Die Finanzmärkte spielen für die Schweiz eine besonders wichtige Rolle, denn mit ihrer starken Währung, politischen Stabilität und Wirtschaftsstärke gilt sie als sicherer Hafen für Anleger aus der ganzen Welt. Zudem verfügt das Land über einen international renommierten Finanzplatz. Allerdings haben die globale Finanzkrise von 2008, die darauffolgenden Regulierungen und die fortschreitende Digitalisierung die Bedeutung des Schweizer Finanzplatzes geschmälert. Zudem werden die Auswirkungen von COVID-19 die Branche weiter auf die Probe stellen. Der Regulierungsrahmen sollte die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors berücksichtigen, nicht zuletzt angesichts der wahrscheinlich steigenden Konkurrenz durch andere Finanzplätze, wie Grossbritannien (London) oder die Kanalinseln. Die Unternehmen ihrerseits sollten ihre Digitalisierungsstrategien beschleunigen, um sowohl das Kundenerlebnis zu verbessern als auch um Kosten zu senken.

Unsere Empfehlungen

Mit diesen Massnahmen können Politik und Unternehmen den Schweizer Finanzsektor in den kommenden Jahrzehnten stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz verbessern.

Staat

    Überdenken des Regulierungsrahmens des Finanzplatzes

    Überdenken des Regulierungsrahmens des Finanzplatzes

    Der Schweizer Finanzplatz hat turbulente Jahre hinter sich. Sein jährlicher Wertschöpfungsanteil hat von fast 13% des BIP (2007) auf 9% (2017) abgenommen. Infolge der Finanzkrise fand eine starke Restrukturierung und eine Konsolidierung in der Bankenbranche statt. Der Regulierungsrahmen sollte die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors berücksichtigen. Überlegenswert wäre in diesem Kontext etwa die Abschaffung der Stempelabgabe oder eine Reform der Verrechnungssteuer.
    Die Schweiz sollte ihren Spielraum nutzen, um gegenüber dem Ausland, insbesondere der EU, wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies ist nicht zuletzt mit Hinblick auf den Brexit entscheidend, durch den sich mit dem Finanzplatz London ein starker Konkurrent neben der EU etablieren möchte. Die Abgrenzung zur EU bleibt aber ein Spannungsfeld, denn genauso wichtig wie die Nutzung des Spielraums bleibt der Zugang zu anderen Märkten, allen voran der EU-Marktzugang, für den eine Annäherung an EU-Regeln erforderlich ist. Ein strittiges Thema betrifft die EU-Äquivalenz der Schweizer Börse. Eine Einigung hier dürfte von einer umfassenden Einigung auf einen Rahmenvertrag abhängen. Kann durch bilaterale Verhandlungen keine Verbesserung des Marktzugangs für Privatbanken erreicht werden, sollte die Schweiz ihren Ansatz der Annäherung an EU-Regeln pragmatisch überdenken, um Wachstumsregionen besser abdecken zu können.

    Smarte Regulierung von Kryptowährungen

    Smarte Regulierung von Kryptowährungen

    Die Schweiz spielte bei der Entwicklung von Bitcoin und Kryptowährungen bisher eine wichtige Rolle, und zwar vor allem als Standort wichtiger Startups. Die Schweizer Behörden waren bisher sehr offen gegenüber neuen digitalen Währungen und der Blockchain-Technologie. Diese Offenheit hat mitunter dazu geführt, dass das Land zu einem der Marktführer in diesem noch kleinen aber vielsprechenden Markt aufgestiegen ist. Unlängst hat allerdings der Ruf nach strengerer Regulierung zugenommen.

    Wichtig ist, dass es bei einer allfälligen Regulierung nicht darum geht, den technologischen Fortschritt zu bremsen. Vielmehr sollten die Vorteile neuer Technologien wie steigende Effizienz, Verlässlichkeit oder Sicherheit etwa im Zahlungsverkehr und in der Vermögensverwaltung genutzt werden können und gleichzeitig damit zusammenhängende Risiken eingedämmt und der Schutz gegen Missbrauch gewährleistet werden. Mehr Transparenz und Sicherheit könnten das Konsumentenvertrauen erhöhen und dem Sektor noch früher zum Durchbruch verhelfen.

    Kein Ausbau staatlicher Investitionskontrollen

    Kein Ausbau staatlicher Investitionskontrollen

    Die Schweiz gehört zu einem der wichtigsten Investitionsstandorte der OECD. Die Direktinvestitionen von ausländischen Geldgeber betrugen 2019 147% des Schweizer BIP. Noch höher waren die Direktinvestitionen von Schweizer Investoren im Ausland: Sie betrugen gar 167% des BIP. Für die Schweiz sind diese grenzüberschreitenden Direktinvestitionen von grosser Bedeutung. Sie fördern die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. In den letzten Jahren wurde der Ruf nach stärkeren Investitionskontrollen allerdings immer grösser, nicht zuletzt wegen des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas. Das Parlament hat dem Bundesrat aufgetragen, einen Vorschlag für stärkere Investitionskontrollen auszuarbeiten.

