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Was tun Unternehmen gegen den Klimawandel?

Ergebnisse einer aktuellen Befragung von über 1100 CFOs in Europa

Der Klimawandel ist für Gesellschaft und Politik eine der drängendsten Herausforderungen der Gegenwart. Auch Unternehmen spüren zunehmend seine negativen Folgen – und sie tragen eine große Verantwortung. Immer mehr Kunden, Investoren, Mitarbeiter und Regulierungsbehörden fordern, dass auch die Unternehmen einen aktiven Beitrag zur Eindämmung der Erderwärmung und somit zur Reduktion von Treibhausgasen leisten. Im Rahmen des European CFO Survey hat Deloitte untersucht, mit welchen Strategien und Maßnahmen Unternehmen auf den Klimawandel reagieren.

Deloitte hat im Rahmen der oben genannten Studie 1.168 CFOs europäischer Unternehmen befragt, was ihre Organisationen angesichts des Klimawandels tun. Die wichtigsten Ergebnisse dazu im Überblick:

  • Der Handlungsdruck vonseiten unterschiedlicher Stakeholder-Gruppen wächst
  • Die Maßnahmen der Unternehmen in Reaktion auf den Klimawandel konzentrieren sich derzeit vorrangig auf kurzfristige Kosteneinsparungseffekte
  • Ein tiefergehendes Verständnis der Klimarisiken fehlt häufig noch
  • Nur wenige Unternehmen verfügen über Governance- und Steuerungsmechanismen für die Entwicklung und Umsetzung von umfassenden Klimastrategien
  • Die Ziele für die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen sind in der Regel nicht mit dem Pariser Klimaabkommen abgestimmt, sondern folgen eigenen Vorgaben

Die Analyse der Studiendaten zeigt: Der größte Handlungsdruck zur Veränderung geht von Kunden und dem Top-Management aus. Aber auch Mitarbeiter, Aufsichtsbehörden, die Gesellschaft und Investoren sind hier weitere relevante Einfluss-Faktoren. So haben sich beispielsweise zahlreiche große Investoren, die Finanzmittel in einer Gesamtgröße von über 35 Billionen US-Dollar verwalten, der Initiative „Climate Action 100+“ angeschlossen. Diese hat sich dazu verpflichtet, die größten Treibhausgas-Emittenten dazu zu bewegen, "die Emissionen einzudämmen, die Unternehmensführung zu verbessern und die Berücksichtigung der klimabezogenen Unternehmensrisiken zu bewerten und transparent zu machen." Auch diverse Staaten haben bereits nationales Recht verabschiedet, um ihre Emissionsziele zu erreichen.

Deloitte Insights Article: Feeling the heat?

Risiken und Chancen des Klimawandels für Unternehmen

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmen sind vielfältig. Zum einen birgt er herkömmliche Geschäftsrisiken, wie etwa Versorgungsengpässe, Störungen der Lieferketten oder Schäden an Produktionsstätten aufgrund von extremen Wetterphänomenen. Andererseits kann er neuartige Geschäftsrisiken verursachen: wenn im Zuge der gesellschaftlichen Reaktion auf den Klimawandel neue Technologien, Märkte und gesetzliche Vorschriften entstehen, die Kosten verursachen oder direkte Auswirkungen auf bestehende Produkte, Services und Vermögenswerte haben. Zudem müssen Unternehmen, welche große Mengen an Treibhausgasen emittieren, zunehmend damit rechnen, verklagt und rechtlich für die Auswirkungen des Klimawandels zur Verantwortung gezogen zu werden.

Demgegenüber stehen aber auch zahlreiche Chancen: Unternehmen können zum Beispiel ihre Energieeffizienz steigern und damit Kosten senken. Außerdem fördert der Klimawandel Innovationen, die auf CO₂-Reduktion abzielen und Unternehmen weniger abhängig von den Preisschwankungen fossiler Brennstoffe machen. Letztlich fördert das die Wettbewerbsfähigkeit und eröffnet Unternehmen neue Marktchancen.  

Transparenz als erster Schritt

Um Investoren und anderen Interessensgruppen zu helfen, die Exposition eines Unternehmens gegenüber klimabedingten Risiken und die Qualität ihrer Reaktion auf den Klimawandel besser beurteilen zu können, sollten Unternehmen sich zu mehr Transparenz bekennen. Dies gilt vor allem für die vier zentralen Management-Disziplinen: Unternehmensführung, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Ziele. 

Es muss klar erkennbar sein, wie die Unternehmensführung auf Risiken und Chancen des Klimawandels reagiert. Dazu gehört auch, den Einfluss aktueller und zukünftiger Risiken strategisch zu bewerten sowie Chancen für die Geschäftsentwicklung und neue Wachstumsbereiche aufzuzeigen. Das Risikomanagement muss berücksichtigen, wie gut das Unternehmen Klimarisiken erkennt, bewertet, und welche Maßnahmen es ergreift. Als Grundlage dafür dient die Offenlegung von Kennzahlen und Zielvorgaben.

Die Bereitschaft, Zahlen zur Kohlenstoffemission zu veröffentlichen, ist in jüngster Zeit deutlich gestiegen: Im Jahr 2019 meldeten fast 7.000 Unternehmen ihre Emissionen an das Carbon Disclosure Project (CDP), doppelt so viele wie im Jahr 2011.

Festlegung von Zielen zur Emissionsreduzierung

Das Pariser Klima-Abkommen macht klare Vorgaben, welche Klimaziele erreicht werden müssen, um die Erderwärmung auf unter 2° Grad zu begrenzen. Unternehmen könnten sich – so wie nationale Regierung bei der Umsetzung in Gesetze und Empfehlungen – an wissenschaftlich fundierten Berechnungen orientieren, um unternehmenseigene Klimaziele zu definieren. 

