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Fast 50 Gewinner: Celonis im Interview

Bastian Nominacher zu Process Mining, Start-ups und Innovation

Vom Start-up zum Weltmarktführer: Celonis wurde von Deloitte 2015 als Gesamtsieger des Fast 50 Awards ausgezeichnet und ist mittlerweile die weltweite Nummer 1 im Bereich Process Mining. Im Gespräch nimmt Bastian Nominacher, Co-Founder und Co-CEO von Celonis, Stellung zu aktuellen Themen der Digitalen Transformation und zur Start-up-Gründung.

Celonis ist Weltmarktführer für Process-Mining. Bitte erklären Sie kurz, was Process Mining ist und wie Unternehmen davon profitieren können?

Bastian Nominacher: Process Mining nutzt den Fakt, dass heute in Unternehmen eine Vielzahl von Prozessen abläuft, die ständig IT-Systeme berühren. Beispielsweise wenn ein Großhändler etwas an einen Kunden verschickt: Erst nimmt er über die Webseite die Bestellung auf, anschließend wird die Ware intern im Lager entsprechend ausgelagert und im ERP-System verbucht, zum Beispiel in SAP. Danach wird sie verschickt und über einen Dienstleister wie etwa UPS getrackt – und am Ende wird dann eine Rechnung erstellt. All diese Vorgänge erzeugen digitale Spuren, also Einträge in den Log-Tabellen. Wir bei Celonis nutzen genau diese Ressource: Mit Process Mining erfassen wir all diese Daten und erhalten durch die schnelle und automatische Visualisierung eine ganz neue Sicht darauf. Damit ermöglicht unsere Big-Data-Analytics-Technologie Unternehmen eine vollständige Transparenz über ihre Geschäftsprozesse.

Process Mining erlaubt es Unternehmen, ihre Geschäftsprozesse im Sinne einer Business Transformation schneller, kostengünstiger und sicherer aufzustellen. Die großen Anwendungsgebiete von Process Mining erstrecken sich einerseits auf den Bereich der Effizienzsteigerung: zur Kostensenkung, um unnötige Extra-Arbeit zu vermeiden oder um die Prozessdurchlaufzeit zu verkürzen. Damit sind wir bei Celonis gestartet. Bei unserem allerersten Projekt ging es darum, die Durchlaufzeit eines Service-Prozesses von 5 Tagen auf einen Tag zu reduzieren, was wir auch umsetzen konnten.

Daneben liegt der Fokus aber auch auf dem Thema Risk, wo wir beispielsweise mit den Kollegen vom Deloitte Center of Process Bionics zusammenarbeiten, um Korruptionsvorfälle aufzudecken und Transparenz zu schaffen. An welchen Stellen im Unternehmen finden Vorgänge statt, die für die Firma potenziell riskant sind? Wo sind Verhaltensänderungen notwendig? Genau das ist Process Mining: Man kann es sich als eine Schicht oberhalb der Transaktionssysteme vorstellen, die Unternehmen in die Lage versetzt, ihre Prozesse optimal zu steuern und zu orchestrieren, um damit ihr Geschäft besser, schneller und kostengünstiger zu betreiben. 

Ist das für alle Branchen und Sektoren interessant?

Bastian Nominacher: Process Mining ist eine absolute Grundlagentechnologie. Celonis hat heute Kunden in 15 verschiedenen Industrien und für die verschiedensten Prozesse – stetig kommen ganz neue Anwendungsgebiete hinzu. Darunter sind viele der größten Unternehmen der Welt wie Vodafone, Telekom, ABB, Siemens, Nestle und Cisco. Hinzu kommen die vielen Kunden und Projekte, die unsere Partner betreuen und dort unsere Process-Mining-Lösungen einsetzen. Das Faszinierende und Spannende dabei ist, dass überall eine Vielzahl an Daten für wichtige Geschäftsprozesse erfasst werden kann: Neben ERP-Systemen wie SAP können das CRM-Systeme wie Salesforce oder IT-Service-Management-Systeme wie ServiceNow sein, aber auch ganz andere Systeme im Bereich IoT oder bei der Customer Journey im Internet und im Online-Handel. Das ist es, was uns tagtäglich großen Spaß bei unserer Arbeit bereitet: Diese Unmenge an Daten für unsere Kunden in Mehrwert umzuwandeln.

Was ist die Besonderheit Ihrer Process-Mining-Produkte und -Services?

