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Entwicklungen und Trends in der bAV - Deloitte Studie zur betrieblichen Altersversorgung

Die betriebliche Altersversorgung aus Sicht der Arbeitnehmer

Betriebliche Altersversorgung 2021: Zum fünften Mal in Folge führt Deloitte die Studie zur betrieblichen Altersversorgung durch. In diesem Jahr wurden zu diesem Zweck 2.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer befragt. Die Ergebnisse zeigen das Potenzial der bAV auf. In unsicheren Zeiten scheint die Bedeutung der Vorsorge zugunsten akuterer Herausforderungen zu sinken, doch mit ihren Attributen Nachhaltigkeit, Fürsorge und Sicherheit adressiert die bAV langfristig einen substanziellen Bedarf.

Mit der fünften Folge der Deloitte Studie zur betrieblichen Altersversorgung lassen sich einerseits langfristige Entwicklungen in der bAV identifizieren. Andererseits konnte in diesem Jahr eine interessante Abweichung zu den Vorjahren aufgedeckt werden: Zwar führt die COVID-19 Pandemie bei den Arbeitnehmern zu einer Verschiebung des Fokus weg von der bAV, gleichzeitig steigt offenbar die Teilnahmequote an der Entgeltumwandlung erstmals seit 2017 merklich an.

 

bAV 2021: Eine bessere und breitere Versorgung der Arbeitnehmer mit betrieblicher Altersversorgung ist ein langwieriger Prozess

Die Verbreitung von arbeitgeberfinanzierter Altersversorgung stagniert, aktuell liegt sie bei 34 Prozent. Demgegenüber ist aber der Anteil der Arbeitnehmer, die Bruttoentgeltumwandlung betreiben, merklich von rund einem Viertel auf 32 Prozent angestiegen. Erstmals scheint es seit 2017 eine Verbesserung beim Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersversorgung zu geben. Es wird spannend zu sehen, ob sich diese Werte bei der Befragung 2022 bestätigen werden.

Wie viele Arbeitnehmer verfügen nun über eine bAV-Anwartschaft? Knapp 14 Prozent geben an, sie wüssten nicht, ob sie über eine vom Arbeitgeber finanzierte Anwartschaft verfügen. Ohne Berücksichtigung dieses Unsicherheitsfaktors liegt der Anteil der Arbeitnehmer mit einer bAV bei 46 Prozent (2020: 41%). Interessanterweise betreiben die meisten derjenigen, die eine vom Arbeitgeber finanzierte bAV erhalten, auch Entgeltumwandlung – und umgekehrt. 90 Prozent derjenigen, die keine vom Arbeitgeber finanzierte bAV erhalten, betreiben auch keine Entgeltumwandlung. Dies legt den Gedanken nahe, dass der Aufbau von betrieblicher Altersversorgung in aller Regel eine gemeinsame Aufgabe von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist.

Wie in den vergangenen Jahren ist der Hauptgrund, warum Arbeitnehmer nicht zumindest die Entgeltumwandlung nutzen, nach Angaben der Studienteilnehmer das fehlende Angebot seitens der Arbeitgeber. Dieser Anteil (40%) ist gegenüber 2020 (38%) sogar noch leicht gestiegen. 2017 waren es noch 36 Prozent. An der Gewichtung der anderen genannten Gründe hat sich seit 2017 ebenfalls kaum etwas geändert. Dieses Jahr nennen 24 Prozent der Befragten Geldmangel als Grund, warum sie bislang keine Vorsorge per Entgeltumwandlung betrieben haben (2020: 20%).

Es ist überraschend, dass die Teilnahme an der Entgeltumwandlung gestiegen ist, da mehrere Antworten der Befragten indizieren, dass gleichzeitig die empfundene Wichtigkeit von bAV zurückging. Beispielsweise bejahen nur 29 Prozent die Frage, ob sie auf eine Gehaltserhöhung verzichten, um im Gegenzug eine gleichwertige Einzahlung in den Pensionsplan zu erhalten. Der Anteil derjenigen, die bei einem Wechsel des Arbeitgebers auf eine vom künftigen Arbeitgeber finanzierte betriebliche Altersversorgung achten würden und dies als sehr wichtig einstufen, liegt mit 39 Prozent nochmals unter dem schon relativ niedrigen Vorjahresniveau (41%). 2019 waren das noch 51 Prozent. 

Neben der Frage, ob überhaupt ein Angebot an betrieblicher Altersversorgung besteht, ist die Gestaltung und Kommunikation des Angebots von entscheidender Bedeutung. Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Arbeitnehmer flexible und sichere Modelle bevorzugen. Sie sind bereit, in einem gewissen Umfang Risiken einzugehen, wenn diesen Risiken adäquate Chancen auf eine verbesserte Versorgung gegenüberstehen. Dies bliebt vor dem Hintergrund der Herausforderung, am Kapitalmarkt Garantien zu finanzieren, ein ermutigender Fingerzeig.

