Deloitte Industrie 4.0 Studie: Bereit für den Wandel?

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Industrie 4.0 Studie: CXOs zwischen Unsicherheit und Optimismus

Wie gut sind deutsche Unternehmen aufgestellt?

In einer Studie hat Deloitte weltweit über 1600 Vorstände und Geschäftsführer zu den Chancen und Risiken von Industrie 4.0 für Unternehmen und die Gesellschaft befragt. Insgesamt ist ihr Blick in die Zukunft positiv – doch ihre Antworten zeigen auch Zweifel, ob sie die Entwicklung aktiv mitgestalten und das ganze Potenzial nutzen können. Spannend dabei auch der Blick auf Deutschland: Wie gut sehen sich die Unternehmen im internationalen Vergleich aufgestellt?

Industrie 4.0 ist viel mehr als die intelligente Vernetzung und Digitalisierung der Produktion durch den Einsatz innovativer Technologien wie Analytics, künstlicher Intelligenz oder das Internet der Dinge. Als Vierte Industrielle Revolution steht sie zugleich für einen umfassenden Transformationsprozess, der Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle und ihre Mitarbeiter ebenso erfasst und verändert wie die Gesellschaft insgesamt.

Entscheidend für die Zukunft ist deshalb nicht allein, wie Unternehmen ihre Strategien anpassen und den Einsatz von Technologien vorantreiben, sondern ob sie auch in der Lage sind, den gesellschaftlichen Wandel aktiv mitzugestalten und ihre Mitarbeiter für die Arbeitswelt der Zukunft weiterzuentwickeln.

Deloitte hat aus diesem Grund für die aktuelle Studie "The Fourth Industrial Revolution is Here – Are You Ready?" über 1600 C-Level-Führungskräfte aus 19 Ländern und 10 verschiedenen Branchen befragt, deren Unternehmen mehr als 1 Milliarde US-Dollar Jahresumsatz erwirtschaften – darunter auch 100 Führungskräfte deutscher Unternehmen. Im Mittelpunkt der Befragung standen vier Schwerpunkte, die zentrale Aspekte der Industrie-4.0-Ära abbilden: Soziales, Strategie, Mitarbeiter und Technologie. Wie gut sind demnach die Unternehmen für Industrie 4.0 aufgestellt und welche Besonderheiten gelten dabei für Deutschland?

