4-1-audit-blockchain-abschlusspruefung

Article

Blockchain – was heißt das für die Abschlussprüfung?

Die Technologie hinter den Kryptowährungen kann eine Zeitenwende in der Branche einleiten

Die Kurskapriolen des Bitcoin und anderer Kryptowährungen haben die Schlagzeilen der vergangenen Monate geprägt. Dabei taucht in der Berichterstattung immer wieder das Schlagwort „Blockchain“ auf, das für die Technologie steht, auf der Kryptowährungen basieren. Niemand wird derzeit die wirtschaftliche Zukunft des Bitcoin vorhersagen können. Die Technologie der Blockchain wird aber nicht so schnell wieder in Vergessenheit geraten.

 

Viele Experten sehen in der Blockchain einen weitreichenden Paradigmenwandel mit disruptivem Potenzial für die Art und Weise, wie wir zukünftig den Transfer von Werten und Rechten organisieren.

Andreas Wermelt, Partner und Leiter Internal Controls Assurance

Viele Branchen werden betroffen sein und es stellt sich die Frage, welches Potenzial die Blockchain-Technologie für die Abschlussprüfung entfalten wird.

Abschlussprüfung auch im Rechnungswesen der Zukunft erforderlich

Kapitalmärkte funktionieren nur, wenn Kapitalgeber anhand zuverlässiger Informationen Investitionsentscheidungen treffen können. Darum müssen insbesondere die Jahresabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen frei von materiellen Fehlern in der Rechnungslegung sein. Die von Wirtschaftsprüfern durchgeführten Jahresabschlussprüfungen in den Unternehmen leisten dabei einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung gesetzeskonformer Jahresabschlüsse, die die Informationsbasis für entsprechende Investitionsentscheidungen bilden.
Wenngleich die umfassende und innovative Nutzung von Informationstechnologie jetzt und in Zukunft das moderne Rechnungswesen prägen, bilden die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und Erstellung von gesetzeskonformen Jahresabschlüssen weiterhin den maßgeblichen und technologieunabhängigen Beurteilungsrahmen für die Jahresabschlussprüfung durch den Wirtschaftsprüfer.
 

Die Blockchain hat Innovationspotential für das Rechnungswesen

Das gilt auch für die Blockchain, die vereinfacht ausgedrückt eine Datenbank aller aktuellen Besitzverhältnisse an einer genau bezeichneten Sache im weitesten Sinne sowie aller historischen Besitzwechsel an dieser Sache ist. Mit sogenannten „smart contracts“ in der Blockchain können darüber hinaus bei Vorliegen vereinbarter Bedingungen solche Besitzwechsel automatisiert vollzogen werden.

So ist es zum Beispiel denkbar, dass eine Blockchain künftig die bei den Amtsgerichten geführten Grundbücher als transparentes Register von Eigentumsverhältnissen an Grundstücken ersetzt. Die Ziele dieses historischen Beispiels eines dem Blockchain-Prinzips entsprechenden „shared ledger“ bleiben aber von der technologischen Fortentwicklung unberührt.

Auch im Rechnungswesen wird die Blockchain zwar einen wesentlichen Einfluss auf die Abbildung rechnungslegungsrelevanter Transaktionen innerhalb und zwischen Unternehmen haben, sie wird aber nicht die Notwendigkeit einer Rechnungslegung ersetzen, die frei von materiellen Fehlern die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens darstellt.
Andreas Wermelt, Partner und Leiter Internal Controls Assurance

Veränderung der Abschlussprüfung durch Blockchain-Technologie

Entsprechend werden sich zwar die Vorgehensweisen in der Jahresabschlussprüfung von Unternehmen ändern, die prüferischen Fragestellungen werden aber weiterhin Gültigkeit behalten. Wenn zum Beispiel die Eigentumsrechte an digitalisierten Musiktiteln in einer Blockchain verwaltet werden, wird es im Zuge der Abschlussprüfung unmittelbar möglich sein, sämtliche in der Blockchain abgebildeten Besitzverhältnisse und -wechsel des betrachteten Prüfungszeitraums nachzuvollziehen. Durch die Blockchain-Technologie werden ein Großteil der typischerweise zeitaufwendigen Datenextraktions- und Vorbereitungsschritte in der Abschlussprüfung minimiert beziehungsweise abgelöst werden. Im Hinblick auf die prüferische Beurteilung der Bilanzierung der Musikrechte zu einem Stichtag ergeben sich weiterhin zum Beispiel folgende illustrative Fragestellungen:

