Posted: 24 May 2022

Die neue globale Dienstleistungsökonomie in der Post-Corona Wirtschaft

Der offizielle Begriff für entwickelte Länder ist Industrieländer. Allerdings trifft es das nicht ganz. Denn alle entwickelten Länder sind inzwischen Dienstleistungsgesellschaften. Ungefähr drei Viertel der Beschäftigten sind in den Industrieländern – auch in Deutschland – im Dienstleistungssektor beschäftigt. Dieser ist damit seit langem der hauptsächliche Beschäftigungsmotor und hat die sinkende Beschäftigung in der Industrie, die sich immer stärker automatisierte, mehr als ausgeglichen.

Auch der im letzten Jahrzehnt boomende Arbeitsmarkt in Deutschland geht vor allem auf die Dienstleistungssektoren zurück. Zwischen 2010 und 2018 sind in Deutschland insgesamt circa 3,8 Millionen neue Jobs entstanden. Mit fast 1,2 Millionen neuen Arbeitsplätzen hat das Sozial- und Gesundheitswesen den größten Anteil daran. Danach folgen Dienstleistungen mit Unternehmensbezug, wie etwa IT-Services, Unternehmensberatung, Arbeitsvermittlung oder Zeitarbeit. Die deutschen Vorzeige-Industrien, Auto und Maschinenbau, wuchsen zwar auch, aber deutlich schwächer. In beiden Industrien stieg die absolute Beschäftigung jeweils ungefähr halb so stark an wie bei den IT-Dienstleistungen allein, die fast 260.000 neue Jobs schufen.

 

Der kommende Wandel

 

In den 2020er Jahren werden digitale Technologien die Dienstleistungssektoren allerdings fundamental und in mehreren Dimensionen verändern. Dieser Wandel dürfte noch tiefgreifender sein als der in der Industrie. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Industrie schon sehr viel länger auf Digitalisierung und Automatisierung setzt. Der Wandel betrifft vor allem die Art, wie Dienstleistungen erbracht werden können, die zunehmende Symbiose mit industriellen Produkten, und die Entstehung neuer Geschäftsmodelle.

Makroökonomisch kann dadurch ein neues Level an Produktivitätssteigerung erreicht werden. Gleichzeitig ändert sich durch diese strukturelle Verschiebung auch die Art der Globalisierung. Ein Vorbote davon ist der Trend, dass seit der Finanzkrise, also immerhin seit mehr als einer Dekade, der Güterhandel stagniert, während der Handel mit digitalen Dienstleistungen und Ideen zum Wachstumsmotor des Welthandels geworden ist.

 

Die Technologisierung von Dienstleistungen

 

Dienstleistungen kamen lange ohne Technologie aus. Ein neues Trainingsprogramm für Fitnessstudios ist eine andere Form von Innovation als ein neues Automodell. Die Digitalisierung bringt allerdings die Technologie in den Dienstleistungssektor. Sie verändert die Art und Weise, wie Dienstleistungen erbracht werden können ebenso wie die Marktgröße. Die Vermittlung von Dienstleistungen wurde in einigen Bereichen bereits durch digitale Plattformen revolutioniert; AirBnB, Booking oder Uber sind hier nur die bekanntesten Beispiele. Allerdings kann die Digitalisierung von Dienstleistungen über die Vermittlung und das Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage auf einer Plattform deutlich hinausgehen.

Ein Beispiel ist die Physiotherapie. Ohne die persönliche Anwesenheit des Patienten in der Praxis und ohne Anleitung sind Therapien in Eigenregie des Patienten kaum möglich. Durch Gesundheits-Apps ändert sich das. Eine neue Generation von Gesundheits-Apps ermöglicht Therapien und Übungen zur Behandlung von Rückenproblemen mithilfe des Smartphones. Das Neue dabei ist, dass Künstliche Intelligenz auf dem Smartphone Übungen empfiehlt und über die Kamera überwacht, ob die Übungen korrekt ausgeführt werden und den gewünschten Effekt erzielen. Der Gang zum Physiotherapeuten wird damit durch E-Health und Smartphone ersetzt – die Therapie ist grundsätzlich für alle Betroffenen zugänglich und nicht mehr vom Angebot und der Auslastung der Physiotherapeuten abhängig. Damit potenziert sich die potenzielle Marktgröße.

