Deloitte Industrie 4.0 Studie: Welche CXOs meistern den Wandel am besten?

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Industrie 4.0 Studie 2019: Wie meistern CXOs den Wandel?

Deloitte identifiziert vier Rollenmodelle für erfolgreiche Führungskräfte

In einer Studie hat Deloitte weltweit über 2000 C-Level-Führungskräfte zu den Chancen und Herausforderungen von Industrie 4.0 befragt. Die Analyse zeigt, dass jene CXOs, die in ihrer Führungsrolle bestimmte Eigenschaften vereinen und Schwerpunkte setzen, die Transformation effektiver bewältigen als andere Entscheider. Erfahren Sie hier, welche Leadership-Merkmale in der Ära von Industrie 4.0 den Unterschied ausmachen.

Industrie 4.0 ist viel mehr als die intelligente Vernetzung und Digitalisierung der Produktion durch Technologien wie Analytics, KI oder das IoT. Als Vierte Industrielle Revolution steht sie zugleich für einen Transformationsprozess, der Unternehmen, die Arbeitswelt und die Gesellschaft verändert.

Doch wie bewerten Führungskräfte die Herausforderungen von Industrie 4.0 und wie reagieren sie auf diese? Deloitte hat dazu für die aktuelle Studie "Success personified in the Fourth Industrial Revolution" weltweit über 2000 C-Level-Führungskräfte aus 19 Ländern befragt, deren Unternehmen jeweils mehr als 1 Milliarde US-Dollar Jahresumsatz erwirtschaften – darunter auch 130 Führungskräfte deutscher Unternehmen. Im Mittelpunkt der Befragung standen vier Schwerpunkte, die zentrale Aspekte der Industrie-4.0-Ära abbilden: Soziales, Strategie, Mitarbeiter und Technologie.

I4.0 aus der C-Level-Perspektive
Im Vergleich zur 2018 veröffentlichten Studie haben die CXOs ein tiefergehendes Verständnis der Herausforderungen von Industrie 4.0 gewonnen und sehen sich besser in der Lage, diese gezielt anzugehen. Wir haben die Daten der Befragung analysiert, um zu verstehen, welche Führungskräfte auf dem Weg hin zu Industrie 4.0 die größten Fortschritte gemacht haben und wodurch sie sich von anderen unterscheiden.

Prozentual gesehen, investieren sie stärker in disruptive Technologien, setzen öfter auf datenbasierte Entscheidungen, bilden ihre Mitarbeiter häufiger für die Arbeitswelt von morgen aus und legen mehr Wert auf ethische Aspekte beim Einsatz von I4.0-Technologien. Für die vier oben genannten Themenfelder identifiziert die Deloitte Studie daher jeweils Personas, die C-Level-Führungskräften als Rollenmodelle dienen können: Social Supers, Data-driven Decisives, Disruption Drivers und Talent Champions.  

Ergebnisse der Industrie 4.0 Studie im Überblick

Gesellschaftliche Auswirkungen: Verantwortliches Handeln zahlt sich aus

Das Richtige tun und davon auch geschäftlich profitieren: Auf die Frage nach den wichtigsten Faktoren zur Bewertung der jährlichen Performance ihrer Unternehmen nannten 34 Prozent der befragten Führungskräfte an erster Stelle "gesellschaftliche Auswirkungen" – jeweils nur 17 Prozent klassische Faktoren wie "finanzielle Performance" oder "Mitarbeiterzufriedenheit". Und 73 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr Produkte oder Services mit dem Ziel eines positiven Effekts für die Gesellschaft oder Umwelt entwickelt zu haben. Rund die Hälfte konnte damit neue Umsatzquellen erschließen – ein Beleg, dass es sich lohnen kann, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Als Social Supers beschreibt die Studie jene Führungskräfte, die soziale Verantwortung als grundlegend für ihre Geschäftsmodelle im Zeitalter von Industrie 4.0 ansehen.

Strategie: Daten bilden eine wichtige Grundlage

Um das Potenzial von Industrie 4.0 zu nutzen, müssen Führungskräfte bereit und in der Lage sein, Innovationen zu entwickeln und neue Business Opportunities zu erschließen. Die Mehrheit der befragten CXOs (69 Prozent) ist überzeugt, dass ihnen dabei auch zugestanden wird, aus Fehlern und gescheiterten Projekten zu lernen. Auf die Frage nach den größten strategischen Herausforderungen von Industrie 4.0 nannten sie zu gleichen Teilen:

• Fehlende strategische Vision
• Sich angesichts einer ständig wachsenden Anzahl neuer Technologien für eine davon zu entscheiden
• Organisatorische Hindernisse