Bastian Nominacher: Was Celonis auszeichnet ist, dass wir eine Turn-Key-Lösung für große Organisationen anbieten, die Unternehmen mit Hunderten oder sogar Tausenden von Mitarbeitern in die Lage versetzt, ihre Daten auszuwerten. Unsere größte Installation ist zum Beispiel bei Siemens mit über 30 Terabyte an Daten und mehreren tausend Usern, die auf dem System arbeiten. Darüber hinaus bieten wir natürlich weltweiten Service und ein sehr großes, etabliertes Partnernetzwerk mit Partnern wie Deloitte mit dem Center for Process Bionics, über das Celonis Kunden weltweit auf Deloitte Consultants zugreifen können, die über profunde Erfahrung mit Celonis Process Mining verfügen und unsere Lösungen schon in vielen Projekten eingesetzt haben. Das sind die Gründe, warum die Kunden Celonis nutzen und warum wir mit über 95 % Marktanteil der Marktführer sind.

Welche Entwicklungen und Innovationen werden Process Mining Ihrer Meinung nach künftig prägen?

Bastian Nominacher: Da gibt es sehr viele, sehr spannende Themen. Eines davon ist natürlich die Erschließung weiterer Use Cases und neuer Anwendungsbereiche beispielsweise im Bereich IoT. Es geht hier aber auch um die Zusammenführung mehrerer Bereiche. Zum Beispiel, wenn man einen Vorgang im Front Office, also etwa eine Bestellung im Webshop, verknüpft mit dem, was im Back Office oder in Operations passiert, und wie das dann umgesetzt wird. Ein schönes Beispiel ist die Firma Schukat Electronic, ein Großhändler für Elektrobauteile, die mit Celonis in der Lage war, eine komplette Differenzierung zu erreichen, indem sie auf eine Same Day Delivery umgestellt hat. Das ist natürlich gerade in so einem Bereich ein enormer Wettbewerbsvorteil, der auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, gegen Konkurrenz durch Giganten wie beispielsweise Amazon oder Alibaba zu bestehen.

Zudem geht es immer mehr darum, Process Mining noch mehr Usern zugänglich zu machen. Hier investieren wir sehr stark, um noch bessere und intuitivere Userinterfaces zu entwickeln, die eine breite Nutzbarkeit ermöglichen. Ich glaube fest daran, dass wir für Unternehmen den maximalen Wert erzielen, wenn letztendlich möglichst viele User Zugriff auf Process-Mining-Daten haben.

Der dritte Bereich bezieht sich auf die Integration von Machine Learning und Artificial Intelligence. Mit unserer Lösung Celonis PI (Proactive Insights) können wir noch mehr Wert aus den Daten generieren, zum Beispiel durch Mustererkennung, Conformance-Checking oder Forecasting.

In der öffentlichen Wahrnehmung kommen Innovationen im Technologiebereich meist aus den USA. Welche Chancen sehen Sie für deutsche Unternehmen, hier Akzente zu setzen?

Bastian Nominacher: Deutschland hat hier sehr viele Stärken, auf denen man aufbauen kann: Eine starke Ingenieurstradition, eine fundierte technische Basis und viele große Industrieunternehmen. Das war auch für uns bei Celonis von Vorteil. So haben wir exzellente Mitarbeiter, die an Universitäten wie der TU München, am Karlsruher Institut für Technologie oder dem Hasso-Plattner-Institut ausgebildet wurden, aber auch Unternehmen wie Siemens oder andere sind hier zu nennen, die sehr früh unsere Technologie aufgegriffen haben und jetzt als Vorreiter gelten.

Process Mining ist ein schönes Beispiel für eine der wenigen Hoch-Technologien im Softwarebereich, die aus Deutschland heraus entstanden sind. Die ersten akademischen Veröffentlichungen zu Process Mining kamen von der TU Eindhoven, wir haben das Ganze in die Praxis umgesetzt und jetzt wird diese Technologie weltweit genutzt. Ich sehe auf jeden Fall große Chancen für die Zukunft. Wenn Sie sich zum Beispiel das Start-Up Zentrum der TU München in Garching anschauen – das ist wirklich beeindruckend! Sicherlich muss sich hierzulande das Ökosystem noch weiterentwickeln, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, von der Ausbildung bis hin zu den Kunden, sind sehr gut.

Für Start-ups gilt: Aller Anfang ist schwer. Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung von Celonis und wie sind Sie diese angegangen?

