

Über den Bericht
Im jährlichen Bericht von Deloitte zu M&A-Aktivitäten von Schweizer KMU wurden die Fusions- und Übernahmetransaktionen von Schweizer Klein- und Mittelunternehmen in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2016 untersucht. Deloitte definiert KMU wie folgt: Ein Umsatz von mehr als CHF 10 Millionen, weniger als 250 Mitarbeitende und ein Unternehmenswert zwischen CHF 5 Millionen und 500 Millionen.

Sie können den vollständigen Bericht Schweizer KMU: M&A-Aktivitäten 2016 auf unserer Webseite herunterladen.

Über Deloitte in der Schweiz
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Anmerkung für die Redaktion
In dieser Medienmitteilung bezieht sich Deloitte auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited („DTTL“), eine "UK private company limited by guarantee" (eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach britischem Recht), und ihre Mitgliedsunternehmen, die rechtlich selbstständig und unabhängig sind. Eine detaillierte Beschreibung der rechtlichen Struktur von DTTL und ihrer Mitgliedsunternehmen finden Sie auf unserer Webseite unter www.deloitte.com/ch/about

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