Die digitale und physische Infrastruktur sowie deren Effizienz, Kosten und Sicherheit sind das Rückgrat der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Schweiz. COVID-19 hat die Bedeutung einer modernen und funktionalen Infrastruktur in den Mittelpunkt gerückt, insbesondere im Bereich der digitalen Kommunikation und der Energieversorgung. Um die Digitalisierung voranzutreiben, ihre Infrastruktur auszubauen und ihre Energieversorgung zu sichern, muss die Schweiz die Voraussetzungen schaffen, die Innovationen für die Welt von morgen ermöglichen. Staatliche Anreize im Bereich von Smart Cities oder Smart Farming können helfen, die Folgen des Klimawandels zu bremsen und Nachhaltigkeit zu fördern. Zudem kann die Erforschung und Entwicklung klimafreundlicher Produkte, Systeme und Prozesse einem kleinen, exportorientierten Land wie der Schweiz wirksame Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels geben.

Unsere Empfehlungen

Mit diesen Massnahmen können Politik und Unternehmen die Schweiz bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur unterstützen, ihre Energieversorgung sichern und ihre Nachhaltigkeit stärken.

Staat

    Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und Förderung weiterer internationaler Verhandlungen

    Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und Förderung weiterer internationaler Verhandlungen

    Mit der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens 2017 hat sich die Schweiz das Ziel gegeben, bis 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 50 Prozent zu senken. Das CO2-Gesetz geht sogar noch weiter und verlangt bis 2050 eine Senkung der Treibhausgasemissionen auf netto Null. Gemäss der Vorstellung des Bundesrates soll die Mehrheit der Reduktion im Inland erfolgen. Dabei standen bisher vor allem nachhaltige Gebäudesanierungen und die Ökologisierung des motorisierten Individualverkehrs im Vordergrund.

    Parallel zum Aufbau von neuen nachhaltigen Strategien auf nationaler Regierungsebene wird es wichtig sein, dass die Schweiz als wirtschaftlich starkes, aber politisch neutrales Land ihr diplomatisches Gewicht international in die Waagschale wirft, um zur Erreichung der internationalen Klimaziele beizutragen und neue Initiativen aufzusetzen. In internationalen Verhandlungen kann die kleine Schweiz einen erheblichen Einfluss auf die Klimaentwicklungen ausüben. Angesichts der Tatsache, dass ein wirtschaftliches Schwergewicht wie die Vereinigten Staaten von Amerika sich aus dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet hat, ist es umso wichtiger, dass andere Länder eine Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit als Vorbild stärker forcieren.

    Hier könnte die Schweiz eine proaktivere Vorreiterrolle einnehmen, die sicher von der internationalen Staatengemeinschaft begrüsst würde und die sie aktiv in internationale Gremien einbringen könnte. Dabei geben einige bereits bestehende internationale Erklärungen und Leitprinzipien einen hilfreichen Rahmen für das Engagement der Schweiz, u.a. die «17 Sustainable Development Goals» der UNO, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte oder der UN Global Compact – eine Initiative für nachhaltige und verantwortungsvolle Unternehmensführung.

    Förderung von Forschung und Entwicklung nachhaltiger smarter Technologien

    Förderung von Forschung und Entwicklung nachhaltiger smarter Technologien

    Gerade für ein kleines, exportorientiertes Land wie die Schweiz besteht in der Erforschung und Entwicklung von klimaschonenden Produkten, Systemen und Prozessen ein grosser Hebel gegen den Klimawandel, und durch deren Export wird wiederum die ganze Welt profitieren. Aufgrund dieses Multiplikatoreffektes sind derartige Forschungsanstrengungen zu fördern. Die Grundlagenforschung ist hierbei die Basis, die zu technischen Neuerungen führen wird, die wiederum in der Praxis angewendet werden. Regierungen sind normalerweise nicht für die Forschung und Entwicklung innovativer Technologien verantwortlich. Sie können aber die Rahmenbedingungen beeinflussen und indirekt fördern, was in der Industrie entwickelt wird.