    Ein solcher Ausbau staatlicher Investitionskontrollen würde die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes gefährden, die Direktinvestitionen bremsen und wäre ein starker Eingriff in die Eigentumsfreiheit. Zudem kennt die Schweiz bereits Schutzvorkehrungen für elementare Teile des Staates wie etwa die Infrastruktur oder den Energiesektor. Hier besteht ein klares öffentliches Interesse und es ist deshalb sinnvoll, diese Bereiche vor ausländischer Übernahme zu schützen. Die Schweiz ist hier im internationalen Vergleich keineswegs lasch. Im Gegenteil: Gemäss «OECD FDI Restrictiveness Index» reguliert die Schweiz ausländische Direktinvestitionen stärker als der OECD-Durchschnitt. Die datengetriebene moderne Wirtschaft bietet hier allerdings neue Herausforderungen. Wenn die Telekommunikationsinfrastruktur nicht ausreichend gesichert ist, sind Datenschutz und -sicherheit nicht zu gewährleisten. Das gilt etwa für den Mobilfunkstandard 5G. Hier sollte sich die Schweiz Gedanken machen, wie man mit ausländischen Anbietern in der 5G-Lieferkette umgeht und die Cybersicherheit besser gewährleistet werden kann.

    Erarbeitung klarer Standards für «Sustainable Finance»

    Erarbeitung klarer Standards für «Sustainable Finance»

    Nachhaltigkeit wird ein immer wichtigeres Thema für Unternehmen. Das gilt auch für die Finanzbranche, wo Nachhaltigkeit vor allem bei den Anlegern an Bedeutung gewinnt. Eine wachsende Zahl von ihnen möchte sich nicht nur an rein ökonomischen Kriterien orientieren, sondern gleichzeitig auch an Nachhaltigkeitskriterien wie etwa der Verringerung von Umweltschäden oder der Förderung sozialer Teilhabe. Mehrere internationale Organisationen beschäftigen sich deshalb damit und versuchen Standards und Ziele zu definieren, allen voran die EU, wobei die Ausarbeitung der EU-Standards länger dauert als geplant. Die Schweiz sollte sich überlegen, an solchen Projekten mitzumachen bzw. selber Initiativen zu ergreifen. Angesichts der Verzögerung bei den EU-Standards hätte die Schweiz die Chance, als erste Standards einzuführen. Wichtig dabei ist, dass der Staat den Fokus nicht auf Regulierungen und Subventionen setzt, sondern vielmehr die Rahmenbedingungen verändert. Dabei wäre es etwa hilfreich, wenn er Nachhaltigkeitsstandards festlegen würde und diesen sehr weiten Begriff klar definieren würde. Die Entwicklung von einheitlichen Standards kann die nötige Dynamik hin zu nachhaltigen Investments schaffen und den Unternehmen klare Leitlinien bieten. Die Schweiz könnte dadurch eine Art Vorreiterrolle im Bereich nachhaltiger Anlagen einnahmen.

Unternehmen

    Verbesserung des digitalen Reifegrads von Banken

    Verbesserung des digitalen Reifegrads von Banken

    Spätestens seit der Corona-Krise haben die Schweizer Banken die Digitalisierung zur Priorität erklärt. Immer mehr Kunden wollen digitale Angebote nutzen. Wie eine Studie von Deloitte zeigt, sind Schweizer Banken diesbezüglich grundsätzlich gut unterwegs. Beurteilt wurde der digitale Reifegrad von 238 Banken aus 38 Ländern in Europa. Dabei wurde ein umfassender Katalog an digitalen Funktionen analysiert, die entlang der Customer Journey angesiedelt sind. Die Schweiz belegt beim allgemeinen digitalen Reifegrad den zweiten Platz von den 38 untersuchten Ländern und gilt somit als Markt mit umfassenden Funktionen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Schweizer Banken die breiteste Palette an Funktionen an der Kundenschnittstelle anbieten.

    Allerdings weisen Schweizer Banken relativ schlechte Ergebnisse auf, wenn es um das Benutzererlebnis geht. Hier besteht viel Verbesserungspotenzial. Das gilt zudem auch für den Bereich Open Banking, wo die meisten Schweizer Banken einen tiefen digitalen Reifegrad aufweisen. Weil Open-Banking viel Potenzial birgt und die Bankenbranche nachhaltig verändern dürfte, ist es umso wichtiger, dass sich Schweizer Banken diesbezüglich verbessern. Die Pandemie hat zu einer stärkeren Konsumentennachfrage nach digitalen Lösungen im Retail und Private Banking geführt. Umso wichtiger ist, dass Banken die Gelegenheit nutzen ihre digitalen Dienstleistungen auszubauen und so das Kundenerlebnis zu verbessern. Noch wichtiger ist aber eine überzeugende Multikanalstrategie, einschliesslich hybrider Lösungen, vor allem für Bankgeschäfte wie Hypotheken, Kreditkarten oder Konsumkredite. Nur so lassen sich alle Kundengruppen adäquat ansprechen.

