Perspektiven

Perspektive zum CFO Survey von Deloitte

Der Erhalt von Werten in unsicheren Zeiten

In den im Winter und Frühjahr von Deloitte durchgeführten CFO-Umfragen treten einige bereits bekannte Anliegen zutage. Die Ergebnisse vermitteln interessante Einblicke, wie CFOs mit diesen Herausforderungen umgehen. Geopolitische Risiken stehen weiterhin ganz oben auf der Sorgenliste der Schweizer CFOs. So ist der Anteil der CFOs, die die Wirtschafts- und Finanzlage als sehr unsicher einschätzen, in der Frühjahresumfrage um einen Punkt auf 59% gestiegen. Diese Bedenken sind begründet: Präsident Trump hat gerade erst den 100-Tage-Meilenstein abgeschlossen; Europa befindet sich mitten im Super-Wahljahr und die Brexit-Verhandlungen haben kürzlich begonnen, sodass die Auswirkungen der Wahlergebnisse und die politischen Folgen für die Märkte noch unklar sind.

Als exportorientiertes Land kann die Schweiz vom Wachstum des Welthandels stark profitieren. Dies stellt jedoch auch eine Herausforderung dar, wenn Marktunsicherheiten oder Protektionismus auf einen Abschwung hinweisen. Die Folgen des Trump-Prinzips «America First» oder Grossbritanniens EU-Ausstieg sind nicht absehbar. Zudem sehen die CFOs erhebliche Unsicherheiten in Bezug auf die für die Schweiz wichtigen Handelspartner wie Frankreich oder Italien.

Die Bedenken gegenüber den internationalen Entwicklungen werden durch das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft etwas ausgeglichen. Die Rezessionsbefürchtungen infolge des Wechselkursschocks im Jahre 2015 haben sich gelegt. Neun von zehn Schweizer CFOs gehen für die nächsten zwei Jahre nicht davon aus, dass die Binnenwirtschaft in eine Rezession gerät.

Die Frühjahresumfrage zeigt jedoch, dass das unberechenbare internationale Konjunkturumfeld einen Schatten auf die künftigen Cashflow-Erwartungen wirft. Die Stimmung unter den CFOs in Bezug auf diesen Aspekt ist gemischt. Der Konsens rund um das Umsatzwachstum ist nach wie vor gegeben, obwohl sich die Umsätze im Jahr 2017 wahrscheinlich nur durch eine Margenerosion erhöhen lassen werden. Der Margen- und Preisdruck rückte in der Liste mit den grössten Risiken, welche die CFOs für ihre Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten nennen, von Rang sieben auf Rang drei vor. Gleichzeitig hat das Vertrauen in Investitionen abgenommen. Trotz der rekordniedrigen Zinsen, die ein attraktives externes Finanzierungsumfeld geschaffen haben, erwarten nun weniger CFOs eine Zunahme von Ersatz- und Neuinvestitionen im kommenden Jahr, verglichen mit der Winterumfrage.

Die weltweite Unsicherheit dämpft die internationalen Wachstumsaussichten und lässt nur auf ein bescheidenes Binnenwachstum hoffen. Daher ist es wichtiger denn je, dass CFOs ihre Unternehmen in der Maximierung der Wertschöpfung bestehender Geschäftsaktivitäten unterstützen. Im Allgemeinen haben die CFOs die Ansicht, dass sie über die nötigen Finanzressourcen verfügen, um durch unsichere Zeiten zu navigieren und vertrauen ihren Fähigkeiten, den operativen Cashflow im Verlauf der nächsten zwölf Monate zu steigern. Es ist jedoch unumgänglich, noch mehr Anstrengungen in die Kostenreduktion zu investieren. Zudem teilen die CFOs die Erwartung, dass die diskretionären Ausgaben auf kurze Sicht reduziert werden können.

Das Management von Betriebskapital steht seltener zur Debatte. Es kann jedoch die Verbesserung des operativen Cashflows unterstützen. Die laufende Steuerung von operativ wirksamen Laufzeiten der Forderungen und Verbindlichkeiten kann sehr aufwändig und zeitintensiv sein. Die Überwachung wird komplexer, wenn mehr Anspruchsgruppen in der Lage sind für ihre individuellen Kunden oder Verträge massgeschneiderte Zahlungsbedingungen auszuhandeln. Die Gewährung von unterschiedlichen Konditionen verteuert die Compliance und erschwert die Aufdeckung von Verstössen. Zudem wird damit die Transparenz bezüglich abgelaufener Zahlungsfristen sowie die vollen Ausnutzung von grosszügigeren Zahlungsbedingungen auf der Einkaufsseite beeinträchtigt.

Zahlungseingangsziele sind ein entscheidender Faktor bei der Verbesserung des operativen Cashflows. Sie lassen sich ohne eine effektive Kontrolle über die Regelung von Forderungslaufzeiten nur schwer verfolgen. Wenn die primären KPIs in Bezug auf Forderungseingänge erreicht werden, können trotzdem Barverluste entstehen wenn den Kunden Nachlässe eingeräumt werden, auch wenn sie ihre Zahlungen ausserhalb des vereinbarten Zeitfensters abwickeln.

Eine Überprüfung der Zahlungsfristen auf Absatz- und Einkaufsebene kann Verbesserungspotenziale identifizieren. Ziel ist, den Wert zu schützen, die grössten Risikofaktoren hervorzuheben sowie Möglichkeiten für Vereinfachungen sowie Risikominimierung durch die Harmonisierung von Zahlungsbedingungen zu schaffen.

Die Procure-to-pay- und Order-to-cash-Prozesse im Rahmen der Beschaffung und Abwicklung von Bestellungen bieten eine Grundlage für eine weitere Automatisierung durch Prozess-Roboter. Unternehmen die Roboter mit dem Ziel geringerer Kosten und höherer Genauigkeit erfolgreich eingeführt haben weisen bemerkenswerte Vorteile, wie beispielsweise die Eliminierung von Qualitätsdefiziten in ihren Abläufen aus.

Wenn Margen und Cashflows unter Druck stehen, können CFOs in ihrer Rolle als Werteschützer zu der Erkenntnis gelangen, dass die wirksame Steuerung und Automatisierung des Betriebskapitalmanagements ein wichtiges Mittel für eine Organisation darstellen kann, um ihre Liquidität sicherzustellen.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Perspektiven nützliche Denkanstösse geben und freuen uns über Ihre Diskussionsbeiträge zu den in der CFO-Umfrage angesprochenen Punkten.

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