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Digitalisierung der verarbeitenden Industrie in Zeiten des Abschwungs

Die Steuerung einer erfolgreichen digitalen Transformation in Zeiten des Abschwungs hängt von den richtigen strategischen Entscheidungen ab. Eine schwierige Aufgabe, weil dabei wichtige Entscheidungsfaktoren ungewiss bleiben. Der Digital Maturity Index (DMI) hilft bei der Priorisierung.

Handeln in Zeiten des Abschwungs

Eine drohende Rezession und eine sich verschlechternde Konjunktur trüben die Stimmung unter den Finanzvorständen der verarbeitenden Industrie, da sie eine insgesamt negative Entwicklung der deutschen Wirtschaft erwarten. Laut unserem CFO Survey Herbst 2019 sind die Geschäftsaussichten in der Branche gegenüber 2018 um 57% gesunken, was voraussichtlich einen 26%igen Rückgang der operativen Margen und niedrigere Beschäftigungsquoten nach sich ziehen wird. 

Diese Trends führen zu einer Verlagerung des strategischen Schwerpunkts bei den Unternehmen der verarbeitenden Industrie. Typische Aspekte sind Kostensenkungsprogramme, der Verkauf bestehender Vermögenswerte und rückläufige Investitionen, während gleichzeitig die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen geplant wird. Vor dem Hintergrund unseres Deloitte Digital Maturity Index (DMI) ist diese Entwicklung teilweise erschreckend. Denn die DNA der Digital Champions im deutschen Markt erfordert in einer solchen Situation ein ausgeglichenes, ganzheitliches Handeln, das sowohl dem Kosten- als auch dem Investitionsdruck Rechnung trägt.

Zukünftige Geschäftsaussichten

Sinkende Investitionsbereitschaft in der digitalen Transformation

Mehr als die Hälfte der Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie planen, ihre zukünftigen Investitionen zu reduzieren, und nur 4% der CFOs geben in unserer Studie an, dass Investitionen in den nächsten 12 Monaten hohe Priorität haben. Im Vergleich zu 2018 ist dies ein Rückgang um 15%, der hauptsächlich durch die drohende Rezession und die Gefahr internationaler Handelskriege ausgelöst wird. Dieser Abwärtstrend wird zu einem ernsthaften Problem. Denn die kapitalintensive Digital Journey hat für die meisten Unternehmen zwar bereits begonnen, zugleich liegt aber immer noch ein hohes Verbesserungspotenzial vor, und erhebliche Investitionen stehen nach wie vor aus, die für die Fortsetzung des digitalen Weges erforderlich sind. Viele Unternehmen haben zwar exzellente Ansätze, wenn es um das Sammeln und Analysieren von Daten, die Entwicklung neuer Business Models und die Festlegung klarer digitaler Roadmaps geht. Demgegenüber stehen aber die Bereiche kontinuierliche End-to-End-Digitalisierung der Lieferkette und Erwerb neuer digitaler Assets, in denen sich viele Unternehmen noch weiter entwickeln könnten. 

All diese Maßnahmen erfordern erhebliche Investitionen. Bislang wurden in der Branche auch schon viele Investitionsentscheidungen getroffen, die sich auf durchschnittlich 12% der Einnahmen belaufen. Die Hälfte dieses Betrags wurde für Soft- und Hardware verwendet, um den steigenden Anteil digitaler Dienste zu finanzieren. Der CFO Survey zeigt, dass über 30% der Unternehmen branchenübergreifend mehr als 16% ihrer Einnahmen in die digitale Transformation investieren, während etwa die Hälfte weniger ausgibt. Vor allem Investitionen in Hard- und Software sind weit verbreitet, da sie sich langfristig auszahlen und einen zunehmenden finanziellen Beitrag generieren. Hinsichtlich der Investitionsvolumina holt die Branche derzeit im Vergleich zu führenden Unternehmen auf. Darin liegt eine große Chance, nun die ersten durch Digital Technology ermöglichten Vorteile abzuschöpfen. Ein Verlust dieser Dynamik aufgrund zögerlicher zukünftiger Investitionsentscheidungen wird es möglicherweise schwieriger machen, von dem bisherigen Erfolg der digitalen Transformation zu profitieren.

Investments in der verarbeitenden Industrie

Was treibt den Erfolg neben den Investitionen an?

Abgesehen von den Investitionen nehmen erfolgreiche Unternehmen auch Skalierungsthemen in Angriff, wobei sie besonderen Wert auf die Ausnützung von Effizienzgewinnen legen. Es ist allgemein bekannt, dass sich über Jahrzehnte hinweg traditionelle Skalierungsinitiativen als beliebte und effektive Maßnahmen zur Senkung der Fixkosten teurer Anlagen erwiesen haben - ein wichtiges Thema für die deutsche verarbeitende Industrie. Im Allgemeinen scheint das Vorantreiben traditioneller Skalierungsthemen für das durchschnittliche Unternehmen immer noch in Mode zu sein.