Ähnliches gilt für Konzerte und Theateraufführungen. Durch das Internet und Streaming-Dienste können beide beliebig multipliziert werden. Der potenzielle Markt für Violinisten und Theaterschauspieler hat sich damit enorm erweitert und ist nicht mehr auf das Publikum vor Ort begrenzt. Dasselbe gilt auch für andere Dienstleistungen, beispielsweise im Fitnessbereich, beim virtuellen Training oder bei der Nachhilfe für Schüler.

Diese neuen Möglichkeiten können die Grenzen der Produktivität bei Dienstleistungen stark verschieben. Dies ist gesamtwirtschaftlich höchst bedeutsam, weil die Produktivität bei Dienstleistungen der Industrie aufgrund des höheren Technologie-Grades immer weit hinterhergehinkt ist. Wenn sich dies ändert, wären das sehr gute Nachrichten für das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft. Allerdings umfasst die nächste Dienstleistungsökonomie nicht nur eine Transformation der Dienstleistungen selbst, sondern ebenso neue Kombinationen mit der Industrie sowie neue Geschäftsmodelle.

 

Servicification der Industrie

 

Die Grenzen zwischen Industrie und Dienstleistungen verschwinden zunehmend. Dienstleistungen sind integraler Bestandteil von Produkten, entweder als Vorleistungen, als Aktivität innerhalb von Industrie-Unternehmen oder als Teil des Produktangebots. In den letzten Jahren ist der Anteil der Dienstleistungen, der in Produkten enthalten sind, deutlich gestiegen. Laut Internationalem Währungsfonds sind in Deutschland gute 40 Prozent der industriellen Wertschöpfung auf Dienstleistungen zurückzuführen. Wenn beispielsweise das Design aus Kundensicht ein entscheidender Differenzierungsfaktor ist, und Unternehmen deshalb mehr in Design investieren, steigt der Dienstleistungsanteil von Produkten. Der steigende Anteil von Dienstleistungen hat auch schon einen eigenen, wenn auch nicht sehr schön klingenden Namen erhalten, nämlich „Servicification der Industrie“.

Dienstleistungen im industriellen Bereich erlauben nicht nur Differenzierung für Produkte durch Marketing, Software, Installation, After-Sales Service oder Finanzierung. Bei vielen Angeboten sind die eigentlichen Produkte und die Dienstleistungen untrennbar miteinander verknüpft, und der Nutzen aus Sicht des Kunden erwächst aus genau dieser Kombination. Ein Smartphone als industrielles Produkt ist ohne einen App-Store, also eine digitale Dienstleistung, sehr viel weniger attraktiv und nicht wirklich smart. Im industriellen Bereich führt die Industrie 4.0, also die Vernetzung von Menschen, Objekten und Maschinen, zum Zusammenwachsen traditioneller Industrie mit digitalen Dienstleistungen. 

Im Extremfall der Servicification konzentriert sich das Industrieunternehmen auf Dienstleistungsfunktionen wie Design, Vertrieb und Koordinierung und lagert die eigentliche Produktion an Auftragsfertiger aus; die Produktion von Smartphones ist ein prominentes Beispiel.

 

Alles als Service

 

Die Entwicklung von Cloud-Computing und digitalen Plattformen hat zwei Geschäftsmodell-Innovationen möglich gemacht; eine engere für die Software-Industrie, eine zweite für die breitere Wirtschaft über die Sharing Economy. Cloud Technologie ermöglicht Abo-Modelle bei Software – Kauf und Installation sind nicht mehr nötig. Durch „as-a-service“ umgehen Kunden dadurch große Einmal-Investments und Betriebskosten für Software und IT-Infrastruktur. Der Markt in diesem Bereich ist im letzten Jahrzehnt förmlich explodiert. Die Umsätze mit Software-as-a-Service haben sich seit 2010 ziemlich genau verzehnfacht, und zwar auf etwas über 100 Milliarden Dollar. In den Jahren zwischen 2020 und 2022 soll der Markt laut dem Marktforscher Gartner nochmal um fast die Hälfte wachsen.

