Article

Implikationen für das Treasury nach Umsetzung der Meldepflicht zur Steuergestaltung DAC 6

Durch die Umsetzung der EU Amtshilferichtlinie (DAC 6) in nationales Recht kann auf Unternehmen zukünftig ein nicht zu unterschätzender Meldeaufwand an die Finanzbehörden zukommen. Auch das Treasury kann hiervon betroffen sein.

Wer ist von Richtlinie und Gesetz betroffen?

Ziel der Richtlinie und des nationalen Gesetzes zur Einführung einer Pflicht für Intermediäre zur Mitteilung von Steuergestaltungen, ist in erster Linie, Steuermissbrauch zu bekämpfen und eine faire Besteuerung innerhalb der EU sicherzustellen. Intermediär im Sinne der Richtlinie ist jeder, der ein Modell zur Steuergestaltung

  • konzipiert
  • vermarktet
  • organisiert
  • zur Nutzung bereitstellt oder
  • dessen Umsetzung steuert.

 

Welche Sachverhalte fallen unter die Regelungen der Richtlinie?

Dies führt dazu, dass auch das Corporate Treasury als zentrale Finanzfunktion als Intermediär angesehen werden kann. Somit können auch Treasury-spezifische Transaktionen und Strukturen potentiell von der Meldepflicht betroffen sein und unter die Kriterien meldepflichtiger Steuergestaltungen fallen.

So sind beispielsweise bestimmte Cash-Pool-Strukturen, die Umwandlung von Darlehensforderungen in Eigenkapital (Debt-to-Equity Swap) oder die Gewährung von Hybriddarlehen zwischen einer Finanzierungsgesellschaft und einer operativen Einheit Sachverhalte, die von der Meldepflicht betroffen sind. Eine Cash-Pool-Struktur, bei der die Cash Pool-führende Gesellschaft in einem Niedrigsteuerland sitzt, ist aufgrund ihrer wesentlichen Standardisierung meldepflichtig, da sie grundsätzlich auch neuen Gesellschaften zur Verfügung steht. 

Die Steuergestaltung bei einem Debt-to-Equity Swap ergibt sich aus der Umwandlung der Einkünfte aus Zinserträgen (Darlehen) in Einkünfte aus Dividendenerträgen (Eigenkapital), die in der Regel einer deutlich geringeren Besteuerung unterliegen. Gewährt eine im Ausland ansässige Finanzierungsgesellschaft einer operativen Einheit ein hybrides Darlehen, sind die Zinsaufwendungen auf Ebene der operativen Einheit steuerlich abzugsfähig und auf Ebene der Finanzierungsgesellschaft als Dividende niedriger besteuert oder sogar gänzlich steuerbefreit. Allerdings wird der Begriff der Gestaltung nicht eindeutig definiert, was die Identifizierung potenziell meldepflichtiger Sachverhalte im Treasury zusätzlich erschwert.

 

Was müssen Sie jetzt beachten?

Meldepflichtige Sachverhalte müssen innerhalb von 30 Tagen – ab Eintreten des Sachverhalts - an die Finanzbehörden gemeldet werden. Weiterhin sind meldepflichtige Sachverhalte, die im Zeitraum vom 24.06.2018 bis 01.07.2020 eingetreten sind, rückwirkend zu melden.

Aufgrund des weitgefassten Gestaltungsbegriffs und der kurzen Meldefristen ist es für Treasury-Abteilungen daher empfehlenswert, in der Vergangenheit getätigte Transaktionen und bestehende Finanzierungsstrukturen in enger Abstimmung mit ihrer Steuerabteilung systematisch auf die Kriterien der Richtlinie zu prüfen und auf eine zeitnahe Implementierung geeigneter Meldeprozesse in ihrem Unternehmen hinzuwirken.

 

Wie wir Sie unterstützen

Als globaler Leader im Bereich Treasury Advisory Services unterstützen wir Sie gemeinsam mit den Experten von Tax bei der Identifizierung aller meldepflichtigen Sachverhalte sowie der Entwicklung passgenauer Meldestrukturen. Dabei profitieren Sie von einem multidisziplinären Ansatz, der die Erfüllung aller gesetzlichen Vorgaben mit technologiebasierten Lösungen verknüpft, um den zusätzlichen operativen Aufwand in Ihrem Unternehmen auf ein Minimum zu reduzieren.

 

Inhaltlicher Ansprechpartner

Bei inhaltlichen Fragen können Sie sich gerne an Christine Schult wenden.

Christine Schult
Senior Manager Global Treasury Advisory Services
cschult@deloitte.de
+49 (0)151 5807 0364