    Bessere Nutzung der Cloud

    Bessere Nutzung der Cloud

    Ein wichtiger technologoscher Bereich für Schweizer Banken dürfte in Zukunft die Nutzung der Cloud sein. Cloud-Dienstleistungen bieten Banken neue Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle. Die Verschiebung der Bankinfrastruktur von On-Premise-Systemen in eine Cloud-Umgebung dürfte die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Schweizer Finanzplatzes wesentlich stärken. Bisher standen Schweizer Banken der Cloud allerdings zögerlich gegenüber. Es gab vor allem Bedenken in Bezug auf die Einhaltung regulatorischer Anforderungen und die Datensicherheit. Die Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) hat 2019 einen Leitfaden veröffentlicht, der Empfehlungen zu diesen Punkten beinhaltet und Banken dabei unterstützt, Cloud-Dienste umfassend zu nutzen. Schweizer Banken sollten die Chance jetzt packen und allfällige Risiken mithilfe eines strukturierten Ansatzes verringern, um so den Weg für eine Nutzung der Cloud voranzutreiben. Wichtig ist, dass Banken über eine klare Cloud-Strategie verfügen, die die Geschäftsziele unterstützt, das Risikomanagement und die Organisationsanforderungen definiert und einen Business-Case beinhaltet, der die finanziellen Investitionen in Cloud-Dienstleistungen rechtfertigt. Cloudanbieter und ihr Ecosystem müssen ausserdem sicherstellen, dass sie die Finanzmarktvorschriften einhalten und so Banken und Versicherungen Vertrauen in die Nutzung der Technologie geben.

    Ausbau digitaler Bezahlsysteme

    Ausbau digitaler Bezahlsysteme

    Bargeld hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung verloren. Gleichzeitig nahm die Nutzung von digitalen Zahlmittel wie Debit- und Kreditkarten oder Smartphone-Apps zu. Dieser Trend hat sich durch COVID-19 noch zusätzlich verstärkt. Das betrifft auch viele Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors, etwa im Detailhandel. Einige von ihnen mussten ihre Bezahlsysteme innert kurzer Zeit aufrüsten. Wichtig ist, dass sich Unternehmen langfristig auf digitale Bezahlsysteme ausrichten und sich neuen, zukunftsträchtigen Systemen nicht verschliessen. Dazu gehört etwa die Bezahlung per Gesichtserkennung. Der Kunde bräuchte in diesem Fall weder sein Portemonnaie noch sein Smartphone für die Bezahlung.

    Unternehmen sollten solche Systeme frühzeitig testen und die dabei entstehenden Fragen bezüglich Datenschutz angehen und klären. Ebenso wichtig aus Schweizer Anbietersicht wird es sein, sich nicht von internationalen Anbietern abhängig zu machen, sondern eigene zukunftssichere Innovationen voranzutreiben. Auch hier bieten sich hybride Lösungen, bzw. breitgefächerte Lösungen an, denn Kundenpräferenzen bleiben auch im Zahlungsverkehr sehr unterschiedlich. So möchte etwa ein Drittel der Kunden, die digitale Zahlungsverkehrslösungen erstmals in der Pandemie ausprobierten, nach Ende der Krise wieder zu nicht-digitalen Lösungen zurückkehren. Hybride Lösungen bieten die Chance, Einsparungen im Volumengeschäft zu realisieren und mit einer besseren Kundenbetreuung für komplexere Geschäfte zu verbinden. Digitale wie nicht-digitale Elemente müssen dabei nahtlos ineinandergreifen.

    Optimierung des Liquiditäts- und Finanzierungsmanagements

    Optimierung des Liquiditäts- und Finanzierungsmanagements

    Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass innert kurzer Zeit Aufträge und Einnahmen vieler Firmen weggebrochen sind. Dadurch kamen einige Unternehmen in Liquiditätsengpässe. Dank dem vom Bundesrat gemeinsam mit den Banken aufgegleisten Kreditprogramm konnte vielen Firmen relativ rasch und unbürokratisch fürs erste unter die Arme gegriffen werden. Wichtig ist nun, dass Unternehmen die Sicherstellung von Liquidität und Arbeitskapitalmanagement zur Priorität machen und proaktiv angehen. Unternehmen sollten nicht nur eine solide Finanzierungsstruktur anstreben, sondern auch eine kurz- bis mittelfristige Liquiditätsplanung entwickeln.

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