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Pillar 2: Umsetzung der neuen globalen Mindestbesteuerung für Unternehmen

Wie mit Säule 2 die Global Anti-Base Erosion Rules (GloBE) der OECD umgesetzt werden und welche Folgen dies für deutsche Firmen hat

Das geltende internationale Steuerrecht entstand in einer analogen Welt mit physischen Anknüpfungspunkten und passt nicht mehr für die digitale Wirtschaft. Zur Reform hat die OECD ein Zwei-Säulen-Modell erarbeitet: Säule Eins (Pillar 1) plant eine Ausweitung und Neuverteilung von Besteuerungsrechten zwischen Ansässigkeits- und Marktstaaten für alle Größtunternehmen und Säule Zwei (Pillar 2) eine Mindestbesteuerung aller Großunternehmen. Die gesetzliche Umsetzung von Pillar 2 betrifft in Deutschland etwa 800 Konzerne und soll noch im Jahr 2022 erfolgen. Säule Zwei bzw. die EU-Richtlinie zur Implementierung ist voraussichtlich erstmals ab dem 01.01.2024 bzw. dem Wirtschaftsjahr 2024/2005 anzuwenden. Wir zeigen, welche Unternehmen betroffen sind und welche Maßnahmen aus Technologie- und Governance-Sicht erforderlich sind.

So unterstützen wir Ihr Unternehmen bei der Umsetzung von GloBE bzw. OECD Pillar 2

Die Umsetzung der GloBE in jedem Konzern hängt von den individuellen Unternehmensstrukturen, der IT-Landschaft oder aber auch der Branche, in dem das Unternehmen tätig ist, ab. 

Unser Beratungsansatz für global tätige deutsche Unternehmensgruppen zu GloBE umfasst drei Komponenten mit den folgenden Leistungskomponenten und kritischen Meilensteinen. Diese lassen sich individuell ergänzen oder an die jeweiligen Unternehmensanforderungen anpassen.
 

1. Pillar-2-Betroffenheitsanalyse und -Modellierung

a) GloBE-Betroffenheitsanalyse

Im Rahmen eines Online-Workshops (3 Stunden) evaluieren wir mit Ihnen die GloBE-Auswirkungen für Ihr Unternehmen. Ausgangspunkt ist eine Übersicht über die Pillar-2-Regelungen, verbunden mit einer Diskussion über die Folgen für Ihr Unternehmen. Aufbauend hierauf identifizieren wir gemeinsam mit Ihnen die für Ihr Unternehmen kritischen GloBE-Themen und entwickeln mit Ihnen konkrete Ansätze, Optionen und Schritte zur Umsetzung mit einem ersten Umsetzungs(zeit-)plan.

b) Pillar-2-Daten und -Modellierung

Die Ermittlung der neuen GloBE-Bemessungsgrundlagen, der Covered Taxes, die Abbildung von GloBE-Sonder- und -Spezialregeln sowie die Berechnung der Top-Up Taxes erfordert umfangreiche Pillar-2-Informationen und -Datenpunkte, die im Konsolidierungssystem, im Tax Reporting oder im Country-by-Country Reporting bisher nicht vollständig vorhanden sind. Deloitte entwickelt und pflegt hierzu ein GloBE Data Dictionary, mit dem alle in Ihrem Unternehmen vorhandenen und noch fehlenden Datenpunkte sowie deren typische Datenquellen strukturiert ermittelt werden können. Das GloBE Data Dictionary kann isoliert oder auch im Rahmen einer Pillar-2-Modellierung genutzt werden. Sprechen Sie uns bei Interesse gerne an. Wenn Sie bereits selbst eine eigene GloBE-Datenliste erarbeiten, können wir diese auch gerne prüfen. Das GloBE Data Dictionary ist ideal für alle Unternehmen, die selbst eine GloBE-IT-Lösung entwickeln wollen oder müssen (z.B. SAP Performance and Profitability Management (PaPM), SAP Analytics Cloud (SAC), Hyperion Financial Management (HFM)).

