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Juristisches Projektmanagement ist endgültig in deutschen Rechtsabteilungen angekommen

Eine kurze Zusammenfassung jüngster Umfragen und Beobachtungen

Lange Zeit misstrauisch von deutschen Unternehmensrechtsabteilungen beäugt, setzt sich juristisches Projektmanagement (Legal Project Management, LPM) gemäß der jüngsten JUVE-Inhouse-Umfrage (JUVE 02/20) und Beobachtungen vom BUJ-Unternehmensjuristenkongress 2020 endgültig durch.

Projektmanagement an der Spitze der Prioritätenliste

52,3% der befragten Unternehmensjuristen sehen eine hohe Priorität ihrer Abteilungen bei der Optimierung der Arbeitsabläufe und des Projektmanagements, während 5,9% diese Tätigkeiten sogar als „schon erledigt“ betrachten.

Genau genommen haben auch die nachfolgenden Aspekte „Analyse/Optimierung der Einbindung in Gesamtabläufe des Unternehmens“, „Optimierung der Kommunikation mit Business“ und Wissensmanagement/Interne Kommunikation“ enge Bezüge zum LPM, adressieren sie doch die Kernelemente des LPM, also etwa Kommunikation, proaktives Management und kontinuierliche Prozessoptimierung.

Die „hohe Priorität“ des LPM wird gestützt durch beeindruckende Praxisbeispiele wie jenes der ING DiBa.

Abbildung 1: Top 5 Hohe Prioritäten von Rechtsabteilungen in Deutschland

 

Dr. Rasmus Furth, Syndikusanwalt und Head Legal Operations bei ING DiBa, hat in seinem Vortrag auf dem BUJ-Unternehmensjuristenkongress anschaulich erläutert, wie eine Unternehmensrechtsabteilung gemeinsam mit anderen Fachbereichen auf Agiles Projektmanagement umstellen und z.B. Standups, Kanban Boards und einen Obeya Room erfolgreich auch im juristischen Umfeld einführen kann.

Mit der Offenheit gegenüber LPM scheint auch die Bereitschaft der Inhouse-Teams, Projektjuristen externer Dienstleister zu berücksichtigen, zu steigen. 20% der Befragten haben solche Projektjuristen bereits eingesetzt, während 17% einem Einsatz „eher zugeneigt“ sind.

Heutige und zukünftige Mandatierungskriterien reflektieren die kritische Bedeutung des LPM

Auch in Bezug auf externe Rechtsberater wird der Trend deutlich. Während hinsichtlich der Mandatierung immer noch die Erfahrung der externen Rechtsberater die wichtigste Rolle spielt (4,5 auf einer Skala von 1 (Irrelevant) bis 5 (entscheidend)), folgt bei den Zusatzangeboten „Projektmanagement im Mandat“ bereits an zweiter Position (2,9) nach „Informationen über relevante Rechtsentwicklungen“ (3,5).

Zukünftig wünschen sich Unternehmensjuristen insbesondere „vielseitigere Abrechnungsmodelle“ (3,3 auf der Skala von 1 (unnötig) bis 5 (unbedingt)) dicht gefolgt von „besserem Projektmanagement“ (3,2).

Christina Sontheim-Leven, Chief Legal & Compliance Officer bei Postcon Deutschland B.V. & Co KG, hat es in der aktuellen Ausgabe des Magazins „unternehmensjurist“ („Mehr Effizienz in der Rechtsabteilung, Ausgabe 1/2020, S. 32-35) treffend formuliert: „Ich weiß, dass viele Juristen auf der einen wie der anderen Seite noch die Augen davor zumachen in der Hoffnung ‚Das geht schon wieder vorbei‘, aber der digitale Wandel macht auch vor unserer Profession nicht Halt und erfordert neue Skills. Als Jurist Methoden aus Legal Project Management und Legal Technology einzusetzen, wird uns in einigen Jahren wahrscheinlich schon völlig normal erscheinen. Wer das heute nicht erkennt und sich nicht darauf einstellt, läuft hier Gefahr, den Anschluss an die sich wandelnde Arbeitswelt zu verpassen."

Zusammenfassung

Obwohl LPM bei der Themenplanung in den Rechtsabteilungen nun den gebührenden Platz einnimmt, zeigen die Praxisbeispiele, dass noch viel Klärungsbedarf rund um die Konzeption, Verankerung und Umsetzung eines LPM-Programmes besteht.

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