Viele CXOs gaben an, dass Silo-Strukturen in ihren Organisationen die Fähigkeit zur Innovation einschränken und dass ihre Unternehmen keinen klar definierten, datenbasierten Entscheidungsprozessen folgen. Als Data-driven Decisives beschreibt die Studie Führungskräfte, die effektive I4.0-Strategien entwickeln, Entscheidungen auf Grund datengestützter Erkenntnisse treffen und organisatorische Silos abbauen. Wie erfolgreich dieser Ansatz sein kann, zeigen die Zahlen: 46 Prozent der von Data-driven Decisives geführten Unternehmen erzielten im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von 5 Prozent oder mehr – das schaffte nur ein Viertel der anderen Unternehmen.

Mitarbeiter: Neue Skills und Talente für Industrie 4.0

Obwohl 55 Prozent der für die Studie befragten CXOs als größte Herausforderung im Talentbereich das Missverhältnis zwischen den derzeitigen und den künftig benötigten Fähigkeiten sehen, bevorzugen immer noch 25 Prozent die Einstellung neuer Mitarbeiter gegenüber der Umschulung ihrer derzeitigen Belegschaft. Nur 43 Prozent setzen darauf, vorhandene Arbeitskräfte gezielt weiterzubilden. Und das, obwohl mittlerweile 57 Prozent der Befragten glauben, dass das Bildungssystem die künftigen Talente nur unzureichend für Industrie 4.0 vorbereitet. Als Talent Champions beschreibt die Studie Führungskräfte, die bei der Vorbereitung ihrer Belegschaft auf Industrie 4.0 weiter sind als ihre CXO-Kollegen. Sie wissen besser, welche Fähigkeiten ihre Unternehmen künftig benötigen, und geben prozentual häufiger an, bereits über die richtige Zusammensetzung der Workforce zu verfügen.

Technologie: Disruptive Potenziale erschließen oder Status quo bewahren?

Die Umstellung auf Industrie 4.0 ermöglicht den Einsatz neuer Technologien, um Prozesse zu verbessern, die Produktivität zu steigern und Innovationen voranzutreiben. Doch viele Unternehmen begreifen Technologie noch immer nicht als Werkzeug des Fortschritts, sondern lediglich als Mittel, um ihr bestehendes Geschäft abzusichern. In der Studie sagten doppelt so viele Führungskräfte, dass sie eher deshalb in Industrie 4.0 Technologien investieren, um sich vor Disruption zu schützen, als mit dem Ziel, in ihren Märkten selbst zu Disruptoren zu werden (67 gegenüber 33 Prozent). Als größte Herausforderungen für Technologieinvestitionen nannten die CXOs vorrangig:

• Unzureichendes Verständnis in Bezug auf Industrie 4.0-Technologien
• Fehlen eines Business Case
• Mangel an Führungsvisionen

Als Disruption Drivers beschreibt die Studie Führungskräfte, die sich auf Technologie-Investitionen für Industrie 4.0 fokussieren, um ihr Wettbewerbsumfeld zu dominieren, und dabei ihre beabsichtigten Geschäftsergebnisse erreichen oder übertreffen.


Bei der letztjährigen Befragung wussten viele noch nicht, was auf sie zukommen würde, zeigten sich aber grundsätzlich optimistisch. Heute ist die Unsicherheit vielfach der Gewissheit gewichen, dass der aktuelle Vorbereitungsgrad bei Weitem nicht ausreichen wird. Bemerkenswert ist, dass sozialen Fragen ein solches Gewicht beigemessen wird – in Deutschland noch mehr als anderswo.

Thomas Döbler, German Energy, Resources & Industrials Leader
 

Alle Informationen finden Sie direkt in der Studie "Success personified in the Fourth Industrial Revolution" zum Download. Die detaillierten Ergebnisse für den Standort Deutschland zeigt der Auszug der Studie, der die Antworten der CXOs deutscher Unternehmen abbildet.

Industrie 4.0 Studie 2018: CXOs zwischen Unsicherheit und Optimismus

Deloitte hat für die Studie weltweit über 1600 Vorstände und Geschäftsführer zu den Chancen und Risiken von Industrie 4.0 für Unternehmen und die Gesellschaft befragt. Insgesamt ist ihr Blick in die Zukunft positiv – doch ihre Antworten zeigen auch Zweifel, ob sie die Entwicklung aktiv mitgestalten und das ganze Potenzial nutzen können. Spannend dabei auch der Blick auf Deutschland: Wie gut sehen sich die Unternehmen im internationalen Vergleich aufgestellt?