    Trotz der drängenden Zukunftsprobleme wie dem Klimawandel sollte auch der Schweizer Staat weiterhin keine Industriepolitik mit breiten Subventionen betreiben. Unterstützung bei der Grundlagenforschung sollte jedoch gewährleistet werden, punktuell auch bei Pilotprojekten. Zentral sind dabei insbesondere die Bewilligungen, beispielsweise um den Aufbau eines intelligenten Stromnetzes («Smart Grid») auch unter realen Bedingungen testen zu können. Die kommunikative Vernetzung und Steuerung von Bestandteilen der Elektrizitätsversorgung wird zu einem effizienteren und sichereren Systembetrieb beitragen.

    Laut Weltklimarat sind tiefgreifende Veränderungen nicht nur bei der Stromerzeugung nötig, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen: Auch Mobilität, Landwirtschaft, Industrieprozesse und die städtische Infrastruktur sind wichtige Handlungsfelder. Vorstellbar wären staatliche Anreize bei Themen wie Smart Home, Smart City oder Smart Farming, um durch verstärkte Digitalisierung eine bessere Energieeffizienz in Wohnungen und Häusern, in der Stadt, auf den Strassen und auf den Feldern zu erreichen. Eine so erhöhte Energieeffizienz würde zum Klimaschutz beitragen und für mehr Nachhaltigkeit sorgen.

    Entwicklung einer klaren Vision für die Schweiz als Nachhaltigkeits-Hub

    Entwicklung einer klaren Vision für die Schweiz als Nachhaltigkeits-Hub

    Um die einzelnen staatlichen Massnahmen zu bündeln und ihre Ziele klar definieren zu können, sollte der Staat eine übergreifende Vision zur Schweiz als Nachhaltigkeits-Hub formulieren – eine Art ideelles Dach, unter dem alle Projekte zur Nachhaltigkeit zusammengefasst werden. Konkret könnte der Staat Unternehmen und universitäre Forschungseinrichtungen durch verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen wie Steueranreize unterstützen, die Clusterbildung in der Wissenschaft fördern und eine noch stärkere Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen attraktiver gestalten. Als Vorbild kann das «Crypto-Valley» in Zug dienen. Dieses Beispiel zeigt, wie durch geringe Regulierungen und steuerliche Vorteile von Unternehmern, Talenten und Investoren attraktive Rahmenbedingungen geschaffen wurden, die zu einem weltweit angesehenen Cluster im Blockchain Bereich führten.

    Die Schweiz hat das Potential, eine ebenso führende Rolle in der Entwicklung von nachhaltigen Technologien zu übernehmen. Das international hohe Renommee der Schweiz ist eine glaubwürdige Basis, um sich als führender Förderer nachhaltiger Projekte und Prozesse in der internationalen Staatengemeinschaft zu positionieren. Ähnliches gilt für Unternehmen, die ihre Aktivitäten, Instrumente und ihre Verpflichtung zu nachhaltigem Wirtschaften der Aussenwelt kommunizieren und damit an Attraktivität gewinnen.

    Sicherstellung einer erstklassigen physischen und digitalen Infrastruktur und Gewährleistung der Versorgungssicherheit

    Sicherstellung einer erstklassigen physischen und digitalen Infrastruktur und Gewährleistung der Versorgungssicherheit

    Im internationalen Vergleich verfügt die Schweiz über eine sehr gute Infrastruktur, wie verschiedene Indikatoren zeigen. Diese muss jedoch permanent auf dem neusten Stand gehalten werden. Damit die Digitalisierung und Weiterentwicklung der Infrastruktur und Energieversorgung vorangetrieben werden kann, sollte die Schweiz Rahmenbedingungen für die Welt von morgen entwickeln, die Innovationen fördern. Diese sollten lösungsoffen, skalierbar und flexibel gestaltet sein und neue Spielräume eröffnen, um schnellere Innovationszyklen zu ermöglichen. Beispielsweise ist dies im Fintech Bereich unter anderem durch Regulierungserleichterungen für kleinere Firmen gut gelungen.

