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Neues Zauberwort im Besteuerungsprozess: Datenmodell

Fachbeitrag: Wie Datenmodelle die Besteuerungsprozesse revolutionier(t)en

Die Standardisierung im Zuge der Digitalisierung gehört in vielen Wirtschaftsbereichen zum Alltag. Die Steuerbehörden hinkten diesem Trend bisher in vielerlei Hinsicht hinterher. Durch Entwicklungen auf globaler Ebene eröffnen sich nun aber neue Möglichkeiten. In Deutschland hat die Einführung der E-Bilanz in der Entwicklung einen großen Schub gegeben.

Datenmodelle für Jahresabschlüsse und Steuererklärungen

Je nach Steuererhebungsverfahren werden unterschiedliche Daten benötigt. Der Detailgrad variiert hier teilweise enorm. Zudem werden bestimmte Informationen zu unterschiedlichen Zeitpunkten benötigt.

In Deutschland gibt es hierfür zahlreiche Beispiele. Bei der E-Bilanz werden zunächst meist nur saldenbezogene Daten vom Steuerpflichtigen übermittelt. Detailliertere Daten auf transaktionaler Basis werden erst bei der späteren steuerlichen Prüfung durch die Finanzverwaltungen relevant.

Zur Abfrage und Übermittlung der Daten definieren die Fisci deshalb immer öfter standardisierte Datenmodelle. Diese Schemata sind mit den Konten des ERP / der Finanzbuchhaltung zu verknüpfen (Mapping). Für individuelle Anpassungen können jederzeit weitere Informationen hinzugefügt werden.

SAF-T schafft internationale Standards

Hinter dem einprägsamen Akronym SAF-T verbirgt sich die Bezeichnung „Standard Audit File for Tax“. Dieser internationale Standard legt fest, welche Buchhaltungsdaten vom Stpfl. an die Finanzverwaltung oder andere Interessenten zu übermitteln sind.

In der SAF-T Version 2.0 sind folgende Inhalte vorgesehen:

   • General Ledger (Hauptbuch)
   • Journals (Buchungsjournal)
   • Accounts Receivable (Debitorenbuch)
   • Customer Master Files (Debitorenstammdaten)
   • Invoices (Rechnungen)
   • Payments (Zahlungsanweisungen)
   • Accounts Payable (Kreditorenbuch)
   • Supplier Master Files (Kreditorenstammdaten)
   • Invoices (Rechnungen)
   • Payments (Zahlungseingänge)
   • Fixed Assets (Anlagenbuch)
   • Asset Master Files (Anlagenstammdaten)
   • Depreciation & Revaluation (Abschreibungen & Umbewertungen)
   • Inventory (Vorräte)
   • Product Master Files (Artikelstammdaten)
   • Movements (Ab- und Zugänge)

Ursprünglich wurde SAF-T nur zum Zwecke des Datenaustauschs für die Betriebsprüfung entwickelt. Seine Vorzüge wurden jedoch schnell erkannt. Mittlerweile wird der Standard in einigen europäischen Länder verwendet, um Informationen für Steuererklärungen elektronisch zu übermitteln. In Portugal, Luxemburg, Polen, Österreich und Litauen verwenden die Finanzverwaltungen den SAF-T Standard in unterschiedlicher Ausprägung.

In Portugal und Polen müssen Unternehmen bei monatlichen USt-Anmeldungen ein Register im SAF-T Format zusätzlich zur Steueranmeldung zur Verfügung stellen. Zum Herbst 2016 führt Litauen ebenfalls ein monatliches USt-Reporting auf SAF-T-Basis ein.

Zukünftig wird die Einführung eines solchen elektronischen Reportings die USt-Anmeldungen und USt-Verprobungen zusammenführen. Damit würde sie wahrscheinlich das klassische USt-Anmeldungsverfahren langfristig ersetzen.

SAF-T noch kein Thema bei deutschen Behörden

Die deutsche Finanzverwaltung plant aktuell keine Einführung des OECD SAF-T-Standards. Bei einer Digitalen Betriebsprüfung (GoBD/GDPdU) erhält sie jedoch verschiedene Datenzugriffe. Im Rahmen der Datenträgerüberlassung – sog. Z3-Zugriff – kann sie zudem relevante Informationen auf einem maschinell les- und auswertbaren Datenträger verlangen.

Im Gegensatz dazu ist das französische Datenmodell FEC in der französischen Abgabenordnung LPF (Livre de Procédures Fiscales) genau beschrieben. Dieses basiert zwar nicht auf dem SAF-T Format, enthält allerdings ebenfalls transaktionsbezogene Daten.
 