GloBE erfordert zur Einschätzung der individuellen Betroffenheit (Impact Analysis) eine detaillierte Modellierung. Alle börsennotierten Unternehmen benötigen spätestens beim Vorliegen der finalen EU-Richtline eine Quantifikation der Auswirkungen von GloBE auf ihre Konzernsteuerquote (Effective Tax Rate) und ihre Forecasts für ihre externe Berichterstattung. Best-Practice ist hier eine detaillierte GloBE-Modellierung (inkl. Top-Up Tax) auf Legal Entity Basis aus dem letzten IFRS-/HGB-Konzernabschluss (z.B. 31.12.2021) mit den für GloBE angepassten Tax Reporting-Daten und -Informationen (z.B. DTA, DTL, Verlustvorträge, OCI) sowie ggf. ergänzt um GloBE-Sonder- und -Spezialregeln (z.B. hybride Gesellschaften) und -Wahlrechte.

Deloitte nutzt und pflegt für die Ermittlung der individuellen Betroffenheit (Impact Analysis) ein selbstentwickeltes GloBE-Modell, mit dem wir für Sie als Dienstleister eine detaillierte GloBE-Modellierung und -Berechnung (inkl. Top-Up Tax-Ermittlung) mit einem Erstellungsbericht vorbereiten können (d.h. IFRS-/HGB-Konzernabschluss, GloBE-Tax Reporting, GloBE-Sonder- und Spezialregeln, GloBE-Modellierungsannahmen und -Wahlrechte). Sprechen Sie uns gerne für ein individuelles Angebot an. Wenn Sie selbst Ihre eigene GloBE-Modellierung erstellen, können wir diese auch gerne prüfen.

2. Pillar-2-Governance

OECD Pillar 2 erfordert in den Jahren 2022 und 2023 den Aufbau eines neuen GloBE-Tax Accountings im Konzern ab dem 01.01.2024. Dies ist erforderlich, damit - erstmals zum 31.12.2024 bzw. für das Wirtschaftsjahr 2024/2025 - die Deklarationspflichten aus der Top-Up Tax durch die Konzernmutter in Deutschland und/oder die Constituent Entities im Ausland erfüllt werden können.

Außerdem müssen für Pillar 2 im Konzern in den Jahren 2022 und 2023 noch die bereits bestehenden Tax Reporting-Prozesse angepasst und ergänzt, Arbeitsanweisungen und (Tax) Accounting Guidelines überarbeitet und GloBE-Zuständigkeiten geregelt werden. Weiterhin ist GloBE in der Bestandsdokumentation des Kontrollumfelds für Steuern zu ergänzen (z.B. Konzernsteuerrichtlinie, IT-Dokumentation, Tax CMS, GoBD-Dokumentation).

Wir unterstützen Sie gerne in Workshops, mit Best-Practice Vorlagen oder bei der Erstellung von noch fehlenden Dokumenten zu GloBE..

 

3. Pillar 2 IT-Lösungen

a) Pillar 2 IT-Einführungsprojekt

Im Rahmen des IT-Einführungsprojekts wird festgelegt, ob der Konzern
- eine Plattform für GloBE selbst entwickeln,
- eine Drittanbieterlösung implementieren oder
- das E-Filing Angebot eines Dienstleisters nutzen möchte.

Wichtig: Im Fall einer Eigenentwicklung oder Lizensierung einer Drittanbieterplattform sollten aus der GloBE-Modellierung Testdaten erstellt werden. Alle börsennotierten EU-Konzerne sollten idealerweise im Q2 2023, spätestens aber im Q3 2023, intern eine vollständige GloBE-Simulation mit Live Daten haben, um dann im Q4 2023 ggf. noch Anpassungen im Tax Reporting vorzunehmen.

b) Pillar 2 Berechnungs- und -Meldeprozess

Alle börsennotierten EU-Konzerne benötigen ab dem 01.01.2024 bzw. ab dem Wirtschaftsjahr 2024/2025 einen getesteten und qualitätsgesicherten Pillar 2-Berechnungs- und -Meldeprozess. Mit diesem können sie erstmals für das Jahr 2024 eine GloBE-Datenübermittlung an die deutsche Finanzverwaltung (Konzernmutter) bzw. ausländische Finanzämter (Constituent Entities) vornehmen. Dieser Teilschritt ist erst dann umgesetzt, wenn eine IT-Plattform eingeführt, konfiguriert und getestet ist. Für die internen Nutzer sind User Trainings erforderlich, da der GloBE-Prozess eng mit dem Tax Reporting für den Jahresabschluss bzw. Quartalsabschluss verzahnt sein wird. In den Jahren 2024 und 2025 sind noch GloBE-Korrekturen zu erwarten, so dass der Prozess und die IT-Plattform einmal pro Quartal analysiert sowie ggf. angepasst werden müssen.

