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Perspectives

bAV zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Studie zur betrieblichen Altersversorgung

Die vorliegende Studie untersucht die Kenntnisse, Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen von Arbeitnehmern auf der Basis einer repräsentativen Befragung von 1.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

Die aktuelle Situation

Die heutige, umlagenfinanzierte Rentenversicherung steht vor der Herausforderung, dass sich das Gleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Leistungsbeziehern verschiebt. Zwar ist die Zahl der Beitragszahler noch stabil, doch aufgrund des Geburtenrückgangs steht hier in naher Zukunft eine Verringerung bevor. Demgegenüber steigt heute schon die Zahl der Rentner, weil diese immer länger leben. Viele Experten halten es daher für wünschenswert, die Altersversorgung von der demografischen Entwicklung soweit irgend möglich zu entkoppeln.

Genau an dieser Stelle kommt die betriebliche Altersversorgung (bAV) ins Spiel. Sie fußt entweder auf einer Kapitalanlage (versicherungsförmige Durchführungswege) oder wird aus Unternehmensgewinnen bezahlt (Direktzusage). Sie ist somit zumindest dem direkten Einfluss der Demografie entzogen.

Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es Bestrebungen in der Politik, die Verbreitung der bAV zu verbessern wie zum Beispiel mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz, welches insbesondere die Durchdringung bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie bei Arbeitnehmern mit geringem Einkommen erhöhen soll.

Top Ergebnisse aus der Studie

  • Die Mehrheit der Befragten macht sich Sorgen um die Einkommenssituation im Alter und sieht für sich selbst die Notwendigkeit, eigene Sparmaßnahmen über das bisherige Maß hinaus zu intensivieren.
  • Die Nutzung der Entgeltumwandlung ist, gemessen am Potenzial, eher gering. Es gelingt nicht, die hohe grundsätzliche Teilnahmebereitschaft der Arbeitnehmer auch flächendeckend in eine tatsächliche Teilnahme umzumünzen.
  • Der Wirkungsgrad bestehender Angebote hinsichtlich ihrer Attraktivität und Wertschätzung bei Arbeitnehmern, bietet noch deutlichen Spielraum für Verbesserungen auf Unternehmensseite.
  • Viele Arbeitgeber fühlen sich nicht ausreichend über die bAV informiert. Sie wünschen sich zum Beispiel ausführliche Beratungsgespräche. Elektronische Medien und Apps können die klassischen Kommunikationsmittel bislang nur ergänzen.
  • Arbeitnehmer plädieren in erster Linie für eine sichere Altersversorgung. Daneben spielen flexible Ein- und Auszahlungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle.
  • Zeitwertkonten sind bislang nur eingeschränkt verfügbar, werden dann aber von mehr als der Hälfte genutzt. Wer Zeitwertkonten nutzt, betreibt gleichzeitig in aller Regel auch Entgeltumwandlung im Rahmen der bAV.
  • Nur die Hälfte der Befragten glaubt, dass auch die nächste Generation noch von der bAV profitieren kann.

Zusammenfassung der bAV-Studie

Fazit

Bei der Ausgestaltung und Kommunikation von Angeboten der betrieblichen Altersversorgung gibt es in der Breite großes Verbesserungspotenzial.

Die Befragung legt nahe, dass die Maßnahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes nur einen kleinen Teil der Zielgruppe erreichen. Einige Merkmale der neuen reinen Beitragszusage laufen den derzeitigen Bedürfnissen der Arbeitnehmer sogar zuwider. Eine schnell durchschlagende Wirkung der Maßnahmen ist daher eher nicht zu erwarten.

Aber auch viele Unternehmen können aus den Erkenntnissen eine Reihe von Hausaufgaben mitnehmen. Zunächst sollten den Mitarbeitern überhaupt Angebote zur Entgeltumwandlung aktiv unterbreitet werden. Selbst ohne arbeitgeberfinanzierte Beiträge für die Mitarbeiter können die Unternehmen damit ihre Position als verantwortungsbewusster Arbeitgeber stärken. Dort, wo schon Angebote zur Entgeltumwandlung oder sogar zur arbeitgeberfinanzierten Vorsorge bestehen, sollten Unternehmen zumindest ihre Kommunikation verbessern.

Es sollte durchaus einmal überprüft werden, wie die Angebote im Sinne von Attraktivität und Wertschätzung aufgewertet werden können. Dabei gilt es, auch von den Chancen des technologischen Fortschritts hinsichtlich der Digitalisierung zu profitieren. Letzteres spielt sowohl für eine effiziente Administration, eine interaktive Kommunikation als auch eine verbesserte Einbindung in Controlling und Unternehmenssteuerung eine zunehmend wichtigere Rolle.

Erfolgreiche bAV-Angebote greifen die spezifischen Wünsche der Mitarbeiter auf und setzen auf eine detaillierte Information.

Ihr Kontakt bei Fragen rund um die Studie:

Sollten Sie Fragen zur Studie haben oder eine persönliche Analyse und Einschätzung Ihrer persönlichen Situation wünschen - sprechen Sie mich gerne an:

Jens Denfeld
Senior Manager
Human Capital Advisory Services
Tel: +49 (0)69 9713 7148
jdenfeld@deloitte.de

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