Neuer Schub aus ungeahnter Richtung: Die Rolle des BEPS-Prozesses

Auf OECD-Ebene werden derzeit viele Diskussionen bzgl. der BEPS-Initiative geführt. Zwei Punkte stehen besonders im Fokus:

  1. ETR (Exchange of Tax Rulings) - Informationsaustausch gegen schädlichen Steuerwettbewerb.
    Grenzüberschreitende Transaktionen werden häufig zur Steuerhinterziehung genutzt. Deshalb wollen sich die OECD-Staaten zukünftig über steuerliche Zusagen ggü. Steuerpflichtigen ohne vorheriges Ersuchen austauschen. Als Dateiformat einigte man sich auf den XML-Standard und entwickelte ein Datenmodell (ETR XML Schema). Dieses kann auf der OECD Website heruntergeladen werden.
  2. Country-by-Country Reporting (CbCR)
    Zur besseren Steuertransparenz einigten sich die Staaten auf die Einführung eines CbCR. Hierfür wurde analog zum ETR XML Schema ein CbC XML Schema definiert. Die CbC Reports sollen zukünftig zwischen den Finanzbehörden elektronisch ausgetauscht werden. Die Staaten erlangen so ein Verständnis über die Struktur multinationaler Konzerne. Die Daten beziehen sich zum einen auf die globale Allokation des Konzerneinkommens und entsprechende Steuerlasten. Darüber hinaus liefern sie Informationen über die Orte ökonomischer Aktivität innerhalb des Unternehmens. Die Daten werden von dem Land gesammelt, in dem die zum Reporting verpflichtete Legaleinheit ihren Sitz hat (i. d. R. Konzernzentrale). Die Behörden übermitteln die Informationen dann im CbC XML Schema den anderen betroffenen Mitgliedstaaten.
     
Globale Trends bzgl. nicht-steuerlicher Taxonomien

Zum besseren Verständnis lohnt auch ein Blick über den Tellerrand hinaus. Denn auch bei nicht-steuerlichen Datenmodellen lässt sich der Trend zu einer Automatisierung von Reporting-Prozessen erkennen. Nachfolgend einige Beispiele:

  • Hierzulande können Unternehmen ihre Bilanzen zu Pauschalpreisen an den Bundesanzeiger einreichen, wenn diese im XBRL bzw. XML-Format übermittelt werden. Somit genügen die Firmen kostengünstig der Publizitätspflicht.
  • Die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA verlangt von Versicherungen das quantitative Solvency II-Reporting zukünftig im XBRL-Format. Die EIOPA XBRL Taxonomie bezieht sich dabei auf ein Modell aus quantitativen Daten und Validierungsregeln.
  • Europäische Banken melden verschiedene Daten und Informationen an die Europäische Bankaufsicht EBA im elektronischen Datenformat XBRL.
     
Fachübergreifende Taxonomien / Standard Business Reporting

Viele Datenmodelle beinhalten gleiche oder ähnliche Daten. Eine Zusammenfassung bzw. Standardisierung liegt somit auf der Hand. Positive Folgen wären weniger Doppelarbeit und Effizienzgewinne.

Die Niederlande arbeiten bereits mit Taxonomien, die mehrere Zwecke erfüllen. Dort können Unternehmen mit der Standard Business Reporting Taxonomie (SBR) bereits die wichtigsten Steuerklärungen abbilden. Dies beinhaltet z. B. USt-Erklärung, KSt-Erklärung, ebenso wie statistische Produktions- und Investmentreports. Auch die Handelsbilanz und das Kredit-Reporting sind vom SBR eingeschlossen.
 

Ausblick

In nicht-steuerlichen Wirtschaftsbereichen sind globale Trends hinsichtlich der Datenaufbereitung und Datenmodellierung erkennbar. Die Steuerbereiche ziehen hier allmählich nach.

Langfristig bietet sich eine Integration beider Bereiche an. Hierfür sprechen z. B. die Einführung von Datenaustauschverfahren und die Definition nicht-steuerlicher Taxonomien im Banken- oder Versicherungsbereich.

Auch Unternehmen können entlastet werden. Durch stärker integrierte, einheitliche Unternehmenslösungen entstehen große Optimierungspotenziale. Das oben skizzierten Standard Business Reporting ist ein gutes Beispiel.

Positiv sind auch die neuen Auswertungsmöglichkeiten zu sehen, die durch die neuen Datenmodelle entstehen. Durch sie könnte das Steuercontrolling merklich gestrafft werden.

Autoren: Dr. Andreas Kowallik, Dr. Rainer Eismayr, Andreas Kirsch

Dieser Artikel ist angelehnt an den Beitrag „Globale Entwicklungen bei der Automation von Besteuerungsprozessen“, DER BETRIEB Beilage 04 zu Heft Nr. 47 25.11.2016, S. 40 ff.. Die Ausgabe mit dem vollständigen Beitrag können Sie hier erwerben.

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