Nach den Ergebnissen des European CFO Survey haben sich aber weniger als 10 Prozent der Unternehmen Ziele gesetzt, die im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen stehen. 27 Prozent der Unternehmen wählten eigene Ziele zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen, mehr als die Hälfte verzichtet auf solche Zielsetzungen. Auch das Engagement variiert von Branche zu Branche. Der Energie-, Versorgungs- und Bergbausektor ist der einzige, in dem eine Mehrheit der CFOs entsprechende Ziele definiert hat.

Konkrete Maßnahmen der Unternehmen in Reaktion auf den Klimawandel

Die Untersuchung zeigt, welche Schritte die Unternehmen eingeleitet haben oder planen: 

  • 70 % der befragten Unternehmen steigern die Energieeffizienz (zum Beispiel in Gebäuden)
  • 47 % setzen energieeffizientere oder klimafreundlichere Maschinen, Technologien und Anlagen ein
  • 40 % verschieben den Energiemix in Richtung erneuerbare Energien
  • 31 % entwickeln neue, klimafreundlichere Produkte und Services
  • 28 % reduzieren die Kohlenstoffemissionen in der vorgelagerten Lieferkette und/oder Logistik 
  • 27 % bewerten die Risiken des Klimawandels für das Unternehmen 
  • 25 % beziehen das Management und die Überwachung von Klimarisiken in ihre Governance-Prozesse ein
  • 14 % erneuern Anlagen, um sie widerstandsfähiger gegen extreme Wetterereignisse zu machen
  • 11 % gleichen Kohlenstoffemissionen zum Beispiel über Emissionszertifikate aus
  • 11 % schließen Versicherungen zur Absicherung gegen Extremwetterrisiken ab
  • 2 % verlagern Produktionsanlagen und Maschinen in Gegenden mit geringeren Extremwetterrisiken 

Damit konzentrieren sich Unternehmen in erster Linie auf Maßnahmen, die zu Kosteneinsparungen führen und kurzfristig wirken, wie etwa die Steigerung der Energieeffizienz und der Einsatz klimafreundlicherer Maschinen. Diese Maßnahmen profitieren oft von staatlichen Anreizen. Weniger verbreitet sind längerfristige Maßnahmen, die durch die Entwicklung klimafreundlicher Produkte und Dienstleistungen neue Umsätze und nachhaltiges Wachstum generieren können.

Nur wenige Unternehmen verfolgen bereits einen systematischeren Klimamanagement-Ansatz oder beziehen diesen in ihrer Governance- und Managementstruktur ein. Lediglich Unternehmen, die unter Druck vonseiten der Investoren stehen, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, tun dies häufiger. Das belegt, dass gerade risikobewusste Investoren durchaus dazu beitragen können, den klimabezogenen Wandel in Unternehmen zu fördern.

Fazit und Ausblick

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die meisten europäischen Unternehmen die absehbaren Auswirkungen des Klimawandels noch nicht ausreichend berücksichtigen und entsprechende Anpassungsmaßnahmen ergreifen. Sollten die Unternehmen glauben, dass der Klimawandel in Europa weniger Auswirkungen haben wird als im Rest der Welt, unterschätzen sie die Risiken, denen sie durch ihre globalen Lieferketten und Märkte ausgesetzt sind.

Die Ergebnisse der CFO-Befragung zeigen aber auch, dass viele Unternehmen zunehmend den Druck durch ihre Stakeholder spüren und damit beginnen, zu handeln. Die meisten Maßnahmen scheinen sich aber auf kurzfristige Effekte und schnelle Erfolge zu konzentrieren. Eine längerfristige, strategische Perspektive, die Risiken und Chancen des Klimawandels umfassend berücksichtigt, wird nur selten eingenommen.

Die folgenden Schritte können Unternehmen helfen, sich den Herausforderungen zu stellen, die durch den Klimawandel auf sie zukommen: 

  • Ein besseres Verständnis der Risiken entwickeln, die der Klimawandel für das Unternehmen darstellt, und die unternehmerischen Chancen erkennen, die sich daraus ergeben können
  • Die erforderlichen Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung und die Hebel bewerten, die für das Erreichen entscheidend sind 
  • Berechnen, wie viel etwaige Emissionsreduktionen und Anpassungsmaßnahmen kosten werden
  • Ausrichten der Governance-Strukturen auf die Risiken und Chancen des Klimawandels, um sicherzustellen, dass sie einen messbaren und strategischen Ansatz verfolgen

Der Klimawandel hat direkten Einfluss darauf, wie Kunden, Mitarbeiter und Investoren Unternehmen wahrnehmen und mit ihnen interagieren – das kann so weitreichende Konsequenzen haben, dass Unternehmen eine Neubewertung ihres Geschäftsmodells vornehmen müssen. Um ihren wirtschaftlichen Erfolg nachhaltig sicherzustellen, sollten sie daher nicht nur ihre klimabezogenen Risiken ermitteln und managen, sondern den Klimawandel auch in ihrer strategischen Planung angemessen berücksichtigen.    

Die vollständige englischsprachige Deloitte Publikation, die dem vorliegenden Beitrag zugrunde liegt, finden Sie auf der Deloitte Insights Webseite.

Inhaltlicher Ansprechpartner

Bei inhaltlichen Fragen wenden SIe sich gerne an unseren Autor Dr. Julian Blohmke.

Dr. Julian Blohmke
Manager, Deloitte Sustainability Services,
Tel: +49 151 58072006
Mail: jblohmke@deloitte.de