Der „as-a-Service“ Gedanke liegt auch Geschäftsmodellen außerhalb des Software-Sektors zugrunde, die Güter zu Dienstleistungen und Vermietung anstelle von Verkauf anbieten. Statt Dinge zu besitzen, werden sie nach Bedarf gemietet, was die eigentlichen Produzenten zu Zulieferern an die Dienstleister oder gleich selbst zu Dienstleistern macht. Voraussetzung dafür und der Grund, warum diese Modelle jetzt entstehen können, sind Apps oder digitale Technologien, die die User koordinieren und die Nutzung automatisch erfassen können. Ohne Apps gab es zwar Mitfahrzentralen, aber die Koordination, wer wann mit wem wohin fährt, war eine mühselige und zeitraubende Angelegenheit, sodass sie über eine Nische nicht hinauswachsen konnten. Die neuen Mobility-as-a-Service Angebote in Form von Car-Sharing oder Bike-Sharing haben dagegen eine andere Reichweite, vor allem durch die einfache Koordination der Teilnehmer.

 

Die dunkle Materie der Globalisierung

 

Dieser dreifache und strukturelle Wandel ändert nicht nur die Strukturen im Dienstleistungssektor, sondern führt zu einer neuen Form der Globalisierung. Die Globalisierung ist seit der Finanzkrise 2008 ins Stocken geraten, zumindest, wenn man ihren prominentesten Teil, den Güterhandel, betrachtet. Seit den 2010er Jahren wächst der Güterhandel nur noch im Gleichklang mit dem Wachstum der Weltwirtschaft und nicht mehr doppelt so schnell, wie das im größten Teil der Nachkriegszeit der Fall war.

Allerdings hat sich im Schatten des stagnierenden Güterhandels ein Trend entwickelt, der die nächste Dekade prägen dürfte. Die nächste Welle der Globalisierung wird von Dienstleistungen und Informationsflüssen getrieben; vor allem von digitalen Dienstleistungen, von Lizenzen, von intellektuellem Eigentum sowie dem Austausch von Daten. Die Digitalisierung hat viele Dienstleistungen grenzüberschreitend handelbar gemacht, die davor nur lokal oder national erbracht werden konnten, und diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Diese Art der Globalisierung wird oft übersehen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen dominieren Güter traditionell den Handel und man denkt in industriell geprägten Ländern wie Deutschland als erstes an Produkte wie Autos, wenn es um Handel geht. Zum anderen ist es aber mindestens ebenso wichtig, dass der Güterhandel leicht messbar ist. Wenn ein Auto über eine Grenze transportiert wird, lässt sich dies leicht erfassen und dokumentieren. Der Dienstleistungshandel ist dagegen sehr viel schwerer zu erfassen. Wenn Dienstleistungen Grenzen überschreiten, dann hinterlassen sie nicht immer Spuren. Wenn ein Anwalt aus London nach München fliegt, um einen Mandanten zu beraten, ist dies schwerer zu erfassen als wenn ein Container voll Gin denselben Weg nimmt. Nicht gerade leichter wird die Erfassung des Handels, wenn es um ein Datenpaket, einen Bauplan oder ein E-Book geht. Dienstleistungen waren von daher ein wenig wie dunkle Materie im All; vorhanden, aber schwer zugänglich und erfassbar. 

 

Digitale Dienstleistungen als Motor der Globalisierung

 

Dank Fortschritten in der statistischen Erfassung wird diese dunkle Materie aber langsam deutlich sichtbarer. Dabei zeigen sich einige Trends, die eine neue Phase der Globalisierung einläuten. Erstens steigen die Dienstleistungsexporte sehr viel schneller als die Güterexporte. Bis 2013 bewegten sich beide in weitgehendem Gleichklang, danach entwickelten sich die Dienstleistungsexporte sehr viel dynamischer. Ab Mitte der 2010er Jahre wuchs der Dienstleistungshandel mit 5,4 Prozent pro Jahr ungefähr doppelt so stark wie der Güterhandel; Dienstleistungen sind damit in den letzten Jahren zum Motor des Handels aufgestiegen.

Dahinter steckt die digitale Vernetzung der Welt, die Dienstleistungen handelbar gemacht hat, die davor nur lokal oder bestenfalls national angeboten werden konnten. Eine Vielzahl von technischen Dienstleistungen kann über das Internet erbracht werden, genauso wie viele Dienstleistungen in den Bereichen Forschung, IT oder Finanzen. Maschinen können remote über das Netz gewartet werden und E-Commerce ermöglicht Zugang zu internationalen Märkten, ohne dass Firmen direkt vor Ort präsent sein müssen. Wenn man die Handelsmuster unter diesen Gesichtspunkten aufschlüsselt, zeigt sich, dass es vor allem die digitalen Dienstleistungen sind, die das Wachstum des Welthandels treiben. 