Die Informationslage zur betrieblichen Altersversorgung bleibt nach Angaben der Befragten weiterhin unbefriedigend. Seit 2019 fällt der Anteil an Arbeitnehmern, die sich ausreichend informiert fühlen. Mittlerweile geben das nur noch 30 Prozent der Befragten an. Zudem vertrauen nur 30 Prozent uneingeschränkt den Informationen, die sie erhalten. Besonders schwach ist die Zustimmung, wenn beide Fragen miteinander verknüpft werden. Nur 19 Prozent gaben an, dass sie sowohl ausreichende Informationen erhalten haben als auch diesen Informationen vertrauen können. Nach wie vor wünschen sich die Arbeitnehmer ausführliche Informationen, sei es durch eine Broschüre oder durch ein persönliches Beratungsgespräch. Demgegenüber hat ein digitales Informationsangebot eine geringere, wenn auch langsam wachsende Bedeutung. Aktuell würden 10 Prozent den Einsatz einer App bevorzugen (2020: 8%; 2017: 3%).

 

Der Deloitte-Ansatz für die betriebliche Altersversorgung

Betriebliche Altersversorgung als Vergütungselement adressiert nicht nur einen substanziellen Bedarf beim Mitarbeiter, sondern wirkt vielfältig in einem Unternehmen. Betroffen sind viele Bereiche, insbesondere Rechnungslegung und Personal. Die hieraus resultierende Komplexität verlangt nach einer ganzheitlichen Perspektive. Bei Deloitte wird diese durch die Deloitte Pension Experts (DPE) gewährleistet, einem breit aufgestellten, fachbereichsübergreifenden Team. Des Weiteren verfolgen wir bei der Gestaltung von Pensionszusagen einen systemischen Ansatz, der neben den reinen arbeitsrechtlichen Regelungsinhalten auch die Themen digitale Umsetzung, Administration und Kommunikation beinhaltet. Regelmäßige Information über unsere Sichtweise auf bAV-Themen erhalten Sie in unserem Newsletter DPEsche.

 

Archiv

Studie zur betrieblichen Altersversorgung 2020

Mit der vierten Folge der Deloitte Studie zur betrieblichen Altersversorgung lassen sich zunehmend langfristige Entwicklungen in der bAV identifizieren. Und dabei wird vor allem eines klar: Veränderungen erfolgen nur langsam und in kleinen Schritten. Dazu kommen immer wieder Rückschläge, so wie in diesem Jahr die COVID-19 Situation, die bei den Arbeitnehmern zu einer Verschiebung des Fokus führt.

Die Verbreitung von arbeitgeberfinanzierter Altersversorgung ist nach Angaben der Befragten seit 2017 von 40% auf 35% leicht zurückgegangen. Auch der Anteil der Arbeitnehmer, die Bruttoentgeltumwandlung betrieben stagniert bei etwa einem Viertel. In den letzten 4 Jahren gab es damit de facto keine Verbesserung beim Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersversorgung.

Legt man die Antworten von 2020 zugrunde, so verfügen nur 41% der Befragten über eine Anwartschaft auf betriebliche Altersversorgung. Mehr als die Hälfte hiervon hat nicht nur eine von ihrem Arbeitgeber finanzierte Anwartschaft, sondern betreibt daneben auch Entgeltumwandlung. Nur 8% der Personen mit betrieblicher Altersversorgung finanzieren diese ausschließlich selbst.

Wie schon vor 4 Jahren ist der Hauptgrund, warum Arbeitnehmer nicht zumindest die Entgeltumwandlung nutzen, das fehlende Angebot seitens der Arbeitgeber. 2020 gaben 38% der Arbeitnehmer dies an, 2017 waren es 36%. An der Gewichtung der anderen genannten Gründe hat sich seit 2017 ebenfalls nichts geändert. So nennen nach wie vor rund 20% der Befragten Geldmangel als Grund, warum sie bislang keine Vorsorge per Entgeltumwandlung betrieben haben.

Die Informationslage zur betrieblichen Altersversorgung erscheint weiterhin unbefriedigend. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer fühlt sich nicht ausreichend informiert. Gegenüber 2017 hat dieser Anteil sogar noch leicht abgenommen. Gleiches gilt für die gefühlte Vertrauenswürdigkeit der Informationsangebote. Nach wie vor wünschen sich die Arbeitnehmer ausführliche Informationen, sei es durch eine Broschüre oder durch ein persönliches Beratungsgespräch. Demgegenüber hat ein digitales Informationsangebot eine geringere Bedeutung, auch wenn der Einsatz einer App heute (8%) deutlich häufiger genannt wird als noch 2017 (3%).