    Ausserdem muss das Problem des Klumpenrisikos der Monopolisten angegangen werden. Die Abhängigkeit von nur einem oder sehr wenigen Anbietern birgt aufgrund von Cyber- und anderen Risiken eine grosse Gefahr für die Versorgungssicherheit. Diese sollte insbesondere im Energiebereich stärker ins Zentrum rücken. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass viele Länder zuerst auf sich selbst schauen, so geschehen etwa bei Medikamenten, Schutzmasken oder persönlicher Schutzausrüstung. Bezüglich Strom dürfte dies kaum anders sein. Zur Versorgungssicherheit gehört daher auch, eine zu grosse Abhängigkeit von ausländischen Produzenten zu verhindern. Natürlich sollte das Ziel nicht eine völlige Autarkie sein. Vielmehr sollte es darum gehen, die Stromerzeugung insbesondere im Winter zu erhöhen, vor allem in Anbetracht des durch das Volk beschlossenen Wegfalls der Kernenergie ab 2050. Hier wird eine verlässliche Einschätzung benötigt, mit welchen Technologien und zu welchen Kosten dies erreicht werden kann. Diese Einschätzung muss den neuesten Stand der Technik umfassen und sollte ohne Scheuklappen vorgenommen werden. Keine Technologie sollte a priori ausgeschlossen werden, auch die Kernenergie nicht. Welche Lösung dann am Ende angewendet wird, ist ein politischer Entscheid.

    Weitere Konkretisierung der Massnahmenpakete und Klarstellung, wie sämtliche Ziele der Energiestrategie 2050 erreicht werden können

    Weitere Konkretisierung der Massnahmenpakete und Klarstellung, wie sämtliche Ziele der Energiestrategie 2050 erreicht werden können

    Um die Energieversorgung in der Schweiz schrittweise in Richtung Umweltschutz und Nachhaltigkeit umzubauen, hat der Bundesrat die Energiestrategie 2050 entwickelt. Die Strategie soll zudem dazu dienen, den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und die erneuerbaren Energien zu fördern. Sie beinhaltet verschiedene Massnahmen wie die Einführung eines Netzzuschlages, den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie oder die Installation von Smart Metering-Instrumenten und anderen intelligenten Steuer- und Regelsystemen.

    Der Staat sollte nun auch die weiteren Massnahmenpakete konkretisieren und die dafür benötigten Prozesse beschleunigen.

    Zudem muss der Zielkonflikt zwischen einer möglichst erfolgreichen nationalen Energieversorgung und einer angestrebten Verringerung des Energiekonsums der Bevölkerung angegangen werden. Die Drosselung des Energieverbrauchs dürfte leichter mit höheren Preisen zu haben sein, da über höhere Preise Anreize zum Stromsparen gesetzt werden. Dies wiederum würde der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft schaden, nicht zuletzt dem produzierenden Gewerbe, das ohnehin schon durch Frankenstärke und Corona-Krise herausgefordert wird. Die Politik muss sich deshalb entscheiden, welches Ziel stärker zu gewichten ist: Eine wettbewerbsfähige nationale Energieproduktion oder eine Senkung des Energieverbrauchs.

    Ferner muss sichergestellt werden, dass die Ziele der Energiestrategie mit den bestehenden Massnahmen auch erreicht werden können. Zur Kompensation des vom Volk beschlossenen Ausstiegs aus der Kernenergie müssen verlässliche und umweltfreundliche Alternativen gefunden werden – was eine grosse Herausforderung wird. Die Strategie der letzten 50 Jahre aus einer Kombination von Wasser- und CO2-freier Kernkraft war für die Schweiz sehr erfolgreich. Ein zusätzlicher Import von Braunkohlestrom aus Deutschland und Polen würde die Energiestrategie ad absurdum führen. Gemäss Eidgenössischer Elektrizitätskommission ist es fraglich, ob die bisher beschlossenen Massnahmen ausreichen, um die Versorgungssicherheit nach Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke zu gewährleisten. Insbesondere im Winterhalbjahr steigt die Wahrscheinlichkeit für Versorgungsengpässe aufgrund der hohen Importabhängigkeit markant an. Die abnehmende Exportfähigkeit der Nachbarländer infolge rückläufiger steuerbarer Produktion bildet hier ein Risiko. Die Schweiz muss deshalb zuerst definieren, wie hoch der Selbstversorgungsgrad bei der Energieversorgung sein soll – nicht nur pro Jahr, sondern auch in kürzeren Zeiträumen. In einem zweiten Schritt müssten gegebenenfalls weitere Anpassungen bei den bisherigen Massnahmen zur Garantie der Versorgungssicherheit und der Erreichung der anderen Ziele der Strategie vorgenommen werden.