Unser Beratungsansatz zu Pillar 2 ist flexibel und richtet sich nach Ihren Anforderungen sowie Ihren verfügbaren Ressourcen. Wir können Sie hier etwa mit Best-Practice-Lösungen begleiten (Coaching-Ansatz), von Ihnen bereits erstellte Unterlagen, Konzepte, Datenmodelle oder Berechnungen evaluieren und kommentieren (Guidance-Ansatz) oder Sie vollumfassend als externer Dienstleister zu GloBE unterstützen (Full-Scope-Ansatz). Unser Beratungsansatz kann pro (Teil-)Komponente flexibel und individuell mit Ihnen definiert und festgelegt werden.

Software-Lösungen von Deloitte zur Implementierung der Pillar-2-Vorschriften im Unternehmen

Auch zu GloBE verfolgt Deloitte bei IT-Lösungen einen anbieter- und lösungsagnostischen Ansatz und unterstützt Sie gerne bei der Suche nach der für Ihre Gruppe besten IT-Lösung. Wir können Ihnen zu Pillar 2 die geplanten IT-Lösungen unserer deutschen Kooperationspartner (Amana Consulting GmbH, fwsb GmbH) und die geplanten IT-Lösungen unserer globalen Allianzpartner (SAP, Oracle) in einem GloBE-IT-Workshop vorstellen und Ihnen bald auch Online Live Demos zeigen. Die IT-Umsetzung von GloBE in DefTax durch fwsb GmbH zeigt Tax Technology Insights #21. Wenn Sie eine eigene GloBE-IT-Lösung planen (z.B. PaPM, SAC, HFM, Konsolidierungssystem, Tabellenkalkulationslösung), sprechen Sie uns auch hierzu gerne für einen Austausch oder externe Unterstützung an.

Auch für deutsche Unternehmen, die von OECD Säule 2 betroffen sind, aber keine der oben genannten Handlungsoptionen realisieren wollen oder können, planen wir bereits ein neues Angebot: Wir werden unsere schon bestehenden E-Filing Angebote zum Country-by-Country Reporting und zur Anzeigepflicht für Steuergestaltungen (DAC 6) ab dem Jahr 2025 um ein neues E-Filing Angebot zu GloBE zu erweitern, mit dem wir Sie als Dienstleister unterstützen. Nehmen Sie bei Interesse hierzu ebenfalls gerne Kontakt zu uns auf.

GloBE und Pillar 2: Was ist bisher passiert und was kommt auf Unternehmen zu?

Das ist seit Dezember 2021 passiert:

  • 20.12.2021: Die OECD veröffentlicht ihre Mustervorschriften zur globalen Mindeststeuer (Global Anti-Base Erosion Rules; GloBE) von 15 Prozent (Deloitte Tax-News). GloBE betrifft alle Unternehmen mit einem Konzernumsatz über 750 Mio. €, die schon einen länderbezogenen Bericht multinationaler Unternehmensgruppen (Country-by-Country Reporting) erstellen.
  • 22.12.2021: Die EU-Kommission veröffentlicht zu OECD Pillar 2 ihren Entwurf einer EU-Richtlinie zur Umsetzung der GloBE-Mustervorschriften ins nationale Recht aller EU-Mitgliedstaaten (Deloitte Tax-News). Dieser folgt den OECD-Mustervorschriften, soll aber – nach einer fünfjährigen Übergangsfrist – auch rein nationale EU-Konzerne umfassen.
  • 14.03.2022: Veröffentlichung des OECD-Kommentars zu GloBE mit Beispielen.
  • 15.03.2022: Im ECOFIN-Meeting zeichnet sich in der EU (für alle größeren EU-Mitgliedsstaaten) - und auch auf Ebene der OECD - eine Verschiebung des GloBE-Erstanwendungszeitpunkts vom 01.01.2023 auf alle Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2023 beginnen, ab (d.h. ab 01.01.2024 bzw. ab Wirtschaftsjahr 2024/2025).
  • 16.03.2022: Ende der Konsultationsfrist zur EU-Richtlinie zu GloBE. 
  • 05.04.2022: Im ECOFIN-Meeting konnte in der EU keine Einigung zum Entwurf der EU-Richtlinie zu GloBE und zur Verknüpfung von Pillar 1 und Pillar 2 erzielt werden