Bastian Nominacher: Da gab es eine Vielzahl von Herausforderungen. Zuerst steht man natürlich vor den technischen Herausforderungen – ist es überhaupt möglich, die wissenschaftliche Theorie in die Praxis umzusetzen? Ich glaube, dass hier das Talent unseres Entwicklungsteams entscheidend war, das sehr viel Energie und Passion investiert hat. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Anfangs konnte Process Mining vielleicht 200 Geschäftsvorgänge analysieren, heute sind es Hunderte Millionen von Prozessen, die mit Terabyte an Daten verarbeitet werden.

Zum anderen geht es darum, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Wir mussten diese erst davon überzeugen, Process Mining anzunehmen und gemeinsam Pilotprojekte zu starten, weil es für Unternehmen in der Anfangsphase natürlich ein großes Risiko darstellte, mit einem neuen Start-Up zusammenzuarbeiten, das aus nur drei Mitarbeitern bestand. Das hat sich dann irgendwann umgekehrt, sodass wir über Kundenempfehlungen immer mehr neue Kunden gewinnen konnten.

Heute kann ein Kunde immer auf Referenzkunden und Use-Cases zurückgreifen, sodass im Endeffekt viele der Dinge, in die wir am Anfang viel Herzblut und Energie investiert haben, sich als Stärken herauskristallisiert haben, weil wir auf diese Weise eine gute Basis geschaffen haben. Dennoch ist man in einem von technischen Innovationen geprägten Umfeld jeden Tag mit neuen Herausforderungen konfrontiert – diese muss man einfach angehen und Lösungen finden, um sie zu überwinden. Dafür gibt’s leider kein Patentrezept.

Wie werden in Ihrem Unternehmen Innovationen gefördert und umgesetzt?

Bastian Nominacher: Bei uns ist das sicherlich etwas anders als in einem etablierten Unternehmen. Wir leben ja von Innovationen und bewegen uns sehr, sehr schnell. Das heißt, dass es bei uns kein betriebliches Vorschlagswesen oder Ähnliches gibt, sondern die Mitarbeiter ermutigt werden, sich ständig einzubringen. Wie läuft das beispielsweise in der Entwicklung? Wir haben pro Woche einen vierstündigen Slot, hier können Mitarbeiter ausschließlich Ideen nachgehen, die dann sofort pilotiert werden können – und wenn sie vielversprechend sind, fließen sie direkt in die Produktentwicklung ein. Aber das gilt auch für andere Bereiche, etwa im Kunden-Support oder wie wir unsere Projekte aufsetzen.

Durch das schnelle Wachstum bringen unsere Mitarbeiter fortlaufend neue Innovationen ein. Bei uns ist das natürlicher Teil unseres gesamten Arbeitens und wir gehen da sehr agil vor. Wenn wir eine neue Idee haben, dann probieren wir diese aus, sind dabei aber sehr kritisch. Wenn sie gut funktioniert, dann gilt, wie man in den USA sagt: double down!

Bei Ihnen ist Innovation also Teil der Unternehmens-DNA?

Bastian Nominacher: Genau. Das hat auch Einfluss auf die Auswahl unserer Mitarbeiter. Wir haben hierbei vier Hauptkriterien: Neben dem „Personal Fit“ und den „Professional Skills“ geht es sehr stark auch um diesen Innovationsgeist und die Passion für unsere Technologie. Nehmen wir mal an, Sie führen als Data Scientist in einem Unternehmen Process Mining in einem ganz neuen Bereich ein, dann müssen Sie eigentlich kontinuierlich innovieren, sonst klappt das einfach nicht.

Ein oft genanntes Silicon-Valley Mantra zum Thema Start-Ups und Innovation lautet „Fail Fast“. Was ist Ihre Meinung dazu – alles nur Hype oder steckt darin auch ein Körnchen Wahrheit?

Bastian Nominacher: Ich glaube schon. Man muss das natürlich immer differenziert sehen. Fail Fast heißt ja nicht gleich, dass das Unternehmen selbst „scheitern“ muss, aber es bezieht sich schon darauf, wie man mit Ideen umgeht. Warum? Weil man nur sehr begrenzte Ressourcen hat. Die größten Gefahren für ein Start-Up sind, dass man das falsche Thema angeht oder seine Zeit nicht richtig einsetzt. Weil nur gewisse Mittel zur Verfügung stehen und die technische Entwicklung so schnell voranschreitet, ist dieser Fail-Fast- oder Lean-Start-up-Ansatz schon relevant.