Studie zur betrieblichen Altersversorgung 2019

Zwar hat sich die Verbreitung von arbeitgeberfinanzierter bAV immerhin seit 2017 um neun Prozentpunkte erhöht. Doch die Teilnahme an Entgeltumwandlung verharrt bei unter einem Viertel der Befragten trotz vieler Gründe für eine bessere Nutzung: 80 Prozent gehen davon aus, dass die gesetzliche Rentenversicherung nicht genug zu ihrem Lebensunterhalt im Ruhestand beitragen kann, 51 Prozent wären bereit, auf Gehaltserhöhungen zugunsten der bAV zu verzichten und immer noch 41 Prozent verwenden das Festgeldkonto zum Sparen auf das Alter.

Wie auch in den letzten Jahren liegen die Gründe dafür zu guten Teilen in einer mangelhaften Kommunikation. Es ist zwar eine leichte Steigerung bei den Arbeitnehmern zu beobachten, die sich ausreichend informiert fühlen. Nach 36 Prozent 2017 und 39 Prozent 2018 haben in diesem Jahr 42 Prozent der befragten Arbeitnehmer dies angegeben. Aber diese Steigerung ist viel zu gering, um einen nachhaltigen Umschwung zu erzeugen.
Hinzu kommt, dass nach wie vor viele Arbeitgeber bAV gar nicht proaktiv anbieten. Dies gaben aktuell 38 Prozent der befragten Arbeitnehmer an. Und diese Werte waren in den letzten beiden Jahren ähnlich. Aber auch dort, wo entsprechende Angebote existieren, gibt es noch viel Verbesserungspotential in der Gestaltung und Kommunikation der Angebote.
Die Arbeitnehmer wünschen sich insbesondere sichere und flexible Möglichkeiten, im Rahmen von bAV vorzusorgen. Hierfür bevorzugen sie detaillierte Informationen, beispielsweise durch entsprechende Broschüren. Das Potential ist demnach vorhanden, die Notwendigkeit ebenso, aber der entscheidende Impuls ist bislang nicht abzusehen.

Studie zur betrieblichen Altersversorgung 2018

Die Relevanz der betrieblichen Altersversorgung wächst weiter. Ihr Ansehen bei Arbeitnehmern ist hoch, die Nutzung daran gemessen jedoch vergleichsweise niedrig. Trendstudien und Umfragen im Bereich Personalwirtschaft, beispielsweise auch unsere Human Capital Trend Studie, zeigen einen deutlichen Wunsch der Angestellten nach Flexibilität.

Die Gestaltung des bAV-Angebots ist ein wichtiges Kriterium für die Teilnahme der Arbeitnehmer, aber auch für die Positionierung der Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber. Für die Arbeitnehmer steht neben der Sicherheit des Angebots der Wunsch danach, die bAV ihren Bedürfnissen anzupassen. Bei der Kommunikation von bAV-Angeboten gibt es großen Verbesserungsbedarf: Nur 28 Prozent der Arbeitnehmer sind gut informiert. Besonders gefragt sind detaillierte Informationen über entsprechende Broschüren oder individuelle Beratungsgespräche.

Studie zur betrieblichen Altersversorgung 2017

Die heutige, Umlagen-finanzierte Rentenversicherung steht vor der Herausforderung, dass sich das Gleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Leistungsbeziehern verschiebt. Zwar ist die Zahl der Beitragszahler noch stabil, doch aufgrund des Geburtenrückgangs steht hier in naher Zukunft eine Verringerung bevor. Demgegenüber steigt heute schon die Zahl der Rentner. Viele Experten halten es daher für wünschenswert, die Altersversorgung von der demografischen Entwicklung soweit irgend möglich zu entkoppeln.

Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es Bestrebungen in der Politik, die Verbreitung der bAV zu verbessern, wie zum Beispiel mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz, welches insbesondere die Durchdringung bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie bei Arbeitnehmern mit geringem Einkommen erhöhen soll.

Unsere Befragung legt jedoch nahe, dass die Maßnahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes nur einen kleinen Teil der Zielgruppe erreichen. Einige Merkmale der neuen reinen Beitragszusage laufen den derzeitigen Bedürfnissen der Arbeitnehmer sogar zuwider. Eine schnell durchschlagende Wirkung der Maßnahmen ist daher eher nicht zu erwarten.

Aber auch viele Unternehmen können aus den Erkenntnissen eine Reihe von Hausaufgaben mitnehmen. Zunächst sollten den Mitarbeitern überhaupt Angebote zur Entgeltumwandlung aktiv unterbreitet werden. Selbst ohne arbeitgeberfinanzierte Beiträge für die Mitarbeiter können die Unternehmen damit ihre Position als verantwortungsbewusster Arbeitgeber stärken. Dort, wo schon Angebote zur Entgeltumwandlung oder sogar zur arbeitgeberfinanzierten Vorsorge bestehen, sollten Unternehmen zumindest ihre Kommunikation verbessern.

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