Intrapreneurship

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Tüfteln für die digitale Zukunft 

Intrapreneurship@Deloitte 

Sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen, um eine Idee zu verwirklichen, ist für viele schwer vorstellbar. Noch seltener kommt es vor, das Thema der eigenen Doktorarbeit in ein marktfähiges Produkt zu verwandeln – doch genau das ist Dr. Daniel Coloma Andrews gelungen. Der Intrapreneur hat in der Deloitte Garage seine Idee in die Tat umgesetzt.

Ein Beitrag aus dem Deloitte-Jahresbericht 2016/2017

Daniel, mit „getaligned“ hast du eine neue Software entwickelt. Worum geht es dabei?
Wir kennen es alle aus dem Berufsalltag – egal ob Workshop, Chat oder Telefon­konferenz, oft führen Diskussionen zu keinem überzeugenden Ergebnis. Ich wollte ein Tool entwickeln, das im Vergleich zu gängigen digitalen Kom­mu­ni­ka­tions­mitteln strukturierte Arbeit und Entscheidungsfindung im Team ermöglicht. Im Kern handelt es sich um eine Software, die Schwarmintelligenz fördert.

Wie sieht das in der Praxis aus?
In der Software können zu bestimmten Fragestellungen Diskussionen angelegt werden. Beiträge werden automatisch in die Diskussionsstruktur integriert und zum Beispiel nach Stichworten und Standpunkt geordnet. Die Gesprächs­teilnehmer haben die Chance, die einzelnen Beiträge zu kommentieren oder zu bewerten. Jede Diskussion ist darauf fokussiert, ein spezifisches Problem zu lösen. Das Tool erlaubt nicht, dass man aus dem Thema ausbricht. So entsteht ein Pool an konkreten Lösungsansätzen als Grundlage für Entscheidungen.

Die Software hilft also, Diskussionen produktiver und effizienter zu machen.
Das stimmt. Wir wollen keine Chats oder Meetings abschaffen, sondern ein ergänzendes Tool anbieten. Damit lassen sich qualitativ bessere Ergebnisse erzielen, weil Diskussionen zielgerichtet moderiert werden. Anders als im normalen Gesprächsverlauf können alle Teilnehmer jederzeit Input einbringen, der in Echtzeit dokumentiert und ausgewertet wird: Welches Thema wird gerade am meisten diskutiert und aus welchen Gründen? Was sind die Argumente der verschiedenen Gesprächspartner? Damit lässt das System eine komplett andere Diskussionsdynamik zu und erlaubt es, strukturierter zu arbeiten.
 

Daniel Coloma Andrews über Gründen, Freiräume und den Wert der Teamarbeit

Wie bist du auf diese Geschäftsidee gekommen?
Während meines Studiums in Psychologie und Philosophie habe ich festgestellt, dass es kaum anwendungsorientierte Literatur gab, wenn es um die Analyse von Argumentationen ging. Diese Forschungslücke wollte ich schließen, und mit meiner berufsbegleitenden Dissertation über Diskussionsanalysen habe ich einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht. Der Ansatz hat mich auch nach dem Einstieg bei Deloitte im Bereich Human Capital Advisory Services weiter beschäftigt. Gerade in meinen Fachgebieten Organisations- & Leadership-Alignment und Workshop-Moderation habe ich festgestellt, dass ein Dis­kus­sions-Tool hilfreich wäre. Ich habe schließlich den Entschluss gefasst, die Idee in die Tat umzusetzen.

Wie ging es weiter?
Dank des Engagements meiner Kollegen habe ich von der Deloitte Garage erfahren, die damals noch in den Startlöchern stand. Dort werden aus vielversprechenden Ideen tragfähige Geschäftsmodelle entwickelt und bis zur Marktreife inkubiert. Als sich für mich diese Chance aufgetan hat, habe ich sie gleich ergriffen. In der Garage bekam ich Mentoring und Finanzierung für den Business Case, die Produktentwicklung und die Pilotierung. Außerdem wurde ich für 18 Monate freigestellt. So hatte ich den Freiraum, an der Idee zu feilen und das Projekt eigenverantwortlich voranzubringen. Ein echter Vorteil, da ich nicht komplett aussteigen musste. Das gibt einem Stabilität und Sicherheit, falls die Idee nicht zum Durchbruch kommt.

Ich hatte den Freiraum, an der Idee zu feilen und das Projekt eigenverantwortlich voranzubringen.

Daniel Coloma Andrews

Manch einer tüftelt abgeschottet an seinem Produkt. Wie war es bei dir?
Für mich war es wertvoll, den Zugang zu einem Expertennetzwerk zu haben und mich mit Kollegen auszutauschen. An der Weiterentwicklung der Idee habe ich zusammen mit meinem Projektpartner Sebastian gearbeitet. Als Entwickler und Informatiker hat er die technische Umsetzung übernommen. Wir haben uns bei Deloitte kennengelernt und bei der Diskussion über das Projekt gemerkt, dass wir in die gleiche Richtung denken. Zum anderen haben wir viel Unterstützung vom Deloitte-Team bekommen, phasenweise hatten wir bis zu zehn Kollegen an Bord. Ihr Feedback beim Pitchen der Idee war extrem hilfreich und gab immer wieder neue Impulse. Gemeinsam haben wir dann an der Idee geschliffen, bis wir eine Software hatten, von der wir überzeugt waren, dass sie auch wirklich funktioniert. Das interdisziplinäre Know-how und die verschiedenen Erfah­rungen im Unternehmen – das ist die Chance der Garage.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
Unser Produkt liegt in einer marktreifen Betaversion vor, die wir intern getestet haben. Nun sprechen wir mit Investoren und warten ab, was die nächsten Schritte sein werden. Deloitte ist weiterhin mit an Bord. Wenn alles einen erfolgreichen Abschluss findet, wird für mich ein persönlicher Traum in Erfül­lung gehen: Dann habe ich aus dem Philosophiestudium eine Promotion gemacht, diese in die Praxis gebracht und dort ein marktfähiges Produkt gebaut.

Image by ye-h photography, www.ye-h.com