Ergebnisse der Studie im Überblick

  • Gesellschaftliche Folgen: Mehr Gerechtigkeit und Stabilität
    Insgesamt geht die große Mehrheit der Führungskräfte (87 Prozent) davon aus, dass Industrie 4.0 einen positiven Einfluss auf die künftige Entwicklung der Gesellschaft hat und zu mehr Gerechtigkeit und Stabilität führen wird. Das sehen auch 83 Prozent der deutschen Studienteilnehmer so. Aus globaler Perspektive wird dabei öffentlichen und privaten Unternehmen der größte Einfluss zugeschrieben. Dem stimmen auch die deutschen CXOs zu, doch unter den weiteren Einflussfaktoren messen sie der Rolle von zwischenstaatlichen Kooperationen und Allianzen einen höheren Stellenwert bei.
    Die Befragung zeigt aber auch, dass weniger als ein Viertel der globalen Leader glaubt, dass ihr Unternehmen selbst gesellschaftliche Aspekte entscheidend beeinflussen kann, um eine faire und gerechte Zukunft aktiv mitzugestalten. Besonders geringe Chancen sehen sie dabei in den Bereichen Nachhaltigkeit (10 Prozent) und Bildung (12 Prozent). Auffällig ist: Sogar nur 6 Prozent der befragten Führungskräfte aus Deutschland trauen ihren Unternehmen Einfluss auf Aus- und Weiterbildung zu. In der Arbeitswelt von morgen werden die Erweiterung beruflicher Qualifikation und lebenslanges Lernen allerdings zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.
  • Strategie: Daten bilden eine wichtige Grundlage
    Nur ein Drittel der weltweit befragten CXOs ist fest davon überzeugt, ihr Unternehmen sicher durch die Disruption führen zu können, welche die Vierte Industrielle Revolution mit sich bringt. Sogar nur 14 Prozent sind sich sicher, dass ihre Organisation darauf vorbereit ist, das Potenzial von 4.0 in vollem Umfang nutzen zu können. Strategisch setzt die Mehrheit der Führungskräfte den Fokus auf die Entwicklung neuer Produkte und Services, die Steigerung der Produktivität und Wachstum. Damit folgen sie eher einer traditionellen Ausrichtung statt die Möglichkeiten zu nutzen, die durch Weiterentwicklung der Mitarbeiter oder Disruption im Wettbewerb entstehen können. International sehen 40 Prozent der CXOs die Entstehung neuer Geschäfts- und Vertriebsmodelle im Rahmen von Industrie 4.0 als große strategische Herausforderung, doch nur 26 Prozent der deutschen Befragten stimmen dem zu. Auch die Frage, wie wichtig es für Unternehmensführer ist, sich auf Innovation zu fokussieren, beantworten nur 29 Prozent der deutschen Führungskräfte positiv,  international sind es 40 Prozent. Mit Blick auf die Treiber der vierten industriellen Revolution erscheinen diese Einschätzungen der deutschen Studienteilnehmer als bedenklich. Positiv hingegen: Deutsche C-Level-Entscheider halten die Ausrichtung auf datengetriebene und transformative Strategien für wichtiger als die anderen Teilnehmer an der Studie. 
  • Mitarbeiter: Weiterbildung und Veränderung der Arbeitskultur nötig
    Lediglich ein Viertel der befragten C-Level-Führungskräfte ist überzeugt davon, dass ihr Unternehmen dafür bereits über die passenden Mitarbeiter – hinsichtlich der Qualifikation und Zusammensetzung der Teams – verfügt. Und 86 Prozent von ihnen geben in der Studie sowohl international als auch hierzulande an, dass sie sich mit vollem Engagement auf die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter für die neuen Anforderungen fokussieren. Die Resultate der Detailfragen zum Thema Mitarbeiter lassen aber Zweifel aufkommen, ob die CXOs tatsächlich schon bereit sind, konsequent eine neue Arbeitskultur in ihren Unternehmen zu etablieren, die Weiterbildung und die Gewinnung neuer Talente in den Mittelpunkt stellt. So stehen etwa HR-Themen auf der Agenda der CXOs weit hinten an und auch die im ersten Kapitel genannten Einschätzungen zur Weiterbildung können als Indiz hierfür gewertet werden. Ebenso wie die insgesamt uneinheitlichen Einschätzungen, wie sich die Anforderungen an die Fähigkeiten der Mitarbeiter und die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung ändern werden oder wie die Arbeitsverhältnisse und Arbeitsverträge der Zukunft gestaltet sein sollen. Ein ähnliches Bild zeichnen auch die Antworten der deutschen Studienteilnehmer.
  • Technologie: Neue Geschäftsmodelle und Mehrwert für die Kunden
    Die Umstellung auf Industrie 4.0 ermöglicht die Integration digitaler und physikalischer Technologien, um Prozesse zu verbessern, die Produktivität zu steigern und Innovationen voranzutreiben. Das ist den Führungskräften weltweit bewusst - und so konzentrieren aktuell fast drei Viertel der Befragten ihre Technologieinitiativen auf ihre Betriebsabläufe und Prozesse. Sie erkennen ebenfalls, dass sie in neue intelligente Technologien investieren müssen, die als Grundlage für neue Geschäftsmodelle dienen können. Doch geben viele der befragten CXOs zugleich an, dass die Einführung neuer Technologien sie vor zahlreiche Herausforderungen stellt. Die strategische Ausrichtung im Unternehmen (43 Prozent), mangelnde Zusammenarbeit mit externen Partnern (38 Prozent), der Fokus auf kurzfristige Effekte (37 Prozent) und das Fehlen geeigneter Technologien (36 Prozent) sind dabei die größten Hindernisse.
    Spannend hierbei: Im globalen Vergleich nennen deutsche Führungskräfte einige Punkte, bei denen ihre Unternehmen durch die Einführung neuer Technologien stärker profitieren können als die globale Konkurrenz. Laut eigener Einschätzung sind die Gründe dafür, dass ihre Technologieprodukte den Kunden einen erkennbar höheren Mehrwert bieten und dass deutsche Unternehmen besser verstehen, wie die neuen Technologien Lieferketten verändern und bestmöglich in die externe Infrastruktur integriert werden können.

Alle Informationen finden Sie direkt in der Studie "The Fourth Industrial Revolution is Here – Are You Ready?". Die detaillierten Ergebnisse für den Standort Deutschland zeigt die deutsche Version der Studie

The Fourth Industrial Revolution is Here – Are You Ready?