    Beschleunigung des Rollouts von neuen Technologien

    Beschleunigung des Rollouts von neuen Technologien

    Städte sind laut Internationaler Energieagentur für 70 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen sowie für 70 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich. Die Umsetzung nachhaltiger Wirtschaftsziele kann daher besonders im Bereich der städtischen Infrastruktur eine grosse Wirkung entfalten. Projekte zum Thema Smart City sowie eine dynamische Preisgestaltung im Bereich der staatlichen Transportunternehmen bieten deshalb ein grosses Potential, das der Staat mitgestalten kann, um die Effizienz zu steigern.

    Die dabei notwendigen Technologien wie die Vernetzung aller involvierten Objekte (Internet of Things) benötigen ihrerseits ein leistungsfähiges Datennetz. Wenn die Schweiz im Bereich digitaler Innovationen weiterhin wettbewerbsfähig bleiben soll, sollte sie deshalb unter Berücksichtigung von möglichen gesundheitlichen Risiken offen für neue Technologien wie 5G sein. Nach einer erfolgreichen Risikoanalyse müssen diese möglichst schnell in der Praxis angewendet werden können und dürfen nicht durch bürokratische Prozesse unnötig verlangsamt werden.

Unternehmen

    Definition von Nachhaltigkeit und Entwicklung einer klaren Strategie

    Definition von Nachhaltigkeit und Entwicklung einer klaren Strategie

    Ein nachhaltiges Handeln erfordert eine klare Definition. Unternehmen müssen definieren, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet. Dazu gilt es, eine klare Strategie zu entwickeln, auf deren Grundlage man konkrete Massnahmen und messbare Ziele festlegen kann. Dazu gehört auch die Integration in die Anreiz- und Beurteilungssysteme der Entscheidungsträger, sodass die Erfassung des Zielerreichungsgrads auch eine relevante Bezugsgrösse darstellt. Beim Thema Nachhaltigkeit geht es schliesslich um die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Diese umfasst soziale, ökologische und ökonomische Aspekte. Während die Lenkung von Investitionen und Finanzierungen in nachhaltige Unternehmungen und Projekte als zentraler Hebel für die Zielerreichung angesehen wird, kann nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Unternehmensgewinne bereits umwelt- und sozialverträglich erwirtschaftet werden sollten. Ohne eine konsistente Integration in die eigene Geschäftstätigkeit und in die eigenen Produkte und Dienstleistungen wird dies jedoch nicht machbar sein. Unternehmen, die ihre CSR-Aktivitäten als Zusatzleistung verstehen, die nicht im Geschäftsmodell und den Kerngeschäftsprozessen eingegliedert ist, denken zu wenig weit. Nachhaltigkeit sollte nicht etwas sein, das dem Kerngeschäft von Unternehmen einfach aufgepfropft wird. Ob Arbeitssicherheit, Mitarbeitendenzufriedenheit, Diversität, Energieeffizienz oder Mindeststandards in der Lieferkette — viele der mit Nachhaltigkeit verbundenen Handlungsfelder sind entscheidend für den unternehmerischen Erfolg. Deshalb ist auch die Belohnung für nachhaltiges Engagement und Wirtschaften offenkundig: effizientere Ressourcennutzung, gesündere und motivierte Mitarbeitende, umfassenderes Risikomanagement, ein besseres Image und steigende Attraktivität für internationale Geldgeber.

    Miteinbezug nachhaltiger Aspekte in das Lieferkettenmanagement

    Miteinbezug nachhaltiger Aspekte in das Lieferkettenmanagement

    Für ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement ist es wichtig, alle beteiligten Handlungsfelder einzeln zu betrachten: den Einkauf, die Lieferanten, die Wertschöpfungskette und natürlich das Produkt selbst. Nachhaltiges Lieferkettenmanagement bedeutet vor allem, das Thema in den Einkaufs- und Beschaffungsprozessen zu verankern und Nachhaltigkeitskriterien in die Lieferantenauswahl und -bewertung aufzunehmen. Bei den aktuellen Anpassungen der Lieferketten aufgrund von COVID-19 sollten Versäumnisse solcher Kriterien unbedingt bedacht werden. Dabei hat sich gezeigt, dass Anpassungen aufgrund der veränderten Situation zu Verbesserungen in der Lieferkette sowie der Nachhaltigkeit führen. Beispielsweise verursachen lokale Zulieferer aufgrund kürzerer Transportwege weniger Emissionen. Solche Kriterien können vom Nachweis über ein Umweltmanagement bis zu detaillierten Anforderungen zu einzelnen Themen wie etwa Abfall, Recycling, Klimaschutz oder dem Einsatz kritischer Chemikalien reichen. Dabei ist auch die Qualifizierung der Lieferanten durch Workshops und Gespräche wichtig, wie auch die Vor-Ort-Kontrolle, ob die sozialen oder ökologischen Anforderungen erfüllt werden.