Der Digital Maturity Index (DMI) zeigt, dass sich mehr als 45% der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit der Verlagerung kapitalintensiver Produktionsschritte auf externe Partner beschäftigen, während mehr als 50% auf die Vergrößerung ihres Produktions-Footprints setzen, um Skaleneffekte zu nutzen. Andererseits stecken innovativere Maßnahmen wie die gemeinsame Nutzung von Vermögenswerten (shared assets), Lease Back und vertikale Integration noch in den Kinderschuhen. Erfolgreiche Unternehmen zeigen jedenfalls Entschlossenheit, ihre Agilität zu erhöhen, indem sie sich langsam von den traditionellen Skalierungs- und Scope-Strategien abwenden – obwohl viele dieser Unternehmen in kapitalintensiven Branchen tätig sind. 

Die DNA der Branchen-Champions - Leitplanken für den Erfolg

Die negativen Wirtschaftsaussichten in der verarbeitenden Industrie zwingen die Unternehmen, sich mit ihren Investitionen auf wesentliche Bereiche zu konzentrieren. In Zeiten der Unsicherheit ist es aber schwierig, die richtige Entscheidung über die nötigen Schwerpunkte zu treffen. Wenn man die Eigenschaften eines digitalen Champions analysiert, können Leitplanken identifiziert werden, die Unternehmen in einer derartigen Lage in die richtige Richtung lenken. Die Forschung zeigt, dass solche Branchen-Champions eine konsistente digitale Strategie mit Operations-Exzellenz verbinden und in der Lage sind, Agilität und Skalierbarkeit in ausgewogener Weise zu managen. Laut Digital Maturity Index neigen sie dazu, ihre Organisation kundenorientiert auszurichten, Hierarchien abzubauen und durch Zusammenarbeit mit Partnern in Projekten Innovationen voranzutreiben.

Dieser Ansatz unterscheidet sich erheblich von einer durchschnittlichen Organisation in der Fertigungsindustrie, da Innovation, Partnering und Agilität einen großen Teil der dort typischerweise vorhandenen Kompetenzdefizite ausmachen. Am auffälligsten ist, dass die Branchen-Champions ihr Kapital erhöhen, um die Dynamik der Veränderungen zu steigern und die Kapitalintensität langfristig zu verringern. Diese Investitionsstrategie und der damit verbundene zukünftige Erfolg der digitalen Transformation stehen derzeit allerdings auf dem Spiel, da Investitionsentscheidungen von 50% der CFOs zurückgehalten werden, wie sich aus dem Digital Maturity Index ergibt. Darüber hinaus sammeln führende Unternehmen in der Branche erhebliches Wissen bei der Sammlung von Daten und der Durchführung aussagekräftiger Analysen, was nach Ansicht von 48% der CFOs das größte Kompetenzdefizit eines durchschnittlichen Unternehmens darstellt. Insgesamt sollte das Top-Management erwägen, das verbleibende Digitalisierungsbudget in den oben genannten Innovationsbereichen zu investieren, um auf dem Weg zum Champion-Status voranzukommen und der Konkurrenz voraus zu sein.  

DNA des Branchen-Champions

Vom Wirtschaftsabschwung profitieren - dem Wettbewerb voraus sein

Das Steuern und Managen einer erfolgreichen digitalen Transformation in Zeiten des Abschwungs erfordert einen soliden Transformationspfad, der Unternehmen hilft, klug zu investieren und das ultimative Ziel zu erreichen: ein digitaler Champion zu werden. Die Studie Digital Maturity Index zeigt, dass Unternehmen in der verarbeitenden Industrie vom aktuellen wirtschaftlichen Abschwung profitieren und der Konkurrenz voraus sein können, sofern die digitalen Investitionen nicht vollständig gekürzt und in den richtigen Bereichen getätigt werden.

Natürlich ist dabei klar, dass es keinen "one-fits-all"-Ansatz gibt. Die Auswahl des richtigen Investitionsmodus hängt wesentlich von der aktuellen digitalen Reife eines Unternehmens ab – der Digital Maturity Index hilft bei der Einordnung. 

Wir unterstützen Sie gerne auf Ihrem individuellen Weg der digitalen Transformation. Bitte zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.

Wenn Sie mehr über den DMI lernen möchten können Sie sich auch hier unsere Broschüre herunterladen. 

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