 

Die Gewinner des digitalen Handels

 

Dieser Trend in Richtung digitalisiertem Handel hat einen sehr offensichtlichen Gewinner, nämlich Software- und Internet-Unternehmen. Software ist von Haus aus digitalisiert, lässt sich problemlos global verteilen und ist beliebig reproduzierbar. IT-Dienstleister haben ein enormes Handelswachstum in der letzten Dekade gezeigt und sind laut der Welthandelsorganisation um elf Prozent pro Jahr gewachsen.  Klassische Software, aber auch Cybersecurity und die Verlagerung von Software in die Cloud, treiben die internationalen Märkte.

Kaum geringer als im IT-Sektor war das Handelswachstum allerdings in weiteren Sektoren, die IT als Grundlage nutzen und sie mit Leben und Content füllen. Der Handel mit geistigem Eigentum ist ein wichtiges Beispiel. Gebühren für die Nutzung von Urheberrechten auf Software, Büchern und Medien gehören in diese Kategorie, ebenso wie Gebühren auf die Nutzung von Patenten, Designs oder Warenzeichen. Streaming-Dienste für Musik und Video waren in den letzten Jahren ebenfalls ein wichtiger Wachstums-Treiber in dieser Kategorie. Die US-Exporte von Software haben sich zwischen 2010 und 2017 fast verdoppelt, Exporte in der Kategorien Film, Fernsehen und Tonaufnahmen haben sich mehr als vervierfacht. Interessanterweise ist der Handel mit Rechten des geistigen Eigentums extrem auf die entwickelten Länder konzentriert, eine Situation wie es sie im Güterhandel vor dem Aufstieg Chinas gab. In diesem Bereich scheinen die entwickelten Länder sehr beträchtliche Wettbewerbsvorteile zu haben.

Ein weiterer wichtiger Bereich, der den Dienstleistungshandel treibt, sind Professional Services, also die wissensintensiven Dienstleistungen für Unternehmen, wie sie Anwaltskanzleien, Werbeagenturen, Personalberater, Management-Berater, Wirtschaftsprüfer oder Forschungs- und Ingenieursdienstleister erbringen. Der Handel mit diesen Diensten wuchs mit gut acht Prozent seit 2005 und spiegelt damit die Globalisierung der Wirtschaft wider, treibt sie aber auch gleichzeitig voran. 

 

Die künftigen Wachstumssektoren

 

Für die 2020er Jahre zeichnen sich weitere Sektoren ab, die international handelbarer werden. Gesundheit und Bildung sind hier ganz vorne dabei. In diesem Bereich kommen die Dienstleistungs-Globalisierung und demographische Trends zusammen. Durch die Alterung der Gesellschaft wird die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in den Industrieländern stark steigen. In den jüngeren Gesellschaften der aufstrebenden Volkswirtschaften wird dagegen die Nachfrage nach Bildungsdienstleistungen steigen.

Die Digitalisierung des Gesundheitssektors und digitale Medizin haben viele Facetten; von neuen Analysemethoden durch künstliche Intelligenz bis zur Möglichkeit von Operationen, die durch Roboter ausgeführt und durch einen über Bildschirm zugeschalteten Arzt überwacht werden. Etwas weniger futuristisch ist die digitale Interaktion von Arzt und Patient über Telemedizin. Aber auch dieser Wandel, der durch die Pandemie einen enormen Schub erhalten hat, kann tiefgreifend werden. Sobald Telemedizin und Online-Beratung akzeptiert und regulatorisch möglich sind, weiten sich das Spielfeld und der Markt beträchtlich aus. Es gibt ja keinen Grund, dass man sich nur von seinem Hausarzt online beraten lassen kann. Wenn man Sprachschwierigkeiten beiseitelässt – und Künstliche Intelligenz ist dabei, diese zumindest zu minimieren – kann medizinische Beratung von überall her eingeholt werden. Vor allem bei speziellen Krankheiten oder Therapien würde dies den Zugang zu Spezialisten gewaltig erleichtern.

Ähnlich verhält es sich bei der Bildung. Über Plattformen wie die Khan Academy oder Coursera können sich Schüler, Studenten und Berufstätige remote weiterbilden und haben Zugang zu den weltweit führenden Professoren. Dies mag vielleicht eher eine Ergänzung für Studierende in westlichen Ländern sein, wenn auch eine sehr wichtige; für Studierende und Schüler aus ärmeren Ländern sind digitale Angebote in vielen Fällen der einzig mögliche Zugang zu Bildung und können das Bildungsniveau deutlich anheben.