    So genannte Produktkettenzertifikate, wie sie schon für Holz-, Papier- oder Baumwollprodukte bestehen, können dabei helfen, die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Endprodukt auf ihre Nachhaltigkeit hin zu kontrollieren. Auch beim Endprodukt selbst zeigt sich oft noch Potential zur Produktoptimierung, z.B. durch die Nutzung umweltfreundlicherer Verpackungen oder den Verzicht auf kritische Materialien und Chemikalien wie Lacke, PVC oder Weichmacher. Auch Produktinnovationen können die Umweltbelastungen in der Lieferkette reduzieren – und gleichzeitig neue Märkte und Kundengruppen erschliessen.

    Schaffung von Lieferketten-Transparenz, um Risiken effektiver zu managen

    Schaffung von Lieferketten-Transparenz, um Risiken effektiver zu managen

    Seitens der Kunden wird der Ruf nach Rückverfolgbarkeit, Nachhaltigkeit und Transparenz in der Lieferkette immer lauter. Sie suchen vor dem Kaufentscheid zunehmend gezielt nach Informationen über den Hersteller und seine Lieferanten und sind sogar bereit zu anderen Marken zu wechseln, wenn Unternehmen ihre Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen. Kunden sehen Unternehmen in der Verantwortung für die gesamte Lieferkette – sowohl vor als auch nach dem Kauf. Sie machen Unternehmen also auch für nicht-nachhaltiges Verhalten ihrer Lieferanten verantwortlich. Andererseits sind mittlerweile viele Konsumenten bereit, mehr für Produkte zu bezahlen, deren Lieferkette von der Rohstoffproduktion bis zur Entsorgung völlig transparent und nachhaltig ist. Es lohnt sich entsprechend für Unternehmen, mehr Transparenz darüber zu schaffen, wie ihre Waren verarbeitet wurden und wo die dafür eingesetzten Rohstoffe herkommen.

    Viele Unternehmen bekunden allerdings Mühe damit, diese Transparenz herzustellen. Gemäss einer Umfrage von Deloitte hat eine Mehrheit der befragten Einkaufsleiter nur einen begrenzten oder gar keinen Überblick über ihre Lieferketten. Die Nachvollziehbarkeit von Waren- und Güterströmen bedeutet für die Befragten eine fast unlösbare technologische Herausforderung – unter anderem, weil ihre Produkte aus mehreren tausend Einzelteilen bestehen, die alle auf ihre nachhaltige Produktion hin überprüft werden müssten.

    Hier kann moderne Technologie wie Blockchain und künstliche Intelligenz helfen, eine nahtlose und transparente Nachverfolgung über die gesamte Produktion- und Logistikkette in Echtzeit zu gewährleisten. Durch diese neuen Technologien lässt sich die Transparenz von Lieferketten erheblich verbessern und die Datensammlung und -verarbeitung beschleunigen. Damit werden sowohl die Risiken der Produkthaftung minimiert als auch das Ansehen des Unternehmens verbessert.

