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Umfrage zum Klimawandel: Über die Hälfte der Schweizer Unternehmen hat keine Reduktionsziele

Zürich/Genf, 30. Dezember 2019

Der Klimawandel ist noch kein grosses Thema in den Chefetagen Schweizer Unternehmen: Zwar haben fast alle Unternehmen gemäss dem CFO-Survey von Deloitte bereits Massnahmen ergriffen. Es mangelt aber bei vielen noch an Systematik – und 57 Prozent haben sich keine Ziele zur Klimagasreduktion gesetzt. Den grössten Handlungsdruck spüren die Unternehmen in der Schweiz von Seiten der Kunden; ganz anders im übrigen Europa, dort pochen die Unternehmensführungen selbst am stärksten auf Massnahmen zum Klimaschutz.

Die Schweizer CFOs beschäftigen zwar zurzeit noch kurzfristig relevantere Herausforderungen als der Klimawandel: die wieder stark gestiegenen Währungsrisiken, die anhaltenden geopolitischen Spannungen oder der Fachkräftemangel. Trotzdem haben bereits 94 Prozent aller Unternehmen konkrete Vorgehens-weisen im Zusammenhang mit dem Klimawandel beschlossen. Beinahe drei Viertel der CFOs (72%) geben an, dass ihr Unternehmen Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz trifft und über die Hälfte (52%) setzt bewusst auf energieeffiziente Ausrüstung. Das Beratungsunternehmen Deloitte hat im September dieses Jahres 103 CFOs von mittleren und grossen Unternehmen in der Schweiz sowie 1,268 CFOs aus 18 weiteren europäischen Ländern befragt.

Erst ein Viertel der Schweizer Unternehmen hat eine Einschätzung vorgenommen, welche konkreten Risiken der Klimawandel für sie bedeutet. «Diese Zahl wird hoffentlich rasch ansteigen, denn der Klimawandel wird nicht nur unser Leben stark beeinflussen, sondern hat auch umfassende Auswirkungen auf Produkte und Dienstleistungen, Lieferketten, Vermögenswerte und Geschäftsmodelle. Der Beitrag der Wirtschaft zur Lösung der Klimakrise ist sehr wichtig, denn es braucht dazu viele Eigenschaften, die auch erfolgreiche Unternehmen auszeichnen», sagt Alessandro Miolo, Leiter Audit & Assurance bei Deloitte Schweiz.

Reduktionsziele: Schweiz unterdurchschnittlich

Bei der Festlegung von Zielen zur Klimagasreduktion liegt die Schweiz im Hintertreffen. 57 Prozent der befragten Unternehmen haben noch keine Zielwerte festgelegt, das sind sechs Prozentpunkte mehr als im europäischen Durschnitt. «Es ist ein positives Zeichen, dass bereits über ein Drittel der Unternehmen in der Schweiz sich konkrete Ziele für die Reduktion ihres CO2-Fussabdrucks gesetzt haben. Dies setzt nämlich voraus, dass der CO2-Ausstoss des Unterneh¬mens erfasst wird. Diese Aufgabe benötigt viel Fachwissen und Ressourcen», führt Alessandro Miolo aus. Fast jeder zehnte CFO konnte zudem nicht sagen, ob sich sein Unternehmen Ziele für eine Klimagasreduktion gesetzt hat oder nicht.

Grosse Unterschiede zeigen die europäischen Ergebnisse nach Branchen: Bei den Energieversorgern haben fast 60 Prozent Reduktionsziele beschlossen, bei den Reise- und Transportunternehmen sind es knapp die Hälfte. Der Detailhandel sowie TMT (Technologie, Medien und Telekommunikation) sind die Schlusslichter im Branchenranking.

Schweizer Unternehmen spüren Druck von aussen

Schweizer Unternehmen werden in erster Linie von der Kundschaft aufgefordert, Massnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Aber auch Mitarbeitenden scheint es offensichtlich wichtig, dass ihr Arbeitgeber sich engagiert und auch die Unternehmensleitung selbst scheint Druck zu machen. (Abbildung 1). Im europäischen Vergleich fällt auf, dass die Unternehmensführungen über alle Länder gesehen den höchsten Druck machen, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. In der Schweiz kommt der stärkste Druck hingegen von aussen, vor allem von Kunden und der Zivilgesellschaft.

«Unternehmen müssen ihren Einfluss auf das Klima klar erkennen und für sich definieren, wo sie Einfluss nehmen können und wollen und damit einen relevanten Unterschied machen. Zurzeit ist dies auch noch ein guter Zeitpunkt, sich bei den Konsumierenden und auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu positionieren», erläutert Miolo weiter.

Weiter gilt es für CFOs, die regulatorischen Entwicklungen und politischen Diskussionen auf nationaler und internationaler Ebene zu verfolgen. «Mit dem neuen Parlament wurde der politische Wille hin zu einer zu einer CO2-neutralen Wirtschaft gestärkt. Wenn Unternehmen nun rasch auf neue politische Anreize oder regulatorische Rahmenbedingungen reagieren oder diese sogar antizipieren, können sie sich finanzielle oder operative Vorteilen verschaffen», rät Miolo den Schweizer Unternehmen.

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