So gehen auch wir Innovationen an: Wenn ein Mitarbeiter mit einem neuen Vorschlag auf mich zukommt, dann probieren wir das immer mit einem Piloten aus – und wenn es gut läuft, muss man sehr schnell erhebliche Ressourcen darauf einsetzen. Ich glaube, dass es anders gar nicht geht, auch wenn das sicherlich ein wenig dem deutschen Hang zu Gründlichkeit und Ingenieurwesen zuwiderläuft. Die Kunst ist es, beides zu kombinieren. Also herausragende Produkte zu entwickeln, aber gleichzeitig auch schnell zu erkennen, was nicht funktioniert. Da ist Leadership im Unternehmen gefragt, um zu unterscheiden, wo Potenzial besteht und welche Projekte vergebene Liebesmühe sind, um die Ressourcen optimal einzusetzen.

Das heißt aber auch, dass Sie sich da miteinbringen müssen, um die Weichen richtig stellen zu können?

Bastian Nominacher: Klar, das ist eine Kernaufgabe. Wir sind drei Gründer: Ich bin vor allem auf der Kundenbetreuungs- und Vertriebsseite tätig, meine beiden Mitgründer Alexander Rinke und Martin Klenk haben die Hauptaufgabe, solche neuen Innovationen zu bewerten und voranzutreiben. Da zeigt sich dann die Qualität des Managements.

Und das entscheidet schlussendlich über den Erfolg?

Bastian Nominacher: Jede Innovation, die wir erfolgreich umsetzten, etwa eine Produktweiterentwicklung wie das vorhin angesprochen PI, ist eine Key Learning Extension, die das Unternehmen stärkt und ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Wir können darauf aufbauend ganz neue Use Cases angehen, Themen die vor einem Jahr noch komplett verschlossen waren. Das ist wie ein Haus, das sie aufbauen: Die Technologie, das Können der Mitarbeiter, die Erfahrungen beim Kundeneinsatz und der Input der Partner bilden das Fundament, auf dem wir dann neue Themen angehen können. Ich erwähne hier ausdrücklich unsere Partner, weil sie oft ganz neue Vorgehensweisen innerhalb des Ökosystems entwickeln, das wir mit Celonis geschaffen haben. Am Ende ist es immer unsere große Vision, den Unternehmen das optimale Werkzeug an die Hand zu geben, um die Prozesse schneller und besser abwickeln zu können.

Celonis ist als Start-Up erst seit 2011 am Markt präsent. Wie hat sich Ihr Unternehmen seitdem entwickelt?

Bastian Nominacher: Ich würde die Entwicklung in drei verschiedene Phasen unterteilen. Das erste war natürlich die Product/Market-Fit-Phase. Gerade am Anfang, als wir als ein kleines, eingeschworenes Team von maximal 30 Mitarbeitern mit dem ersten Kunden zusammengearbeitet haben, war es ganz wichtig, dass wir direkt mit sehr großen Kunden und großen Herausforderungen gestartet sind. Das hat die Weichen dafür gestellt, dass die Technologie auch im Enterprise-Kontext geeignet ist.

In der nächsten Phase folgte dann der Ausbau auf unserem Heimatmarkt, dabei konnten wir auch neue Kunden in Österreich und der Schweiz gewinnen und auch im Benelux-Markt expandieren. Das war für uns eine sehr wichtige Voraussetzung, weil wir da nicht nur unsere Technologie weiterentwickelt haben, sondern zugleich das Vertriebs- und Partnernetzwerk. Ich würde sagen, dass wir in dieser Phase bis zu einem Größenbereich von 100 Mitarbeitern gewachsen sind.

Und anschließend kam dann so etwas wie eine Hypergrowth-Phase, in der wir uns jetzt befinden. Heute gibt es eine sehr große Nachfrage vonseiten des Marktes und wir treiben momentan vor allem  unsere US-Expansion voran, hier sind wir jetzt seit 1,5 Jahren vor Ort tätig . Wir bedienen aktuell weltweit Kunden in über 30 Länder. Da tritt dann ein selbstverstärkender Effekt ein: Mehr und mehr Partner und Kunden setzen unsere Process Mining Lösungen ein.

Geben Sie einen kurzen Ausblick auf Ihre Zukunftspläne. Wo sehen Sie Potenzial für weiteres Wachstum?