    Nutzung der Digitalisierungspotentiale auf allen Ebenen

    Nutzung der Digitalisierungspotentiale auf allen Ebenen

    Die Digitalisierung und Automatisierung wirtschaftlicher Prozesse bieten Unternehmen weiteres Potential, um nachhaltiger agieren zu können. Dabei geht es vor allem um die Standardisierung und Harmonisierung von Geschäftsprozessen vom Front-End Kunde bis zum Back-End innerhalb des Zulieferers. Ein End-to-End Geschäftsprozess betrifft dabei alle Tätigkeiten, die zur Erstellung einer intern oder extern angeforderten Leistung oder eines Produktes nötig sind, zum Beispiel von der Herstellung bis zur Lieferung. Mittlerweile haben sich viele unterschiedliche Modelle entwickelt, die diese Prozesse strukturiert abbilden: Make-to-Stock (M2S) und Make-to-Order (M2O), Engineer-to-Order (E2O), Purchase-to-Pay (P2P) und Order-to-Cash (O2C), Buy-to-Scrap (B2S), Hire-to-Retire (H2R) oder Record-to-Report (R2R). Sie alle können dabei helfen, interne Aufwände in Betrieben und Prozessen zu reduzieren und die Nachvollziehbarkeit zu steigern. Das setzt allerdings ein agiles und konsistentes Daten- und Analysemodell im Unternehmen als Fundament für neue digitale Service- und Produktionsformen voraus. Hier besteht noch einiges an Entwicklungspotential in Schweizer Unternehmen.

    Bereitstellung eines Mobilitätsbudgets für Mitarbeiter

    Bereitstellung eines Mobilitätsbudgets für Mitarbeiter

    Zur Reduzierung des individuellen PKW-Verkehrs könnten Unternehmen ihren Mitarbeitenden statt eines Dienstwagens ein Mobilitätsbudget zur Verfügung stellen, mit dem sie auch alternative Verkehrsmittel nutzen können. Dies fördert eine nachhaltigere und flexiblere Mitarbeitermobilität. Der Empfänger eines Mobilitätsbudgets könnte somit frei entscheiden, ob er öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn, Carsharing, E-Bikes, Taxis oder Ähnliches für dienstliche Fahrten nutzen möchte. Gerade Vertreter der jungen Generation schätzen diese Budgets wegen ihrer Flexibilität und der Möglichkeit, je nach Situation, Laune oder Geschmack ein Fortbewegungsmittel wählen zu können. Ein eigener Dienstwagen als Statussymbol ist für viele gar nicht mehr so attraktiv. Für die Unternehmen ergäbe sich der Vorteil, dass sie den Umfang ihrer Fuhrparks reduzieren und die freigewordenen Mittel in CO2-neutralere Fahrzeuge investieren könnten. Nicht zuletzt führt eine solche Massnahme auch zur Verbesserung der Aussenwahrnehmung des Unternehmens und zu einer höheren Attraktivität des Arbeitgebers – vor allem bei jüngeren Generationen.

    Umsetzung von Cyber-Sicherheitsmassnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur

    Umsetzung von Cyber-Sicherheitsmassnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur

    Während der Pandemie ist die Anzahl der Fälle von Cyber-Kriminalität, die sich auf das Home-Office konzentrierten, gestiegen. Das zeigte, wie gefährdet die IT-Strukturen des Staates und der Unternehmen wirklich sind. Doch die neue Art der Gefährdung betrifft nicht nur die Mitarbeitenden, die zuhause arbeiten, sondern die gesamte kritische Infrastruktur des Energie-, Telekommunikations- und Verkehrssektors. Dazu gehören auch durch Hacking verursachte Stromausfälle. Die fortschreitende Digitalisierung dieser Branchen erfordert deshalb zusätzliche Mechanismen des Cyber-Risikomanagements.

    Angesichts der gesteigerten Cybergefahren ist es wichtig, die eigenen Mitarbeitenden kontinuierlich für dieses Thema zu sensibilisieren, sie im Umgang mit sensitiven Daten zu schulen und mit den im Unternehmen geltenden Verhaltensregeln vertraut zu machen. Cyber-Sicherheitsexperten müssen bei Entwicklungen von neuen Systemen von Beginn an eingebunden werden, um Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren. Zudem ist auch die laufende Beobachtung, Identifikation und Beurteilung von Cyber-Risiken notwendig, denn die aktuelle Situation kann sich durch neue Teilnehmer in den dynamischen Ökosystemen stets verändern. Die Gefährdung betrifft nicht nur die Versorgungssysteme insgesamt: Viele einzelne Komponenten, die heute bei kritischen Infrastrukturen eingesetzt werden, sind zwar ins Netz eingebunden, verfügen aber nicht über integrierte Sicherheitsmassnahmen. Hier wird es für den die Unternehmen immer wichtiger, auch diese einzelnen Komponenten kritischer zu betrachten, Kompetenzen zur Abwehr von Angriffen zu bündeln und breite Allianzen einzugehen, um die Sicherheit der kritischen Infrastruktur zu gewährleisten.

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