Die neuen Formen des Dienstleistungshandels können auch weitreichende Folgen für die Arbeitsmärkte haben. Der Handelsökonom Richard Baldwin sieht eine Ära der Telemigration heraufziehen, in der Dienstleistungsjobs zunehmend durch virtuelle Anwesenheit ausgeübt werden können, und zwar durch Teammitglieder, die an billigeren Standorten im Ausland arbeiten und über Telepräsenz nur virtuell vor Ort sind. Die erzwungene Gewöhnung an Remote Working durch die Corona-Krise dürfte die Akzeptanz dieser Lösungen erhöhen. Telemigration und Remote Working sind sich ähnlich, nur dass die Arbeitnehmer nicht von zu Hause im Inland, sondern aus dem Ausland arbeiten.

 

Implikationen

 

Der Aufstieg der digitalen Dienstleistungen dürfte auch das Wesen von Handelskonflikten verändern. Je offensichtlicher es wird, dass sie zum Motor des Handels geworden sind, desto mehr werden sie in den Fokus der Handelspolitik geraten. Anzeichen dafür sind bereits in Europa zu erkennen, wo das Schlagwort der technologischen Souveränität als explizites Ziel der EU Karriere gemacht hat. Ein großer Teil der technologischen Souveränität hat mit der Dominanz amerikanischer Internet-Firmen zu tun, die die Europäische Union so nicht länger akzeptieren möchte. Wie Dienstleistungen gehandelt und reguliert werden, ist dabei einer der Hauptansatzpunkte. Konflikte um den Marktzugang von digitalen Dienstleistungen, inklusive der Datenschutzregulierungen, werden uns im neuen Jahrzehnt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit begleiten. 

Politisch muss Wettbewerbsfähigkeit sehr viel breiter verstanden werden und sollte nicht ausschließlich auf die Industrie bezogen werden. Es sind die Dienstleistungsbranchen, die für den Großteil der Beschäftigung und das Wachstum verantwortlich sind und dies auch in den nächsten Jahren sein werden, während digitale und digitalisierbare Dienstleistungen entscheidende Wachstumsfelder der Globalisierung sein werden. Die künftige Wettbewerbsfähigkeit wird damit nicht allein von der Industrie abhängen, so wichtig diese auch bleibt, sondern auch von den digitalen und wissensintensiven Dienstleistungsbranchen.

Dies gilt umso mehr da im Zentrum der nächsten Welle der digitalen Ökonomie die Verbindung von digitaler und analoger Technologie stehen dürfte, wie bei Robotics, dem autonomen Fahren oder Smart Cities. Die deutsche und europäische Stärke im industriellen Know-how in diesen Themenfeldern ist hoch, der Aufholbedarf liegt bei den digitalen Inputs und Dienstleistungen, die die Systeme steuern und smart machen. Die Schaffung und Vertiefung eines integrierten europäischen Binnenmarktes für digitale Dienstleistungen würde in diesem Aufholprozess enorm helfen, um die Vorteile der riesigen und einheitlichen Märkte in China und den USA zu kompensieren; ebenso hilfreich wäre die Überprüfung von Regulierungen und Barrieren im Dienstleistungssektor, die viele europäische Unternehmen bislang einbremsen.

Welche Makro-Trends prägen die 2020er Jahre?

Lesen Sie in diesem Executive & Board Briefing, welche Makro-Trends die 2020er Jahre wirtschaftlich prägen werden.

Ausblicke auf die 7 entscheidenden ökonomischen Trends des Jahrzehnts

Das vorliegende Executive Briefing basiert auf dem Buch „Die Post-Corona-Wirtschaft – Ausblicke auf die 7 entscheidenden ökonomischen Trends des Jahrzehnts“ von Dr. Alexander Börsch, Chefökonom & Leiter Research bei Deloitte Deutschland.

Ihr Ansprechpartner

Dr. Alexander Börsch

Dr. Alexander Börsch

Chefökonom & Director Research

Dr. Alexander Börsch ist Chefökonom und Leiter Research Deloitte Deutschland. Sein Fokus liegt auf der Analyse ökonomischer Trends und ihren Auswirkungen auf Unternehmen und Unternehmensumfeld. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zu den Themen Wachstum und Konjunktur, Brexit, digitale Ökonomie sowie Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Städten und Ländern.