Bastian Nominacher: Wir sehen großes Potenzial in sehr vielen Bereichen. Zuallererst von Kundenseite und des Marktes insgesamt: Gartner hat den Markt erst kürzlich auf aktuell 120 Mio. US Dollar geschätzt und sagt in den kommenden zwei Jahren eine Vervierfachung auf knapp 500 Mio. US Dollar voraus. Das deckt sich mit dem, was auch wir im Markt sehen. Wir sind sehr breit aufgestellt, international tätig, und bauen in unseren Heimatmärkten in Europa und auch in den USA die entsprechenden Strukturen aus, um die Kunden zu bedienen und parallel die Technologie kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Zudem setzen wir weiter auf Wachstum. Wir gehen davon aus, dass wir bis 2020 auf etwa 1.000 Mitarbeiter wachsen werden. Wir sind sehr zuversichtlich, auch weiterhin erstklassige Mitarbeiter gewinnen zu können. Nur um mal eine Zahl zu nennen: Bei uns gehen aktuell rund 2.000 Bewerbungen im Quartal ein.

Zentral ist für uns daneben die Produktentwicklung, um unser Produkt noch einfacher nutzbar zu machen. Ich glaube, dass es da eine sehr große Nachfrage gibt, und es bereitet uns große Freude, viele zufriedene Kunden zu haben. Als Beispiel möchte ich hier die größte Retail Bank Russlands VTB24 nennen: Wenn eine Bank, die vorher vielleicht drei bis vier Tage brauchte, um ein Konto anzulegen, dieses auf zwei bis drei Stunden reduzieren kann, ist das eine echte Geschäftstransformation.

Celonis und Deloitte haben eine strategische Partnerschaft geschlossen. Wie bewerten Sie diese Zusammenarbeit?

Bastian Nominacher: Deloitte ist wirklich ein Visionär in diesem Bereich ist, der schon sehr früh und mit einem sehr tiefen Investment die Zusammenarbeit mit Celonis gestartet hat. Das Deloitte Center for Process Bionics zeigt eine Vielzahl von erfolgreichen, gemeinsamen Kundenprojekten, und auf solche Partner setzen wir natürlich. Dieses Center ist ein Alleinstellungsmerkmal, es gibt nur wenige Partner, die in diesem Umfang in das Thema investieren– und wir freuen uns über diesen Vertrauensbeweis.

Gute Partner sind für uns extrem wichtig – ganz einfach, weil die Markt-Opportunity so groß, aber auch inhaltlich so komplex ist. Ich hatte ja anfangs gesagt, dass wir Kunden aus 15 verschiedenen Industrien mit sehr vielen verschiedenen Prozesse haben. Wir sind nicht für jeden dieser Bereiche Experten und brauchen kompetente Partner, die mutig und bereit sind, ihre Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden und Process Mining bei ihren Kunden zu verankern.

Technology Fast 50 Gewinner 2015

Sie wurden 2015 im Rahmen des Technology Fast 50 als Gesamtsieger ausgezeichnet. Was hat Sie bewogen, an diesem Wettbewerb teilzunehmen und welchen Effekt hatte die Auszeichnung für Ihr Unternehmen?

Bastian Nominacher: Unser Erfolg basiert ganz klar auf den vielen Mitarbeitern, die sehr viel Energie investiert haben, um all das möglich zu machen. Von der Mitarbeiterin am Empfang über die Mitarbeiter im Accounting bis zu den Kollegen im Kundenservice und der Entwicklung. Wir wollten wirklich allen die Möglichkeit geben, dafür eine offizielle Anerkennung zu erhalten – und es hat uns sehr gefreut, dass wir tatsächlich ausgezeichnet wurden. So etwas hat einen sehr positiven Effekt. Ich glaube das ist das Wichtigste, da in einem Start-up nicht jeder Mitarbeiter direkt die positive Rückmeldung beim Kunden mitbekommt. Wenn man dann von einer renommierten Instanz wie Deloitte einen derartigen Preis erhält, ist das eine Anerkennung für die Leistung. Natürlich hat so ein Award auch eine große Strahlkraft, sei es in der Presse oder bei Kunden. Wir haben über den Fast 50 sehr viele Kontakte geknüpft und die potenziellen Kunden oder Partner erkennen an, dass so eine Auszeichnung etwas Besonderes ist.

Bastian Nominacher, Co-Founder und Co-CEO von Celonis