Das kommt auf Unternehmen im Jahr 2022 und 2023 zu:

  • 30.06.2022: Ende der EU-Ratspräsidentschaft von Frankreich (1. Halbjahr 2022)
  • 01.07.2022: Beginn der EU-Ratspräsidentschaft der Tschechischen Republik (2. Halbjahr 2022)
  • Q4 2022: Veröffentlichung des OECD-GloBE-Verwaltungsleitfadens
  • 31.12.2022: Deadline zur Umsetzung von GloBE in nationales Recht (unverändert)
  • Jahr 2023: Implementierung der GloBE-Governance und einer GloBE-IT-Lösung sowie Berichterstattung, insb. bei Börsennotierung
  • 01.01.2024: Geplante Erstanwendung in der EU (und in Deutschland) für alle nach dem 31.12.2023 beginnenden Wirtschaftsjahre (d.h. ab 01.01.2024 bzw. ab Wirtschaftsjahr 2024/2025).

Handlungsbedarf im Jahr 2022 und 2023: Die Einführung der Governance-Richtlinien sowie deren prozessuale und technologische Implementierung für GloBE kann mehrere Quartale dauern. Da die GloBE-Regelungen voraussichtlich für alle Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2023 beginnen, angewendet werden müssen, sollten betroffene Unternehmen zeitnah aktiv werden.

Welche Ziele verfolgen die Global Anti-Base Erosion Rules („GloBE“)?

GloBE führt eine globale Mindeststeuer von 15 Prozent auf eine eigene Bemessungsgrundlage ein. Das Ziel: In jeder Jurisdiktion, in der ein oder mehrere Konzerngesellschaften oder Betriebsstätten (in GloBE als „Constituent Entities“ bezeichnet) ansässig bzw. belegen sind, eine effektive lokale Besteuerung von 15 Prozent über

  • die Income Inclusion Rule (Nachbesteuerung der Konzernmutter) oder
  • die Undertaxed Payment Rule bzw. Undertaxed Profits Rule (Versagung des lokalen Betriebsausgabenabzugs oder vergleichbare Maßnahmen)

zu erreichen. Die effektive lokale Steuerbelastung (Effective Tax Rate) wird geprüft, indem die Covered Taxes durch die GloBE-Bemessungsgrundlage geteilt werden. Die Covered Taxes umfassen nicht nur die lokalen Steuern von Einkommen und Ertrag, sondern auch komplexe Korrekturen, insb. für latente Steuern (vgl. Art. 19-21 EU-Richtlinie-E). Die zu zahlende neue GloBE-Ergänzungssteuer („Top-Up Tax“) ist dann - in jeder Steuerjurisdiktion - der Deltabetrag zwischen der (niedrigeren) lokalen effektiven Steuerbelastung und der GloBE-Mindesteuer von 15 Prozent.

Ab wann müssen deutsche Unternehmen die Vorgaben aus OECD Pillar 2 umsetzen?

GloBE erfordert voraussichtlich für alle Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2023 beginnen, nicht nur eine jährliche – bzw. bei börsennotierten Konzernen quartalsweise oder ggf. sogar monatliche – Berechnung der GloBE-Bemessungsgrundlagen, der Covered Taxes und der Top-Up Tax für jede Constituent Entity, sondern auch noch deren länderbezogene Zusammenfassung.

Pillar 2 setzt daher nicht nur den Aufbau eines neuen GloBE-Tax Accountings voraus, sondern – je nach IT-Landschaft – ggf. auch neue „GloBE-Buchungskreise“. Der Grund: GloBE umfasst hochkomplexe Sonder- und Spezialregeln für

  • transparente oder hybride Gesellschaften,
  • Betriebsstätten,
  • Joint Ventures,
  • M&A-Transaktionen,
  • Umstrukturierungen und
  • spezielle Konzernsteuer-Regime,

die in der IT-Landschaft des Unternehmens für GloBE implementiert werden müssen.

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