  • Entspricht der Zeitpunkt des in der Blockchain vollzogenen „dinglichen“ Eigentumswechsels an dem Musikstück dem von den Vertragsparteien intendierten Zeitpunkt der Übertragung des Eigentums
  • Abhängig von der Tatsache, ob der jeweilige Geschäftspartner bekannt oder anonym ist, stellt sich darüber hinaus die Frage, inwieweit der abgebildete Eigentumswechsel auch vertragsrechtlich wirksam vollzogen wurde.
  • Welcher Wert ist dem Musikstück zum Bilanzstichtag beizumessen? Gegebenenfalls sind entsprechende bewertungsrelevante Informationen nicht in der Blockchain abbildbar.
  • Mit welcher Intention wurde seitens des Bilanzierenden der Eigentumswechsel vollzogen, damit der entsprechende Ausweis des Eigentumsrechts prüferisch beurteilt werden kann?

Neben diesen sich unmittelbar aus den Aussagen in der Rechnungslegung ergebenden Fragestellungen, ergeben sich zusätzliche Fragestellungen zur Funktionsweise und Zuverlässigkeit der eingesetzten Blockchain. Diese Fragestellungen hängen insbesondere davon ab, ob es sich bei der Blockchain um eine zugangsfreie oder um eine zugangsbeschränkte Blockchain („Konsortium-Blockchain“) handelt, die zum Beispiel ausschließlich die am Handel mit Eigentumsrechten an Musiktiteln beteiligten Geschäftspartner erfasst. In diesem Fall werden die teilnehmenden Geschäftspartner sich auf eine Reihe von technischen Protokollen und Standards für diese Konsortium-Blockchain geeignet haben, die maßgeblich für die digitale Transaktionsverarbeitung in der Konsortium-Blockchain sind. Hierzu sind entsprechende interne Kontrollen einzurichten und zu überwachen, die dafür sorgen, dass die digitale Transaktionsverarbeitung im Sinne dieser Protokolle und Standards erfolgt. Die Protokolle und Standards sowie deren Überwachung sind durch den Wirtschaftsprüfer in seine Prüfung einzubeziehen. 
 

Vertrauen ist die Basis für die Verbreitung der Blockchain-Technologie

Insbesondere für die Konsortium-Blockchains existieren bereits diverse Anwendungsfälle zum Beispiel in der Finanzindustrie und der Logistik. Die von den Mitgliedern des Konsortiums vereinbarten oder von einem Blockchain-Dienstleister vorgegebenen Protokolle und Standards erfassen dabei besonders Themen zur technischen Administration, Zugriffsrechteverwaltung und Schiedsverfahren. Aufgrund der Relevanz der im Konsortium geltenden Protokolle und Standards für die Jahresabschlussprüfungen der einzelnen Teilnehmer des Konsortiums werden zukünftig Wirtschaftsprüfer durch das Konsortium beauftragt, an zentraler Stelle Prüfungshandlungen durchzuführen. „Dies unterstützt die Teilnehmer in der Überwachung der Blockchain und schafft das erforderliche Vertrauen als wichtigste Voraussetzung für die Verbreitung der Blockchain-Technologie“, so Andreas Wermelt.

 

Sie interessieren sich für die Blockchain?

Weitere Informationen zum Thema Blockchain erhalten Sie in Ausgabe 5 | Blockchain unseres Magazins Corporate Governance Forum, welches Ihnen nebenstehend zum Download zur Verfügung steht. Weitere aktuelle Publikationen und alle Informationen zum Thema finden Sie auf der Seite des Deloitte Blockchain Institutes.

Download Corporate Governance Forum